{"id":4408,"date":"2011-05-06T15:13:39","date_gmt":"2011-05-06T14:13:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=4408"},"modified":"2015-10-28T21:32:03","modified_gmt":"2015-10-28T21:32:03","slug":"halldor-laxness-sein-eigener-herr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=4408","title":{"rendered":"Halld\u00f3r Laxness: Sein eigener Herr"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eBjartur hat achtzehn Jahre lang als Knecht geschuftet, um eines Tages seinen eigenen Hof zu besitzen. Sumarhus nennt er sein k\u00fcmmerliches Anwesen, das abseits im unwirtlichen Heideland liegt. Bjartur ist entschlossen, ein freier und unabh\u00e4ngiger Mensch zu sein, sein eigener Herr \u2013 diesem Ziel opfert er Gl\u00fcck und Gesundheit seiner Familie. Starrk\u00f6pfig verschuldet er den Tod seiner Frau, und auch seine zweite Frau unterliegt in dem bitterem \u00dcberlebenskampf.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach vielen mageren und wenigen guten Jahren ist Bjartur schlie\u00dflich gezwungen, Sumarhus zur Versteigerung freizugeben. Doch er resigniert nicht. Mit seiner geliebten Stieftochter Asta Sollilja bricht er zu noch ferneren Regionen auf, um von neuem einen eigenen Hof aufzubauen. &#8230;\u201c<\/em><br \/>\n(aus dem Umschlagtext)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Halld%C3%B3r_Laxness\" target=\"_blank\">Halld\u00f3r Laxness<\/a> (1902-1998), eigentlich Halld\u00f3r Gu\u00f0j\u00f3nsson, ist wohl Islands bekanntester Schriftsteller. Den Nachnamen Laxness nahm er nach dem Hof Laxnes (dt. \u201eLachshalbinsel\u201c) bei Mosfellsb\u00e6r an, wo er aufgewachsen war. Mit <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3869300043\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3869300043\" target=\"_blank\"><strong>Sein eigener Herr<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3869300043\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (Originaltitel: \u201eSj\u00e1lfst\u00e6tt f\u00f3lk\u201c \u2013 zu Deutsch: \u201eselbst\u00e4ndige Leute\u201c) schrieb er in den drei\u00dfiger Jahren des 20. Jahrhunderts einen Bauernroman der besonderen Art.<\/p>\n<p><em>\u201eBei seinem ersten Erscheinen Mitte der drei\u00dfiger Jahre rief das Buch eine Welle der Emp\u00f6rung unter den Isl\u00e4ndern hervor. Man war B\u00fccher \u00fcber das Leben auf dem Lande gew\u00f6hnt, doch in diesen Romanen, Erz\u00e4hlungen und Gedichten wurde der Bauernstand verherrlicht, der harte \u00dcberlebenskampf des einzelnen Bauern entweder zur Idylle oder zum Heldenleben stilisiert; da\u00df viele Kleinbauern unter erb\u00e4rmlichsten Bedingungen dahinvegetierten, wollte man nicht wahrhaben. &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>In der Erstausgabe von 1934-35 trug der Roman den Untertitel \u201aHetjusaga\u2019 das hei\u00dft \u201aGeschichte eines Helden\u2019. Nicht nur der Titel \u201eSj\u00e1lfst\u00e6tt f\u00f3lk\u201c, sondern auch der urspr\u00fcngliche Untertitel des Romans dr\u00fccken also die Ironie aus, die das Buch selbst kennzeichnet.\u201c<\/em><br \/>\n(aus dem Nachwort von Hubert Seelow zur Ausgabe im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Steidl_Verlag\" target=\"_blank\">Steidl Verlag<\/a> &#8211; G\u00f6ttingen \u2013 2009)<\/p>\n<p>Bjartur, der Held des Romans, ist ein eigensinniger, geradezu starrk\u00f6pfiger Talbauer, der nur eines sein will: frei und unabh\u00e4ngig. Erst zuletzt erkennt er: <em>\u201eDie Geschichte von Bjartur in Sumarhus ist die Geschichte eines Mannes, der sein Leben lang, Tag und Nacht, den Acker seines Feindes s\u00e4te.\u201c<\/em> (Steidl taschenbuch 225 \u2013 Steidl Verlag, G\u00f6ttingen \u2013 2009 \u2013 9. Auflage &#8211; S. 555). Aber selbst da resigniert er nicht und wag den Neubeginn, denn: <em>\u201eZwangsversteigerung. &#8230; Er sagte nichts. Es war nie seine Gewohnheit, dem nachzutrauern, was er verloren hatte; er schleppte seinen Kummer nicht mit sich herum, das war am besten. Lieber sollte man mit dem zufrieden sein, was man noch besa\u00df, nachdem man verloren hatte, was man besessen hatte, &#8230;\u201c<\/em> (S. 530)<\/p>\n<p><strong>Im Mittelpunkt des Roman stehen folgende Personen:<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; <strong>Bjartur in Sumarhus<\/strong> (\u201aSommerhaus\u2019), eigentlich Gudbjartur Jonsson<\/p>\n<p>(isl\u00e4ndische Namensgebung: Vorname als wichtigster Teil des Namen und Vatersnamen, einen Nachnamen kennt man nicht \u2013 fr\u00fcher, wie hier und wie es Laxness f\u00fcr sich selbst w\u00e4hlte, benutze man Vornamen mit Herkunftsbeschreibung, hier: in \u2013 oder auch: auf Sumarhus)<\/p>\n<p>&#8211; 1. Frau Rosa (Vater Thordur bzw. \u00deordur in Nidurkot) , eigentlich Rosa \u00deordursdottir<br \/>\n&#8211; dessen Tochter <strong>Asta Sollilja<\/strong>, genannt Sola (Stieftochter Bjarturs \u2013 eigentlicher Vater ist Ingolfur Arnarson Jonsson)<\/p>\n<p>&#8211; 2. Frau Finna (Vater: Thorarinn bzw. \u00deorarinn auf Urdarsel\/Sandgilsheide bzw. Ur\u00f0arsel, wo sich Bjartur zuletzt niederl\u00e4sst), eigentlich Finna \u00deorarinnsdottir<br \/>\n&#8211; ihre Mutter Hallbera, genannt Bera<\/p>\n<p>gemeinsame S\u00f6hne mit Bjartur:<br \/>\n&#8211; <strong>Helgi<\/strong><br \/>\n&#8211; <strong>Gvendur<\/strong> (eigentlich Gudmundur bzw. Gu\u00f0mundur)<br \/>\n&#8211; <strong>Nonni<\/strong> (eigentlich Jon) (einige Kapitel sind aus seiner Sicht geschrieben)<\/p>\n<p>Die Leute von <strong>Utiraudsmyri<\/strong>, auch Raudsmyri oder nur Myri genannt<br \/>\n&#8211; <strong>Ingolfur Arnarson Jonsson<\/strong>, &#8222;Ziehbruder&#8220; von Bjartur<\/p>\n<p>Benachbarte Bauern (und Freunde), mit denen Bjartur bei Kaffee und Kuchen lange wirklich k\u00f6stlich philosophische Gespr\u00e4che f\u00fchrt (Kaffee ist gewisserma\u00dfen das Nationalgetr\u00e4nk Islands, nichts geht ohne Kaffee \u2013 und so ist es heute noch in Restaurant, Cafes usw. Brauch, eine zweite Tasse Kaffee umsonst zu bekommen):<\/p>\n<p>&#8211; <strong>Thorir (\u00deorir) auf Gilteigur<\/strong><br \/>\n&#8211; <strong>Olafur in Ystidalur<\/strong> (Ysti\u00f0alur)<br \/>\n&#8211; <strong>Einar in (oder auf) Undirhlid<\/strong> (Un\u00f0irhlid)<br \/>\n&#8211; <strong>Hrollaugur auf Keldur<\/strong> (Kel\u00f0ur)<\/p>\n<p><strong>Einiges zum Inhalt:<\/strong> Obwohl Asta Sollilja, genannt Sola, nicht die Tochter von Bjartur ist, liebt er sich innig. Aber in seiner Starrk\u00f6pfigkeit verst\u00f6\u00dft er sie, als sie in jungen Jahren schwanger wird. Die von ihr geborene Tochter bekommt den Namen Bj\u00f6rt, was die weibliche Form von Bjartur ist. Sola zeigt sich ebenso starrk\u00f6pfig wie ihr Stiefvater. Beide gehen sich jahrelang aus dem Weg. Der Roman endet aber vers\u00f6hnlich. Als Bjarturs Hof versteigert wird, mach er sich wieder auf den Weg \u2013 und macht einen Umweg, um Sola, die inzwischen schwer lungenkrank ist, bei sich aufzunehmen. Das weitere Ende bleibt offen &#8230;<\/p>\n<p>Der Roman spielt auf einem Geh\u00f6ft namens Sumarhus (\u201aSommerhaus\u2019), das fr\u00fcher einmal Albogastadir auf der Heide und zuletzt Veturhus (\u201aWinterhaus\u2019) hie\u00df, um die Zeit des Ersten Weltkrieges. Auf dem Hof lastet ein alter Fluch, denn vor vielen Jahren trieb die Hexe Gunnv\u00f6r bzw. Gudv\u00f6r (oder auch Gu\u00f0v\u00f6r) hier im Namen von Kolumkilli, dem Iren und gro\u00dfen Geisterbeschw\u00f6rer, der in der ersten Zeit des Papsttums von den Britischen Inseln nach Island gesegelt kam, ihr Unwesen. Das Geh\u00f6ft liegt bei der Ortschaft Utiraudsmyri, umgeben von den Blauen Bergen (isl\u00e4ndisch: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bl%C3%A1fj%C3%B6ll\" target=\"_blank\">Bl\u00e1fj\u00f6ll<\/a>), die liegen etwa 20 km s\u00fcdwestlich von Reykjav\u00edk.<\/p>\n<p>Im Roman finden sich wieder viele Bez\u00fcge zu alten isl\u00e4ndischen Sagas (zuletzt hei\u00dft es auf Seite 549: <em>\u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grettir_der_Starke\" target=\"_blank\">Grettir Asmundarson<\/a> war neunzehn Jahre lang ein friedloser Ge\u00e4chteter in den Gebirgen Islands, bis er auf der Insel Grangey erschlagen wurde; dennoch wurde f\u00fcr ihn in Konstantinopel, der gr\u00f6\u00dften Stadt der Welt, Rache genommen. Vielleicht werde auch ich<\/em> [Bjartur] <em>im Lauf der Zeiten ger\u00e4cht. &#8230;\u201c<\/em>), es hat viele leise, sehr lyrische Passagen. Aber er ist auch eine unverhohlene Kritik an den sozialen Missst\u00e4nden fr\u00fcherer Jahre. Selbst als der Staat die Bauernschaft unterst\u00fctzt, so kommt dies nur den Gro\u00dfbauern zugute, nicht Bauern wie Bjartur, die zudem die Zeche zu bezahlen haben. Im Mittelpunkt dieser Politik steht Ingolfur Arnarson Jonsson, eigentlicher Vater von Asta Sollilja, Sohn des Gemeindevorstehers und Ziehbruder Bjarturs (der Knecht auf dem Hof des Gemeindevorstehers war), der zun\u00e4chst in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Althing\" target=\"_blank\">Althing<\/a>, dem isl\u00e4ndischen Parlament, gew\u00e4hlt wird und sp\u00e4ter \u2013 fiktiv \u2013 zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Premierminister_von_Island\" target=\"_blank\">Ministerpr\u00e4sidenten<\/a> Islands (seine beiden Vornamen beziehen sich auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ing%C3%B3lfur_Arnarson\" target=\"_blank\">Ing\u00f3lfur Arnarson<\/a>, mit dem offiziell die sogenannte Landnahme Islands (zwischen 870 und 930) begann und der als Gr\u00fcnder der isl\u00e4ndischen Hauptstadt Reykjav\u00edk gilt).<\/p>\n<p>\u201eSein eigener Herr\u201c ist ein herrlich altmodischer Roman. Bemerkenswert sind die bissigen Dialoge, die Bjartur mit dem Gemeindevorsteher und all den anderen f\u00fchrt. Allein diese sind des Lesens wert. Und bei all den Nackenschl\u00e4gen, die die Protagonisten einstecken m\u00fcssen, bleibt immer ein letztes F\u00fcnklein Hoffnung. Wie hei\u00dft es u.a. im Roman:<\/p>\n<p><em>Das merkw\u00fcrdigste an den Tr\u00e4umen des Menschen ist, da\u00df sie alle in Erf\u00fcllung gehen; das ist von jeher so gewesen, auch wenn die Menschen es nicht wahrhaben wollen. Und es ist typisch f\u00fcr das Verhalten des Menschen, da\u00df er durchaus nicht erstaunt ist, wenn seine Tr\u00e4ume in Erf\u00fcllung gehen; es ist, als ob er von jeher damit gerechnet hat. Bestimmung und Endpunkt sind Geschwister, die beide im selben Herzen schlummern.<\/em> (S. 414)<\/p>\n<p>Wie verabschiedet man sich auf Island? <strong><a href=\"http:\/\/en.wiktionary.org\/wiki\/s%C3%A6l_og_blessu%C3%B0\" target=\"_blank\">S\u00e6l og blessu\u00f0!<\/a> <em>Gl\u00fcck und Segen!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Literatur in Steidl Verlag (der u.a. auch G\u00fcnter Grass verlegt) von <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=Halldor%20Laxness&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\"><strong>Halld\u00f3r Laxness<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p>siehe auch:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=4076\" target=\"_blank\">Halld\u00f3r Laxness: Islandglocke<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=4343\" target=\"_blank\">Halld\u00f3r Laxness: Am Gletscher<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBjartur hat achtzehn Jahre lang als Knecht geschuftet, um eines Tages seinen eigenen Hof zu besitzen. Sumarhus nennt er sein k\u00fcmmerliches Anwesen, das abseits im unwirtlichen Heideland liegt. Bjartur ist entschlossen, ein freier und unabh\u00e4ngiger Mensch zu sein, sein eigener Herr \u2013 diesem Ziel opfert er Gl\u00fcck und Gesundheit seiner Familie. 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