{"id":3832,"date":"2011-01-14T10:27:14","date_gmt":"2011-01-14T09:27:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=3832"},"modified":"2011-01-13T08:34:42","modified_gmt":"2011-01-13T07:34:42","slug":"der-witzableiter-25-abschied-vom-witz-mit-humor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=3832","title":{"rendered":"Der Witzableiter (25): Abschied vom Witz, mit Humor"},"content":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=3785\" target=\"_blank\"><strong>Der Witzableiter (24): Das Tabu, das alte Ekel<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Mit der Kolumne \u201eDer Witzableiter\u201c von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eike_Christian_Hirsch\" target=\"_blank\">Eike Christian Hirsch<\/a>, die 1984 im <a href=\"http:\/\/www.zeitmagazin.de\/\" target=\"_blank\">ZEITmagazin<\/a> erschien, geht es heute zu Ende: ein Abschied vom Witz &#8230; mit Humor. Wer \u00fcber sich selbst lachen kann, wer \u00fcber sich selbst Witze zu machen versteht, der besitzt Humor. Denn nicht jeder Witz ist voller Humor &#8230;<\/p>\n<p>Das Buch zur Kolumne: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3406475604?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3406475604\" target=\"_blank\"><strong>Eike Christian Hirsch &#8211; Der Witzableiter: Oder Schule des Lachens<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3406475604\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Die junge Kellnerin stolpert und gie\u00dft einem Gast etwas von der hei\u00dfen So\u00dfe \u00fcber die Glatze. Der Gast f\u00e4hrt herum, betastet seinen Kopf und fragt erstaunt: \u201eGlauben Sie wirklich, da\u00df das noch helfen k\u00f6nnte?\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Der Mann hat Humor, und genau der soll auch die letzte Station unseres Weges durch die Witzlandschaft sein. Ja, auch der Witz kann Humor haben! Aber bitte erwarten Sie jetzt nicht von mir, da\u00df ich Ihnen Witz und Humor definiere. Auf der Suche nach abgrenzenden Formeln sind schon ganz andere verungl\u00fcckt. Nur so viel: Im Witz sch\u00e4umen die Gef\u00fchle m\u00e4chtig (und therapeutisch sinnvoll) auf, im Humor sehen wir sie schon \u00fcberwunden, abgekl\u00e4rt und vergoldet.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>\u201eSie treffen ja st\u00e4ndig daneben!\u201c mault der F\u00f6rster. \u201eMacht doch nichts\u201c, meint der Sonntagsj\u00e4ger, \u201edie Hasen sehen jedenfalls meinen guten Willen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Die Menschheit hat eine steile Entwicklung durchmachen m\u00fcssen, bevor sie zu jenem feinsinnigen Witz fand, mit dem einer \u00fcber sich selbst lacht. Angefangen hat das Lachen in der menschlichen Urhorde wahrscheinlich als Triumphgeheul des Siegers in einem Zweikampf. Das ist die These amerikanischer Wissenschaftler aus den zwanziger Jahren. Dieses Hohnlachen war wiederum ein Nachklang des Kampfgebr\u00fclls; daran erinnert noch heute das Z\u00e4hnefletschen beim Lachen. Man zeigt den anderen die Z\u00e4hne. Heute ist Lachen in seiner feinsten Form ein L\u00e4cheln \u00fcber eigenes Ungl\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Die \u00e4ltere Dame kommt aus dem Irland-Urlaub, auf den sie sich so lange gefreut hatte. Zufrieden meint sie: \u201eDer Regenwechsel hat mir gut getan.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Bis vor hundert Jahren lachte man ziemlich ungeniert \u00fcber Kr\u00fcppel und Idioten. Da haben wir uns doch gebessert. Im deutschen Kaiserreich beschr\u00e4nkte man sich sp\u00e4ter auf die sogenannten Witzblattfiguren, auf den Grafen, den Leutnant, Frau Neureich oder den zerstreuten Professor. Nun waren es doch wenigstens \u201edie da oben\u201c, \u00fcber die man sich am\u00fcsierte. Liebensw\u00fcrdiger ist es noch, wenn man sich selbst verspotten kann.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Der Chef zu seinem kaufm\u00e4nnischen Lehrling: \u201eJetzt sind Sie zwei Jahre bei uns und haben viel gelernt. Und heute machen wir Pleite, damit Sie auch das lernen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Ausgerechnet \u201eExzellenz\u201c <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kuno_Fischer\" target=\"_blank\">Kuno Fischer<\/a>, vor hundert Jahren Professor in Heidelberg und wegen seiner Eitelkeit weltber\u00fchmt, rang sich am Ende seiner Betrachtung \u00fcber den Witz zu der Erkenntnis durch:<\/em> \u201eDas H\u00f6chste und Tiefste, was der Mensch an sich vollbringen kann, ist es, sich selbst l\u00e4cherlich zu erscheinen, die komische Vorstellung der anderen heiter \u00fcber sich ergehen zu lassen\u201c. <em>So ist es. Humor hat nur derjenige, der seinen Witz auch gegen sich selbst richtet.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/witzableiter_25.jpg\" alt=\"Witzableiter (25)\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Als der Freund ihrer Tochter anruft, ist die Mutter am Telefon, ohne da\u00df der Freund das gleich merkt. Da unterbricht sie ihn: \u201eTut mir leid, mein Junge, aber hier ist nicht Ihr Luxusschiffchen, hier spricht der alte Schraubendampfer!\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Bescheidenheit hat man bei anderen auch gern. <strong>In seinem Atelier wird der Bildhauer gefragt: \u201eIst es nicht wahnsinnig schwer, einen L\u00f6wen zu mei\u00dfeln?\u201c \u201e\u00dcberhaupt nicht\u201c, antwortet der Meister, \u201eman schl\u00e4gt vom Marmorblock einfach alles weg, was nicht nach L\u00f6we aussieht.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Nun haben wir den Humor genug herausgestrichen. So weit aber wollen wir nicht gehen, da\u00df wir den Witz seinetwegen schlecht machen. Nein, der Witz ist das entladende Gewitter, der Humor ist die Ruhe nach dem Sturm. Ein bi\u00dfchen heile Welt sogar. Das mag man nun auch nicht immer. Aber manchmal.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Hochw\u00fcrden repariert eigenh\u00e4ngig den Gartenzaun. Ein kleiner Junge kommt vorbei, als sich der Pfarrer gerade auf den Daumen gehauen hat und verzweifelt aufst\u00f6hnt. \u201eGelt, Hochw\u00fcrden\u201c, sagt der Kleine, \u201ejetzt sollt man halt fluchen d\u00fcrfen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Oder nehmen wir diese r\u00fchrende Geschichte als Beispiel f\u00fcr den Humor Marke lieblich. <strong>Das junge Liebespaar kommt aus der Disco. \u201eBist du m\u00fcde?\u201c fragt sie z\u00e4rtlich . \u201eJa\u201c, antwortet er. \u201eBist du schrecklich m\u00fcde?\u201c \u201eJa.\u201c \u201eBist du zu m\u00fcde?\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Frauen h\u00e4tten die gr\u00f6\u00dfere Chance, die Reifestufe, die man Humor nennt, zu erreichen als M\u00e4nner. Das meint der amerikanische Psychotherapeut <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Grotjahn\" target=\"_blank\">Martin Grotjahn<\/a>. Ich schlie\u00dfe mich ihm gerne an.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Die jungen Eheleute m\u00fcssen sehr sparen. Statt des G\u00e4nsebratens steht zu Weihnachten nur ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hackbraten\" target=\"_blank\">falscher Hase<\/a> auf dem Tisch. \u201eEin Weihnachten ohne Gans gab es bei uns zu Hause nicht\u201c, m\u00e4kelt er. \u201eAber Liebling, daf\u00fcr hast du doch jetzt mich.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Der 70j\u00e4hrige <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sigmund_Freud\" target=\"_blank\">Sigmund Freud<\/a> hat sich noch einmal mit dem Humor besch\u00e4ftigt und ihn dabei einen<\/em> \u201eTriumph des Ichs\u201c <em>genannt. Das Stichwort \u201eTriumph\u201c kommt uns bekannt vor, damit hatte das Lachen in der Urhorde angefangen. Statt \u00fcber den unterlegenen Gegner lacht der humorige Witz \u00fcber die eigenen Schw\u00e4chen und N\u00f6te.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Der Feldwebel br\u00fcllt: \u201eIn zwei Minuten steht der ganze Kompanie auf dem Appellplatz!\u201c Ein Rekrut, ganz sanft: \u201eHerr Feldwebel, d\u00fcrfen wir, wenn wir wollen, auch fr\u00fcher kommen?\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Und zum friedlichen Schlu\u00df noch diesen: <strong>Der B\u00f6rsianer im Spielkasino: \u201eCroupier, drehen Sie ein bi\u00dfchen fixer, so langsam kann ich mein Geld auch an der B\u00f6rse verlieren.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Eike Christian Hirsch \u2013 Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)<br \/>\naus: ZEITmagazin \u2013 Nr. 52\/1984<\/p>\n<p>[das war\u2019s]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fortsetzung von: Der Witzableiter (24): Das Tabu, das alte Ekel Mit der Kolumne \u201eDer Witzableiter\u201c von Eike Christian Hirsch, die 1984 im ZEITmagazin erschien, geht es heute zu Ende: ein Abschied vom Witz &#8230; mit Humor. Wer \u00fcber sich selbst lachen kann, wer \u00fcber sich selbst Witze zu machen versteht, der besitzt Humor. Denn nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=3832\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Der Witzableiter (25): Abschied vom Witz, mit Humor<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3832"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3832"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3832\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}