{"id":2578,"date":"2010-01-12T00:01:10","date_gmt":"2010-01-11T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=2578"},"modified":"2010-01-11T11:14:01","modified_gmt":"2010-01-11T10:14:01","slug":"publikumsbeschimpfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=2578","title":{"rendered":"Publikumsbeschimpfung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Publikumsbeschimpfung\" target=\"_blank\">Publikumsbeschimpfung<\/a> ist eigentlich ein Sprechst\u00fcck in einem Akt von Peter Handke. Aber lange vor Handke gab es einen Autoren, der uns heute als Philosoph bekannt sein sollte, der bereits \u201edas Publikum\u201c beschimpfte: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/S%C3%B8ren_Kierkegaard\" target=\"_blank\">S\u00f8ren Kierkegaard<\/a> (* 5. Mai 1813 in Kopenhagen; \u2020 11. November 1855 ebenda). Bekannt wurde Kierkegaard durch sein Werk <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Entweder_%E2%80%93_Oder\" target=\"_blank\">Entweder \u2013 Oder<\/a>.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/soeren_kierkegaard.jpg\" alt=\"S\u00f6ren Kierkegaard\" \/><\/p>\n<p>Kierkegaard ist uns heute als radikaler Verfechter des Individualismus und als Vorreiter des Existenzialismus bekannt. Dabei wird allerdings oft verkannt, dass er den Individualismus in Bezug auf das Christentum verstand. Er sah im Individuum, im einzelnen Menschen ein Selbst, dem nur von Gott als dem Unendlichen Existenz zukommt. Nur der Einzelne kann zu Gott finden. Das Ziel des religi\u00f6sen Menschen ist es, in ein existenzielles Verh\u00e4ltnis zu Gott zu treten. Dies kann allein im Glauben geschehen. Gott als der Absolute ist nicht der Kausalit\u00e4t der Welt unterworfen und entzieht sich daher als der Unbekannte dem menschlichen Verstand, er ist rational nicht erkennbar.<\/p>\n<p>Aber ich bin thematisch schon \u00fcbers Ziel hinausgeschossen. Vor vielen Jahren habe ich mir einmal ein Buch mit einer Auswahl aus dem Gesamtwerk von S\u00f8ren Kierkegaard zugelegt. Da ich immer wieder \u00fcber seinen Namen gestolpert war, wollte ich auch etwas von ihm lesen. Aber erst jetzt habe ich mich ausgerafft, um dieses gut 400 Seiten umfassende Buch zu lesen. Dabei bin ich zun\u00e4chst \u00fcber den Begriff des Publikums gestolpert. Kierkegaard schreibt:<\/p>\n<p><em>(Es) &#8230; mu\u00df erst einmal ein Phantom zuwege gebracht werden, &#8230; eine ungeheuerliche Abstraktion, ein allumfassendes Etwas, welches Nichts ist, eine Luftspiegelung \u2013 dies Phantom hei\u00dft <strong>Publikum<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Kierkegaard verbindet dieses Phantom mit der Presse. Heute k\u00f6nnte man allgemein von den Medien sprechen (also Presse samt Fernsehen, Internet usw.). Das Publikum gibt es eigentlich f\u00fcr ihn nicht. Es ist keine Versammlung, kein Verein, keine Gruppe. Es ist eine Abstraktion, in deren Namen Meinung gemacht wird:<\/p>\n<p><em>F\u00fcnfundzwanzig Unterschriften unter das t\u00f6richtste Zeug sind eine Meinung; des vorz\u00fcglichsten Kopfes gr\u00fcndlichst durchdachte Meinung ist ein Paradox.<\/em><\/p>\n<p>Man sp\u00fcrt, woher der Wind weht. Und ich frage mich, was heute anders ist als vor \u00fcber 150 Jahren. Auch heute wird gewusst Meinungsmache betrieben, und man stellt dabei ein Publikum in den Mittelpunkt, das es so in aller Verallgemeinerung gar nicht gibt. Auch heute werden Redensarten zu Weisheiten, indem man sie nur oft genug dem Publikum wiederholt. Eine imagin\u00e4re Masse wird so zum Repr\u00e4sentanten einer angeblich allgemeing\u00fcltigen Meinung erhoben. Dabei gibt es weder dieses \u201ePublikum\u201c, noch kann von einer allgemeinen G\u00fcltigkeit einer solchen Phrase gesprochen werden.<\/p>\n<p>Ich kann mich dieser Kierkegaard\u2019schen Publikumsbeschimpfung nur anschlie\u00dfen, obwohl es eigentlich keine Beschimpfung eines Publikums ist, sondern die von Politikern und Medienmachern, die uns ihre Meinungen als die unseren verkaufen wollen.<\/p>\n<p>Siehe auch: Text von <a href=\"http:\/\/www.textlog.de\/kierkegaard-oder.html\" target=\"_blank\">Kierkegaards \u201eEntweder\/Oder\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Publikumsbeschimpfung ist eigentlich ein Sprechst\u00fcck in einem Akt von Peter Handke. Aber lange vor Handke gab es einen Autoren, der uns heute als Philosoph bekannt sein sollte, der bereits \u201edas Publikum\u201c beschimpfte: S\u00f8ren Kierkegaard (* 5. Mai 1813 in Kopenhagen; \u2020 11. November 1855 ebenda). Bekannt wurde Kierkegaard durch sein Werk Entweder \u2013 Oder. 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