{"id":284,"date":"2005-11-06T10:00:47","date_gmt":"2005-11-06T09:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=284"},"modified":"2005-11-03T08:26:14","modified_gmt":"2005-11-03T07:26:14","slug":"alfred-lichtenstein-die-dammerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=284","title":{"rendered":"Alfred Lichtenstein: Die D\u00e4mmerung"},"content":{"rendered":"<p>Der <strong>November<\/strong> ist ein Monat der Hochnebel; Landschaften und St\u00e4dte liegen grau in grau, meist windstill, unter einer dichten Dunstglocke. Ein Monat des leisen Horrors und des Todes, nicht allein wegen solcher Feiertage wie Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag. F\u00fcr viele ist es eine Zeit der Depressionen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren gab es bei <a href=\"http:\/\/www.zweitausendeins.de\/\" target=\"_blank\">Zweitausendeins<\/a>, einem Bestellbuchladen (und f\u00fcr vieles mehr), eine siebenb\u00e4ndige D\u00fcnndruckausgabe der ersten zwanzig Jahrg\u00e4nge (mit 1954 beginnend, meinem Geburtsjahr) von <a href=\"http:\/\/www.hanser.de\/literatur\/akzente.asp\" target=\"_blank\">Akzente &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Literatur<\/a> (damals noch Zeitschrift f\u00fcr Dichtung) &#8211; \u00fcber 11.000 Seiten umfassend f\u00fcr einen Spottpreis. Die Zeitschrift Akzente ist wohl die bedeutendste Literaturzusammenfassung in deutscher Sprache. Alles was Rang und Namen in der deutschen Literatur hat und hatte (oder auch nicht), hat hier irgendwann einmal einen Beitrag ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Erst in letzter Zeit bin dazu gekommen, die B\u00e4nde von Anfang an zu lesen. Bisher hatte ich nur von Zeit zu Zeit darin gebl\u00e4ttert. F\u00fcr dieses Jahr habe ich mir den Jahrgang 1955 vorgenommen. Es ist schon interessant zu lesen, was und wer vor genau 50 Jahren literarisch im Rampenlicht stand. Hier finden sich z.B. schon Beitr\u00e4ge von G\u00fcnter Grass und Martin Walser  aber auch noch von Thomas Mann und Hermann Hesse, die damals noch lebten. Thomas Mann schrieb \u00fcber Friedrich Schiller, denn auch 1955 war Schiller-Jahr.<\/p>\n<p>Ziemlich am Schluss des Jahresbandes fand ich dann einen Essay \u00fcber Alfred Lichtenstein und darin das unten aufgef\u00fchrte Gedicht. Es beschreibt <em>Bewegungen, die in knappen St\u00f6\u00dfen sich unvermittelt aneinanderstellen. Die peinliche Genauigkeit des Bildes, ironische Pedanterie in einem Vergleich verst\u00e4rkt den Eindruck monotoner Schilderei<\/em>, wie Herbert Heckmann, der Autor des Essays, schreibt.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/alfred_lichtenstein.gif\" alt=\"Alfred Lichtenstein\" \/><\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3716020893\/familiealbin-21\" target=\"_blank\">Die D\u00e4mmerung<\/a><\/p>\n<p><em>Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.<br \/>\nDer Wind hat sich in einem Baum gefangen.<br \/>\nDer Himmel sieht verbummelt aus und bleich,<br \/>\nAls w\u00e4re ihm die Schminke ausgegangen.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf langen Kr\u00fccken schief herabgeb\u00fcckt<br \/>\nUnd schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.<br \/>\nEin blonder Dichter wird vieleicht verr\u00fcckt.<br \/>\nEin Pferdchen stolpert \u00fcber eine Dame.<\/em><\/p>\n<p><em>An einem Fenster klebt ein fetter Mann.<br \/>\nEin J\u00fcngling will ein weiches Weib besuchen.<br \/>\nEin grauer Clown zieht sich die Stiefel an.<br \/>\nEin Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.<\/em><\/p>\n<p>Herbert Heckmann in Akzente 1955, Heft 5 schreibt u.a. erl\u00e4uternd weiter:<\/p>\n<p><em>Die Wirklichkeit zeigt sich in den Scherben eines Augenblickes. Das Eindeutige verwirrt sich im Netz seiner Beziehungen. &#8230; Lichtenstein hat nicht die Absicht, eine real denkbare Landschaft zu geben: naturalistische Schilderei liegt ihm genau so fern wie eine symbolische Vertiefung.<\/em><\/p>\n<p><strong>November<\/strong> &#8211; Monat tagelanger D\u00e4mmerung, der Monotonie. Irgendwie finde ich das Gedicht sehr passend zu diesem Monat.<\/p>\n<p>weitere Gedichte von <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/lichtens\/gedichte\/Druckversion_0htmldir.htm\" target=\"_blank\">Alfred Lichtenstein<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der November ist ein Monat der Hochnebel; Landschaften und St\u00e4dte liegen grau in grau, meist windstill, unter einer dichten Dunstglocke. Ein Monat des leisen Horrors und des Todes, nicht allein wegen solcher Feiertage wie Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag. F\u00fcr viele ist es eine Zeit der Depressionen. 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