{"id":2736,"date":"2010-02-19T00:01:38","date_gmt":"2010-02-18T23:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=2736"},"modified":"2010-02-18T16:54:30","modified_gmt":"2010-02-18T15:54:30","slug":"peter-gabriel-scratch-my-back","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=2736","title":{"rendered":"Peter Gabriel: Scratch My Back"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die Herren Rockmusiker in die Jahre kommen, dann tun sie sich zunehmend schwer und versuchen sich immer wieder selbst neu zu erfinden. So <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ian_Anderson\" target=\"_blank\">Ian Anderson<\/a> von der Gruppe <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?cat=9\" target=\"_blank\">Jethro Tull<\/a>, der von Konzert zu Konzert eilt, was seiner Stimme aber \u2013 wie <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?cat=43\" target=\"_blank\">hier an anderer Stelle<\/a> ausreichend diskutiert \u2013 nicht gerade gut tut. \u00c4hnlich konzertw\u00fctig zeigt sich auch ein anderer Heroe der Rockmusik: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Gabriel\" target=\"_blank\">Peter Gabriel<\/a>, der in diesen Tagen 60 Jahre alt wurde. W\u00e4hrend Gabriels Stimme zwar rau klingt, aber nicht so \u201aneben sich liegt\u2019 wie bei Anderson, zeigen beide Musiker erstaunlich viele Parallelen auf: Beide sind oder waren Frontmann und Gr\u00fcndungsmitglied bekannter Progressive-Rock-Bands, und beide haben sp\u00e4terhin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltmusik\" target=\"_blank\">traditionelle, nichtwestliche Musikformen<\/a> in ihre Kompositionen einflie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Ian Anderson schon fr\u00fch auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Crossover_(Musik)\" target=\"_blank\">\u00dcberschneidungen<\/a> der eigenen Musik mit der klassischen Musik beschritt (A Classic Case von 1985, 1993 und 2008 wiederver\u00f6ffentlicht unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000H4VXUU?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B000H4VXUU\" target=\"_blank\">The London Symphony Orchestra Plays Jethro Tull<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B000H4VXUU\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> unter der Leitung des Ex-Mitglieds David Palmer \u2013 oder <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0009ENFWM?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B0009ENFWM\" target=\"_blank\">Ian Anderson Plays the Orchestral Jethro Tull<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B0009ENFWM\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> von 2005) feiert Peter Gabriel seinen 60sten Geburtstag mit der Ver\u00f6ffentlichung der CD <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B002ZCJBGK?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B002ZCJBGK\" target=\"_blank\"><strong>Scratch My Back<\/strong> (Special Edition)<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B002ZCJBGK\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> &#8211; Lieder im klassischen Gewand \u2013 wenn auch nicht die eigenen.<\/p>\n<p>Eigentlich geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.petergabriel.com\/\" target=\"_blank\">Peter Gabriel<\/a> nicht zu den Musikern, die die Lieder anderer covern. Aber auf dieser neuen CD ist nicht ein Lied aus der eigenen Feder. Wer nun denkt, Gabriel covert hier nur oder versucht die Lieder anderer \u201aneu zu interpretieren\u2019, der kennt Gabriel nicht: Er dekonstruiert die Vorlagen teilweise bis zur Unkenntlichkeit und formt sie zu v\u00f6llig neuen Klanggebilden. Und weil es sich ein Gabriel niemals einfach macht, gab\u2019s obendrauf noch die Pr\u00e4misse, dass keine Gitarren und kein Schlagzeug verwendet werden durften. Daf\u00fcr gestattete sich der Engl\u00e4nder zum Teil \u00fcppige Orchesterbegleitungen. Schon der Opener \u201eHeroes\u201c (von David Bowie) offenbart eindringlich, dass Peter Gabriel \u00fcberhaupt kein Interesse an einer dem Original angemessenen Neufassung hatte. <\/p>\n<p>Bowies ebenso energische wie letztlich romantische Vision vom Widerstand gegen Stacheldraht und Mauer in Ostberlin wird bei Gabriel zum wehm\u00fctigen Abgesang an den Sturm und Drang der Jugend. Hier singt ein alter, vom Leben schwer gezeichneter Mann von einstigen schw\u00e4rmerischen Illusionen. Er kann sich noch daran erinnern, aber diese Zeiten sind wie eben auch bei Ian Anderson l\u00e4ngst vergangen.<\/p>\n<p>Seine Vergangenheit, die ihn von Art- und Progressiv-Rock zu Pop und World Music f\u00fchrte, spielt so auf dieser Scheibe auch kaum eine Rolle. \u201eScratch My Back\u201c wurde mit verschiedenen Ch\u00f6ren und Orchestern eingespielt, wobei sich Gabriel beim Arrangieren seiner sehr pers\u00f6nlichen Versionen unter anderem von John Metcalfe (The Durutti Column) unterst\u00fctzen lie\u00df. Zum Schmunzeln ist der Titel, denn Gabriel dreht den Ausspruch \u201eYou scratch my back and I&#8217;ll scratch yours\u201c um \u2013 etwas einseitig als \u201eEine Hand w\u00e4scht die andere\u201c zu \u00fcbersetzen-, ist doch geplant, dass alle hier gecoverten Gruppen bzw. Solok\u00fcnstler sich nun mit Covern aus Gabriels Fundus revanchieren wollen. Die schwerm\u00fctig und getragenen, manchmal dramatischen Lieder in Moll, in den die Streicher Trauer tragen, sind jedenfalls sehr eigenwillig und gelungen. Mit seiner pr\u00e4gnanten Stimme entf\u00fchrt Peter Gabriel die St\u00fccke <\/p>\n<p><em>\u201eHeroes\u201c (David Bowie)<br \/>\n\u201eThe Boy In The Bubble\u201c (Paul Simon)<br \/>\n\u201eMirrorball\u201c (Elbow)<br \/>\n\u201eFlume\u201c (Bon Iver)<br \/>\n\u201eListening Wind\u201c (Talking Heads)<br \/>\n\u201eThe Power Of The Heart\u201c (Lou Reed)<br \/>\n\u201eMy Body Is A Cage\u201d (Arcade Fire)<br \/>\n\u201eThe Book Of Love\u201d (Magnetic Fields)<br \/>\n\u201eI Think It\u2019s Going To Rain Today\u201d (Randy Newman)<br \/>\n\u201eApr\u00e8s Moi\u201d (Regina Spektor)<br \/>\n\u201ePhiladelphia\u201d (Neil Young)<br \/>\nund \u201eStreet Spirit (Fade Out)\u201d von Radiohead <\/em><\/p>\n<p>in eine sehr emotionale, sehr pers\u00f6nliche Welt. Einen einzelnen Song herauszunehmen, hie\u00dfe das Ganze auseinander zu rei\u00dfen, denn das Album mit seinen stark kontrastierten Versionen kennt kaum H\u00f6hen und Tiefen, es ist ein Werk im Fluss.<\/p>\n<p>Obwohl ich nie ein gro\u00dfer Fan von Genesis und Peter Gabriel war und bin, so gef\u00e4llt mir diese CD doch ausgesprochen gut. Ich muss gestehen, dass ich nur wenige der Originalfassungen der Lieder kenne und so schlecht vergleichen kann. Aber das ist auch gar nicht n\u00f6tig. Die \u201edekonstruierten\u201c Fassungen von Gabriel klingen f\u00fcr sich:<\/p>\n<p><object width=\"425\" height=\"344\"><param name=\"movie\" value=\"https:\/\/www.youtube.com\/v\/orPMvhW9-lg&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"https:\/\/www.youtube.com\/v\/orPMvhW9-lg&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"425\" height=\"344\"><\/embed><\/object><br \/>\nPeter Gabriel -Heroes (David Bowie)<\/p>\n<p>Weitere Lieder: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=B-0GOn0A_xw\" target=\"_blank\">Peter Gabriel &#8211; Listening Wind (Talking Heads)<\/a> &#8212; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Xe1dBlyjyyA\" target=\"_blank\">Peter Gabriel &#8211; The Book Of Love (Magnetic Fields)<\/a> &#8212; alle weiteren Lieder siehe YouTube-Account von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/JonasOceansize\" target=\"_blank\">JonasOceansize<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Herren Rockmusiker in die Jahre kommen, dann tun sie sich zunehmend schwer und versuchen sich immer wieder selbst neu zu erfinden. 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