{"id":5056,"date":"2011-10-23T09:04:02","date_gmt":"2011-10-23T08:04:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=5056"},"modified":"2011-10-22T14:30:12","modified_gmt":"2011-10-22T13:30:12","slug":"zen-in-der-kunst-des-bogenschiesens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=5056","title":{"rendered":"Zen in der Kunst des Bogenschie\u00dfens"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine kleine Schrift von gerade einmal 90 Seiten, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eugen_Herrigel\" target=\"_blank\">Eugen Herrigel<\/a> 1951 ver\u00f6ffentlicht hat. Von 1929 bis 1948 war er u.a. Professor f\u00fcr systematische Philosophie in Erlangen. Zuvor war er in Japan t\u00e4tig und lernte dort den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buddhismus\" target=\"_blank\">Buddhismus<\/a>, speziell den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zen\" target=\"_blank\">Zen-Buddhismus<\/a> kennen. Das Buch wirkt etwas angestaubt, aber es ist doch eine gute Einleitung in diese fern\u00f6stliche Anschauung: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=zen%20in%20der%20Kunst%20des%20Bogenschie%C3%9Fens&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\"><strong>Zen in der Kunst des Bogenschie\u00dfens<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/p>\n<p>Obwohl ich dieses kleine B\u00fcchlein wirklich empfehlen kann, so darf nicht verschwiegen werden, dass Eugen Herrigel alles andere als eine unumstrittene Person war: \u201eAm 1. Mai 1937 trat Herrigel in die NSDAP ein und machte Karriere. In verschiedenen Schriften der folgenden Jahren stellte er u.a. vermeintliche Gemeinsamkeiten in deutschen und japanischen Tugenden dar, darunter die Opferbereitschaft f\u00fcr das Vaterland und die Furchtlosigkeit vor dem Tode. Herrigel schrieb 1944 \u00fcber das Ethos des Samurai: <em>so verstehen wir unseren tapferen Bundesgenossen im fernen Osten doch in allem Wesentlichen, wie es f\u00fcr uns wie f\u00fcr ihn heiligste \u00dcberzeugung ist, da\u00df, nach einem tiefen Wort H\u00f6lderlins, f\u00fcr das Vaterland noch keiner zu viel gefallen ist.<\/em> Er pries den unbedingten soldatischen Gehorsam zum Wohle des eigenen Volkes. 1938 wurde er Prorektor und 1944\/45 Rektor der Universit\u00e4t Erlangen.\u201c<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/zen_bloggen.gif\" alt=\"Zen-Buddhismus\" title=\"Zen-Buddhismus\" \/><\/ul>\n<p>Zur\u00fcck zum Buch: Es wurde nicht nur in Deutschland sehr popul\u00e4r und trug ma\u00dfgeblich zur Bekanntheit des Zen in Europa bei. In dem Vorwort von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daisetz_Teitaro_Suzuki\" target=\"_blank\">Deisetz T. Suzuki<\/a>, der gerade durch seine B\u00fccher und durch die Zusammenarbeit mit namhaften Gr\u00f6\u00dfen (z.B. <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=erich+fromm\" target=\"_blank\">Erich Fromm<\/a>) dem Westen den Zen-Buddhismus gleichfalls n\u00e4her gebracht hat, steht:<\/p>\n<p><em>\u201aEiner der wesentlichsten Faktoren in der Aus\u00fcbung des Bogenschie\u00dfens<\/em> [usw.]&#8230; <em>ist die Tatsache, da\u00df sie keinen n\u00fctzlichen Zwecken dienen, auch nicht zum rein \u00e4sthetischen Vergn\u00fcgen gedacht sind, sondern eine Schulung des Bewu\u00dftseins bedeuten und dieses in Beziehung zur letzten Wirklichkeit bringen sollen. So wird Bogenschie\u00dfen nicht allein ge\u00fcbt, um die Scheibe zu treffen &#8230;, sondern vor allem soll das Bewu\u00dftsein dem Unbewu\u00dften harmonisch angeglichen werden.\u2018<\/em><\/p>\n<p>Eines der wichtigsten Punkte beim Bogenschie\u00dfen ist die <em>\u201aKonzentration durch Atmung\u2018<\/em>. Der Autor beschreibt es wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201aDr\u00fccken Sie nach dem Einatmen den Atem sachte herunter, so dass sich die Bauchwand m\u00e4\u00dfig spannt und halten Sie ihn da f\u00fcr eine Weile fest. Dann atmen Sie m\u00f6glichst langsam und gleichm\u00e4\u00dfig aus, um nach kurzer Pause mit einem raschen Zug wieder Luft zu sch\u00f6pfen \u2013 in einem Aus und Ein fortan, dessen Rhythmus sich allm\u00e4hlich selbst bestimmen wird.\u2018<\/em><\/p>\n<p>Das Bogenschie\u00dfen selbst wird in Abschnitte gegliedert, bei denen die richtige Atmung vielleicht die wichtigste Rolle spielt:<\/p>\n<p><em>\u201aDer einheitliche Vorgang des Spannens und Schie\u00dfens wurde in die Abschnitte: Ergreifen des Bogens \u2013 Auflegen des Pfeiles \u2013 Hochnehmen des Bogens &#8211; Spannen und Verweilen in der h\u00f6chsten Spannung \u2013 L\u00f6sung des Schusses zerlegt. Jeder von ihnen wurde durch Einatmen eingeleitet, durch Festhalten des heruntergedr\u00fcckten Atems getragen und durch Ausatmen abgeschlossen.\u2018<\/em><\/p>\n<p>Der Weg ist ein sehr langer. Der Autor des kleinen B\u00fcchleins hat mehrere Jahre bei einem Meister gelernt. Dieser verdeutlichte ihm, dass, <em>\u201a&#8230; wer sich am Anfang leicht tut, tut sich sp\u00e4ter um so schwerer.\u2018<\/em><\/p>\n<p>Das Bogenschie\u00dfen im Einzelnem:<\/p>\n<p><em>\u201aBeim Spannen wird der Daumen unterhalb des Pfeiles um die Bogensehne herumgelegt und eingeschlagen, Zeige-. Mittel- und Ringfinger greifen \u00fcber ihn, umschlie\u00dfen ihn fest und geben damit zugleich dem Pfeil sicheren Halt. L\u00f6sen des Schusses hei\u00dft dann: Die den Daumen umschlie\u00dfenden Finger \u00f6ffnen sich und geben ihn frei.\u2018 Sodass sich \u201a&#8230; die recht Hand &#8230; pl\u00f6tzlich ge\u00f6ffnet und von der Spannung befreit, zwar ruckartig zur\u00fcckschnellte, aber nicht die geringste Ersch\u00fctterung des K\u00f6rpers hervorrief.\u2018<\/em><\/p>\n<p>Das Bogenschie\u00dfen als Bild: <em>\u201aMit dem oberen Ende des Bogens durchst\u00f6\u00dft der Bogensch\u00fctze den Himmel, am unteren Ende h\u00e4ngt, mit einem Seidenfaden befestigt, die Erde. Wird der Schu\u00df mit starkem Ruck gel\u00f6st, besteht die Gefahr, dass der Faden zerrei\u00dft. F\u00fcr den Absichtlichen und Gewaltt\u00e4tigen wird dann die Kluft endg\u00fcltig, und der Mensch verbleibt in der heillosen Mitte zwischen Himmel und Erde.\u2018 \u2013 \u201a&#8230; <strong>wenn die Spannung erf\u00fcllt ist, mu\u00df der Schu\u00df fallen, er mu\u00df vom Sch\u00fctzen abfallen wie die Schneelast vom Bambusblatt<\/strong>, noch ehe er es gedacht hat.\u2018<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/schnee_bambus.jpg\" alt=\"... wenn die Spannung erf\u00fcllt ist, mu\u00df der Schu\u00df fallen, er mu\u00df vom Sch\u00fctzen abfallen wie die Schneelast vom Bambusblatt\" title=\"... wenn die Spannung erf\u00fcllt ist, mu\u00df der Schu\u00df fallen, er mu\u00df vom Sch\u00fctzen abfallen wie die Schneelast vom Bambusblatt\" \/><\/p>\n<p>Der Autor fragte den Meister: <em>\u201aWie kann denn \u00fcberhaupt der Schu\u00df gel\u00f6st werden, wenn \u201aich\u2019 es nicht tue?<\/em> \u2013 Des Meisters Antwort: <em>\u201aEs\u2019 schie\u00dft.\u2018<\/em><\/p>\n<p>Und als es nicht klappen wollte, da sagte der Meister: <em>\u201aIhre Pfeile werden nicht ausgetragen &#8230;, weil sie geistig nicht weit genug reichen. Sie m\u00fcssen sich so verhalten, als w\u00e4re das Ziel unendlich fern.\u2018 Und: \u201a\u00dcber schlechte Sch\u00fcsse sollen Sie sich nicht \u00e4rgern, &#8230; sich \u00fcber gute Sch\u00fcsse nicht freuen. Von dem Hin und Her zwischen Lust und Unlust m\u00fcssen Sie sich l\u00f6sen &#8230;, in gelockertem Gleichmut dar\u00fcber &#8230; stehen.\u2018<\/em><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt gilt: <em>\u201aDie \u201aGro\u00dfe Lehre\u2019 des Bogenschie\u00dfens &#8230; wei\u00df nichts von einer Scheibe, die in bestimmter Entfernung vom Sch\u00fctzen aufgestellt ist. Sie wei\u00df nur von dem Ziel, das sich auf keine Weise technisch erzielen l\u00e4sst &#8230;: Buddha!\u2018<\/em> \u2013 Wir k\u00f6nnen auch sagen: den Weg zu uns selbst!<\/p>\n<p>Und: <em>\u201aEs gibt Stufen der Meisterschaft, und erst, wer die letzte erreicht hat, kann auch das \u00e4u\u00dfere Ziel nicht mehr verfehlen.\u2018 \u2013 \u201aWer es vermag &#8230; mit dem Horn des Hasen und dem Haar der Schildkr\u00f6te zu schie\u00dfen, also ohne Bogen (Horn) und Pfeil (Haar) die Mitte zu treffen, der erst ist Meister im h\u00f6chsten Sinne des Wortes &#8230;\u2018<\/em><\/p>\n<p>Das Bogenschie\u00dfen gilt im Zen-Buddhismus als meditative \u00dcbung. Wie in der inneren Versenkung der Meditation so findet der das Bogenschie\u00dfen Aus\u00fcbende den rechten Weg und die harmonische Angleichung des Bewu\u00dftseins an das Unbewu\u00dfte, wie Suzuki einleitend schreibt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/kolumne.html#Zen\" target=\"_blank\"><em>Juni 2000<\/em><\/a><\/p>\n<p>siehe auch meinen Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1202\" target=\"_blank\">Zen des Bloggens<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine kleine Schrift von gerade einmal 90 Seiten, die Eugen Herrigel 1951 ver\u00f6ffentlicht hat. Von 1929 bis 1948 war er u.a. Professor f\u00fcr systematische Philosophie in Erlangen. Zuvor war er in Japan t\u00e4tig und lernte dort den Buddhismus, speziell den Zen-Buddhismus kennen. 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