{"id":4076,"date":"2011-02-27T17:48:16","date_gmt":"2011-02-27T16:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=4076"},"modified":"2011-02-28T14:30:48","modified_gmt":"2011-02-28T13:30:48","slug":"halldor-laxness-islandglocke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=4076","title":{"rendered":"Halld\u00f3r Laxness: Islandglocke"},"content":{"rendered":"<p>Der Roman <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Islandglocke\" target=\"_blank\">\u201cDie Islandglocke\u201d<\/a>, bestehend aus drei Teilen, von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Halld%C3%B3r_Laxness\" target=\"_blank\">Halld\u00f3r Laxness<\/a> (geboren als Halld\u00f3r Gu\u00f0j\u00f3nsson; * 23. April 1902 in Reykjav\u00edk; \u2020 8. Februar 1998 in Reykjalundur bei Mosfellsb\u00e6r) spielt im unter d\u00e4nischer Herrschaft stehenden <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/island.html\" target=\"_blank\">Island<\/a> des sp\u00e4ten 17. und fr\u00fchen 18. Jahrhundert. Halld\u00f3r Laxness schrieb <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3869300051?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3869300051\" target=\"_blank\"><strong>Die Islandglocke<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3869300051\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt stehen der mit allen Wassern gewaschene Bauer J\u00f3n Hreggvidsson, die sch\u00f6ne, selbstbewusste und vornehme blonde Richterstocher Sn\u00e6fri\u00f0ur \u00cdslandss\u00f3l (im Buch: Snaefridur Islandsonne, auch Snaefridur Bj\u00f6rnsd\u00f3ttir Eydalin) und der Gelehrte Arnas Arnaeus. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder.<\/p>\n<p>J\u00f3n Hreggvidsson wird des Mordes an den k\u00f6niglichen Henker angeklagt, kann sich einer Hinrichtung gerade noch entziehen und irrt anschlie\u00dfend jahrelang durch Europa. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Island wird der Prozess immer wieder aufgerollt. Snaefridur ist die Tochter des Richters, der den Bauern das erste Mal aufgrund vager Indizien verurteilt, das M\u00e4dchen selbst erm\u00f6glicht ihm aber die Flucht. Und so zieht sich ein Prozess fast 50 Jahre hin, n\u00e4mlich von 1683 bis 1730 \u2013 und ist historisch verb\u00fcrgt. Die Akten dazu befinden sich in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arnamagn%C3%A4anische_Sammlung\" target=\"_blank\">\u201aArnamagn\u00e4(an)ischen Sammlung\u2019<\/a> der Universit\u00e4tsbibliothek von Kopenhagen (Die Handschriftsammlung wird heute in Reykjav\u00edk beim Arnamagn\u00e4anischen Handschrifteninstitut Islands unterst\u00fctzt durch die Institution \u00c1rnastofnun, die <a href=\"http:\/\/www.arnastofnun.is\/page\/arnastofnun_frontpage_en\" target=\"_blank\">Stiftung \u00c1rni Magn\u00fasson<\/a>, aufbewahrt), die mit die \u00e4ltesten und wertvollsten nordischen Handschriften enth\u00e4lt. Der Stifter dieser Handschriftensammlung war der isl\u00e4ndische Pfarrerssohn <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%81rni_Magn%C3%BAsson\" target=\"_blank\">Arni Magn\u00fasson<\/a>, latinisiert Arnas Magnaeus (1663 \u2013 1730), der erste Isl\u00e4nder, der in Kopenhagen Universit\u00e4tslehrer wurde. Tragischerweise wurde bei einem Gro\u00dfbrand in Kopenhagen im Jahre 1728 ein gro\u00dfer Teil der Handschriften, Abschriften und Aufzeichnungen \u00c1rnis vernichtet, die wichtigsten Handschriften jedoch gl\u00fccklicherweise gerettet. Einen Teil der Schriften konnte er bis zu seinem Tod Anfang 1730 noch aus dem Ged\u00e4chtnis erneut zu Papier bringen. Im Roman tritt er als Arnas Arnaeus auf. <\/p>\n<p>Zwischen Snaefridur und dem Gelehrten Arnas Arnaeus entwickelt sich ein Liebesverh\u00e4ltnis, das aber nicht seine Erf\u00fcllung findet. So heiratet Snaefridur den Junker Magn\u00fas Sigurdsson von Braedratunga (eigentlich Br\u00e6\u00f0ratunga), der sich als Quartalss\u00e4ufer entpuppt und sogar so weit geht, seine Frau gegen Schnaps zu verkaufen. Und neben dem Bischof von Sk\u00e1lholt und seiner Frau J\u00f3runn, der Schwester Snaefridurs spielt noch der so genannte Wartefreier und Domkirchenpastor Sigurdur Sveinsson eine gewichtige Rolle. Diesen von ihr zuvor immer wieder dem\u00fctigend zur\u00fcckgewiesenen \u201eewigen Freier\u201c, den gelehrten, zeitweise fanatisch asketischen und dem Katholizismus zugeneigten Pastor heiratet sie zuletzt, als es sich zeigt, das ihre Beziehung zu Arnas Arnaeus f\u00fcr immer zerbrochen ist. Nach dem Tod des Bischofs von Sk\u00e1lholt und seiner Frau durch die Pest, wird dieser dessen Nachfolger.<\/p>\n<p>Die Romantrilogie ist kein historischer Roman im eigentlichen Sinne, sondern eine freie Dichtung. Aber wir lernen ein Land am Anfang der Neuzeit kennen \u2013 vertreten durch die Protagonisten dieses Romans. Dabei spielt die soziale und politische Situation Islands in diesem Roman eine gro\u00dfe Rolle; gezeigt werden die verelendeten Bauern, die stolze, aber gleichfalls recht einfach lebende Oberschicht und die reichen d\u00e4nischen Profiteure, aber auch der Stolz auf das Land und seine alten \u00dcberlieferungen bei Isl\u00e4ndern aller Schichten.<\/p>\n<p><em>\u201eGelahrte M\u00e4nner haben in ihren B\u00fcchern mancherlei \u00fcber die vielen Vorboten aufgezeichnet, welche die Beulenpest auf Island ank\u00fcndigten. Zun\u00e4chst kann man Hungersnot und Mi\u00dfernten nennen, die es in allen Teilen des Landes gab mit gro\u00dfer Sterblichkeit unter dem Volk, insonderheit bei den Armen. Gro\u00dfer Mangel an Angelschn\u00fcren. Dazu kam Raub und Diebstahl mehr denn gew\u00f6hnlich, so auch Blutschande, zudem Erdbeben im S\u00fcdland. Dazu vielerlei seltsame Dinge. In Eyrarbakki ehelichte eine Frau von achtzig Jahren einen Mann von einiges \u00fcber zwanzig im Herbst vor der Pest und wollte ihn im Fr\u00fchjahr impotentiae causa wieder loswerden. Am siebzehnten Majus wurden sieben Sonnen gesehen. Im selbigen Fr\u00fchjahr bekam ein Schaf in Bakkakot im Skorratal ein mi\u00dfgestaltes Lamm mit Schweinskopf und Schweinsborsten; der Oberkiefer bis zu den Augenh\u00f6hlen fehlte, die Zunge hing lang hervor \u00fcber dem Unterkiefer, der keinen Zusammenhang mit der Hirnschale, und man fand keine Spur von Augen; Ohren lang wie an einem Jagdhund; vom Sch\u00e4del hing eine kleine Zitze mit einem Loch darin. Als das Lamm geboren ward, h\u00f6rte man es deutlich sprechen, indem es diese Worte sagte: M\u00e4chtig ist der Teufel in Kindern des Irrglaubens. Vom Kirkjubaearkloster verbreitete sich im Winter vor der Pest die Kunde, da\u00df der P\u00e4chter des Klosterhofs wie auch ein anderer Mann, als sie zusammen am Abend durch den Kirchhof gingen, unter ihren F\u00fc\u00dfen ein Jammern vernommen; im Kirchspiel von Kjalarnes in der Luft eine Schimpferei. Im Skagafjord ward ein Rochen aus dem Wasser gezogen, der, sowie man ihn ins Schiff gebracht, f\u00fcrchterlich zu l\u00e4rmen und kreischen anhub, und als man ihn auf dem Strande ausgenommen und gevielteilt, in jedem einzelnen St\u00fcck weiter l\u00e4rmte und kreischte; und als man die einzelnen St\u00fccke nach den verschiedenen H\u00fctten der Fischer gebracht, da schrien sie alle und ein jegliches auf seine Weise immerfort, l\u00e4rmend und kreischend, so da\u00df man sie alle samt und sonders wieder ins Wasser geschmissen. Menschen in der Luft. Und schlie\u00dflich bleibt zu vermelden, da\u00df jenes Ei, welches ein Huhn auf Fjall zu Skeid legte, deutlich ein dunkles Zeichen eingepre\u00dft wies, das in umgekehrter Weise <a href=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/7\/74\/Saturn_symbol.svg\/50px-Saturn_symbol.svg.png\" target=\"_blank\">das Zeichen Saturni<\/a> war, bedeutend: Omnium rerum vicissitudo veniet<\/em> [Der Wechsel aller Dinge komme!].\u201c<\/p>\n<p>Halld\u00f3r Laxness: Islandglocke (suhrkamp taschenbuch 228 \u2013 1. Auflage 1975 \u2013 Suhrkamp Taschenbuch Verlag &#8211; S. 368f.)<\/p>\n<p><em>\u201eDas ist ein Buch weit entfernt von aller kost\u00fcmierten Geschichtsunterrichtung \u2013 es ist ein Nachklang aus dem alten herrlichen Island der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Skalde\" target=\"_blank\">Skalden<\/a>, eine echte Saga, eine moderne Epiphanie jenes Volksgeistes, der einst <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Egils_saga\" target=\"_blank\">die Geschichten vom Skalden Egil<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grettir_der_Starke\" target=\"_blank\">ge\u00e4chteten Grettir<\/a> gedichtet hat.\u201c<\/em> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann_Hesse\" target=\"_blank\">(Hermann Hesse)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Roman \u201cDie Islandglocke\u201d, bestehend aus drei Teilen, von Halld\u00f3r Laxness (geboren als Halld\u00f3r Gu\u00f0j\u00f3nsson; * 23. April 1902 in Reykjav\u00edk; \u2020 8. 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