{"id":4471,"date":"2011-05-23T09:40:41","date_gmt":"2011-05-23T08:40:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=4471"},"modified":"2011-05-23T06:44:44","modified_gmt":"2011-05-23T05:44:44","slug":"emporung-und-melancholie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=4471","title":{"rendered":"Emp\u00f6rung und Melancholie"},"content":{"rendered":"<p>Der d\u00e4nische Regisseur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lars_von_Trier\" target=\"_blank\">Lars von Trier<\/a> gilt als einer der markantesten und umstrittensten europ\u00e4ischen Filmemacher der Gegenwart. Seine Werke sind d\u00fcster und werfen einen \u00e4u\u00dferst pessimistischen Blick auf die menschliche Existenz. \u201eIch provoziere nicht nur die anderen, ich erkl\u00e4re mir, meiner Erziehung, meinen Werten, auch st\u00e4ndig selbst den Krieg.\u201c (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2005\/46\/Trier-Interview\" target=\"_blank\">zeit.de<\/a>)<\/p>\n<p>Auf den <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/0\/0,3672,8239872,00.html\" target=\"_blank\">Filmfestspielen in Cannes<\/a> stellte Lars von Trier jetzt seinen neuesten Film &#8222;Melancholia&#8220;, eine d\u00fcstere Geschichte um Depressionen und die Apokalypse, vor. W\u00e4hrend einer Pressekonferenz verhaspelte es sich f\u00f6rmlich und erz\u00e4hlte, dass seine Familie deutsche Wurzeln habe. &#8222;Ich bin ein Nazi&#8220;, schlussfolgerte er und f\u00fcgte hinzu: &#8222;Ich verstehe Hitler. Ich glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende.&#8220; Au\u00dferdem m\u00f6ge er die Architektur von Albert Speer.<\/p>\n<p>Die Emp\u00f6rung war nat\u00fcrlich gro\u00df. Die Festivalleitung des Filmfestes in Cannes erkl\u00e4rte Lars von Trier zur unerw\u00fcnschten Person. Bereits am Abend nach dem Interview <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/15\/0,3672,8240015,00.html\" target=\"_blank\">entschuldigte sich der D\u00e4ne<\/a> f\u00fcr seine Bemerkungen: &#8222;Wenn ich heute Morgen jemanden durch meine Worte verletzt habe, m\u00f6chte ich mich aufrichtig entschuldigen. Ich bin weder antisemitisch, habe keine rassistischen Vorurteile, noch bin ich ein Nazi.&#8220;<\/p>\n<p>Also Aufregung um nichts? \u201eWeil Lars von Trier seit Jahren als Garant f\u00fcr jede Art von Provokationen gilt und gerade wegen seiner Rolle als Enfant terrible gesch\u00e4tzt und eingeladen wird. Wenn man sich schon wundern will, dann dar\u00fcber, dass von Trier mittlerweile auch zur billigsten aller Provokationen greift, um Aufmerksamkeit zu heischen.\u201c (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2011-05\/hitler-von-trier\" target=\"_blank\">zeit.de<\/a>)<\/p>\n<p>Die Frage ist, ob mehr hinter dieser geistigen Entgleisung von Lars von Trier steckt. Hitler, der Nationalsozialismus, das ganze Drumherum um diese menschverachtende Ideologie hat immer wieder K\u00fcnstler veranlasst, nach dem Warum zu fragen. Vielleicht ist das ein Aspekt, der von Trier zu diesen unsinnigen \u00c4u\u00dferungen veranlasst hat: Hitler im Bunker, am Ende! Lars von Trier ist kein Nazi. Die gegenteilige Bemerkung war scherzhaft gemeint, ging aber v\u00f6llig in die Hose. Die Reaktion der Festivalleitung war ebenso unsinnig und \u00fcberzogen \u2013 und zudem inkonsequent. Auch sein Film h\u00e4tte dann aus dem Wettbewerb genommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was mich dabei besch\u00e4ftigt, ist die Frage nach dem Umgang mit solchen \u00c4u\u00dferungen. Im Falle von Triers ist sein Ausschluss bestimmt nicht die richtige L\u00f6sung, auch wenn er \u00fcber alle Ma\u00dfen die Geschmacksgrenzen \u00fcberschritten hat. Im Grunde ist nicht nur von Triers Provokation billig \u2013 es ist auch die Aufregung dar\u00fcber. Warum ist es eigentlich ein so Leichtes, immer wieder Emp\u00f6rung zu erzielen, wenn man mit dem Namen Hitler herausfordern m\u00f6chte? Besteht nicht die Gefahr, in aller Erregung am Ende verlogen, zumindest \u00fcberzogen oder gar albern zu wirken? Jede \u00dcberempfindlichkeit ist wenig dienlich. Und Ausgrenzung best\u00e4rkt nur den Ausgegrenzten in seinen gedanklichen Vorstellungen. Neo-Nazis berufen sich immer wieder darauf, ausgegrenzt zu sein und leiten daraus ein besonderes Recht (eine Art M\u00e4rtyrertum) f\u00fcr sich ab. Wenn, dann m\u00fcssen wir uns der Provokation stellen, sie als das entlarven, was sie ist und verdeutlichen, das es zu diesem besonderen Recht keine Veranlassung gibt, im Gegenteil: das einige ganz gezielt Profite erzielen wollen, indem sie ihre Gesinnungsgenossen schamlos abzocken.<\/p>\n<p>Lars von Trier ist ein Misanthrop, aber er ist kein Nazi. Er ist ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher K\u00fcnstler, der gern provoziert. Jetzt ist Cannes hat er sich ziemlich vergaloppiert und damit seine Karriere aufs Spiel gesetzt. Immerhin ist sein Film \u201eMelancholia\u201c im Wettbewerb von Cannes 2011 geblieben und hat <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/content\/tv\/02__Universes\/U3__Cine__Cinema\/04-Dossiers\/2011.04.20__cannes2011\/02__Au-jourlejour\/Jour__12__Palmar_C3_A8s\/Interpr_C3_A9tation-f_C3_A9minine\/3925700.html\" target=\"_blank\">Kirsten Dunst den Preis als beste Hauptdarstellerin<\/a> eingebracht.<\/p>\n<p>Siehe auch spiegel.de: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/0,1518,763704,00.html\" target=\"_blank\">Was bleibt, ist Melancholie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der d\u00e4nische Regisseur Lars von Trier gilt als einer der markantesten und umstrittensten europ\u00e4ischen Filmemacher der Gegenwart. 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