{"id":299,"date":"2005-11-25T14:00:01","date_gmt":"2005-11-25T13:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=299"},"modified":"2009-12-08T07:40:35","modified_gmt":"2009-12-08T06:40:35","slug":"eine-weihnachtsgeschichte-zuviel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=299","title":{"rendered":"Eine Weihnachtsgeschichte (zuviel)"},"content":{"rendered":"<p><em>Mit Beginn dieser Woche beginnt nun auch &#8218;offiziell&#8216; die Weihnachts- bzw. Vorweihnachtszeit. Alles Volkstraurige, Geb\u00fc\u00dfe und Totsonnt\u00e4gliche haben wir hinter uns gelassen, um verst\u00e4rkt an Weihnachtsgeschenke zu denken, Kekse zu backen (die zu Weihnachten oder danach, da geh\u00e4rtet, ungenie\u00dfbar sein werden) und alles in Weihrauch- und Kerzengestank zu ertr\u00e4nken.<\/em><\/p>\n<p><em>Es muss die Zeit vor drei\u00dfig und mehr Jahren gewesen sein, als ich folgende Weihnachtsgeschichte zu Papier brachte (an elektronische Medien war noch nicht zu denken), also die Zeit (eher kurz darauf), in der ich mit meinem Kumpel Graue den &#8218;Idioten&#8216; (eine unn\u00fctze, wenig gelesene Sch\u00fclerzeitschrift) herausbrachte. Alle Besinnlichkeit ignorierend hier mein sp\u00e4tpubert\u00e4res Machwerk:<\/em><\/p>\n<p>Es begab sich zu der Zeit \u2013 Schnee fiel aus allen Wolken, Herr Schnee mit der tropfenden Rotznase -, dass sich eine Menge von Mensch vorw\u00e4rts schob, um noch schnell eine Packung bestimmten Inhalts, worauf wir sp\u00e4ter zu geeigneter Zeit zur\u00fcckkommen werden, zu erwerben: Die nahenden Feiertage sollten Sp\u00e4\u00dfchen bringen! Herr Schnee nun war angeekelt, dass man solch besinnliche Feiertage vor Augen zu diesen Schweinereien bereit sei, wo Kerzenlichter gl\u00fchen und der Wein auf dem Herd \u2013 brrr!<\/p>\n<p>Aber die Menge Mensch grinste nur ver\u00e4chtlich, war ihm alles egal, sogar schei\u00dfegal, dass er auf das alles pfiff: Herr Schnee r\u00fcckte endlich mit der Packung heraus, unser \u201aHeld\u2019 bezahlte und warf die T\u00fcr in den dazugeh\u00f6renden Rahmen, dass im Widerhall des dadurch entstandenen Knalls ein dicker Tropfen von Herrn Schnees Nasenspitze auf den Ladentresen platschte. Die Stimmung war dahin, auch war es Zeit: Herr Schnee verschloss die T\u00fcre und begab sich ins Hinterst\u00fcbchen, wo bereits der Tannenbaum in Flammen stand. Er holte sein M\u00e4nnlein aus der Hose, schon lange plagte ihn ein gro\u00dfer Druck, und in einem Bogen, der im Schein des brennenden B\u00e4umleins in allen Spektralfarben schimmerte, ergoss sich die Fl\u00fcssigkeit. Bald war das Feuer gel\u00f6scht, Herr Schnee ermattet \u2026 Durch sein Prostataleiden musste er stark dr\u00fccken. St\u00f6hnend sank er in einen ledernen Klubsessel und schlief augenblicklich ein.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/brennender_baum.jpg\" alt=\"Welche Freude: ein brennender Weihnachtsbaum\" \/><\/ul>\n<p>Die Menge Mensch, der wir langsam einen Namen geben wollen, vielleicht w\u00e4re Kunibert ideal, nun, Kunibert begab sich auf schnellstem Weg in seine Wohnung. Dort zog er die k\u00e4uflich erworbene Packung, die er auf dem Nachhauseweg in seiner linken Manteltasche verstaut hatte, aus dieser mit der rechten Hand heraus, legte sie auf den Tisch und grinste sich einen: Das wird ein Sp\u00e4\u00dfchen werden!<\/p>\n<p>Aber noch war es nicht an der Zeit, noch gab es anderes zu tun. Kunibert ging in die K\u00fcche, \u00f6ffnete den K\u00fchlschrank und holte einen Dreierpack Dosenbier heraus, riss die Packung auf, um gleich eines der Biere auf den Kopf zu stellen, die restlichen Dosen warf er in den K\u00fchlschrank zur\u00fcck, der unter einem Fu\u00dftritt Kuniberts \u00e4chzend ins Schloss fiel. Kunibert nahm die Dose, sch\u00fcttelte sie kr\u00e4ftig, um darauf den \u00d6ffnungsring herunterzurei\u00dfen, dass das Bier aus der Dose schoss. Schnell hielt er den Daumen auf die \u00d6ffnung, das Bier spr\u00fchte in feinen Spritzern an die Decke, wo sich bereits ein dicker br\u00e4unlich-gelber Fleck befand. In gro\u00dfen Tropfen sammelte sich das Bier und kleckerte in einem gleichbleibenden Takt auf Kunibert hernieder: So ein Duschbad tut wahrlich gut!<\/p>\n<p>Das bevorstehende Weihnachtsfest konnte selbst Kunibert nicht ganz ignorieren. F\u00fcr ihn verband es sich mit einer jahrelangen Tradition, die darin bestand, etwas zu tun, was andere nicht tun, ja, was selbst er das ganze \u00fcbrige Jahr \u00fcber nicht tat. Letztes Jahr sprang er aus dem Fenster. Da er sich dabei allerdings den rechten Fu\u00df brach, den Kopf ersch\u00fctterte und drei Z\u00e4hne herausbrach, hielt es das zu diese Weihnacht nicht gerade f\u00fcr vorteilhaft. So entschied er sich nach seinem Duschbad daf\u00fcr, \u201aeinen draufzumachen\u2019, hatte er dies das ganze Jahr nicht mehr veranstaltet. So zog er seinen daf\u00fcr speziell angefertigten Anzug an, den blauen mit den Auspolsterungen an Knien und Ellenbogen, wischte mit einem feuchten Tuch seine verstaubte Melone aus, streifte die wollenen Handschuhe \u00fcber und zog los. Zuerst trank er in der Eckkneipe ein Bier. Ohne zu zahlen entwich er durchs Klofenster und ging weiter in Richtung Innenstadt. Einer \u00e4ltlichen Frau zog er den Hut \u00fcber die Ohren, einem Blinden stahl er den Blindenhund und band diesen an die Pforte einer Kirche, wo der Hund kl\u00e4ffend nach den Besuchern der weihnachtlichen Christmesse schnappte, einem Kind ein Ohr abbiss und den elegant gekleideten Herren die Hosen zerriss. Dann zog Kunibert fr\u00f6hlich pfeifend weiter, er f\u00fchlte sich wohl, stie\u00df mit Geschenken beladene Frauen um, wobei die gepolsterten Ellenbogen beste Dienste leisteten, stellte einem Opa ein Bein, und als man ihn f\u00fcr diese Taten zur Rede zu stellen versuchte, sprang er \u00fcber eine Mauer und war verschwunden.<\/p>\n<p>Es galt, \u201aeinen draufzumachen\u2019, Kunibert \u00fcberlegte, er wollte es im wahrsten Sinne des Wortes tun. Nun hatte er aber die bei Herrn Schnee erworbene Packung zu Hause vergessen. Geschwind fegte er durch die Stra\u00dfen, war in Eile zu Hause, \u00f6ffnete die Packung, nahm einige Dragees, trank einen Schluck Wasser hinterher, legte sich aufs Sofa, verfiel in Ruhestellung und wartete, wartete und wartete.<\/p>\n<p>Die Dragees, ein namentlich hier nicht unbedingt zu erw\u00e4hnendes Abf\u00fchrmittel, begannen zu wirken. Er erl\u00f6ste sich aus seiner Ruhestellung, wobei die Beine zu entknoten waren, sprang vom Sofa auf, erbrach sich, eilte aus dem Haus, fegte erneut durch die Stra\u00dfen geschwind, bis er an der Stelle war, wo er es sich \u00fcberlegt hatte, von wegen wortw\u00f6rtlichem \u201aDraufmachen\u2019 und so.<\/p>\n<p>Allerdings wirkten die Dragees schneller als er zu laufen im Stande war. Br\u00e4unliche Masse tr\u00f6pfelte aus seinen Hosenbeinen. Er versuchte zwar angestrengt, das alles zur\u00fcckzuhalten, aber es half wenig. Endlich fand er einen Platz, wo es lohnte, sich g\u00e4nzlich zu entleeren. Er \u00f6ffnete die Hose, zog sie sich \u00fcber die Knie und \u2026<\/p>\n<p>\u2026 aber mein verehrter Leser, sind Sie nicht der gleichen Meinung mit mir, dass das alles andere als eine Weihnachtsgeschichte ist? Herr Schnee hatte schon recht, als er meinte: Schweinerei!<\/p>\n<p>Da muss doch der Schnee aus allen Wolken fallen. Und nicht nur der!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Beginn dieser Woche beginnt nun auch &#8218;offiziell&#8216; die Weihnachts- bzw. Vorweihnachtszeit. Alles Volkstraurige, Geb\u00fc\u00dfe und Totsonnt\u00e4gliche haben wir hinter uns gelassen, um verst\u00e4rkt an Weihnachtsgeschenke zu denken, Kekse zu backen (die zu Weihnachten oder danach, da geh\u00e4rtet, ungenie\u00dfbar sein werden) und alles in Weihrauch- und Kerzengestank zu ertr\u00e4nken. Es muss die Zeit vor drei\u00dfig &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=299\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine Weihnachtsgeschichte (zuviel)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23,33],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/299"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=299"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}