{"id":324,"date":"2005-12-15T00:15:23","date_gmt":"2005-12-14T23:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=324"},"modified":"2005-12-16T08:49:09","modified_gmt":"2005-12-16T07:49:09","slug":"mythos-kafka-mythos-camus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=324","title":{"rendered":"Mythos Kafka &#8211; Mythos Camus"},"content":{"rendered":"<p><em>Im Juni 1996 schrieb ich in mein <strong>analoges Homelog<\/strong> (Tagebuch nannte man das damals) den folgende Eintrag zu Kafka und Camus. Anlass war die Ver\u00f6ffentlichung von Albert Camus\u2019 \u201aDer erste Mensch\u2019, einem Roman aus seinem Nachlass:<\/em><\/p>\n<table border=\"0\" cellpadding=\"5\" cellspacing=\"0\" width=\"80%\">\n<tr>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/franz_kafka.jpg\" width=\"151\" height=\"200\" alt=\"Franz Kafka\"><\/td>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/albert_camus.jpg\" width=\"151\" height=\"200\" alt=\"Albert Camus\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">Franz Kafka<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">Albert Camus<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>In diesem Jahr habe ich ja einiges von und \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Kafka\" target=\"_blank\">Franz Kafka<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a> gelesen. Camus\u2019 (fast) biographischer Roman <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3499132737\/familiealbin-21\" target=\"_blank\">\u201eDer erste Mensch\u201c<\/a> (als Fragment) ist sicherlich h\u00f6chst interessant, aber das Bild vom \u201earmen Kind\u201c, das in \u00e4rmlichsten Verh\u00e4ltnissen aufgewachsen ist, kann ich nicht teilen. Sicherlich waren die Camus\u2019 arme Leute, seine Mutter war fast taub und konnte nicht lesen &#8211; aber man hatte doch ein Dach \u00fcber dem Kopf und ein halbwegs ausreichendes Einkommen, wenn auch m\u00fchsam erwirtschaftet, um damit die Grundbed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Da Sonne und Meer nichts kosten, konnte Albert Camus davon reichlich viel \u201ein sich\u201c aufnehmen, wie es seine B\u00fccher ja beweisen. Und gerade weil er aus diesen bescheidenen Verh\u00e4ltnissen stammte, hat er sich immer dieses Ma\u00df an Bescheidenheit bewahrt &#8211; und den Dank f\u00fcr jene, die ihm geholfen haben, seinen Weg zu finden und zu gehen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches empfinde ich auch bei <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/redirect?link_code=ur2&#038;tag=familiealbin-21&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;path=external-search%3Fsearch-type=ss%26keyword=franz%20kafka%26index=books-de\" target=\"_blank\">Franz Kafka<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&amp;l=ur2&amp;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>. Immer wird Kafka als der arme Mann aus Prag dargestellt, der gewisserma\u00dfen von der weiteren Welt abgeschnitten sein Dasein fristete. Zun\u00e4chst waren seine Verh\u00e4ltnisse (sowohl famili\u00e4r und damit dann auch finanziell) alles andere als bescheiden. Zum anderen hatte er viel Kontakt mit anderen literarischen Zeitgenossen (u.a. auch mit Rilke usw.). Seine B\u00fccher wurden ver\u00f6ffentlicht. Wenn es nicht mehr war, so lag es an Kafka selbst, der eben nicht mehr zu bieten hatte (zu Lebzeiten verkaufen sich Romanfragmente schlecht). Da\u00df seine Romane Fragmente geblieben sind (und gewisserma\u00dfen bleiben mu\u00dften), ist ein Punkt, der hier nicht zu diskutieren ist. Da\u00df Kafka aber zu Lebzeiten unbeachtet blieb, kann man nicht behaupten. Viele haben sich um sein Werk bem\u00fcht. Es war Kafka selbst, der nicht mehr \u201ehergab\u201c.<\/p>\n<p>Den ganzen Mythenkram um diese beiden (von mir gern gelesenen, ja geliebten) Autoren halte ich f\u00fcr v\u00f6llig verfehlt. Camus hat sich hinaufgearbeitet, weil er das Zeug dazu hatte. Aber seine Herkunft ist kein von Mythen umrankter Hain, auch wenn uns Algier als Deutsche wie eine exotische Landschaft erscheint. Ebenso Kafka &#8211; er war kein verkanntes Genie. Im Gegenteil: Schon zu Lebzeiten wu\u00dfte man sein hellseherisches, in klarer Prosa geschriebenes Werk zu w\u00fcrdigen (und eben nicht allein Max Brod geb\u00fchrt die Anerkennung, Kafka \u201eans Licht\u201c gehoben zu haben, wenn er sich bestimmt immer wieder so gesehen hat). Sicherlich l\u00e4\u00dft sich das Werk eines Autors nicht von seinem Leben trennen (gerade bei diesen beiden nicht). Aber viel Aufsehens um die Personen Camus und Kafka hat am Ende die Sicht auf das Werk dieser beiden eingeschr\u00e4nkt, so finde ich; z.B. wenn ich Kafka las, so schwebte \u00fcber mir und dem Buch in der Hand das Bild Kafkas als den armen Versicherungsangestellten, der im Hinterst\u00fcbchen bei bescheidenem Kerzenlicht seine Romane schreibt. Und Camus sieht man so in der noch k\u00e4rglicher beleuchteten K\u00fcche, von einer verst\u00e4ndnislos starr\u00e4ugig glotzenden Mutter und Gro\u00dfmutter umgeben, auf dem Tisch neben dem Heftchen, in das er gerade Notizen zu einem seiner Werke schreibt, die Teller mit angetrockneten Speisereste. <strong>Mythos!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni 1996 schrieb ich in mein analoges Homelog (Tagebuch nannte man das damals) den folgende Eintrag zu Kafka und Camus. 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