{"id":4966,"date":"2011-10-02T16:10:59","date_gmt":"2011-10-02T15:10:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=4966"},"modified":"2011-10-02T16:10:59","modified_gmt":"2011-10-02T15:10:59","slug":"herr-und-knecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=4966","title":{"rendered":"Herr und Knecht"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich hier meinen Beitrag <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=4910\" target=\"_blank\">Rechtes Schattenland<\/a> fortsetzen und \u00fcber meine Recherche in Netz der rechten Szene berichten (vielleicht sp\u00e4ter). Statt dessen m\u00f6chte ich \u00fcber das Thema \u201aHerr und Knecht\u2019 philosophieren, um es einmal so zu sagen. Ich sage es gleich: Ich komme nicht dort an, wo ich beginne &#8230; Und beginnen m\u00f6chte ich mit Tolstoi.<\/p>\n<p><em>\u201eAls sich ein wohlhabender, profitgieriger Kaufmann und sein folgsamer und dem\u00fctiger Knecht beim Durchqueren der Steppe im Schneegest\u00f6ber verirren, sehen sie sich pl\u00f6tzlich mit der Unausweichlichkeit des nahenden Todes konfrontiert. In dem Bewusstsein beider Seiten, in dieser Ausnahmesituation gleichgestellt und aufeinander angewiesen zu sein, treten die Standesunterschiede zunehmend in den Hintergrund.<\/em><\/p>\n<p><em>Tolstoi erz\u00e4hlt die Wandlung eines Menschen vom Besitzegoismus zu t\u00e4tiger N\u00e4chstenliebe: Der Kaufmann Brechunow, dessen Leben bis dahin dem Zusammenraffen von Reicht\u00fcmern gewidmet war, w\u00e4chst angesichts des nahenden Endes in einem Schneesturm \u00fcber sich hinaus und rettet unter Aufopferung seines Lebens seinen Knecht Nikita vor dem Tode. \u201aEr begriff, da\u00df sein Ende nahe war, aber das machte ihn nicht im geringsten traurig oder \u00e4rgerlich &#8230; Nikita lebt, sagte er sich &#8230; also lebe auch ich.\u2019\u201c<\/em><br \/>\nKlappentext zu Leo Tolstoi: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/315003373X\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=315003373X\" target=\"_blank\">Herr und Knecht<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=315003373X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p>Hier geht es um das \u201atraditionelle\u2019 Herr-und-Knecht-Verh\u00e4ltnis, wie wir es heute so eigentlich nicht mehr kennen. Wir leben in einer aufgekl\u00e4rten Welt, in der jeder sein eigener Herr (und Knecht) ist. Dabei denken wir, selbst Herr unseres Lebens zu sein \u2013 und sind doch eher Knecht unserer Neigungen, unerf\u00fcllbaren W\u00fcnsche und Gel\u00fcste, oft auch unserer Unzul\u00e4nglichkeiten.<\/p>\n<p>Aber ich will hier \u00fcber etwas ganz anderes schreiben. Ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Knecht\" target=\"_blank\">Knecht<\/a> ist heute nichts anderes als ein Arbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Und ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herr\" target=\"_blank\">Herr<\/a> kann jeder Mann sein. Erweitere ich die Begriffe um eine Silbe zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herrschaft\" target=\"_blank\">Herrschaft<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Knechtschaft\" target=\"_blank\">Knechtschaft<\/a>, so wird uns die fr\u00fchere Bedeutung der Worte Herr und Knecht um vieles deutlicher. Das eine hat etwas mit Machtaus\u00fcbung zu tun, das andere ist der Zustand der Rechtlosigkeit und Ausbeutung.<\/p>\n<p>Heute spricht man nicht mehr von Herr und Knecht. Herren sind heute Chefs, Manager, Vorgesetzte \u2013 wir kennen viele Namen. Und was fr\u00fcher einmal ein Knecht war, ist heute ein von anderen Abh\u00e4ngiger. Ich wei\u00df nicht, ob fr\u00fcher einmal der Knecht sich seines Knechttums oder gar seiner Knechtschaft bewusst war. Heutige \u201aKnechte\u2019 werden sich in fast allen F\u00e4llen weigern, sich als Knecht zu sehen. Denn die Beziehungen sind heute auch kaum mit dem fr\u00fcheren Herr-und-Knecht-Verh\u00e4ltnis zu vergleichen. Denn ein \u201aKnecht\u2019 heute ist nicht unbedingt rechtlos.<\/p>\n<p>Ich will auf ein Beispiel zu sprechen kommen: In meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=4910\" target=\"_blank\">Rechtes Schattenland<\/a> berichtete ich von der rechten Szene bei uns hier in Tostedt. Totalit\u00e4re System existieren aufgrund eines Herr-und-Knecht-Verh\u00e4ltnisses. Im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=812\" target=\"_blank\">Bestie Mensch<\/a> beschrieb ich kurz die Rollen der \u201aManager des Todes\u2019 (Herr) und ihrer Handlungsgehilfen bzw. Handlager (Knecht). Nat\u00fcrlich gibt es z.B. auch in einer Demokratie diejenigen, die f\u00fchren, und solche, die folgen und ausf\u00fchren. Ein totalit\u00e4res System lebt aber von der besonderen Auspr\u00e4gung der Beziehung zwischen Herr und Knecht. Obwohl der Begriff \u201aHerr\u2019 in der rechten Szene verp\u00f6nt ist, gibt es gerade dort \u201aHerren\u2019, die das Sagen haben, die die F\u00fchrung \u00fcbernehmen und die Richtung vorgeben \u2013 und \u201aKnechte\u2019, die bedingungslos (gewisserma\u00dfen rechtlos) zu folgen haben.<\/p>\n<p>Ich will hier die Rollen nicht weiter untersuchen, das hat u.a. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel\" target=\"_blank\">Hegel<\/a> in seiner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ph%C3%A4nomenologie_des_Geistes#Herrschaft_und_Knechtschaft\" target=\"_blank\">Ph\u00e4nomenologie des Geistes<\/a> getan. Darin besch\u00e4ftigte sich der Philosoph ausf\u00fchrlich um die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herrschaft_und_Knechtschaft\" target=\"_blank\">Dialektik von Herr und Knecht<\/a>. Einen Gedanken will ich hier aber doch ausf\u00fchren: Der Knecht ist zwar Knecht kraft seiner erzwungenen Unterordnung, jedoch ist der Status des Herrn von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herrschaft_und_Knechtschaft#Kampf_um_Anerkennung\" target=\"_blank\">Anerkennung seiner Herrschaft<\/a> durch den Knecht abh\u00e4ngig. Wird diese Anerkennung bestritten, dann kann das evtl. zum Zusammenbruch des ganzen Systems f\u00fchren. Zur\u00fcck zu meinem Beispiel: Gefolgsleute, d.h. Handlanger, rechter F\u00fchrer, die aus der Szene aussteigen (und damit den F\u00fchrungsanspruch der \u201aHerren\u2019 in Frage stellen), gef\u00e4hrden die \u201aHerrschaft\u2019 insgesamt. Daher werden die \u201aHerren\u2019 alles tun, um solche Ausstiege zu verhindern.<\/p>\n<p>So braucht unbedingt jeder, der aus der rechten Szene aussteigen will, die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung von au\u00dfen. Bezogen auf unseren Wohnort Tostedt bedeutet das die Unterst\u00fctzung durch <a href=\"http:\/\/www.tostedt.de\/internet\/page.php?naviID=912000048&#038;site=12000293&#038;typ=2&#038;rubrik=12000019\" target=\"_blank\">Jugendpflege<\/a> in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie z.B. dem <a href=\"http:\/\/www.tostedt-gegen-rechts.de\/\" target=\"_blank\">Forum f\u00fcr Zivilcourage<\/a> oder dem <a href=\"http:\/\/www.cool-und-clever.de\/html\/kontakt__impressum.html\" target=\"_blank\">Projekt \u201eCool &#038; Clever\u201c<\/a>.<\/p>\n<p><em>Herr und Knecht:<\/em> Von der Literatur und Philosophie des 19. Jahrhunderts (Tolstoi und Hegel) kommt man so zur traurigen heutigen Wirklichkeit. Nur verdingen sich Menschen zu Knechten nicht der eigenen Not wegen; sie machen sich zu Sklaven einer menschenverachtenden Weltanschauung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich hier meinen Beitrag Rechtes Schattenland fortsetzen und \u00fcber meine Recherche in Netz der rechten Szene berichten (vielleicht sp\u00e4ter). Statt dessen m\u00f6chte ich \u00fcber das Thema \u201aHerr und Knecht\u2019 philosophieren, um es einmal so zu sagen. 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