{"id":5617,"date":"2012-02-22T10:05:52","date_gmt":"2012-02-22T09:05:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=5617"},"modified":"2012-02-22T10:05:52","modified_gmt":"2012-02-22T09:05:52","slug":"was-ist-eigentlich-aus-gerald-bostock-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=5617","title":{"rendered":"Was ist eigentlich aus Gerald Bostock geworden?"},"content":{"rendered":"<p>1972, also vor 40 Jahren, erschien von der Gruppe <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?cat=9\" target=\"_blank\">Jethro Tull<\/a> das Konzeptalbum <a href=\"http:\/\/www.j-tull.com\/discography\/thickasabrick\/\" target=\"_blank\">Thick as a Brick<\/a>. Als Autor des Textes wurde ein achtj\u00e4hrige Junge namens <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gerald_Bostock\" target=\"_blank\">Gerald Bostock<\/a> genannt. Nat\u00fcrlich verbarg sich dahinter kein anderer als Ian Anderson, der Frontmann und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spiritus_rector\" target=\"_blank\">Spiritus rector<\/a> der Band selbst.<\/p>\n<p>\u201eWie die Texte zeigen, geht es um die Welt eines Kindes, dessen Weltsicht durch Erziehungsvorgaben und sogenannte Tabuthemen verbogen und l\u00fcckenhaft ist, das zwischen altklug und ahnungslos, die Zeit unbeschwerten Spiels sicher hinter sich gelassen hat, aber von vorpubert\u00e4ren Erwartungen bedr\u00fcckt ist. Es ist ganz sicher noch weit vom Erwachsensein entfernt, dabei wurde es jedoch von der aufdringlich ambitionierten und missionarischen englischen Umwelt der unteren Mittelklasse in \u201aerwachsene\u2019 Muster gedr\u00e4ngt (Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thick_as_a_Brick\" target=\"_blank\">de.wikipedia.org<\/a>)<\/p>\n<p><em>siehe hierzu:<\/em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/video.google.com\/videoplay?docid=-5960153941191808033\" target=\"_blank\">Thick as a Brick \u2013 das ganze Album im Video<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.boudnik.org\/~cos\/music\/JethroTull\/Albums\/ThickAsABrick-lyrics.html\" target=\"_blank\">Thick as a Brick \u2013 der Text<\/a><\/p>\n<p>40 Jahre nach diesem Album kommt nun von Ian Anderson und seiner Band der zweite Teil: <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=Ian%20Anderson%20Thick%20as%20a%20Brick%202&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=music&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\"><strong>Jethro Tull&#8217;s Ian Anderson:TAAB2 Thick as a Brick 2<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, auch kurz TAAB2 genannt, auf den Markt. Ich habe bereits <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5545\" target=\"_blank\">an anderer Stelle<\/a> in diesem Blog ausf\u00fchrlich dar\u00fcber berichtet. Erg\u00e4nzend hierzu gibt es einen auch sehr informativen Bericht von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Webb\" target=\"_blank\">Martin Webb<\/a>, der <a href=\"www.emiextranet.com\/Doc\/400020\/92588.doc\" target=\"_blank\">als Word-Datei<\/a> aufrufbar ist, dessen Wortlaut ich hier aber trotzdem wiedergeben m\u00f6chte:<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ia_taab2admaster.jpg\" alt=\"Jethro Tull's Ian Anderson: Thick as a Brick Part 2\" title=\"Jethro Tull's Ian Anderson: Thick as a Brick Part 2\" \/><\/p>\n<p><strong><em>Was ist eigentlich aus Gerald Bostock geworden?<\/em><\/strong><br \/>\n<em>Ian Andersons Fortsetzung des 1972er Prog-Rock-Klassikers bietet einige Antworten<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Prog Rock? Prog Rock aus dem Jahr 2012? Das kann doch kaum ernst gemeint sein. Ist es aber tats\u00e4chlich, auch wenn hier der eigentliche Terminus Progressive Rock angemessener scheint. Man lasse einfach mal alle Vorurteile au\u00dfer acht, und lasse Ian Anderson, den S\u00e4nger, Fl\u00f6tisten und Komponisten von Jethro Tull, ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren, was ihn bewogen hat, vierzig Jahre nach dem bahnbrechenden Klassiker \u201eThick As A Brick\u201c dieses Genre noch einmal aufzugreifen.<\/em><\/p>\n<p><em>In den fr\u00fchen 1970ern hatten Bands wie Yes, Genesis, ELP und King Crimson die Grenzen der Musik ma\u00dfgeblich erweitert. Die Anf\u00e4nge des Punk warfen einen Schatten auf jene Musik, die zunehmend ausschweifender und pr\u00e4tenti\u00f6ser geworden war, was dem Begriff Prog Rock einen schlechten Ruf einbrachte. Ian Anderson erkl\u00e4rt hingegen: \u201eF\u00fcr mich ist etwas progressiv, wenn man versucht, mit irgendetwas in eine neue Richtung aufzubrechen und etwas voranzutreiben, was dem eigenen Bed\u00fcrfnis nach etwas Neuartigem entspricht und der Weiterentwicklung der eigenen Karriere dienlich ist. F\u00fcr mich klingt &#8218;Progressive Rock&#8216; nach wie vor gut.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Jethro Tulls kurze Progressive-Rock-Phase erreichte 1972 mit \u201eThick As A Brick\u201c ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt. Das 45-min\u00fctige musikalische Epos konzentrierte sich auf die Schwierigkeiten seines kindlichen Protagonisten, konfrontiert mit einer be\u00e4ngstigenden und ungerechten Welt. Das Cover bildete die Parodie auf eine Lokalzeitung, genannt St. Cleve Chronicle, dessen Titelstory von dem fr\u00fchreifen Sch\u00fcler namens Gerald Bostock berichtete, der bei einem Dichterwettstreit disqualifiziert worden war, weil sein Beitrag unangemessen gewesen sei \u2013 und der nun angeblich von Jethro Tull f\u00fcr die Songtexte des Albums benutzt werde. Die Idee dazu war Ian Anderson gekommen, nachdem viele Kritiker den vorherigen Longplayer \u201eAqualung\u201c aus dem Jahr 1971 als Konzeptalbum bezeichnet hatten, obwohl es nur aus einer Reihe von Songs bestand, von denen einige zuf\u00e4llig die gleichen Themen behandelten: \u201eIn Anbetracht der Kritiken zu Aqualung habe ich absichtlich ein Konzeptalbum in Angriff genommen, das in erster Linie eine Parodie auf das Konzeptalbum als solches und auf die vermeintlich grandiosen Progressive-Rock-Abenteuerlichkeiten sein sollte. Ich wollte die etwas arrogante und schw\u00fclstige Art und Weise des Songschreibens \u00fcberspitzen, indem ich die Texte von einem angeblich zehnj\u00e4hrigen Jungen schreiben lie\u00df. Das mag absurd und ziemlich albern klingen, aber wir lebten in der \u00c4ra von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monty_Python\" target=\"_blank\">Monty Python<\/a>, in der diese Art des surrealen britischen Humors ihren festen Platz in der Psyche der Briten hatte.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das Album war ein weltweiter Erfolg, inklusive einer Nummer-eins-Notierung in den amerikanischen Billboard-Charts. Teile des Albums tauchten seitdem immer wieder in den Konzerten von Jethro Tull und Ian Anderson auf. Aber Ian hatte immer wieder Vorschl\u00e4gen seitens der Plattenfirma widerstanden, zu dem Album eine Fortsetzung zu schreiben. Zumindest war das so, bis er im Jahr 2010 seinen alten Freund <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Derek_Shulman\" target=\"_blank\">Derek Shulman<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gentle_Giant\" target=\"_blank\">Gentle Giant<\/a> traf, der ihm mit der Idee in den Ohren lag, doch zum 40-J\u00e4hrigen eine Fortsetzung zu schreiben, was Ian dann tats\u00e4chlich erstmals ernsthaft in Betracht zog, statt es wie sonst gleich von der Hand zu weisen. Er hatte bemerkt, dass sich mit den Jahren das Publikum ver\u00e4ndert hatte. \u201eDas waren nicht mehr nur alte K\u00e4uze, sondern eher eine Mischung aus alten K\u00e4uzen und jungen K\u00e4uzen. Es fiel mir auf, dass es eine neue Welle von jungen Menschen gab, die nach einer Alternative und einem Gegenentwurf zu X-Factor und der sich stetig wiederholenden Rockmusik unserer Tage suchen. So freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, dass es vielleicht doch nicht so unw\u00fcrdig w\u00e4re, wie ich fr\u00fcher gedacht hatte, noch einmal etwas in der progressiven Richtung anzugehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Im Februar 2011 entwickelte Ian Anderson einige Tage lang die ersten Skizzen. \u201eAlles basierte auf der Idee, was wohl aus Gerald Bostock, diesem fr\u00fchreifen Kind, geworden ist, was ihm im Leben widerfahren ist? Je mehr ich dar\u00fcber nachdachte, desto mehr Schl\u00fcsselmomente aus meiner eigenen Kindheit fielen mir ein, wie ich eher zuf\u00e4llig die eine oder die v\u00f6llig entgegengesetzte Richtung h\u00e4tte einschlagen k\u00f6nnen. Aus mir h\u00e4tte alles M\u00f6gliche werden k\u00f6nnen vom Soldaten, Seemann oder Astronauten bis hin zum Mimen oder Waldbauern \u2013 obwohl ich mich nach der Schule zun\u00e4chst bei der Polizei bewarb und mich als Journalist einer Lokalzeitung versuchte, bis mich dann jedoch an der Kunsthochschule die Musik ganz gefangen nahm.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSo stellte ich mir also Gerald Bostock als diesen zehnj\u00e4hrigen vorpubert\u00e4ren Knaben vor. So wie das Model aussah, das wir 1972 als den fiktiven Gerald Bostock fotografiert hatten, war er ein ziemlich Streber, der wahrscheinlich nicht besonders beliebt war an der Schule und wohl auch im Sport nicht besonders gut. Welche M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte er dann wohl gehabt, was w\u00e4re aus ihm geworden, wohin h\u00e4tte es ihn gef\u00fchrt? Ich entwarf verschiedene Szenarien, darunter ein St\u00fcck \u00fcber sein m\u00f6gliches Leben gleich nach der Pubert\u00e4t und daraus resultierend ein weiteres St\u00fcck \u00fcber all das, was aus ihm wohl geworden sein k\u00f6nnte, bis er schlie\u00dflich erwachsen war. Im abschlie\u00dfenden Teil des Albums habe ich dann all diese Dinge zu einer Art Zukunftsszenario zusammengef\u00fchrt, in dem trotz aller zuf\u00e4lligen Wendungen ein bestimmtes Karma oder Kismet unser Schicksal vorherbestimmt, ganz gleich, welche radikal unterschiedlichen Richtungen wir auch eingeschlagen haben m\u00f6gen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Aus diesem losen Konzept heraus entstand \u201eThick As A Brick 2\u201c. Im November 2011 nahm Ian Anderson das Album gemeinsam mit Florian Opahle (Gitarre), John O&#8217;Hara (Keyboards), David Goodier (Bass) und Scott Hammond (Schlagzeug) auf, wobei ganz bewusst das Gef\u00fchl des 1972er Albums entstehen sollte, indem man zum gro\u00dfen Teil dasselbe Instrumentarium, also viele Akustikgitarren und viel Hammondorgel, einsetzte und die Songs mit der Band weitestgehend live einspielte. Mit einem Minimum an Overdubs und ohne sonstige g\u00e4ngige Studiotricks nahm Tonigenieur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Steven_Wilson\" target=\"_blank\">Steven Wilson<\/a> (von Porcupine Tree) dann die Feinjustierung vor. Auch wenn es verschiedene markante Punkte (IDs) gibt, durch die sich einzelne Songs \u00fcber iTunes downloaden lassen, ist dies in erster Linie ein durchg\u00e4ngiges 53-min\u00fctiges Musikst\u00fcck mit diversen wiederauftauchenden musikalischen Motiven.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine weitere Referenz an das 1972er Album und das St. Cleve Chronicle Cover ist die fingierte Lokalnachrichten-Webseite <a href=\"http:\/\/www.stcleve.com\/\" target=\"_blank\">www.StCleve.com<\/a>, mit der das Album von 2012 aufwartet. In bewusster Anlehnung an \u00e4hnliche nicht ganz so professionelle Webseiten hat Ian sie recht amateurhaft gestaltet (Sie wird auf jeden Fall online gehen und f\u00fcr Fans einen Bereich anbieten, wo man seine eigenen erfundenen Nachrichten verbreiten kann). \u201eStCleve.com soll vor allem unbeschwert sein mit vielen f\u00fcr Sch\u00fcler typisch vulg\u00e4ren Zoten, aber auch mit ernsten Themen und fein beobachteten Ph\u00e4nomenen, die typisch sind f\u00fcr das Leben in provinziellen Kommunen. Es tauchen auch bekannte Charaktere wie Max Quad und Angela de Groot auf, die nun ein Fitnessstudio betreibt. Und hinzu kommen mir und dem Rest der Welt bekannte Pers\u00f6nlichkeiten mit leicht abge\u00e4nderten Namen. Man wird dann schon wissen, um wen es geht&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Auch die 18 Monate w\u00e4hrende Welttournee, die offiziell am 14. April in Gro\u00dfbritannien startet, soll an die urspr\u00fcngliche B\u00fchnenshow des Jahres 1972 erinnern, wobei die \u201eamateur dramatics village hall\u201c, wie Ian es nennt, eine v\u00f6llig neue Theaterinszenierung mit Videos und Schauspielern beinhalten soll.<\/em><\/p>\n<p><em>Was h\u00e4lt Ian nun vom vollendeten Projekt? \u201eIm Gegensatz zum 1972er Original von Thick As A Brick ist dies nicht wirklich eine Parodie. Das soll nicht alles lustig sein, einiges geht sogar richtig ans Herz und ist recht ernst, manchmal ein wenig intellektuell, manchmal fr\u00f6hlich und unterhaltsam, ohne zu albern zu sein. Insgesamt ist dies ein viel ernsteres Werk, und auch wenn man es manchmal als unbeschwert und lustig empfindet, steckt immer ein gewisser Tiefgang darin.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eSo beobachtet es ganz genau diverse Rollenklischees. Eine dieser Stereotypen, in denen ich Gerald f\u00fcrs Album eigentlich nicht sah, war der eines Politikers \u2013 obwohl er auf dem Album-Cover als Ex-Parlamentarier der Labour-Partei auftaucht, der nun in der Gegend von St. Cleve lebt. Er taucht jedoch noch in anderer Gestalt auf, etwa als korrupter christlicher Prediger, oder als Investment-Banker mit fetten Bonus-Pr\u00e4mien, also genau die Menschen, die wir heutzutage mit Vorliebe verachten. Und schlie\u00dflich auch noch als Kriegsopfer, als heimgekehrter Soldat, der versucht, anderen Veteranen die Re-Integration ins Leben zu erleichtern, wobei ihn die Sinnlosigkeit des Krieges augenscheinlich verbittert hat. Das sind so Momente, die einen wirklich runterziehen k\u00f6nnen. Aber auch da muss man durch. Manchmal hilft es dabei, die Dinge so unbeschwert wie m\u00f6glich anzugehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eVielleicht m\u00f6gen manche hier Parallelen zu Quadrophenia sehen, aber das ist v\u00f6llig falsch. Hier geht es nicht um eine gespaltene Pers\u00f6nlichkeit, sondern um all jene unterschiedlichen Rollen, in die wir in unserem Leben h\u00e4tten hineinwachsen k\u00f6nnen. Wenn wir zu einem bestimmten Zeitpunkt die Stra\u00dfenseite gewechselt h\u00e4tten, ans Telefon gegangen w\u00e4ren, diesen einen bestimmten Artikel in der Zeitung gelesen h\u00e4tten, h\u00e4tten solche Dinge vielleicht unser Leben ver\u00e4ndert. Und genau so etwas passiert zweifellos im Leben der Menschen, je nachdem, welche Freundschaften sie schlie\u00dfen, welche Beziehungen sie eingehen, ob in einer Ehe oder sonst wo. Darum geht es \u2013 und das taucht immer wieder auf \u2013 um all diese Was-w\u00e4re-passiert-wenn-Momente des Lebens.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEiner der Schl\u00fcsselmomente des Albums ist das St\u00fcck \u201eA Change Of Horses\u201c, das Fans von unseren Shows des letzten Jahres wiedererkennen werden. Es handelt von dem Punkt im Leben, an dem du dir sagst, wenn es noch einmal eine Ver\u00e4nderung geben soll, dann muss es jetzt sein. Das passiert h\u00e4ufig bei Menschen so um die vierzig oder f\u00fcnfzig, und ich mag die Idee dieser Neujustierung und Neubewertung, dass es da einen zweiten Teil in deinem Leben gibt, bei dem das Schicksal einen neuen Entschluss erfordert. Dabei geht es weniger um den Blick zur\u00fcck als um den Blick nach vorn. All diese Momente m\u00f6glicher Entscheidungen gab es in meinen Teenagerjahren reichlich und es war eine Mixtur aus Verhei\u00dfung und blankem Terror, denn die Welt da drau\u00dfen war be\u00e4ngstigend. Das will ich hier erforschen und ich glaube, das gilt f\u00fcr Menschen von beiden Seiten des Altersspektrums, f\u00fcr den Menschen im gesetzten Alter, der seinen Einkaufswagen vor sich herschiebt, ebenso wie f\u00fcr den pubertierenden J\u00fcngling, der vor irgendeiner Entscheidung steht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Und ist TAAB 2 aus der Sicht von heute ein Konzeptalbum? Ian Anderson ist davon \u00fcberzeugt. \u201eJa, es ist ganz klar ein Konzeptalbum! Es ist zudem ein sehr erwachsenes und reifes Konzeptalbum, aber es sollte Menschen jeden Alters ansprechen. Das ist ein intellektuelles Unterfangen. Ich bin mir nicht sicher, wie viele Menschen sich darauf einlassen werden, aber ich denke gen\u00fcgend, um diese Platte zu rechtfertigen. Es ist ganz unverfroren in der Art und Weise, wie es zum Zuh\u00f6ren und Nachdenken zwingt. Manchmal ist die Musik sehr geradlinig und groovt auch, und manchmal funktionieren die Sachen auch, ohne dass man sich gro\u00dfartig anstrengt. Aber f\u00fcr das Konzept insgesamt, f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Songtexte und auch f\u00fcr einen Teil der Musik muss man sich schon richtig reinh\u00e4ngen. Ich glaube, das machen auch viele gerne. Man kombiniere dies mit all den Details, die rund um dieses Projekt in das Album eingeflossen sind, das Artwork und die Webseite StCleve.com, dann bekommt man ein richtig gro\u00dfartiges Paket zusammen, das vielen sehr viel Vergn\u00fcgen bereiten wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Martin Webb,<br \/>\nJanuar 2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1972, also vor 40 Jahren, erschien von der Gruppe Jethro Tull das Konzeptalbum Thick as a Brick. Als Autor des Textes wurde ein achtj\u00e4hrige Junge namens Gerald Bostock genannt. 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