{"id":508,"date":"2006-06-11T09:28:16","date_gmt":"2006-06-11T07:28:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=508"},"modified":"2006-06-08T08:02:42","modified_gmt":"2006-06-08T06:02:42","slug":"der-kiepenkerl-und-der-teufel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=508","title":{"rendered":"Der Kiepenkerl und der Teufel"},"content":{"rendered":"<p><em>Sagen und M\u00e4rchen haben auch heute noch ihren Reiz. Und welche Region in Deutschland hat nicht ihre eigenen Sagen, die eng mit der Landschaft und den Menschn dort verkn\u00fcpft sind. Ich wohne nun mit meinen Lieben in <strong>Tostedt<\/strong>, also in einem kleien Ort in der L\u00fcneburger Heide auf fast halben Weg zwischen Bremen und Hamburg. Auch aus dieser Gegend kommen Sagen. Auf der Suche nach einer, die irgendwie mit meinem Wohnort zu tun hat, bin ich auf folgende kurze Sage gesto\u00dfen, in der Tostedt zumindest als Lokalit\u00e4t auftaucht. Und vielleicht ist der Kiepenkerl, von dem die Rede ist, aus Tostedt geb\u00fcrtig und hat sich dort seine Hofstelle gekauft.<\/em><\/p>\n<p><img alt=\"Tostedt\" src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/tostedt.jpg\" \/><\/p>\n<p>Ein uralter und ausgefahrener Weg f\u00fchrt von <strong>Tostedt<\/strong> her quer durch die Nordheide, vorbei am Scheinberg und Falkenberg bei Neugraben, dann durchs Moor zur Elbe nach Moorburg. Dieser Weg wurde in fr\u00fcheren Jahrhunderten allgemein viel von Eier- und H\u00fchneraufk\u00e4ufern benutzt, die ihre Ware nach Hamburg zum Verkauf brachten; daher hei\u00dft er heute noch im Volksmunde &#8222;K\u00fcken- oder Heunerstieg&#8220;. Diesen Weg benutzte eines Tages ein sogenannter &#8222;Kiepenkerl&#8220;. Beim Erhandeln seines Federviehes und der Eier war es sehr sp\u00e4t geworden, so da\u00df er erst gegen Mitternacht bei hellem Mondenschein durch die Neugrabener Heide am Falkenberg vorbeikam. Der Mann wollte von Moorburg aus mit dem Schiff nach Hamburg fahren, um dort am anderen Morgen seine Eier zu verkaufen. Unterwegs rauchte er seine kurze Pfeife, die ihm ausging. Da er kein Feuerzeug bei sich f\u00fchrte, so wollte es das Gl\u00fcck, da\u00df er, als er am Falkenberg vorbeikam, gl\u00fchende Kohlen am Wege liegen sah. &#8222;Halt!&#8220; dachte er, &#8222;da haben gestern die Sch\u00e4fer ein Feuer gehabt. Das trifft sich gut. Hier kann ich endlich meine Pfeife wieder anstecken. Das trifft sich ja pr\u00e4chtig!&#8220; Er klopft also seine Pfeife aus, stopft sie aufs neue mit Tabak und b\u00fcckt sich, eine Kohle aufzunehmen. Kaum hat er diese erfa\u00dft, so bekommt er einen heftigen Schlag in den Nacken, so da\u00df er zur Erde taumelte. &#8222;Wat schall so &#8217;n Unsinn!&#8220; ruft der erschrockene Mann aus und dreht sich um; aber kein Mensch ist zu sehen.<\/p>\n<p>Er wundert sich nicht schlecht und geht bald seines Weges weiter durchs Moor nach der Elbe zu. Als er auf dem Schiff seine Pfeife ausklopft, fallen mehrere blinkende Goldst\u00fccke heraus. Ganz erstaunt hebt er sie auf und beschaut sich nach allen Seiten hin. Er ist starr vor Verwunderung und gr\u00fcbelt st\u00e4ndig \u00fcber seinen ihm in den Scho\u00df gefallenen Schatz nach. Da f\u00e4llt ihm das Kohlenfeuer am Falkenberg ein. Er hat in seiner Jugendzeit oft die Geschichte von den Sch\u00e4tzen geh\u00f6rt, die der Teufel dort bewachen soll. Schnell bringt der Kiepenkerl am andern Morgen in Hamburg seine Eier und H\u00fchner auf den Markt und eilt wieder heim, um m\u00f6glichst rasch nach dem Falkenberg zu kommen. Hofft er doch, dort weitere Sch\u00e4tze zu finden. Das Feuer ist zwar erloschen. Der Mann r\u00fchrt mit seinem Stock in der Asche, und richtig findet er noch einige Goldst\u00fccke. Er waren Sch\u00e4tze des Teufels, die dieser beim gestrigen Mondenschein an die Oberwelt gebracht und sich an ihrem Glanz erg\u00f6tzt hatte. In der Eile hatte er einige St\u00fccke vergessen, die nun dem gl\u00fccklichen H\u00e4ndler in die H\u00e4nde fielen. Der machte mit dem Gold sein Gl\u00fcck, kaufte sich eine Hofstelle und brauchte von jetzt ab nicht mehr den sauren und fraglichen Weg durch die Heide anzutreten.<\/p>\n<p><em>aus: <strong>Sagen aus Niedersachsen<\/strong><br \/>\n&#8211; gesammelt und herausgegeben von Ulf Diederichs und Christa Hinze<br \/>\nBechterm\u00fcnz Verlag 1998 &#8211; S. 211-212.<br \/>\n&#8211; Quelle: Mackensen 1925, S. 116-117 (nach Th. Benecke aus Harburg)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sagen und M\u00e4rchen haben auch heute noch ihren Reiz. Und welche Region in Deutschland hat nicht ihre eigenen Sagen, die eng mit der Landschaft und den Menschn dort verkn\u00fcpft sind. 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