{"id":4198,"date":"2011-03-20T10:26:38","date_gmt":"2011-03-20T09:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=4198"},"modified":"2011-03-18T09:39:00","modified_gmt":"2011-03-18T08:39:00","slug":"anais-nin-die-verborgenen-fruchte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=4198","title":{"rendered":"Ana\u00efs Nin: Die verborgenen Fr\u00fcchte"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ana%C3%AFs_Nin\" target=\"_blank\">Ana\u00efs Nin<\/a> wurde 1903 in Neuilly bei Paris als Tochter des spanischen Musikers und Komponisten Joaquin Nin geboren. Sp\u00e4ter verlie\u00df der von ihr abg\u00f6ttisch verehrte Vater die Familie, was sie nie ganz verwunden hat. Als Dreizehnj\u00e4hrige kam sie in die USA. Schon damals begann sie ein Tagebuch zu schreiben. Mit f\u00fcnfzehn Jahren verlie\u00df sie die Schule und versuchte sich als Autodidakt in Bibliotheken weiterzubilden. In den zwanziger Jahren heiratete sie Hugh Guiler und lie\u00df sich in Louveciennes bei Paris nieder. Seit 1931 war Ana\u00efs Nin mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henry_Miller\" target=\"_blank\">Henry Miller<\/a> befreundet. Beide haben sich k\u00fcnstlerisch stark beeinflusst. Ihr ist es auch gelungen, einen Verleger f\u00fcr Miller <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3499143615\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3499143615\" target=\"_blank\">Wendekreis des Krebses<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3499143615\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> zu finden.<\/p>\n<p>In ihrem Heim in Greenwich Village verkehrten bedeutende K\u00fcnstler wie Dali, Max Ernst, Yves Tanguy, Tennessee Williams, William Sarovan und Miller. 1932 erschien <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0000CL9UM\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B0000CL9UM\" target=\"_blank\">D.H.Lawrence: An Unprofessional Study<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B0000CL9UM\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (dt. <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3548303196\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3548303196\" target=\"_blank\">D. H. Lawrence &#8211; Lekt\u00fcren der Leidenschaft. ( Die Frau in der Literatur)<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3548303196\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, ihre erste gr\u00f6\u00dfere Arbeit als Schriftstellerin. Im Fr\u00fchjahr 1966 wurden die ersten Proben aus ihren Tageb\u00fcchern ver\u00f6ffentlicht, die aber schon lange vorher als die bedeutendste Confessio des Jahrhunderts galten. Inzwischen ist der gr\u00f6\u00dfte Teil <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=anais%20nin%20tageb%C3%BCcher&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\">ihrer Tageb\u00fccher<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> in deutscher Sprache erschienen. Ana\u00efs Nin ist 1976 in Kalifornien gestorben.&#8220; (aus dem Klappentext zum Buch).<\/p>\n<p>Ebenfalls aus dem Klappentext zum Buch:<\/p>\n<p><em>\u201ePoetisch pornographisch\u201c, nannte Henry Miller die erotischen Schriften von Ana\u00efs Nin. Diese Schriftstellerin scheute sich nicht, wirklich alles, was es an Sinnlichkeit, Sexualit\u00e4t, Trieb und Liebe gibt, offen und unverstellt zu beschreiben. Doch bei aller Direktheit und Offenheit was es auch ihr Ziel, zu zeigen, da\u00df Sex erst durch Gef\u00fchle zu wirklicher Erotik wird. \u201e\u00dcber Sexualit\u00e4t und Sensualit\u00e4t zu schreiben\u201c, so die Nin, \u201ehat nichts mit Pornographie zu tun. Erotika schreiben ist f\u00fcr mich wilde Poesie.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das neue Erotikon <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596164052?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3596164052\" target=\"_blank\"><strong>Die verborgenen Fr\u00fcchte<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3596164052\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> geht auf diesem Weg noch weiter: Die Sprache ist noch poetischer; was sie beschreibt, ist nicht weniger offen, doch noch sensibler und sensitiver. Ohne Frage hat hier Ana\u00efs Nin die erotische Poesie in ihrer \u201ewildesten\u201c und reinsten Form erreicht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAna\u00efs Nin l\u00f6st das wahre Erlebnis geheimnisvoller Erotik aus &#8230; ihre Sprache ist noch delikater, noch geschmeidiger.\u201c<\/em> New York Times<\/p>\n<p>\u201ePoetisch pornographisch\u201c, nannte Henry Miller also die erotischen Schriften der Ana\u00efs Nin. Sie selbst sprach von \u201eProstitution\u201c. Aber lesen wir, was sie in dem Vorwort zu diesem kleinen B\u00fcchlein von etwas mehr als 120 Seiten zur \u201aerotischen Literatur\u2019 zu sagen hatte:<\/p>\n<p>\u201e<em>Es ist eine interessante Tatsache, da\u00df nur sehr wenige Schriftsteller aus eigenem Antrieb erotische Erz\u00e4hlungen oder Bekenntnisse niedergeschrieben haben. Sogar in Frankreich, wo die Erotik angeblich eine so wichtige Rolle spielt, sahen sich die Autoren, die so etwas doch taten, lediglich von der Not dazu gezwungen \u2013 der Geldnot.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Erotik im Rahmen eines Romans oder einer Erz\u00e4hlung zu Wort kommen zu lassen, ist eines; sich ausschlie\u00dflich mit ihr zu besch\u00e4ftigen jedoch etwas ganz anderes. Ersteres ist wie das Leben selbst. Es ist, m\u00f6chte ich sagen, etwas Nat\u00fcrliches, Aufrichtiges, wie in den sinnlichen Passagen bei Zola oder Lawrence. Sich aber ausschlie\u00dflich auf die Sexualit\u00e4t zu konzentrieren, ist unnat\u00fcrlich. Das gleicht dann etwa dem Leben einer Prostituierten, einer anormalen Bet\u00e4tigung also, aufgrund derer sich die Prostituierte schlie\u00dflich von der Sexualit\u00e4t abkehrt. Vielleicht ist den Schriftstellern das bekannt. Und vielleicht haben sie deshalb, wie auch Mark Twain, nur gerade ein Bekenntnis, h\u00f6chstens ein paar Erz\u00e4hlungen geschrieben, um auf diese Weise ihre Aufrichtigkeit den Dingen des Lebens gegen\u00fcber, unter Beweis zu stellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch was geschieht mit einer Gruppe von Schriftstellern, die so dringend Geld ben\u00f6tigen, da\u00df sie sich ausschlie\u00dflich der Erotik widmen? Wir wirkt sich diese Tatsache auf ihr Leben, auf ihre Einstellung der Welt gegen\u00fcber, auf ihre Arbeit aus? Wie wirkt es sich auf ihr Sexualleben aus?<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><em>Bevor ich meinen Beruf ergriff, galt ich als Dichterin, als eine unabh\u00e4ngige Frau, die nur zu ihrem Vergn\u00fcgen schrieb. Es kamen viel junge Schriftsteller und Dichter zu mir. So unterschiedlich sie in ihrem Wesen, ihren Neigungen, Gewohnheiten und Lastern auch waren, eines hatten sie alle gemeinsam: Sie waren arm. Verzweifelt arm. Nicht selten verwandelten sie meine maison in ein Kaffeehaus, das sie hungrig, schweigend aufsuchten, und dann a\u00dfen wir Haferflocken, weil das am billigsten war und man behauptete, es mache stark.<\/em><\/p>\n<p><em>Die meisten Erotika wurden mit leerem Magen geschrieben. Nun wird durch den Hunger in hohem Ma\u00dfe die Phantasie angeregt; &#8230; Je gr\u00f6\u00dfer der Hunger, desto gr\u00f6\u00dfer das Verlangen \u2013 wie bei Gefangenen, wild und qu\u00e4lend. Daher lebten wir in einer f\u00fcr das Gedeihen der Blume Erotik absolut perfekten Welt.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230; ich hatte meine richtige schriftstellerische Arbeit aufgegeben, als ich mich auf die Suche nach der Erotik machte. Dies sind nun meine Abenteuer in jener Welt der \u201eProstitution\u201c. Sie aus mir herauszuholen, war anfangs nicht leicht, Denn das Geschlechtsleben liegt bei uns allen \u2013 den Dichtern, Schriftstellern, Malern \u2013 unter vielen Schichten verborgen. Es gleicht einer verschleierten Frau: halb ertr\u00e4umt.<\/em>\u201c<br \/>\n(aus dem Vorwort zum Buch)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/nin_klimt.jpg\" alt=\"Zeichnung von Gustav   K l i m t\" \/><br \/>\nZeichnung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gustav_Klimt\" target=\"_blank\">Gustav  K l i m t<\/a><\/p>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer der Hunger, desto gr\u00f6\u00dfer das Verlangen &#8230; Das klingt f\u00fcr mich nostalgisch. Wie aus einer anderen, fr\u00fcheren Welt. Und so ist es wohl auch. Es hat einen \u201aromantischen\u2019 Anklang und ist lange nicht so abgeschmackt, wie die Produkte, die uns heute die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pornografie\" target=\"_blank\">Pornografie<\/a> liefert. Sicherlich geht es bei Ana\u00efs Nin auch \u201azur Sache\u2019, im Vordergrund steht die trieb- und k\u00f6rpergesteuerte Beziehung, also Sex, und weniger das Emotional-Seelische. Das mischt sich zu einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erotik\" target=\"_blank\">erotischen<\/a> Cocktail, steht beim Schreiben solcher Erotika als Intention der Autorin der Aspekt einer psychologisch-geistige Anziehung der Personen beiseite.<\/p>\n<p>Zwei sich ungekannte Sch\u00f6ne treffen sich nachts am Strand bei Mondlicht. Es kommt zu einem Techtelmechtel. Und schon liegen sie am Strand, beide K\u00f6rper ineinander verwoben \u2013 <em>wie das Tier mit den zwei R\u00fccken<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1115\" target=\"_blank\">Rabelais<\/a> bzw. <a href=\"http:\/\/www.phrases.org.uk\/meanings\/58450.html\" target=\"_blank\">Shakespeares<\/a> \u201eBeast with the two backs\u201c):<\/p>\n<p>\u201e<em>Sie eilte dem Meer zu. Er folgte ihr. Lange wanderten sie durch die schneewei\u00dfen D\u00fcnen. Am Wasser warf sie die Kleider ab und stand nackt in der Sommernacht. Sie lief in die Brandung. Louis machte es ihr nach, zog sich ebenfalls aus und warf sich ins Wasser. Da erst entdeckte sie ihn. Zun\u00e4chst verhielt sie sich still. Doch als sie im Mondlicht deutlich den jungen K\u00f6rper, den sch\u00f6nen Kopf und sein L\u00e4cheln sah, schwand ihre Angst. Er schwamm auf die zu. Sie l\u00e4chelten einander an. Sein L\u00e4cheln war sogar bei nacht blendend; genau wie das ihre. Sie konnten kaum etwas anderes als das L\u00e4cheln und die Umrisse des vollkommen gestalteten K\u00f6rpers des anderen.<\/em><\/p>\n<p><em>Er n\u00e4herte sich ihr. Sie duldete es. Pl\u00f6tzlich schwamm er geschickt und grazi\u00f6s \u00fcber sie hinweg, ber\u00fchrte kurz ihren K\u00f6rper und war vorbei.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie schwamm weiter, und er wiederholte das Man\u00f6ver. Dann richtete sie sich auf, er tauchte und schwamm zwischen ihren Beinen hindurch. Sie lachten. Beide bewegten sich leicht und sicher im Wasser.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Bis hierhin ist es Spielerei. Vorspiel. Erregendes Vorspiel, von dem beide, Frau wie Mann, sich hinrei\u00dfen lassen. Und so verwandelt sich das Spiel schnell in \u201aHandgreiflichkeiten\u2019, erst noch sanft, dann dr\u00e4ngender.<\/p>\n<p>\u201e<em>Er war zutiefst erregt und schwamm mit steifem Glied. Sie n\u00e4herten sich einander, geduckt wie im Kampf. Er dr\u00e4ngte sich an sie, und sie sp\u00fcrte seien straffen, gespannten Penis. Er schob ihn zwischen ihre Beine. Sie ber\u00fchrte ihn. Seine H\u00e4nde suchten sie, liebkosten sie \u00fcberall. Dann zog sie sich abermals zur\u00fcck, und er mu\u00dfte sie schwimmend fangen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>(and so on) &#8230;<\/p>\n<p>aus: Ana\u00efs Nin: Die verborgenen Fr\u00fcchte (mit 15 Zeichnungen von <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=gustav%20klimt&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\">Gustav Klimt<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> \u2013 Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. M\u00fcnchen \u2013 Knaur Bestseller 806)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAna\u00efs Nin wurde 1903 in Neuilly bei Paris als Tochter des spanischen Musikers und Komponisten Joaquin Nin geboren. Sp\u00e4ter verlie\u00df der von ihr abg\u00f6ttisch verehrte Vater die Familie, was sie nie ganz verwunden hat. Als Dreizehnj\u00e4hrige kam sie in die USA. Schon damals begann sie ein Tagebuch zu schreiben. 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