{"id":143,"date":"2005-05-19T16:27:38","date_gmt":"2005-05-19T15:27:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=143"},"modified":"2007-02-12T12:17:52","modified_gmt":"2007-02-12T10:17:52","slug":"georg-heinzen-uwe-koch-von-der-nutzlosigkeit-erwachsen-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=143","title":{"rendered":"Georg Heinzen &#8211; Uwe Koch: Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden"},"content":{"rendered":"<p>Meine Generation (in den 50-er Jahren geboren) ist eine Zwischengeneration, die f\u00f6rmlich zwischen den St\u00fchlen existiert, zwischen 68-er und No-Future, auch Single-Generation bzw. deutsche &#8218;Generation X&#8216; genannt, oder wie es die S\u00fcddeutsche Zeitung beschreibt:<\/p>\n<p><em>&#8222;Es sind diejenigen, die &#8211; voller Pl\u00e4ne und Bildung &#8211; es einmal besser haben sollten, aber am Ende feststellen m\u00fcssen, dass die Gesellschaft gerade f\u00fcr Pl\u00e4ne und Bildung am wenigsten Verwendung zu haben scheint. [Eine] &#8230; Generation, die sich von der vorangehenden die Ideale vorkauen lie\u00df und von der nachfolgenden an Illusionslosigkeit und Durchsetzungskraft weit \u00fcbertroffen wird.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ich habe jetzt ein gemeinsames Buch von <a href=\"http:\/\/www.abovetheline.de\/version_001\/vitas\/autoren\/heinzen.htm\" target=\"_blank\">Georg Heinzen<\/a> und Uwe Koch, beides Angeh\u00f6rige meiner Generation, erneut gelesen: &#8218;<a href=\"http:\/\/www.single-generation.de\/kohorten\/heinzen_koch.htm\" target=\"_blank\">Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden<\/a>&#8218;. Das Buch ist 1985 ver\u00f6ffentlicht und wohl bis 1990 auch als Taschenbuch \u00f6fter neu aufgelegt worden, heute aber nur noch \u00fcber Antiquariate erh\u00e4ltlicht. Es handelt von einem Typen, der 1955 geboren wurde.<\/p>\n<p>Mein Lebenslauf unterscheidet sich zwar ziemlich stark von dem des Romanheldens, aber in vielem kann ich mich doch wiederfinden. Beim Lesen kamen bei mir vor allem Erinnerungen hoch, die ich so fast verdr\u00e4ngt hatte.<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich mu\u00df ohnm\u00e4chtig und kopflastig zusehen, wie sich die billigsten Ideen durchsetzen und die Verantwortungslosesten die Verantwortung tragen. &#8230; Ich belaste das soziale Netz mit meinen Forderungen, f\u00fcr die ich kaum Leistungen erbringe.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 9 der Taschenbuchausgabe rororo 1989)<\/p>\n<p><em>&#8222;Immer seltener wurde dabei gefordert, etwas Neues zu erreichen, immer h\u00e4ufiger ging es darum, etwas Neues abzuwehren. Aus der Hochschulreform, die die Studenten einmal gefordert hatten, war eine Hochsschulreform geworden, mit der die Regierung drohte.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 49)<\/p>\n<p><em>&#8222;Als abschlie\u00dfendes Reformationsgeschenk beschlo\u00df der Statt meine vorgezogene Vollj\u00e4hrigkeit. An einem ersten Januar gab er sie mir und Millionen anderen mit auf den Weg. &#8230; Nicht einmal in das juristische Erwachsenensein bin ich hineingewachsen, es wurde mir dekretiert, &#8230;&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 51)<\/p>\n<p>Mit dem 1. Januar 1975 wurde die Vollj\u00e4hrigkeit von 21 auf 18 Jahre gesenkt. Ich selbst wurde, wie viele andere meiner Generation, also &#8218;mitten im Leben&#8216; vollj\u00e4hrig (gut einem Monat vor Vollendung meines 21. Lebensjahres). <\/p>\n<p>Die 70-er Jahre waren unsere Jahre; u.a. endete da der Vietnam-Krieg. Und zum ersten Mal in der Nachkriegszeit sprach man wieder von Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p><em>&#8222;.. als die letzten amerikanischen K\u00e4mpfer in \u00fcberf\u00fcllten Helikoptern aus Saison flohen (1975), habe ich nicht daran gedacht, da\u00df diese Ereignisse auf der anderen Seite der Welt auch mein Leben ver\u00e4ndern w\u00fcrden.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 54)<\/p>\n<p><em>&#8222;Unsere Kenntnisse seien verflacht, weil zu viele sie erworben h\u00e4tten. Die Demokratisierung von Lebensm\u00f6glichkeiten sei eben zugleich ihre Entwertung. Das h\u00e4tten wir nun von unserer Chancengleichheit.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 78)<\/p>\n<p>Und es war die Zeit der <a href=\"http:\/\/www.baader-meinhof.com\/\" target=\"_blank\">RAF<\/a> (Rote Armee Fraktion), damals Baader-Meinhof-Bande genannt, die Zeit, die sp\u00e4ter die bleiernde genannt wurde.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die ganzen sozialspie\u00dfigen Motive gingen uns langsam auf die Nerven. &#8230; Alle, die einmal mitgemacht hatten, etwas zu ver\u00e4ndern, das System oder ihre Beziehung, gerieten jetzt in das Taster der Fahndung.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 79)<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Nutzlosigkeit aller Ideen war zur vorherrschenden Idee geworden.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 80)<\/p>\n<p><em>&#8222;Da wurde Freiheit f\u00fcr den Watzmann und die Verschonung der Gummib\u00e4rchen gefordert.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 81)<\/p>\n<p>Nach der Wirtschaftskrise gab es eine Zeit, die sie Wiederbelebung nannten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Krise war nur vertagt, der Krieg nur verschoben, die Verarmung hatte sich verlangsamt. Wenn das die besseren Zeiten waren, wie w\u00fcrden dann erst die schlechten sein, die noch kommen sollten?&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 85)<\/p>\n<p><em>&#8222;Den Konsumverzicht wollte ich durch Intellektualit\u00e4t ausgleichen, meine Schlichtheit durch Geschmack, meine Machtlosigkeit durch Geist.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 86)<\/p>\n<p><em>&#8222;&#8230; irgendwie war es geil, nicht mehr ganz so kritisch zu sein.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 91)<\/p>\n<p>In den 70-er Jahren hatte die Antiatombewegung (Stichwort: Brokdorf) ihren H\u00f6hepunkt. Au\u00dferdem formierte sich der Protest gegen die Stationierung der amerikanischen Mittelstreckenraketen in Deutschland.<\/p>\n<p><em>&#8222;Und w\u00e4hrend ich mich fragte, wo dieses System \u00fcberhaupt noch zu greifen sei, kamen auf VW-Bussen thronend die Entschlossenen an mir vorbeigefahren, die neue Generation des Widerstands, stolze H\u00e4uptling, vermummt und martialisch.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 97)<\/p>\n<p><em>&#8222;Das machten mir die Beweglichen vor, die fr\u00f6hlich jede Welle mitmachten &#8230; und mir h\u00f6hnisch vorf\u00fchrten, wie unwichtig meine Bildung war. Was sie verkauften, war ganz beliebig, nur neu mu\u00dfte es sein und erfolgreich. &#8230; sie hatten begriffen, da\u00df nicht mehr die Arbeit in hohem Ansehen steht, sondern das Geld.&#8220;<\/em><br \/>\n(s. 136)<\/p>\n<p><em>&#8222;Ich war wohl f\u00fcr diese Welt l\u00e4ngst verloren. War zu anspruchsvoll, um auf das Tr\u00e4umen zu verzichten &#8230; War zu bedenkenlos genug, ein paar Sklaven f\u00fcr mich schuften zu lassen, und zu nachdenklich, um selbst gro\u00df herauszukommen.&#8220;<\/em><br \/>\n(S. 148)<\/p>\n<p>Ich selbst habe die Kurve bekommen, wie man das wohl nennt, wenn man einen halbwegs ertr\u00e4glich-eintr\u00e4glichen Job hat, verheiratet und Vater von zwei Kindern ist, die mir langsam \u00fcber den Kopf wachsen (und irgendwie auch einer Zwischengeneration angeh\u00f6ren: teilweise noch No-future, dann aber schon zur digitalen Spa\u00dfgeneration geh\u00f6ren).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Generation (in den 50-er Jahren geboren) ist eine Zwischengeneration, die f\u00f6rmlich zwischen den St\u00fchlen existiert, zwischen 68-er und No-Future, auch Single-Generation bzw. deutsche &#8218;Generation X&#8216; genannt, oder wie es die S\u00fcddeutsche Zeitung beschreibt: &#8222;Es sind diejenigen, die &#8211; voller Pl\u00e4ne und Bildung &#8211; es einmal besser haben sollten, aber am Ende feststellen m\u00fcssen, dass &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=143\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Georg Heinzen &#8211; Uwe Koch: Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[18,14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}