{"id":1928,"date":"2009-07-02T00:04:29","date_gmt":"2009-07-01T22:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1928"},"modified":"2009-06-29T15:32:29","modified_gmt":"2009-06-29T13:32:29","slug":"umberto-eco-baudolino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1928","title":{"rendered":"Umberto Eco: Baudolino"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Umberto_Eco\" target=\"_blank\">Umberto Eco<\/a> (* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont) ist uns vor allem als Schriftsteller bekannt. Bis zum Herbst 2007 lehrte er an der Universit\u00e4t Bologna als Sprachwissenschaftler, genauer als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Semiotik\" target=\"_blank\">Semiotiker<\/a>. Au\u00dferdem ist Eco ein bekannter Kolumnist. Sein bekanntester Roman ist ohne Zweifel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Name_der_Rose\" target=\"_blank\">Der Name der Rose<\/a>, 1980 in Italien, 1982 in Deutschland erschienen. Der \u00e4u\u00dferen Form nach handelt es sich dabei um einen breit angelegter historischer Kriminalroman, der anno 1327 in einer italienischen Benediktinerabtei spielt. Dieser Roman wurde auch erfolgreich mit Sean Connery <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Name_der_Rose_(Film)\" target=\"_blank\">verfilmt<\/a>.<\/p>\n<p>Im Jahre 2000 erschien im italienischen Original und 2001 in der deutscher \u00dcbersetzung ein weiterer Roman von Umberto Eco, der im Mittelalter spielt: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423131381?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423131381\" target=\"_blank\">Baudolino<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423131381\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>. Im Stile eines Schelmenromans wird die Lebensgeschichte des piemontesischen Bauernjungen <a href=\"http:\/\/specials.hanser.de\/eco\/\" target=\"_blank\">Baudolino<\/a> aus der Gegend von Alessandria erz\u00e4hlt, der anno 1154 als etwa Dreizehnj\u00e4hriger von dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa adoptiert worden ist, an dessen Hof erzogen wurde, nach einem Studium in Paris zum Berater des Kaisers in italienischen Dingen aufstieg, 1189 mit dessen Heer zum Dritten Kreuzzug aufbrach, nach abenteuerlichen Reisen in den fernen Osten anno 1204 die Pl\u00fcnderung von Konstantinopel durch die Kreuzritter des Vierten Kreuzzugs miterlebte und einige Jahre sp\u00e4ter irgendwo im Orient verschollen sein soll.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baudolino\" target=\"_blank\"><strong>Baudolino<\/strong><\/a> ist wahrlich ein Schelm und beeinflusst u.a. durch seine L\u00fcgenm\u00e4rchen nachhaltig die damalige Geschichte, in deren Mitte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_I._(HRR)\" target=\"_blank\">Friedrich I. Barbarossa<\/a> steht. Nach Friedrichs Tod beschlie\u00dft Baudolino, mit seinen Freunden und Getreuen nach Osten zu ziehen, um das Reich des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Priesterk%C3%B6nig_Johannes\" target=\"_blank\">Priesters Johannes<\/a> zu finden. Diese Expedition f\u00fchrt die Gruppe in ferne Weltgegenden, die von allerlei kuriosen Menschen- und Monsterwesen bewohnt sind \u2013 ein phantastischer, teils komischer, teils anr\u00fchrender, teils dramatischer Streifzug durch die mittelalterliche Mythologie der Fabelwesen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie die Legende vom Reich des Priesters Johannes so spielt auch die Legende um den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heiliger_Gral\" target=\"_blank\">Heiligen Gral<\/a> eine wichtige Rolle in diesem Roman:<\/p>\n<p><em>Als Baudolino ihm gegen\u00fcber die Wunder des Palastes des Priesterk\u00f6nigs Johannes erw\u00e4hnte, rief er ganz aufgeregt: \u201eJa, von solch einem Schlo\u00df oder einem ganz \u00e4hnlichen habe ich auch schon in der Bretagne geh\u00f6rt! Es ist das Schlo\u00df, in dem sie den Gradal aufbewahren!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWas wei\u00dft du \u00fcber den Gradal?\u201c fragte Boron mit einem pl\u00f6tzlichen Mi\u00dftrauen, als h\u00e4tte Kyot die Hand nach etwas ausgestreckt, das ihm geh\u00f6rte.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWas wei\u00dft denn du dar\u00fcber?\u201c fragte Kyot ebenso mi\u00dftrauisch zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eHe, he\u201c, mischte sich Baudolinio ein, \u201ewie es scheint, liegt euch beiden sehr viel an diesem Gradal. Was ist das denn? Soweit ich wei\u00df, m\u00fc\u00dfte ein gradalis so etwas wie ein Napf oder eine Sch\u00fcssel sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eNapf, Sch\u00fcssel!\u201c sagte Boron mit mildem Tadel. \u201eEher ein Kelch.\u201c Dann, als entschl\u00f6sse er sich, ein Geheimnis zu l\u00fcften: \u201eIch wundere mich, da\u00df ihr noch nie davon geh\u00f6rt habt. Es ist die kostbarste Reliquie der ganzen Christenheit, der Kelch, in welchem Jesus beim Letzten Abendmahl den Wein in Blut verwandelt hat und in welchem dann <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_von_Arimathia\" target=\"_blank\">Joseph von Arimathia<\/a> das Blut aus der Seite des Gekreuzigten aufgefangen hat. Manche sagen, der Name dieses Kelches sei Saint Graal, andere sagen statt dessen Sangreal, k\u00f6nigliches Blut, denn wer ihn besitze, geh\u00f6re dadurch zu einem Geschlecht auserw\u00e4hlter Ritter, die vom selben Stamme seinen wie David und wie Unser Herr Jesus Christus.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eGraal oder Gradal?\u201c fragte der Poet, der sofort aufhorchte, wenn er von etwas h\u00f6rte, das eine Macht verleihen konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eMan wei\u00df es nicht\u201c, sagte Kyot. \u201eEinige sagen auch Grasal und ander Graalz. Und es ist nicht gesagt, da\u00df er ein Kelch ist. Die ihn gesehen haben, erinnern sich nicht an die Form, sondern wissen nur, da\u00df er ein Gegenstand war, der au\u00dfergew\u00f6hnliche Kr\u00e4fte besa\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWer hat ihn denn gesehen?\u201c fragte der Poet.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSicher die Ritter, die ihn in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Broc%C3%A9liande\" target=\"_blank\">Broceliande<\/a> h\u00fcteten. Aber auch von ihnen hat sich jede Spur verloren, ich habe nur Leute kennengelernt, die von ihm erz\u00e4hlen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEs w\u00e4re besser, wenn man von dieser Sache weniger erz\u00e4hlen w\u00fcrde und lieber versuchte, mehr dar\u00fcber zu wissen\u201c, meinte Boron. \u201edieser junge Mann war gerade in der Bretagne, und kaum hat er davon reden geh\u00f6rt, schon sieht er mich an, als wollte ich ihm etwas wegnehmen, was er gar nicht hat. So geht es allen. Man h\u00f6rt irgendwo vom Gradal reden, und schon glaubt man, man sei der einzige, der ihn finden werde. Ich war auch in der Bretagne, sogar auf den Inseln jenseits des Meeres, ich habe dort volle f\u00fcnf Jahre verbracht, ohne zu erz\u00e4hlen, nur um zu suchen &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eUnd hast du ihn gefunden?\u201c fragte Kyot.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas Problem ist nicht, den Gradal zu finden, sondern die Ritter, die wu\u00dften, wo er sich befand. Ich bin durchs Land gezogen und habe nach ihnen gefragt, aber ich bin ihnen nie begegnet. Vielleicht war ich kein Auserw\u00e4hlter. Und jetzt seht ihr mich hier zwischen alten Pergamenten w\u00fchlen in der Hoffnung, eine Spur zu entdecken, die mir beim Durchstreifen jener W\u00e4lder entgangen ist &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWas reden wir hier eigentlich vom Gradal?\u201c sagte Baudolino. \u201eWenn er sich in der Bretagne befindet oder auf jenen Inseln, braucht er uns nicht zu interessieren, denn er hat nichts mit dem Priester Johannes zu tun.\u201c Falsch, widersprach Kyot, denn wo sich das Schlo\u00df befindet, in dem der Gradal geh\u00fctet werde, sei nie recht gekl\u00e4rt worden, aber unter den vielen Geschichten, die er geh\u00f6rt habe, sei eine gewesen, nach welcher einer von jenen Rittern, ein gewisser <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feirefiz\" target=\"_blank\">Feirefiz<\/a>, ihn gefunden und dann einem seiner S\u00f6hne geschenkt habe, einem Priester, der sp\u00e4ter K\u00f6nig von Indien geworden sein solle.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eFaseleien\u201c, sagte Boron. \u201eMeinst du, ich h\u00e4tte jahrelang am falschen Ort gesucht? Wer hat dir denn die Geschichte von diesem Feirefiz erz\u00e4hlt?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eJede Geschichte kann gut sein\u201c, meinte der Poet, \u201eund wenn du Kyots Geschichte folgst, kannst du wom\u00f6glich deinen Gradal finden. Aber im Moment ist es f\u00fcr uns nicht so wichtig, ihn zu finden, sondern erst mal zu kl\u00e4ren, ob es sich lohnt, ihn mit dem Priester Johannes zu verbinden. Mein lieber Boron, wir suchen hier nicht einen Gegenstand, sondern jemanden, der \u00fcber ihn spricht.\u201c Dann wandte er sich an Baudolino: \u201eWas h\u00e4ltst du davon? Der Priester Johannes besitzt den Gradal, aus ihm bezieht er seine alles\u00fcberragende W\u00fcrde, und die k\u00f6nnte er doch auf Friedrich \u00fcbertragen, indem er ihm das Ding zum Geschenk macht!\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eUnd es k\u00f6nnte derselbe Rubinkelch sein, den der Prinz von Sarandib dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C4%81r%C5%ABn_ar-Rasch%C4%ABd\" target=\"_blank\">Harun al-Raschid<\/a> gesandt hat\u201c, regte Solomon an, wobei er vor lauter Erregung begann, durch den zahnlosen Teil seines Mundes zu pfeifen. \u201eDie Sarazenen erehren Jesus als einen gro\u00dfen Propheten, sie k\u00f6nnten den Kelch gefunden haben, und dann k\u00f6nnte Harun ihn seinerseits dem Priester geschenkt haben &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eGro\u00dfartig!\u201c sagte der Poet. \u201eDer Kelch als vorausweisendes Symbol der Wiedergewinnung dessen, was die Mauren zu Unrecht besessen hatten. Von wegen Jerusalem!\u201c<\/em><\/p>\n<p>aus Umberto Eco: Baudolino (Carl Hanser Verlag, 2001 \u2013 1. Auflage \u2013 S. 157 ff.)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/eco_baudolino.jpg\" alt=\"Umberto Eco: Baudolino\" \/><\/p>\n<p>Daneben gibt es eine \u201esch\u00f6n verr\u00fcckte Geschichte\u201c in dem Roman, die sich um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adamitische_Sprache\" target=\"_blank\">Adams Sprache<\/a> rankt. Nach Abduls Aussage, einem Gef\u00e4hrten des Baudolino, ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goidelische_Sprachen\" target=\"_blank\">das G\u00e4lische<\/a> eine Rekonstruktion der biblischen Ursprache:<\/p>\n<p><em>\u201eIch wei\u00df eine sch\u00f6n verr\u00fcckte Geschichte\u201c, sagte Abdul. \u201eMeine Mutter hat mir immer erz\u00e4hlt, da\u00df die Sprache Adams auf ihrer Insel rekonstruiert worden ist, n\u00e4mlich in Gestalt der g\u00e4lischen Sprache, die sich aus neun Wortarten zusammensetzte \u2013 Nomen, Pronomen, Verb, Adverb, Partizip, Konjunktion und so weiter -, also aus ebenso vielen wie den neun Materialien, aus denen der Turm zu Babel bestanden habe: Ton und Wasser, Wolle und Blut, Holz und Kalk, Pech, Leinen und Teer &#8230; Es seinen die zweiundsiebzig Weisen der Schule von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fenius_Farsa\" target=\"_blank\">Fenius<\/a> gewesen, welche die g\u00e4lische Sprache zusammengebastelt h\u00e4tten aus Fragmenten aller zweiundsiebzig Idiome, die nach der babylonischen Sprachverwirrung entstanden seien, und daher enthalte das G\u00e4lische die besten Elemente aus allen Sprachen und habe, genau wie die Sprache Adams, die gleiche Form wie die geschaffene Welt, so da\u00df  in ihr jeder Name das Wesen dessen ausdr\u00fccke, was er benenne.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eRabbi Solomon l\u00e4chelte nachsichtig. \u201eViele V\u00f6lker glauben, da\u00df die Sprache Adams die ihre sei, wobei sie vergessen, da\u00df Adam nur die Sprache der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tora\" target=\"_blank\">Torah<\/a> sprechen konnte, nicht die jener B\u00fccher, die von falschen und l\u00fcgnerischen G\u00f6ttern erz\u00e4hlen. Den zweiundsiebzig Sprachen, die nach der Verwirrung entstanden sind, fehlen grundlegende Buchstaben. So kennen die Gojim beispielsweise nicht das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chet\" target=\"_blank\">Het<\/a>, und die Araber haben kein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pe\" target=\"_blank\">Peh<\/a>, und deswegen \u00e4hneln manche Sprachen dem Grunzen der Schweine, andere dem Kr\u00e4chzen der Fr\u00f6sche oder dem Kreischen der Kraniche, und das sind genau die Sprachen von V\u00f6lkern, welche die richtige Lebensf\u00fchrung aufgegeben haben. Dennoch stand die urspr\u00fcngliche Torah im Moment der Sch\u00f6pfung vor dem Angesicht des Allerh\u00f6chsten, heilig sei immerdar der Gesegnete, geschrieben wie schwarzes Feuer auf wei\u00dfem Feuer, in einer Ordnung, die nicht die der geschriebenen Torah ist, wie wir sie heute lesen, und die sich erst nach dem S\u00fcndenfall Adams manifestiert hat. Deshalb verbringe ich jede Nacht Stunden und Stunden damit, in gro\u00dfer Konzentration die Lettern der geschriebenen Torah zu buchstabieren, um sie zu verr\u00fchren und kreisen zu lassen wie das Rad einer Windm\u00fchle und daraus wiedererstehen zu lassen die urspr\u00fcngliche Ordnung der ewigen Torah, die vor der Sch\u00f6pfung bestand und \u00fcbergeben wurde den Engeln des Allerh\u00f6chsten, gesegnet sei der Heilige immerdar. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>aus Umberto Eco: Baudolino (Carl Hanser Verlag, 2001 \u2013 1. Auflage \u2013 S. 150 f.)<\/p>\n<p>Auf der Suche nach dem Reich des Priesters Johannes landet Baudolino mit seinen Freunden und Getreuen in der Stadt Pndapetzim, in der in sch\u00f6nster Eintracht, aber theologischer Zwietracht (hier lernen wir viele der so genannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%A4resie\" target=\"_blank\">H\u00e4resien<\/a> des Mittelalters kennen) ein multikulturelle V\u00f6lkergewimmel lebt. Die Stadt wird von dem \u201eDiakon Johannes\u201c, der als Stellvertreter des Priesters Johannes \u00fcber Pndapetzim herrscht, regiert. Hier verliebt sich Baudolino unsterblich in eine feenhafte Jungfrau namens <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hypatia\" target=\"_blank\">Hypatia<\/a>, die ihn nicht nur in eine ganz neue Art von Liebe, sondern auch in die Grundz\u00fcge der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gnosis\" target=\"_blank\">gnostischen<\/a> Weltsicht und Gottesvorstellung einf\u00fchrt. Der Gnosis entsprechend wird die materielle Welt als b\u00f6se Sch\u00f6pfung eines eigenen Sch\u00f6pfergottes (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Demiurg\" target=\"_blank\">Demiurg<\/a>) angesehen, mithin auch der K\u00f6rper negativ beurteilt wird. Von diesem Demiurgen wird ein vollkommen jenseitiger, oberster Gott unterschieden, vom dem ein g\u00f6ttliches Element stammt, welches als g\u00f6ttlicher Funke im Menschen schlummert und in der materiellen Welt \u201efremd\u201c ist. Dieser verborgene Funke muss vom Menschen erkannt werden, um nicht der materiellen Welt verhaftet zu bleiben.<\/p>\n<p>Baudolino stammt wie sein Autor aus Alessandria im Piemont. Den ersten Teil seiner Lebensgeschichte schreibt er noch selbst. Alles weitere erz\u00e4hlt er dem byzantinischen Historiker und hohen Beamten Niketas Choniates, den er aus den H\u00e4nden marodierender fr\u00e4nkischer Kreuzfahrer gerettet hatte. <\/p>\n<p>Eco l\u00e4sst den Roman mit einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Metafiktion\" target=\"_blank\">metafiktionalen<\/a> Kommentar enden, wenn er dem (historisch verb\u00fcrgten) Geschichtsschreiber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niketas_Choniates\" target=\"_blank\">Niketas Choniates<\/a> folgenden Schlussdialog mit einem erfundenen Freund in den Mund legt: <\/p>\n<p><em>&#8222;Es war eine sch\u00f6ne Geschichte. Schade, dass sie nun niemand erf\u00e4hrt.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Glaub nicht, du w\u00e4rst der einzige Geschichtenverfasser in dieser Welt. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird sie jemand erz\u00e4hlen, der noch verlogener ist als Baudolino.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das sollte Umberto Eco sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umberto Eco (* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont) ist uns vor allem als Schriftsteller bekannt. Bis zum Herbst 2007 lehrte er an der Universit\u00e4t Bologna als Sprachwissenschaftler, genauer als Semiotiker. Au\u00dferdem ist Eco ein bekannter Kolumnist. Sein bekanntester Roman ist ohne Zweifel Der Name der Rose, 1980 in Italien, 1982 in Deutschland erschienen. 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