{"id":158,"date":"2005-06-02T15:37:23","date_gmt":"2005-06-02T14:37:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=158"},"modified":"2014-12-19T09:59:08","modified_gmt":"2014-12-19T08:59:08","slug":"schottland-2005-whisky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=158","title":{"rendered":"Schottland 2005: Whisky"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/scotland.gif\" alt=\"Schottland 2005\" \/>Schottland und Whisky, vielleicht verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich wie mit Bayern und dem Bier. Bevor man eine Reise antritt, informiert man sich eingehender \u00fcber Land und Leute. Und da ich mit meinen Lieben dieses Jahr Urlaub in Schottland machen werde, habe ich mich mit gen\u00fcgend Literatur eingedeckt (Reisef\u00fchrer, Landkarten), um mir die notwendigen Informationen (nicht nur zum Reiseverlauf) zu besorgen. In einem Reisef\u00fchrer nun wurde recht ausf\u00fchrlich die Herstellung von Whisky beschrieben. Hier die Beschreibung:<\/p>\n<p>&#8222;Sieben Destillen brennen heutzutage in Dufftown das <em>Uisce Beathad<\/em>, das Wasser des Lebens &#8211; sie alle sind zu besichtigen. Und so lautet denn im Ort ein popul\u00e4rer Spruch: &#8218;<em>Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills.<\/em>&#8218; Diese <em>stills<\/em>, das sind die Brennblasen, durch die der Alkohol destilliert wird. Jede Destille im schottischen Hochland hat f\u00fcr ihre <em>pot stills<\/em> ein eigenes Design, denn lange Kondensationsh\u00e4lse (<em>condensers<\/em>) der Kessel bringen einen leichten Whisky, kurze H\u00e4lse einen schweren, \u00f6ligen Brannt hervor.<\/p>\n<p>Billiger Whisky-Fusel wird hingegen aus einer Mais-Maische in Kolonnen-Destillierger\u00e4ten (<em>patent stills<\/em>) zu Alkohol &#8218;veredelt&#8216;. Dieses Feuerwasser verschneidet (<em>blended<\/em>) man dann mit einem guten Malt, damit auch ein trinkbares Produkt dabei herauskommt.&#8220;<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/whisky-destilleries-speyside.gif\" alt=\"Whisky-Destillerien an der Speyside\" \/><\/ul>\n<p>\u00dcbersicht der Destillerien an der Speyside<\/p>\n<p>Website mit <a href=\"http:\/\/www.dcs.ed.ac.uk\/~jhb\/whisky\/scotland.html\" target=\"_blank\">\u00dcbersicht aller Whisky-Brennereien in Schottland<\/a> samt weiteren Infos (Aussprache der Namen und den Links zu den Websites der Destillerien)<\/p>\n<p>&#8222;Im Osten Schottlands, entlang des River Spey und seiner lieblichen Nebent\u00e4ler, konzentrieren sich die Destillen und brennen den echten Malz-Whisky, den <strong><em>Pure Single Malt<\/em><\/strong>. Der ist nicht vergleichbar mit den billigen Rachenputzern aus deutschen Supermarktregalen, nein, hier handelt es sich wahrhaft um das Wasser des Lebens. Der schottische Nationaldichter Robert Burns, dem Whisky hingebungsvoll zugetan (daf\u00fcr allerdings auch im Alter von 36 Jahren gestorben), jubelte \u00fcber seinen hochprozentigen Ideengeber und Durstl\u00f6scher: &#8218;<em>Oh Du, meine Muse! Guter alter schottischer Trank! Feure mich an, bis ich stammelnd und zwinkernd deinen Namen preise!<\/em>&#8218;<\/p>\n<p>1494, also immerhin vor rund 500 Jahren, wurde in Schottland zum erstenmal die Destillation von Whisky urkundlich erw\u00e4hnt. Ein gewisser Friar John Cor hatte mehrere Scheffel Gerste eingekauft, um &#8211; wie die Chronik berichtet &#8211; &#8218;<em>wherewith to make Aqua Vitae<\/em>&#8218;, daraus das hochprozentige Wasser des Lebens zu brennen.<\/p>\n<p>Die bekannteste Brennerei Schottlands ist die von Glenfiddich, einen knappen Kilometer n\u00f6rdlich vom Zentrum in Dufftown gelegen. Ein Film macht mit der Geschichte der Destille vertraut &#8211; gegr\u00fcndet 1886 und bis heute in der f\u00fcnften Generation im Familienbesitz -, dann wird man auf einer guided tour durch die Anlage gef\u00fchrt und bekommt die Herstellung des Lebenswassers erkl\u00e4rt.&#8220;<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/glenfiddich_destillery.jpg\" alt=\"Glenfiddich Destillerie\" \/><\/ul>\n<p>&#8222;Die F\u00fchrung beginnt im Maischehaus (<em>mash house<\/em>). Schon vorher ist in den Darreh\u00e4usern (<em>malt kiln<\/em>) mit ihren charakteristischen pagodenf\u00f6rmigen Kamint\u00fcrmen angefeuchtete Gerste (<em>barley<\/em>) zum M\u00e4lzen gebracht und dann \u00fcber dem Torffeuer wieder getrocknet worden. Im Maischehaus nun wird die gem\u00e4lzte Gerste gemahlen (<em>grist<\/em>) und in das hei\u00dfe Wasser der hauseigenen Robbe Dubh-Quelle ger\u00fchrt. Das hei\u00dfe Wasser l\u00f6st die Zuckerbestandteile aus dem Malzschrot, und es entsteht eine s\u00fc\u00dfe Fl\u00fcssigkeit, die Maischw\u00fcrze (<em>wort<\/em>). Diese Maischw\u00fcrze wird nun in den Bottichraum (<em>tun room<\/em>) gepumpt, und zusammen mit der hinzugegebenen Hefe (<em>yeast<\/em>) beginnt die G\u00e4rung (<em>fermentation<\/em>) in riesigen, viele tausend Liter fassenden F\u00e4ssern aus L\u00e4rchen- oder Tannenholz. Durch die Hefe wird der Zucker in Alkohol umgewandelt; im Innern der Bottiche blubbert es, auf der Oberfl\u00e4che t\u00fcrmen sich schmutzig-graue Schaumberge, und in der Luft h\u00e4ngt ein leicht ekliger s\u00fc\u00dfer Geruch. Nach einer G\u00e4rzeit von 48 Stunden hat sich eine rund sechsprozentige Alkoholfl\u00fcssigkeit gebildet, der sogenannte wash. Dieser wird nun in das Herz einer jeden Brennerei geleitet, in das stillhouse. Hier stehen die zwiebelf\u00f6rmigen kupfernen Brenndestillen (<em>pot stills<\/em>), durch die der wash zweimal destilliert wird. Dabei wird die Alkoholl\u00f6sung so lange erhitzt, bis die Fl\u00fcssigkeit verdampft, in den oberen Teil des Brennkessels aufsteigt und dann in der K\u00fchlanlage kondensiert. Durch die erste Destillation (<em>wash still<\/em>) wird der Alkohol von allen Unreinheiten getrennt. Das Destillat (<em>low wines<\/em>) l\u00e4uft nun nach seiner Abk\u00fchlung in die zweite Brennklase. Hier werden der Vorlauf (<em>foreshot<\/em>), das was zuerst destlliert wurde, und der Schwanz (<em>feints<\/em>), das was zuletzt herausl\u00e4uft, wieder zu den n\u00e4chsten erstgebrannten low wines gegeben. Nur der mittlere Teil (<em>middle cut<\/em>) dieser zweiten Destillation, das &#8218;Herzst\u00fcck&#8216;, wird vom Brennmeister (<em>stillman<\/em>) zur weiteren Reife zur\u00fcckbehalten. Glasklar flie\u00dft dieser nun ca. 63prozentige Whisky durch den zollamtlich versiegelten <em>spirit safe<\/em> (auch in Gro\u00dfbritannien kennt man eine Alkoholsteuer) und wird dann in Eichenf\u00e4sser zur Reifung (<em>maturation<\/em>) abgef\u00fcllt. Diese <em>casks<\/em> kommen in die ebenfalls wieder zollamtlich versiegelten Lagerh\u00e4user (<em>warehouses<\/em>), und dort reift der Whisky in den F\u00e4ssern ohne weiteres menschliches Zutun. Mindestens acht Jahre dauert die k\u00fcrzeste Reifezeit, viele F\u00e4sser bleiben aber 16, 25 und gar 50 Jahre unber\u00fchrt. Die etwa zweiprozentige j\u00e4hrliche Verdunstungsquote (<em>evaporation<\/em>) nennen die Brenner <em>Angel&#8217;s share<\/em>. Wenn die Brennereiarbeiter die Whisky-F\u00e4sser wieder aus dem Lagerhaus herausgerollt haben, dann wird das gereifte Destillat durch gezielte Zugabe von Wasser aus der hauseigenen Quelle auf trinkbare 43 Prozent heruntergesetzt. Die Glenfiddich Destillery ist die einzigste in Schottland, die ihren Brannt danach auch in Flaschen abf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Nach der Besichtigung gibt es nat\u00fcrlich einen <em>wee dram<\/em>, einen kleinen Schluck, mit dem man sich von der Qualit\u00e4t des Lebenswassers \u00fcberzeugen kann. Prost! oder vielmehr <strong><em>slainte!<\/em><\/strong>, wie es auf g\u00e4lisch hei\u00dft.<\/p>\n<p>Heutzutage brennen allein in Schottland an die 100 Destillen das Lebenswasser, und der gute Scotch wird in \u00fcber 190 L\u00e4nder exportiert. Damit ist Whisky eines der f\u00fcnf Hauptausfuhrg\u00fcter Gro\u00dfbritanniens. Er sp\u00fclt allj\u00e4hrlich rund zwei Millarden Pfund in die Kassen des Inselreiches. Die Alkoholstatistiker haben errechnet, da\u00df weltweit pro Sekunde 30 Flaschen Scotch den Besitzer wechseln. In den Lagerh\u00e4usern des Destillen reifen sage und schreibe zweieinhalb Milliarden Liter Whisky. Eine Flasche mit einem halben Jahrhundert alten Whisky brachte 1992 auf einer Wohlt\u00e4tigkeitsauktion in Mailand die ungeheure Summe &#8211; man glaubt es kaum &#8211; von 60.000 \u20ac ein. Wer einen gleichalten Whisky g\u00fcnstiger erstehen m\u00f6chte, wird im Londoner Nobelkaufhaus Harrod&#8217;s f\u00fcr rund \u20ac 500 f\u00fcndig. Insgesamt werden pro Jahr weltweit 955 Millionen Flaschen Scotch verkauft. Schottischer Whisky steht damit an der Spitze aller geistigen Getr\u00e4nke. Wie beliebt der schottische Pure Single Malt beim Endverbraucher ist, dokumentiert kein Land so gut wie Frankreich; dort trinken mehr Zecher Whisky als Cognac, und pro Monat geht mehr Scotch \u00fcber den Ladentisch als an Cognac in einem ganzen Jahr.<\/p>\n<p>In den strukturschwachen Regionen Schottlands sorgen die Brennereien f\u00fcr viele sichere Arbeitspl\u00e4tze. Direkt sind 15.000 Jobs mit der Whisky-Industrie verbunden, weitere 56.000 h\u00e4ngen \u00fcber Abf\u00fcllung, Verteilung und Verkauf indirekt mit dem Lebenswasser zusammen. \u00dcbrigens. Schottischen Whisky schreibt man ohne ein &#8218;e&#8216;, irischen und amerikanischen Whiskey dagegen mit.&#8220;<\/p>\n<p>aus: Hans-G\u00fcnter Semsek: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3889733468\/familiealbin-21\" target=\"_blank\">Schottland Reisef\u00fchrer (S. 92-95)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.undiscoveredscotland.co.uk\/usfeatures\/maltwhisky\/index.html\" target=\"_blank\">Making Malt Whisky<\/a> (auf englisch mit vielen weiteren Infos zu Land &#038; Leuten)<\/a><\/p>\n<p>siehe auch meine <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=211\">Chivas Regal\/Strathisla-Seite<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=158&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">Translation english<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schottland und Whisky, vielleicht verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich wie mit Bayern und dem Bier. Bevor man eine Reise antritt, informiert man sich eingehender \u00fcber Land und Leute. 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