{"id":1458,"date":"2009-02-19T00:47:21","date_gmt":"2009-02-18T22:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1458"},"modified":"2009-02-17T13:18:53","modified_gmt":"2009-02-17T11:18:53","slug":"tomatis-hortherapie-fehlende-lobby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1458","title":{"rendered":"Tomatis-H\u00f6rtherapie: fehlende Lobby"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Wir machen keine Musiktherapie, sondern eine akustische Reizstimulation&#8220;<\/em><\/p>\n<p>In meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1423\" target=\"_blank\">Meditationen \u00fcber Mozart<\/a> erw\u00e4hnte ich den Besuch bei einem Arzt, bei dem mein j\u00fcngerer Sohn an einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_A._Tomatis\" target=\"_blank\">H\u00f6rtherapie nach der Methode von Dr. Alfred Tomatis<\/a>, auch Mozart-Therapie genannt, teilnahm. Grund hierf\u00fcr war eine Krankheit meines Sohnes im Kleinkindalter, die bis heute ihre Nachwirkung in Form von Auff\u00e4lligkeiten in der auditiven Wahrnehmung zeitigt.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische HNO-Arzt Alfred Tomatis entdeckte in den 1950er Jahren, dass vor allem Mozarts fr\u00fche Werke das menschliche Gehirn auf besondere Weise anregen und dadurch eine therapeutische Wirkung hervorgerufen wird. Er entwickelte ein H\u00f6rtraining, bei dem mit Hilfe eines computergesteuerten \u201eelektronischen Ohrs\u201c gefilterte Frequenzbereiche durch spezielle Kopfh\u00f6rer wiedergegeben werden. Dabei werden die Vibrationen der Musik zus\u00e4tzlich \u00fcber die sogenannte Knochenleitung vom K\u00f6rper aufgenommen.<\/p>\n<p>Diese Form der Mozart-Therapie erwies sich als gro\u00dfer Erfolg bei Menschen mit Konzentrationsschw\u00e4chen, Angstzust\u00e4nden oder Sprachproblemen, sowie bei Schwangeren zur Vorbeugung von Fr\u00fchgeburten und bei Wachkomapatienten.<\/p>\n<p>Sogar der Schauspieler Gerard Depardieu machte dieses H\u00f6rtraining, um seine Texte besser lernen zu k\u00f6nnen. Er nannte Tomatis \u201eDr. Mozart\u201c.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/tomatis_hoertherapie.gif\" alt=\"Tomatis-H\u00f6rtherapie\" \/><\/p>\n<p>Mit Schreiben vom 9. November 2008 bat ich meine Krankenkasse um \u00dcbernahme der Kosten. Mit Schreiben vom 27.11.2008 kam (nicht gerade postwendend) die Antwort mit einer Absage. Lakonisch wurde mitgeteilt:<\/p>\n<p><em>Die <a href=\"http:\/\/www.hek.de\/\" target=\"_blank\">HEK<\/a> kann die Kosten nur f\u00fcr anerkannte Therapien \u00fcbernehmen. Die Tomatis-H\u00f6rtherapie ist nicht anerkannt. Insofern ist eine Kosten\u00fcbernahme ausgeschlossen.<\/em><\/p>\n<p>Mit Schreiben vom 3. Dezember 2008 legte ich gegen diesen Bescheid Widerspruch ein; u.a. schrieb ich:<\/p>\n<p><em>Mir ist klar, dass Sie in Ihren Entscheidungen an vertragliche Absprachen und Richtlinien gebunden sind. So \u00fcbernehmen Sie lediglich die Kosten f\u00fcr Therapien, die entsprechend diesen Richtlinien anerkannt sind.<\/em> [&#8230;]<\/p>\n<p><em>Mir sind die Vorbehalte der Schulmedizin, insbesondere die gemeinsame Stellungnahme der Gesellschaft f\u00fcr Neurop\u00e4diatrie, der ADANO (Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen), der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Phoniatrie und P\u00e4daudiologie, bekannt. Im Wesentlichen beschr\u00e4nken sich diese Vorbehalte auf fehlende Beweise f\u00fcr den Erfolg der Therapie und berufen sich auf Aussagen anderer \u00c4rzte. Eigene Belege und Untersuchungsergebnisse werden nicht vorgebracht. U.a. hei\u00dft es dort: \u201eEs kann auch nicht nachvollzogen werden, da\u00df stark gefilterte und damit verfremdete Klangqualit\u00e4ten einen spezifischen Effekt in dem geschilderten Sinne erzielen k\u00f6nnen, selbst wenn man davon ausgeht, da\u00df der offensichtlich noch erhaltene Rhythmus der klassischen Musik nicht ohne Wirkung auf den Probanden bleibt.\u201c Immerhin hei\u00dft es dort auch: \u201eRosenk\u00f6tter (1995\/96) nimmt an, da\u00df die Therapie auf die Regelkreise des Hirnstamms und der Innenohrperzeption Einflu\u00df nehme.\u201c Und \u201eDamit wird nicht unterstellt, da\u00df bei Kindern und Jugendlichen, die nach der Tomatis-Methode behandelt wurden, keinerlei (unspezifische) Effekte auftreten k\u00f6nnen.\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Alternativ w\u00e4re sicherlich eine Behandlungsma\u00dfnahme durch einen Logop\u00e4den m\u00f6glich. Ob aber eine ad\u00e4quate Behandlung erfolgreich w\u00e4re, hielten meine Frau und ich f\u00fcr fraglich, [&#8230;]. So sehe ich eine Behandlung innerhalb der analytischen H\u00f6rtherapie f\u00fcr die erfolgversprechendere.<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><em>Die Empfehlung f\u00fcr die H\u00f6rtherapie nach Dr. Tomatis kam von einer Lerntherapeutin, bei der unser Sohn Nachhilfe bekommt. Sie verwies dabei auf die nachhaltigen Erfolge dieser Therapie bei anderen Sch\u00fclern, die sie bisher betreute.<\/em><\/p>\n<p><em>In der analytischen H\u00f6rtherapie werden \u00e4hnlich einem Muskel die f\u00fcr das H\u00f6ren vorgesehenen Nerven des Gehirns gewisserma\u00dfen trainiert, indem diese in einer bestimmten Abfolge unterschiedlichen akustischen Reizen ausgesetzt werden (T\u00f6ne hoher Frequenzen dienen als Stimulans, T\u00f6ne tiefer Frequenzen zur Entspannung). Das ist eine f\u00fcr mich als Musikverst\u00e4ndigen auch logisch durchaus nachvollziehbare Behandlungsmethode. Die Behandlung erfolgt bei einem promovierten, approbierten Mediziner.<\/em><\/p>\n<p><em>Kontrolluntersuchungen zur Mitte und am Ende des ersten Behandlungsabschnitts von 15 Tage zeigen deutliche Verbesserungen sowohl beim Test der Luft- als auch der Knochenleitung. Das Unterscheidungsverm\u00f6gen unterschiedlich hoher Frequenzen ist ebenfalls klar verbessert.<\/em><\/p>\n<p>[usw.]<\/p>\n<p>Wir mussten bis zum 12.02.2009 warten, bis ein Schreiben, verfasst vom Widerspruchsausschuss der Krankenkasse, eintraf, also <strong>\u00fcber zwei Monate nach Eingabe des Widerspruchs<\/strong>, mit dem Ergebnis:<\/p>\n<p><strong><em>\u201eDem Widerspruch wird nicht stattgegeben.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Verwiesen wird dabei (jetzt etwas ausf\u00fchrlicher) auf den Leistungsrahmen, der (u.a.] in dem zwischen dem Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V. und der Kassen\u00e4rztlichen Bundesvereinigung geschlossenen Arzt-\/Ersatzkassenvertrag geregelt ist. <em>\u201eSie regelt das Spektrum der \u00e4rztlichen Leistungen abschlie\u00dfend.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In den Entscheidungsgr\u00fcnden wird u.a. folgendes ausgef\u00fchrt:<\/p>\n<p><em>Bei der Tomatis H\u00f6rkur handelt es sich um eine Methode, die der Gemeinsame Bundesausschuss bisher noch nicht bewertet hat. [&#8230;] Eine Behandlungsmethode geh\u00f6rt deshalb erst dann zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn die Erprobung abgeschlossen ist und \u00fcber die Qualit\u00e4t und Wirksamkeit der neuen Methode nachpr\u00fcfbare Aussagen gemacht werden k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/hek_mannschatz.jpg\" alt=\"Mannschatz - Vorsitzender des HEK-Widerspruchsausschusses\" \/><\/p>\n<p>Soweit hierzu (Langes Geschreibsel, kurzer Sinn): Gegen die Tomatis-H\u00f6rtherapie gibt es eine Anzahl von Einw\u00e4nden. Ob diese nun begr\u00fcndet sind oder nicht, wurde im Widerspruchsentscheid wohlwei\u00dflich nicht er\u00f6rtert (das w\u00e4re ein Thema f\u00fcr sich). Okay. Was mich aber wirklich wundert ist, dass die Tomatis-H\u00f6rtherapie bisher durch den <a href=\"http:\/\/www.g-ba.de\/\" target=\"_blank\">\u201eGemeinsamen Bundesausschuss\u201c<\/a> noch nicht bewertet wurde, so als w\u00e4re sie etwas v\u00f6llig Neues und nicht schon seit Jahrzehnten bekannt (allein <a href=\"http:\/\/www.drbeckedorf.de\/\" target=\"_blank\">der Arzt<\/a>, bei dem wir f\u00fcr unseren Sohn die Therapie durchf\u00fchren lie\u00dfen, behandelt seine Patienten hiernach seit \u00fcber 15 Jahren). Wie mir scheint, fehlt den Verfechtern dieser Therapie die geh\u00f6rige Lobby im genannten Ausschuss. Ich denke allerdings auch, dass diese eine entsprechende Erprobung nur z\u00f6gerlich betreiben.<\/p>\n<p>Wie auch immer: Die Pharmaindustrie lie\u00dfe sich kaum auf diese Art abspeisen. Jede Verz\u00f6gerung in der Erprobung f\u00fchrte zu Millionenverlusten. Dann betreibt man die Erprobung schon lieber selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir machen keine Musiktherapie, sondern eine akustische Reizstimulation&#8220; In meinem Beitrag Meditationen \u00fcber Mozart erw\u00e4hnte ich den Besuch bei einem Arzt, bei dem mein j\u00fcngerer Sohn an einer H\u00f6rtherapie nach der Methode von Dr. Alfred Tomatis, auch Mozart-Therapie genannt, teilnahm. 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