{"id":3915,"date":"2011-02-01T10:22:04","date_gmt":"2011-02-01T09:22:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=3915"},"modified":"2011-02-04T07:40:31","modified_gmt":"2011-02-04T06:40:31","slug":"witold-gombrowicz-trans-atlantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=3915","title":{"rendered":"Witold Gombrowicz: Trans-Atlantik"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Witold_Gombrowicz\" target=\"_blank\">Witold Marian Gombrowicz<\/a> (* 4. August 1904 in Ma&#322;oszyce, Polen; \u2020 25. Juli 1969 in Vence, Frankreich) war einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seit seinem 34. Lebensjahr lebte er im Exil.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=2348\" target=\"_blank\">Nach dem Mauerfall<\/a> im November 1989 erlebte ich mit meiner heutigen Frau den Jahrzehntewechsel 1989\/1990 in der damals eben noch real existierenden DDR, n\u00e4mlich in Sachsen. Aufenthalte \u201aim Osten\u2019 habe ich immer genutzt, um mich mit Literatur, die wie Lebensmittel in der DDR subventioniert wurde, einzudecken. Vor nun \u00fcber 21 Jahren kaufte ich mir so u.a. auch den kleinen Roman <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596164389?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3596164389\" target=\"_blank\"><strong>Trans-Atlantik<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3596164389\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> von Witold Gombrowicz.<\/p>\n<p><em>Als Satire, Kritik, Spa\u00df und Spiel, Absurdit\u00e4t, doch nichts davon ganz und ausschlie\u00dflich, hat Witold Gombrowicz \u201eTrans-Atlantik\u201c bezeichnet, den er im argentinischen Exil schrieb und der nach seinem Erscheinen in Paris (1953) und Warschau (1957) wegen seines provokativen Charakters die widerspr\u00fcchlichsten Reaktionen ausl\u00f6ste. Verschlie\u00dft sich doch der schriftstellerische Held des Romans, der gerade mit einem luxuri\u00f6sen \u00dcberseedampfer in Buenos Aires eingetroffen ist, seiner patriotischen Pflicht und verweigert die R\u00fcckkehr nach Europa, wo der zweite Weltkrieg ausgebrochen ist (der Roman spielt 1939). Bei seinen Versuchen, in Argentinien Fu\u00df zu fassen, ger\u00e4t er in die verr\u00fccktesten Situationen durch die Begegnung mit verkn\u00f6cherten Diplomaten, mit ans\u00e4ssigen Unternehmern polnischer Herkunft, die ihre \u00fcberholten Wertvorstellungen beibehalten haben und sich ununterbrochen befehden, mit einheimischen Gro\u00dfstadttypen, unter anderen einem homosexuellen Million\u00e4r, f\u00fcr den er den Sekundanten in einem l\u00e4cherlichen Scheinduell spielt, denn er h\u00e4lt sich weder an den herk\u00f6mmlichen Ehrenkodex noch an die verlogene b\u00fcrgerliche Moral seiner Umwelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Sein Pamphlet gegen die erstarrten Traditionen untermauert der polnische Avantgardist Gombrowicz durch stilistische Brisanz. Seine Sprache ist<\/em> \u201ein Sp\u00e4\u00dfe verwickelt, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sklerose\" target=\"_blank\">sklerotisch<\/a>, barock, absurd, im Konversationsstil von vor einem Jahrhundert, aber vermischt mit anderen Wortarten, manchmal mit Worten, die ich mir ausgedacht habe.\u201c (Witold Gombrowicz)<\/p>\n<p>Soviel aus dem Text auf dem Umschlag des Buchs.<\/p>\n<p>\u201e\u2026 denn ich strebe (wie immer) eine Verst\u00e4rkung und Bereicherung des individuellen Lebens, eine Vermehrung seiner Widerstandsf\u00e4higkeit gegen das dr\u00fcckende \u00dcbergewicht der Masse an.\u201c<\/p>\n<p>S. 6f. aus dem Vorwort zur Warschauer Ausgabe (1957)<br \/>\n1. Auflage Lizenzausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1988 f\u00fcr die DDR<br \/>\n\u00a9 1987 Carl Hanser Verlag M\u00fcnchen Wien<br \/>\nEinbandentwurf: Volker Pf\u00fcller<\/p>\n<p><em>Seinen Figuren, wie auch sich selbst, r\u00e4umt Gombrowicz das Recht auf Individualit\u00e4t und geistige Freiheit ein, und zwar unabh\u00e4ngig von jeder Konvention. Jedes Individuum berechtigt er zur lebenslangen \u201eUnreife\u201c, die f\u00fcr ihn die Abwehr gegen die \u201ereifen\u201c Formen des Lebens (herrschende Ideologien, Religionen, Nationalismen, gesellschaftliche Normen) und der Kunst (literarische und k\u00fcnstlerische Konventionen) symbolisiert.<\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl Gombrowicz von seiner Ausreise 1939 bis zu seinem Tod in der Emigration lebte, setzte er sich unerm\u00fcdlich mit der Problematik seines Heimatlandes auseinander. Als Pole war er der Auffassung, dass ausgerechnet die polnische Tradition der geistigen Entwicklung seines Heimatlandes im Wege steht.<\/em><\/p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr eine Kunst wollt ihr \u00fcberhaupt? Eine, die euch immer nur dieselben Gemeinpl\u00e4tze vorbetet, oder lieber eine, die einen Schritt vorangeht? Wollt ihr, da\u00df euch der K\u00fcnstler Lesebuchgeschichten schreibt, oder wollt ihr lieber seinen Schmerz, sein Gel\u00e4chter, seinen Spa\u00df, seine Verzweiflung, seine Niederlage und Dem\u00fctigung im wahrhaften Ringen mit dem jetzigen Leben mit ansehen?\u201c so fragt Witold Gombrowicz &#8230;<\/p>\n<p>Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch, der u.a. auch die stilistischen Mittel aufzeigt, die Gombrowicz bei diesem inzwischen \u00fcber 50 Jahre alten Roman benutzt:<\/p>\n<p><em>Wenn in m\u00f6rderischem kampfe Erde und Himmel von Feuersbrunst umfangen sich schnaubend auf die hinterbacken setzen, und Schreien, Br\u00fcllen, das \u00e4chzender M\u00fctter und die Faust der M\u00e4nner aufbricht und Ausbricht und unter get\u00f6se und klirren, im bersten von S\u00e4rgen und Gr\u00e4bern, in letzter emp\u00f6rung von welt und Natur Niederlage, Vernichtung, ach, das Ende naht, wenn Gericht gehalten wird \u00fcber alles lebendige Sein, da stellt auch er, der alte, sich zum Kampfe! Mit dem feinde des Vaterlandes will er sich schlagen!<\/em><\/p>\n<p>(S. 107f. der genannten Ausgabe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Witold Marian Gombrowicz (* 4. August 1904 in Ma&#322;oszyce, Polen; \u2020 25. Juli 1969 in Vence, Frankreich) war einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seit seinem 34. Lebensjahr lebte er im Exil. 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