{"id":3439,"date":"2010-10-01T10:03:27","date_gmt":"2010-10-01T09:03:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=3439"},"modified":"2010-10-01T09:33:11","modified_gmt":"2010-10-01T08:33:11","slug":"der-witzableiter-19-von-claudias-neuen-kleidern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=3439","title":{"rendered":"Der Witzableiter (19): Von Claudias neuen Kleidern"},"content":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: (18): <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=3344\" target=\"_blank\"><strong>Den k\u00f6nnen Sie echt vergessen<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Im heutigen Teil (und auch im n\u00e4chsten) der Kolumne \u201eDer Witzableiter\u201c von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eike_Christian_Hirsch\" target=\"_blank\">Eike Christian Hirsch<\/a>, die 1984 im <a href=\"http:\/\/www.zeitmagazin.de\/\" target=\"_blank\">ZEITmagazin<\/a> erschien, geht es um Sexwitze, also um die Anz\u00fcglichkeiten, die gern die Herren der Sch\u00f6pfung hinter vorgehaltener Hand erz\u00e4hlen, um dann lauthals in Gel\u00e4chter auszubrechen. Der heutige Beitrag zeugt von einer gewissen Pr\u00fcderie, die f\u00fcr das Jahr 1984 sicherlich noch typisch war.<\/p>\n<p><em><strong>Aus dem Brief eines Logierbesuchs: \u201eIch danke Ihnen sehr, liebe gn\u00e4dige Frau, da\u00df ich wieder in ihrer Mitte haben weilen d\u00fcrfen.\u201c<\/strong> Ja, ich gestehe es gleich nach dieser Kostprobe, heute und das n\u00e4chste Mal will ich mich den Sexwitzen zuwenden. Sie sind, meist von M\u00e4nnern gemacht, oft aggressiv und kr\u00e4nken Frauen. F\u00fcr die M\u00e4nner sieht die Sache etwas anders aus. Die dr\u00fccken mit solchen Witzen zweierlei aus: ihre Gier nach dem weiblichen Geschlecht und zugleich ihren Ha\u00df und ihre Angst, zu versagen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Claudia hat ein neues Kleid. Es ist sch\u00f6n, es sitzt phantastisch und ist auch noch selbstgemacht. Sebastian ist hingerissen. Abends bei ihr zu Hause sagt er: \u201eWir haben uns nun ausgiebig \u00fcber das Kleid unterhalten, beim Essen, in der Theaterpause und dann auf der Fahrt hierher. Wollen wir das Gespr\u00e4chsthema jetzt nicht endlich einmal fallen lassen?\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Mit dieser Art Witze habe auch ich meine Schwierigkeiten, darum habe ich andere Leute zu Rate gezogen, welche Beispiele ich \u00fcberhaupt w\u00e4hlen soll. Die Meinungen gingen weit auseinander, auch zwischen Frauen. Wo f\u00fcr die einen Angst und Abscheu \u00fcberwogen, dominierte bei den anderen Testlesern noch Freude und Lust.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Die junge Schauspielerin hat in ihrer ersten Rolle nur einen Satz zu sagen. Sie mu\u00df den eintretenden Diener unwillig fragen: \u201eWas willst du schon wieder?\u201c Bei der Premiere hat sie einen unerwarteten Erfolg, als sie im Lampenfieber sagt: \u201eWas, willst du schon wieder?\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Gerade Sex-Witze jedenfalls wecken durchaus unvereinbare Gef\u00fchle, die \u2013 wie Anziehung und Absto\u00dfung \u2013 in uns heftig konkurrieren.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Der Frauenheld des Dorfes steht wegen eines Vaterschaftsprozesses vor Gericht. Die Resi ist als Zeugin geladen, ihre Freundin Zensi ist mitgegangen und wird vom Richter gefragt: \u201eHast du denn auch eine Ladung bekommen?\u201c \u201eNein\u201c, antwortet sie, \u201emich hat er nur gek\u00fc\u00dft.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Was passiert mit unseren Gef\u00fchlen , wenn ein Witz bei uns wirkt? Vor drei Wochen (<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=2782\" target=\"_blank\">Witzableiter 16<\/a>) habe ich \u00fcber das Lachen geschrieben und dabei habe ich Ihnen erz\u00e4hlt, da\u00df viele Psychologen hier <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Spencer\" target=\"_blank\">Herbert Spencers<\/a> These von 1860 folgen. Er meinte, im Lachen reagierten wir den kleinen Schrecken ab, den uns der Witz einjage. Die psychische Energie, vom Alarm mobilisiert, werde, weil \u00fcberfl\u00fcssig, abgef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Mi\u00dfmutig sagt der Ehemann zu seiner Frau: \u201eManche Frauen k\u00f6nnen eben anziehen, was sie wollen, ihnen steht einfach nichts.\u201c Da gibt sie zur\u00fcck: \u201eManche M\u00e4nner k\u00f6nnen ausziehen, was sie wollen \u2013 da ist es genauso.\u201c<\/strong> (Immerhin ein Witz, bei dem die Frau Siegerin bleibt.)<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/witzableiter_19.jpg\" alt=\"Witzableiter (19)\" \/><\/p>\n<p><em>Von einer \u201eAbfuhr\u201c spricht auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sigmund_Freud\" target=\"_blank\">Sigmund Freud<\/a>. Aber f\u00fcr ihn flie\u00dft im Witz kein Schrecken ab, sondern im Gegenteil die aufgestaute Lust. Das ist nun etwas ganz anderes, leuchtet uns aber ebenfalls ein. Der verdr\u00e4ngte Trieb wird befreit und abgef\u00fchrt. Was mir an beiden Abfuhr-Modellen von Spencer und Freud jedoch nicht ganz behagt, ist, da\u00df der Ausdruck \u201eAbfuhr\u201c nicht recht erkl\u00e4ren kann, warum im Lachen die Gef\u00fchle zun\u00e4chst einmal hochschie\u00dfen, ehe sie allm\u00e4hlich abflauen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u201eHeute nacht habe ich wundersch\u00f6n von Ihnen getr\u00e4umt\u201c, sagt der Abteilungsleiter zu der neuen Kollegin. \u201eO\u201c, sagt sie k\u00fchl, \u201ehaben Sie?\u201c \u201eNein\u201c, meint er bedauernd, \u201eich bin vorher aufgewacht.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Um das Hochschie\u00dfen der Gef\u00fchle erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, sollte man Spencer und Freud kombinieren. Ich meine, der Witz weckt sowohl Angst wie Lust. Beides! Nur weil er beide Gef\u00fchle, die sich gew\u00f6hnlich gegenseitig blockieren, zugleich weckt, kommt es zu diesem explosiven Aufschaukeln.<\/em><\/p>\n<p><em>Angst und Lust jagen sich gegenseitig hoch. Zwischen ihnen entsteht eine<\/em> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Positive_R%C3%BCckkopplung\" target=\"_blank\">\u201epositive R\u00fcckkopplung\u201c<\/a>. <em>Diesen Begriff \u00fcbernehme ich aus der Systemtheorie und der Nachrichtentechnik. Gemeint ist damit die R\u00fcckwirkung der Ausgangs- auf die Eingangsgr\u00f6\u00dfe eines Systems. In der Elektroakustik kommt es dann zu den bekannten Pfeifger\u00e4uschen. Man spricht hier auch so sch\u00f6n anschaulich von<\/em> \u201eEntd\u00e4mpfung\u201c <em>und sogar von<\/em> \u201eSelbsterregung\u201c. <em>(Ich glaube, mein Schwein pfeift.)<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Der geschiedene Ehemann hat sich den Arm gebrochen. In seiner Not bittet er seine ehemalige Frau um Hilfe. Sie ist auch bereit, ihm in der Badewanne den R\u00fccken einzuseifen. Als sich bei ihm etwas regt, ruft sie: \u201eIst das nicht s\u00fc\u00df? Er kennt mich noch.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Etwas gewagt, aber doch ganz  erw\u00fcnscht. Eben Angst und Freude zugleich. Der amerikanische Psychologe John H. Willmann, den ich schon einmal erw\u00e4hnt habe, hat im Jahre 1940 erkl\u00e4ren wollen, warum sich im Witz die Gef\u00fchle Angst und Freude verst\u00e4rken und nicht hemmen. Er hat sich daf\u00fcr auf den russischen Physiologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Iwan_Petrowitsch_Pawlow\" target=\"_blank\">Iwan Pawlow<\/a> (den mit dem Hund) berufen, der das \u201ePrinzip der positiven Induktion\u201c eingef\u00fchrt hat. Das w\u00fcrde man heute als \u201epositive R\u00fcckkopplung\u201c bezeichnen. Da sehen Sie es \u2013 fast alle guten Ideen waren schon mal da.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Ein Zebra besucht eine Farm in Afrika. Lang sieht es sich die H\u00fchner an und fragt dann: \u201eWozu seid ihr da?\u201c \u201eWir legen Eier f\u00fcr die Menschen\u201c, sagen sie. Das Zebra kommt in den Kuhstall und fragt die K\u00fche dasselbe. \u201eWir geben Milch f\u00fcr die Menschen\u201c ist die Antwort. Im n\u00e4chsten Stall fragt das Zebra: \u201eUnd wer bis du?\u201c \u201eIch bin der Stier.\u201c \u201eUnd was machst du?\u201c \u201eZieh deinen Pyjama aus, dann zeig ich\u2019s dir!\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eike Christian Hirsch \u2013 Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)<br \/>\naus: ZEITmagazin \u2013 Nr. 46\/1984<\/p>\n<p>[Fortsetzung folgt]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: (18): Den k\u00f6nnen Sie echt vergessen Im heutigen Teil (und auch im n\u00e4chsten) der Kolumne \u201eDer Witzableiter\u201c von Eike Christian Hirsch, die 1984 im ZEITmagazin erschien, geht es um Sexwitze, also um die Anz\u00fcglichkeiten, die gern die Herren der Sch\u00f6pfung hinter vorgehaltener Hand erz\u00e4hlen, um dann lauthals in Gel\u00e4chter auszubrechen. 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