{"id":1510,"date":"2009-03-20T09:18:23","date_gmt":"2009-03-20T08:18:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1510"},"modified":"2009-03-20T09:24:02","modified_gmt":"2009-03-20T08:24:02","slug":"%e2%80%9ewie-von-einem-fremden-stern%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1510","title":{"rendered":"\u201eWie von einem fremden Stern\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Samstagabend ist bei uns meist Fernsehabend. Leider gibt es gerade am Samstagabend oft nichts Berauschendes, sodass wir auf \u00e4ltere Videos bzw. DVDs zur\u00fcckgreifen. Letzten Samstag hatte es nun auch den Anschein, als g\u00e4be es wieder einmal nur M\u00fcll im Fernsehen. Aber da war der Film \u00fcber einen Au\u00dferirdischen auf Erden, immerhin mit Jeff Bridges und Kevin Spacey \u2013 so schlecht sollte der Film also nicht sein.<\/p>\n<p>So schauten wir also den Film <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K-PAX\" target=\"_blank\">K-Pax<\/a> (USA 2002) in der Regie von Iain Softley mit Kevin Spacey als Prot und Jeff Bridges als Dr. Mark Powell. Und wir sollten es nicht bereuen. Wenn ich so etwas wie eine Top Ten f\u00fcr Filme h\u00e4tte, dann w\u00fcrde dieser Film mit Sicherheit zu diesen 10 besten Filmen z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Der Film handelt von einem Au\u00dferirdischen, ist aber kein Science-Fiction- oder sonst wie Fantasy-Film, sondern durchaus realistisch.<\/p>\n<p><em>Pl\u00f6tzlich steht er da, unrasiert, mit Sonnenbrille<\/em> (angeblich ausgeliehen bei Bono, dem S\u00e4nger von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/U2\" target=\"_blank\">U2<\/a>), <em>ein bisschen unbeholfen, ruhig, gelassen, erz\u00e4hlt den Polizisten, die auf den Bahnhof gerufen wurden, weil eine Frau \u00fcberfallen wurde, er komme von K-Pax und hei\u00dfe Prot (Kevin Spacey). Ein klarer Fall f\u00fcr die Cops, einer f\u00fcr die Psychiatrie. Prot l\u00e4sst sich widerstandslos abf\u00fchren in das Reich, \u00fcber dessen Regeln u.a. Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) wacht. Nat\u00fcrlich glaubt ihm keiner. Die Diagnose allerdings ist auch \u00e4u\u00dferst schwierig, denn Prot ist nicht nur intelligent, selbstbewusst und verh\u00e4lt sich so normal wie man sich nur normal verhalten kann. Er reagiert zudem auf eine starke Dosis eines Medikaments, das man ihm verabreicht hat, \u00fcberhaupt nicht. Die \u00c4rzte sind ratlos, diskutieren Theorien und verwerfen sie wieder. Inzwischen nimmt Prot Kontakt zu den anderen Patienten auf und gibt ihnen Ratschl\u00e4ge, wie sie wieder gesund werden k\u00f6nnten. Prot ist sympathisch, strahlt eine \u00fcberlegene Ruhe aus. Die Patienten glauben seine Geschichte und konkurrieren darum, wer von ihnen in einigen Wochen mit ihm zusammen nach K-Pax \u201ereisen\u201c darf. Denn eine Person kann Prot auf seine Licht-Reise gen Heimat mitnehmen.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/k_pax.jpg\" alt=\"K-Pax mit Jeff Bridges und Kevin Spacey\" \/><\/p>\n<p><em>Powell h\u00f6rt sich an, was Prot von seinem Planeten zu erz\u00e4hlen hat. Das klingt f\u00fcr den Arzt zwar unglaubw\u00fcrdig, weil Powell die M\u00f6glichkeit ausschlie\u00dft, dass ein Alien sich tats\u00e4chlich auf die Erde verirrt hat, aber nichtsdestotrotz in sich plausibel ist. Auf K-Pax gebe es keine Familien. Wenn jemand \u2013 per x-facher Lichtgeschwindigkeit \u2013 den Planeten verlasse, w\u00fcrde niemand ihn vermissen. Es gebe keine Kriege, keine Gewalt, und zum Alltagswissen der Einwohner auf K-Pax geh\u00f6rten Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, die auf der Erde v\u00f6llig unbekannt seien. Auch die anderen intelligenten Lebewesen im All w\u00fcssten, dass sich die Menschen gnadenlos in ihrer Zivilisation verrannt h\u00e4tten. Powell h\u00f6rt sich die Geschichten von Prot mit steigendem Interesse an. Als Prot schlie\u00dflich Wissenschaftlern die genaue Lage seines Planeten und der Galaxie aufzeichnen kann, kommen die aus dem Staunen nicht mehr heraus.<\/em><\/p>\n<p><em>Powell ist jedoch weiterhin \u00fcberzeugt, dass Prot ein Mensch ist. Er beschlie\u00dft, ihn auf eine Familienfeier mitzunehmen und genauestens zu beobachten. Prot \u00fcberrascht Powell, seine Frau Rachel (Mary McCormack) und deren Kinder mit der Feststellung, der Hund der Familie w\u00fcrde auf einem Ohr sehr schlecht h\u00f6ren, sie sollten sich deshalb nicht an ihn heranschleichen. Dann allerdings passiert das, worauf Powell gewartet hat. Als eines der Kinder die Rasensprinkleranlage bet\u00e4tigt, ger\u00e4t Prot in Panik. Hat er es doch gewusst! Powell ist entschlossen, dem vermuteten traumatischen Ereignis, das dieser Reaktion zugrunde liegen m\u00fcsse, auf den Grund zu gehen. Hypnose soll helfen. Dabei st\u00f6\u00dft Powell auf einen Mann namens Robert Porter &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eK-Pax ist ein Planet. Aber haben Sie keine Angst, ich werde nicht aus ihrer Brust herausspringen\u201c, beruhigt Prot den etwas konsternierten Erdenbewohner, der ihn unbedingt heilen will. Je mehr sich die Geschichte um diesen merkw\u00fcrdigen Mann dem Ende n\u00e4hert, desto unwichtiger wird die Frage, ob er nun Alien oder kranker Mensch ist. Prot steht in gewisser Weise f\u00fcr ein Wunder. Die Normalit\u00e4t, in der er auftaucht, wird in Frage gestellt \u2013 und das ausgerechnet in der Psychiatrie. Daf\u00fcr gen\u00fcgt es, dass Prot eine in sich plausible Geschichte erz\u00e4hlt und Kenntnisse verbreitet, die \u00fcber das hinausgehen, was seine Umgebung f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Prot verh\u00e4lt sich nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich, sieht normal aus, ist sympathisch, zuvorkommend, \u00fcber ein gewohntes Ma\u00df hinaus hilfsbereit, l\u00e4sst sich nicht aus der Ruhe bringen. Als Powell ihn auffordert, es zu unterlassen, seine Patienten therapieren zu wollen, das sei seine Aufgabe, entgegnet ihm Prot n\u00fcchtern: \u201eWarum tun sie es dann nicht?\u201c Powell ist sprachlos, zumal es einigen Patienten aufgrund des Kontakts mit Prot besser zu gehen scheint: Eine Frau verl\u00e4sst das Zimmer, das sie bisher nie verlassen hat. Ein andere Frau f\u00e4ngt wieder an zu reden. Und ein Mann, der mit Mundschutz heruml\u00e4uft, weil er \u00fcberall Vergiftetes vermutet, wagt sich aus dem Geb\u00e4ude. Mehr noch: Die Patienten sehen in Prot eine Art Erl\u00f6ser ihrer Leiden, zumindest er\u00f6ffnet er ihnen anscheinend einen Weg, zu sich selbst zu finden, mit ihren Psychosen und Neurosen besser umzugehen. Sie sehen keinen Heiland in ihm, glauben ihm einfach das, was er sagt, wo er herkommt, hoffen, dass er sie mitnimmt auf K-Pax. Als er schlie\u00dflich zur\u00fcckgekehrt zu sein scheint, sind die Dagebliebenen nicht entt\u00e4uscht, dass sie nicht mit ihm durften. Sie glauben an ihn und das, was er erz\u00e4hlt hat.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eK-Pax\u201c zeigt auf eine n\u00fcchterne, intelligente und in jeder Hinsicht ruhige Art, wie br\u00fcchig unsere Normalit\u00e4t ist. Es bedarf lediglich der richtigen Kratzer an den richtigen Stellen und alles ger\u00e4t in Unordnung, ins Wanken. Powell scheint dies einerseits zu sp\u00fcren, andererseits verf\u00e4ngt er sich in seinen gewohnten Vorstellungen, vor allem dar\u00fcber, dass es sich bei Prot um einen Menschen handeln muss. Powell zweifelt, aber er bek\u00e4mpft seine Zweifel mit dem Erlernten, dem Gewohnten, dem scheinbar sicheren Wissen. Die Patienten verhalten sich anders. Sie sind aus dieser Normalit\u00e4t \u201eherausgefallen\u201c, leiden unter Erlebnissen, die sich ihres Lebens bem\u00e4chtigt haben, greifen nach etwas, was mehr ist als nur ein Strohhalm: Sie hoffen und beginnen, wieder an sich selbst zu glauben. Nein, am Schluss werden nicht alle als geheilt entlassen. Aber so einige von ihnen sind aus einer Art Lethargie der Normalit\u00e4t erwacht. Diese drei Komponenten stehen sich gegen\u00fcber: die feste \u00dcberzeugung von der Sicherheit, die das menschliche Leben beherrschen soll, verk\u00f6rpert durch Powell, die F\u00e4higkeit, an einen Weg zu glauben und daran zu arbeiten, der die M\u00f6glichkeit impliziert, keine absolute Sicherheit bekommen zu k\u00f6nnen, und Prot, einer der viel mehr \u00fcber die Menschen zu wissen scheint, als sie selber.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eK-Pax\u201c lebt vom Spiel zwischen Jeff Bridges als selbstbewussten, souver\u00e4nen Psychiater, der keine grundlegenden Zweifel wirklich akzeptieren kann, obwohl er selbst zweifelt, und Kevin Spacey, der als Alien-Mensch grandios auftrumpft. Die Dialoge zwischen beiden geh\u00f6ren zum Besten dieses Streifens.<\/em><\/p>\n<p>aus: <a href=\"http:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/35733-K-Pax.html\" target=\"_blank\">filmstarts.de<\/a><\/p>\n<p>Zuletzt bleibt es offen, ob Prot nun tats\u00e4chlich ein Alien ist (einiges spricht daf\u00fcr) oder doch \u201anur\u2019 ein Mensch. Der Zuschauer mag sich entscheiden. Aber diese Frage spielt wahrscheinlich keine gro\u00dfe Rolle mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Samstagabend ist bei uns meist Fernsehabend. Leider gibt es gerade am Samstagabend oft nichts Berauschendes, sodass wir auf \u00e4ltere Videos bzw. DVDs zur\u00fcckgreifen. Letzten Samstag hatte es nun auch den Anschein, als g\u00e4be es wieder einmal nur M\u00fcll im Fernsehen. 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