{"id":3505,"date":"2010-10-16T14:14:36","date_gmt":"2010-10-16T13:14:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=3505"},"modified":"2010-10-16T14:14:36","modified_gmt":"2010-10-16T13:14:36","slug":"der-witzableiter-20-die-angst-vor-der-lust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=3505","title":{"rendered":"Der Witzableiter (20): Die Angst vor der Lust"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=3439\" target=\"_blank\"><strong>Fortsetzung von: (19): Von Claudias neuen Kleidern<\/strong><\/a><\/p>\n<p>In der Kolumne \u201eDer Witzableiter\u201c von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eike_Christian_Hirsch\" target=\"_blank\">Eike Christian Hirsch<\/a>, die 1984 im <a href=\"http:\/\/www.zeitmagazin.de\/\" target=\"_blank\">ZEITmagazin<\/a> erschien, geht es heute nochmals um Sex-Witze. Dabei erfahren wir zus\u00e4tzlich etwas \u00fcber die Pr\u00fcderie von vor 25 Jahren.<\/p>\n<p>Das Buch zur Kolumne: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3406475604?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3406475604\" target=\"_blank\"><strong>Eike Christian Hirsch &#8211; Der Witzableiter: Oder Schule des Lachens<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3406475604\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Die allzu \u00fcppige Stewarde\u00df steckt den Kopf durch die T\u00fcr zum Cockpit und fragt den Kapit\u00e4n: \u201eWould you like coffee or milk?\u201c Der Kapit\u00e4n dreht sich herum, starrt auf den Busen der neuen Kollegin und fragt: \u201eWhich one is coffee and which one is milk?\u201c<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Der einzige Autor, der sich ausgiebig mit dem schmutzigen Humor besch\u00e4ftigt hat, der Amerikaner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gershon_Legman\" target=\"_blank\">Gershon Legman<\/a>, ist der Meinung, Sex-Witze seinen f\u00fcr den, der sie macht, nicht das reine Vergn\u00fcgen. Sie dienten vor allem dazu, latente \u00c4ngste zu lindern. Es sei eine Art Selbsttherapie mit dem Zweck, die \u201etiefe Angst\u201c vor der Sexualit\u00e4t \u201eloszuwerden\u201c. Das klingt dann so:<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ein B\u00f6rsenmakler sagt leise unter der Bettdecke zu seiner Frau: \u201eDie Aktien steigen, der Kurs ist fest.\u201c \u201eNein\u201c, antwortet sie, \u201edie B\u00f6rse ist geschlossen.\u201c Brummend dreht sich der Makler auf die Seite. Nach einer Weile hat es sich die Frau \u00fcberlegt und sagt: \u201eLiebling, die B\u00f6rse ist jetzt ge\u00f6ffnet, ich nehme die Aktien zum H\u00f6chstpreis\u201c. \u201eZu sp\u00e4t\u201c, brummt der Ehemann, \u201eich habe sie gerade unter der Hand verschleudert.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht ist Legmans These von der m\u00e4nnlichen Angst auch nur Ausdruck von Selbstmitleid. Die streitbare Autorin <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=Karin%20Huffzky&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\">Karin Huffzky<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> hat ihn jedenfalls einen Frauenhasser genannt. Kein Wunder, denn viele dieser Witze machen nun wiederum Frauen angst. Also scheint Angst so oder so im Spiel zu sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Behauptung, bei Witzen sei immer Angst dabei, mag Sie, liebe Leserin, lieber Leser, wundern oder gar \u00e4rgern. Ich habe mich dar\u00fcber, als ich zuerst davon h\u00f6rte, auch gewundert. Inzwischen glaube ich es. Bei diesem Beispiel geht es etwa um die Angst der Frauen vor zu gro\u00dfer (und um die Angst der M\u00e4nner vor der eignen geringen) Potenz:<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Im Zoo zeigt der kleine Junge auf einen Elefanten: \u201eWas ist das, was da so runterh\u00e4ngt?\u201c Das junge Kinderfr\u00e4ulein sagt: \u201eDas ist der R\u00fcssel.\u201c \u201eNein, ich meine hinten.\u201c \u201eDas ist der Schwanz.\u201c \u201eNein, da so unterm Bauch!\u201c \u201eAch\u201c, sagt das Kinderm\u00e4dchen verlegen, \u201edas ist gar nichts.\u201c \u201eOha\u201c, brummt ein Herr, der dabeisteht, \u201emein Fr\u00e4ulein, Sie sind verw\u00f6hnt.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich machen Witze auch Lust. Das ist sogar die Funktion, die wir an ihnen allein wahrnehmen. Gerade das Thema Sexualit\u00e4t ist an sich schon lustvoll. Freilich darf man auch nicht vergessen, da\u00df uns allen diese Lust auch einmal ausgetrieben worden ist. Mehr oder weniger gilt sie im Alltag als verp\u00f6nt. Das macht Sex-Witze zugleich begehrt und gef\u00e4hrlich. Strafangst kommt auf. Bei diesem Exemplar habe ich besondere Hemmungen, es Ihnen vorzuf\u00fchren:<\/em><\/p>\n<p><em><strong>\u201eStell dir vor\u201c, sagt die \u00e4ltere Krankenschwester zu ihrer jungen Kollegin, \u201eder Seemann auf Zimmer acht ist t\u00e4towiert, sogar auf dem Glied. Da steht \u201aRumbalotte\u2019 oder so \u00e4hnlich.\u201c Die junge Schwester kommt nach einer halben Stunde zur\u00fcck und sagt: \u201eIn Wirklichkeit steht da: \u201aRuhm und Ehre der Baltischen Flotte\u2019.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/witzableiter_20.jpg\" alt=\"Witzableiter (20)\" \/><\/p>\n<p><em>Alles, was Spa\u00df macht, ist entweder verboten, macht dick oder ist unmoralisch. Dieser moderne Sto\u00dfseufzer l\u00e4\u00dft sich gut auf Witze abwandeln. Alles, wovon Witze handeln, macht Spa\u00df und ist doch verboten. Wenn wir f\u00fcr einen Augenblick das heutige Thema Sex verlassen, k\u00f6nnen wir schnell mal aufz\u00e4hlen, wovon Witze sonst noch handeln: vom lustigen Unsinn, von Ha\u00df und Grausamkeiten, von Schadenfreude und unserem Wunsch nach \u00dcberlegenheit. Alles lustvoll und unerlaubt. Daher die Angst.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Die Stra\u00dfenbahn ist \u00fcberf\u00fcllt. Die junge Dame dreht sich um und sagt zu dem Mann hinter ihr: \u201eBitte, dr\u00e4ngen Sie nicht so!\u201c \u201eEntschuldigen Sie\u201c, sagt er, \u201eaber ich habe heute eine Zulage in Hartgeld ausgezahlt bekommen.\u201c \u201eNun sagen Sie blo\u00df noch\u201c, zischt die Frau, ohne sich umzudrehen, \u201eSie h\u00e4tten seit der vorletzten Haltestelle auch noch eine Gehaltserh\u00f6hung bekommen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht ist Ihnen die These, alle Witze handelten unbemerkt auch von der Angst, nun nicht mehr so fremd. Diese Ansicht wird jedenfalls seit Jahrzehnten von mehreren Forschern vertreten. Dabei wird immer vorausgesetzt, da\u00df das Ferment Angst die Lust nur noch steigern kann. Ich w\u00fcrde sogar so weit gehen zu behaupten, da\u00df Angst-Lust das Gef\u00fchlspaar ist, das letztlich jeden Witz bestimmt. In diesem Fall scheint das besonders deutlich:<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ein \u00e4lterer Herr, offenbar stark angetrunken, steht in der Toilette des vornehmen Hotels und w\u00fchlt in seiner Hose. Dabei murmelt er immer wieder etwas vor sich hin. Der Toilettenw\u00e4rter geht n\u00e4her ran und h\u00f6rt: \u201eKomm raus, du Feigling, du brauchst nur zu pinkeln.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Was verboten ist, das macht uns gerade scharf. Das gilt auch von der verdr\u00e4ngten Lust. Die verbotenen Fr\u00fcchte sind auch im Witz die s\u00fc\u00dfesten. Selbst das Lachen wird erst recht unwiderstehlich, wenn man es unterdr\u00fccken mu\u00df. So paradox das klingt: ohne Erziehung und Tabus h\u00e4tten wir kaum was zu lachen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Knecht Ruprecht kommt nach alter Sitte durch den Schornstein und landet in einem Zimmer, wo eine wundersch\u00f6ne Frau nackt auf dem Sofa liegt. Er legt die Geschenke ab und ist unschl\u00fcssig, ob er sich der Frau n\u00e4hern soll. \u201eTu ich\u2019s, dann komme ich nicht wieder in den Himmel\u201c, sagt er sich, \u201etu ich\u2019s nicht, komm ich nicht wieder durch den Kamin.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Ich schlie\u00dfe mit einer Geschichte, die bei meinem kleinen Test besonders umstritten war.<\/em> <em><strong>Der Fabrikant kommt nach Hause und mu\u00df seiner Frau erkl\u00e4ren, woher er das blaue Auge hat. \u201eMir fehlte ein Hosenknopf. Da habe ich unsere Hausmeistersfrau gebeten, ihn mir anzun\u00e4hen. Das tat sie auch, ich behielt nat\u00fcrlich die Hose an.\u201c \u201eDas ist doch kein Grund f\u00fcr ein blaues Auge!\u201c \u201eNein, nat\u00fcrlich nicht, aber ihr Mann kam rein, als sie gerade den Faden abbi\u00df.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Eike Christian Hirsch \u2013 Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)<br \/>\naus: ZEITmagazin \u2013 Nr. 47\/1984<\/p>\n<p>[Fortsetzung folgt]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: (19): Von Claudias neuen Kleidern In der Kolumne \u201eDer Witzableiter\u201c von Eike Christian Hirsch, die 1984 im ZEITmagazin erschien, geht es heute nochmals um Sex-Witze. Dabei erfahren wir zus\u00e4tzlich etwas \u00fcber die Pr\u00fcderie von vor 25 Jahren. 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