{"id":5150,"date":"2011-11-15T11:18:00","date_gmt":"2011-11-15T10:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=5150"},"modified":"2011-11-15T13:10:55","modified_gmt":"2011-11-15T12:10:55","slug":"leerizismus-3-gottliche-abbilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=5150","title":{"rendered":"Leerizismus (3): G\u00f6ttliche Abbilder"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5096\" target=\"_blank\">ersten Teil<\/a> lie\u00df <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wole_Soyinka\" target=\"_blank\">Wole Soyinka<\/a>, Tr\u00e4ger des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nobelpreis_f%C3%BCr_Literatur\" target=\"_blank\">Nobelpreises f\u00fcr Literatur<\/a> 1986, seinen Romanhelden Sagoe <em>\u201eallen anderen \u2013ismen, vom hom\u00f6opathischen Marxismus bis zum Existentialismus\u201c<\/em> grabsingen und pries den <em>Leerizismus<\/em>, einem von Soyinka kreierten, ins Deutsche \u00fcbersetzten <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=850\" target=\"_blank\">Neologismus<\/a> (<em>voidancy<\/em> zu voidance = Entleerung). Und im <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5126\" target=\"_blank\">zweiten Teil<\/a> pries Sagoe das Schweigen dabei. Zuletzt will dieser Sagoe getr\u00f6stet sein und l\u00e4sst sich von seiner Freundin aus seinem Pamphlet zitieren: dem <strong>Buch der Erleuchtung<\/strong>, \u00fcber die Philosophie des <em>Leerizismus<\/em>:<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/leere_haende.jpg\" alt=\"Leerizismus \u2013 leere H\u00e4nde\" title=\"Leerizismus \u2013 leere H\u00e4nde\" \/><\/p>\n<p><em>Und er war erst zu beruhigen, als sie sich bereit erkl\u00e4rte, sein Buch der Erleuchtung auszugraben und ihm von einer beliebigen Seite vorzulesen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; Aus dieser Periode meiner Kindheit, und die T\u00fcr zu unserer riesig ausgedehnten Wohnanlage gew\u00e4hrte immer Unterschlupf, entsinne ich mich der Farbportr\u00e4ts zweier \u00fcbermenschlicher Wesen, \u00e4therisch, unweltlich, mit Kronen und Juwelen, breiten Pelzkragen, Gold, Samt und Hermelin, mit Reichs\u00e4pfeln und Zeptern und hinter ihnen goldene Throne. In meinen Kinderaugen waren diese Abbilder \u2013 und damit der Plazierung dieser Portr\u00e4ts keine besondere ideologische Bedeutung zugemessen werden konnte, hingen die Portr\u00e4ts auch im Wohnzimmer und in den Schlafzimmern, denn meine Leute waren \u00fcberzeugte, treue Royalisten -, in meinen Kinderaugen waren diese Figuren nichts geringeres als Engel oder Gott und seine Frau. Es war eine kritische Phase meiner Introspektionsentwicklung, und h\u00e4tte ich in diesem Lande hier gelebt, in dem alle M\u00f6glichkeiten offen stehen, ich h\u00e4tte zweifellos die Laufbahn eines hauptberuflichen Schizophrenen eingeschlagen. Die Beschr\u00e4nkungen dieses grazilen, unwirklichen Paares wurden zur Zwangsvorstellung. Machten sie, oder machten sie nicht? Wie in einer S\u00e9ance offenbarte sich die L\u00f6sung mit blendender Klarheit. W\u00e4hrend einer Sitzung rein<\/em> leerizierender <em>Natur, erkannte ich die Verhaltensgrenze innerhalb dieser menschlichen Verrichtung. Sie waren<\/em> Leeriker; <em>doch Jesuschristus, niemals das andere! Schei\u00dfen ist menschlich; sich entleeren g\u00f6ttlich.<\/em><br \/>\n<em>Dies war die Geburtsstunde der konkreten Formulierung des<\/em> Leerizismus &#8230;\u201c<br \/>\n(Seite 227 f.)<\/p>\n<p>Der <em>Leerizismus<\/em> begegnet den Lesern noch einige Male \u2013 als Andeutung. Zuletzt, in einem Gespr\u00e4ch mit seinen Freunden, Kola, den Maler, und Egbo, den Angestellten des Ausw\u00e4rtigen Amtes,  beteuert er: \u201e [&#8230;] <em>eines trunkenen Tages habe ich diesem Weib da bl\u00f6dsinnigerweise versprochen, da\u00df ich mein Buch der Erleuchtung verbrenne, wenn wir heiraten.<\/em>\u201c (S. 351) Dieses Weib ist Dehinwa, mit der Sagoe schon lange zusammenlebt. Und wenn wir auch nur Ausschnitte aus dem Buch der Erleuchtung erfahren, so sollte das gen\u00fcgen, um den <em>Leeriszismus<\/em> zu verinnerlichen, \u00e4hem, eher im Gegenteil, DAS zu ver\u00e4u\u00dferlichen, oder?!<\/p>\n<p>aus: Wole Soyinka: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=wole%20soyinka%20ausleger&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=aps&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\" target=\"_blank\"><strong>Die Ausleger<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1983 &#8211; Dialog Afrika \u2013 \u00dcbersetzung von Inge Uffelmann \u2013 Original: The interpreters, 1965)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im ersten Teil lie\u00df Wole Soyinka, Tr\u00e4ger des Nobelpreises f\u00fcr Literatur 1986, seinen Romanhelden Sagoe \u201eallen anderen \u2013ismen, vom hom\u00f6opathischen Marxismus bis zum Existentialismus\u201c grabsingen und pries den Leerizismus, einem von Soyinka kreierten, ins Deutsche \u00fcbersetzten Neologismus (voidancy zu voidance = Entleerung). 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