{"id":5676,"date":"2012-03-07T09:03:59","date_gmt":"2012-03-07T08:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=5676"},"modified":"2019-11-27T17:34:49","modified_gmt":"2019-11-27T17:34:49","slug":"zlata-praha-3-prag-1982-%e2%80%93-bier-und-kafka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=5676","title":{"rendered":"Zlat\u00e1 Praha (3): Prag 1982 \u2013 Bier und Kafka"},"content":{"rendered":"<p>Die Reise nach Prag im April 1982 k\u00f6nnte man als eine Tour auf den Spuren trinkbarer Erzeugnisse Pilsener Brauart bezeichnen. Auch wandelten wir in Prag auf Kafkas Spuren. Auf der Anreise machten wir Halt in N\u00fcrnberg und in Pilsen (siehe <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5655\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zlat\u00e1 Praha (2): Hinfahrt nach Prag 1982<\/a>). Am Dienstag, den 6. April 1982 kamen dann mein Freund und ich mit unseren Rucks\u00e4cken auf den R\u00fccken gegen 14 Uhr am Prager Hauptbahnhof (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Praha_hlavn%C3%AD_n%C3%A1dra%C5%BE%C3%AD\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Praha hlavn\u00ed n\u00e1dra\u017e\u00ed<\/a>) an.<\/p>\n<p>Wie schon in Pilsen so war es vor 30 Jahren auch in Prag ein Problem, eine preiswerte Unterkunft zu finden. Zun\u00e4chst versuchten wir es bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C4%8Cedok\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#268;edok<\/a>, einem verstaatlichten (1990 wieder privatisierten) Reiseunternehmen, das damals auch Hotels in Prag anbot. Das mit 380 Kronen (Kcs.) angeblich billigste Zimmer (fast 100 DM) war uns leider schon zu teuer. Wir versuchten es dann selbst und grasten einige Hotels in der Hybernska nahe dem Hauptbahnhof ab. \u00dcber Umwege kamen wir dann zu Pragotur, die ab 17 Uhr auch Privatunterk\u00fcnfte vermittelten, was uns nicht nur preislich entgegenkam. So machten wir uns also auf, fuhren mit der Metro bis zur Station Hrad&#269;ansk\u00e1 und von dort acht Stationen mit der Stra\u00dfenbahn der Linie 20 auf der anderen Seite westlich der Moldau in Richtung Pet&#345;in(y). Ich habe versucht die Stra\u00dfe <em>Dost\u00e1lova<\/em> ausfindig zu machen, aber wahrscheinlich wurde diese inzwischen umbenannt. Auf jeden Fall muss sich unser Quartier in der N\u00e4he der Haltestelle And&#283;l am Ende der \u0160tef\u00e1nikova befunden haben. Gegen 18 Uhr trafen wir bei Magda und V\u00e1clav M. ein, die uns herzlich begr\u00fc\u00dften und uns gewisserma\u00dfen ihre gute Stube als Unterkunft \u00fcberlie\u00dfen. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, kehrten wir in die Innenstadt zur\u00fcck und a\u00dfen im <a href=\"http:\/\/www.palacehotel.cz\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hotel Palace<\/a> (heute ein 5-Sterne-Hotel) beim <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wenzelsplatz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wenzelsplatz (V\u00e1clavsk\u00e9 n\u00e1m&#283;st\u00ed)<\/a> zu Abend.<\/p>\n<table border=\"0\" cellpadding=\"4\" cellspacing=\"0\" width=\"100%\">\n<tr>\n<td width=\"50%\">\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/prag_unterkunft_1982.jpg\" alt=\"Privatunterkunft in Prag 6\" title=\"Privatunterkunft in Prag 6\" width=\"285\" height=\"132\"><\/td>\n<td width=\"50%\">\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/prag_krizovnicka.jpg\" alt=\"Kri\u017eovnick\u00e1 (Kreuzherrengasse)\" title=\"Kri\u017eovnick\u00e1 (Kreuzherrengasse)\" width=\"255\" height=\"132\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50%\">\n<p align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">Privatunterkunft in Prag 6<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\">\n<p align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">K&#345;i\u017eovnick\u00e1 (Kreuzherrengasse)<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"100%\" colspan=\"2\">\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/prag_u_fleku.jpg\" alt=\"U Fleku - Kremencova 11\" title=\"U Fleku - Kremencova 11\" width=\"540\" height=\"310\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"100%\" colspan=\"2\">\n<p align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">U Flek&#367; &#8211; K&#345;emencova 11<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Am Mittwoch, den 7. April 1982 ging es zun\u00e4chst auf den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hrad%C4%8Dany_%28Prag%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hradschin<\/a> mit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prager_Burg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prager Burg<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Veitsdom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Veitsdom<\/a>. Leider stellte sich das alles als Baustelle dar, sodass wir schon bald in Richtung Altstadt liefen. Heute d\u00fcrfte das alles \u201abesucherfreundlicher\u2019 sein. Die Route in die Altstadt habe ich grob zusammengestellt:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"540\" height=\"320\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" src=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?f=d&amp;source=s_d&amp;saddr=Nerudova,+118+00+Praha,+Tschechische+Republik&amp;daddr=K%C5%99i%C5%BEovnick%C3%A1,+Star%C3%A9+M%C4%9Bsto,+Praha-Praha+1,+%C4%8Cesk%C3%A1+republika+to:Kaprova,+Star%C3%A9+M%C4%9Bsto,+Praha-Praha+1,+%C4%8Cesk%C3%A1+republika+to:N%C3%A1rodn%C3%AD,+Star%C3%A9+M%C4%9Bsto,+Praha,+%C4%8Cesk%C3%A1+republika+to:K%C5%99emencova&amp;hl=de&amp;geocode=FUdK_AId67jbACnThB_cHZULRzGAsEUL6wMu-w%3BFRNG_AIdx_XbACkVhEwE5pQLRzEwzqrCw-M0lQ%3BFUJJ_AId1vzbACnnSuiU6JQLRzHs6RJXKk3nWA%3BFWYm_AIdRTDcACEaYby-xJqv8g%3BFZwj_AIdg_3bAA&amp;aq=0&amp;oq=K%C5%99emencova+11&amp;sll=50.078801,14.417128&amp;sspn=0.000942,0.002068&amp;gl=de&amp;dirflg=w&amp;mra=dme&amp;mrsp=4&amp;sz=19&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;ll=50.083307,14.410629&amp;spn=0.017624,0.046263&amp;z=14&amp;output=embed\"><\/iframe><br \/><small><a href=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?f=d&amp;source=embed&amp;saddr=Nerudova,+118+00+Praha,+Tschechische+Republik&amp;daddr=K%C5%99i%C5%BEovnick%C3%A1,+Star%C3%A9+M%C4%9Bsto,+Praha-Praha+1,+%C4%8Cesk%C3%A1+republika+to:Kaprova,+Star%C3%A9+M%C4%9Bsto,+Praha-Praha+1,+%C4%8Cesk%C3%A1+republika+to:N%C3%A1rodn%C3%AD,+Star%C3%A9+M%C4%9Bsto,+Praha,+%C4%8Cesk%C3%A1+republika+to:K%C5%99emencova&amp;hl=de&amp;geocode=FUdK_AId67jbACnThB_cHZULRzGAsEUL6wMu-w%3BFRNG_AIdx_XbACkVhEwE5pQLRzEwzqrCw-M0lQ%3BFUJJ_AId1vzbACnnSuiU6JQLRzHs6RJXKk3nWA%3BFWYm_AIdRTDcACEaYby-xJqv8g%3BFZwj_AIdg_3bAA&amp;aq=0&amp;oq=K%C5%99emencova+11&amp;sll=50.078801,14.417128&amp;sspn=0.000942,0.002068&amp;gl=de&amp;dirflg=w&amp;mra=dme&amp;mrsp=4&amp;sz=19&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;ll=50.083307,14.410629&amp;spn=0.017624,0.046263&amp;z=14\" style=\"color:#0000FF;text-align:left\">Gr\u00f6\u00dfere Kartenansicht<\/a><\/small><br \/>\n<strong>(A)<\/strong> Nerudova \u2013 <strong>(B)<\/strong> K&#345;i\u017eovnick\u00e1 (Kreuzherrengasse) \u2013 <strong>(C)<\/strong> Kaprova \u2013 <strong>(D)<\/strong> Wenzelsplatz\/ N\u00e1rodn\u00ed \u2013 <strong>(E)<\/strong> K&#345;emencova (U Flek&#367;)<\/p>\n<p>In der Nerudova westlich der Moldau tranken wir in einer Kneipe erst einmal zwei Prager Bierchen und kamen mit jungen englischen Touristen ins Gespr\u00e4ch, die ebenfalls \u00fcber Pragotur eine preiswerte Unterkunft gefunden hatten. Sie beneideten uns wegen der oft guten Deutschkenntnisse der Prager. Mit Englisch kamen sie damals nicht allzu weit.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend gingen wir \u00fcber die Karlsbr\u00fccke in die Altstadt &#8211; u.a. die K&#345;i\u017eovnick\u00e1 (Kreuzherrengasse) l\u00e4ngst -, dort noch einmal \u00fcber den Wenzelsplatz und abends dann kehrten wir ins <a href=\"http:\/\/de.ufleku.cz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">U Flek&#367;<\/a> in der K&#345;emencova 11 ein. Heute ist das ein beliebtes Ziel von Touristen, die hier teilweise sogar busweise angekarrt werden. Schon vor drei\u00dfig Jahren war das Restaurant sehr voll gewesen. Zu dunklem Flekbier a\u00dfen wir zuerst einen b\u00f6hmischen Schweinebraten mit Kn\u00f6deln und Kraut; sp\u00e4ter g\u00f6nnten wir uns noch eine Schlachtplatte u.a. mit Prager Schinken \u2013 alles zu annehmbaren Preisen; das Flekbier kostete damals 5 Kronen (also etwas weniger als 1,20 DM). Gegen 22 Uhr brachen wir wieder auf zur\u00fcck in unsere Unterkunft.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, den 8. April 1982, besuchten wir im Hradschin das <a href=\"http:\/\/www.en.pamatniknarodnihopisemnictvi.cz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Museum f\u00fcr tschechische Literatur (Pam\u00e1tn\u00edk n\u00e1rodn\u00edho p\u00edsemnictv\u00ed<\/a> &#8211; die Bibliothek war leider geschlossen) in der Strahovsk\u00e9 n\u00e1dvo&#345;\u00ed 1, da es drau\u00dfen regnete und st\u00fcrmte. Es gab einiges zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jan_Hus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jan Hus<\/a> zu sehen, au\u00dferdem eine Ausstellung mit Buchillustrationen (Thomas Mann, Franz Kafka und u.a. zu den \u201eBr\u00e9mski muzikanti\u201c). Als das Wetter sich etwas besserte, gingen wir wieder \u00fcber die Karlsbr\u00fccke in die Altstadt.<\/p>\n<p>Nun Ostern stand ja vor der T\u00fcr und so boten einige Tage vor Ostern Frauen am Ausgang der Karlsbr\u00fccke <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=456\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">handbemalte Eier<\/a> an, das St\u00fcck f\u00fcr 5 Kronen (knapp 1,20 DM). In Tschechien hat das Bemalen der Ostereier (&#8222;kraslice&#8220;) eine lange Tradition. In christlicher Symbolik steht das Ei u.a. f\u00fcr Fruchtbarkeit und Auferstehung. Und diese Eier waren wirklich mit viel Liebe und handwerklichem K\u00f6nnen gefertigt. Ich habe mir damals gleich ein halbes Dutzend dieser Eier f\u00fcr meine Familie gekauft. Leider sind diese im Laufe der Jahre alle zu Bruch gegangen. Das folgende Bild zeigt aber, wie diese Eier aus Prag (sie waren allerdings alle nur in roter Farbe) in etwa aussahen:<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/prag_ostereier.jpg\" alt=\"Ostereier aus Prag\"  title=\"Ostereier aus Prag\"\/><\/ul>\n<p>Au\u00dferdem sahen wir viele Jungen oder Eltern mit Weidenruten durch die Stra\u00dfen gehen: <em>\u201eNicht ganz so verbreitet wie das Eierbemalen ist der Brauch junger M\u00e4nner, am Ostermontag mit selbstgeflochtenen Weidenruten M\u00e4dchen zu versohlen. Dies ist nicht unbedingt als Strafaktion zu verstehen, soll doch symbolisch die Lebenskraft des Baumes auf den Menschen \u00fcbergehen. Dennoch setzen sich die M\u00e4dchen verst\u00e4ndlicherweise zur Wehr, entweder mit Wasserk\u00fcbeln oder indem sie den Jungs verzierte Eier schenken.\u201c<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.prag-cityguide.de\/aktuell\/ostern.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">prag-cityguide.de<\/a>)<\/p>\n<p>Von der Karlsbr\u00fccke gingen wir diesmal die Karlova entlang zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Altst%C3%A4dter_Ring\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Altst\u00e4dter Ring<\/a>, sahen hier am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Altst%C3%A4dter_Ring#Altst.C3.A4dter_Rathaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Altst\u00e4dter Rathaus<\/a> die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prager_Rathausuhr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Astronomische Uhr<\/a> \u2013 es war gerade 13 Uhr und wir konnten sie schlagen h\u00f6ren. Neben dem Jan Hus-Denkmal und dem <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5637\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geburtstaghaus Kafkas<\/a> warfen wir dann noch einen Blick auf den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alter_J%C3%BCdischer_Friedhof_%28Prag%29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">alten J\u00fcdischen Friedhof<\/a>, der leider nicht zug\u00e4nglich war. In der Stra\u00dfe Na P&#345;\u00edkop&#283; beim Platz der Republik (n\u00e1m&#283;st\u00ed Republiky) schauten wir dann noch in das damals gr\u00f6\u00dfte Kaufhaus der &#268;SSR hinein.<\/p>\n<p>Abends dann kehrten wir in der Maislova im <a href=\"http:\/\/www.restaurantugolema.cz\/index.php?site=sites_view&#038;command=set_lang&#038;site_ID=1&#038;site_top_ID=&#038;command_lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eU Golema\u201c<\/a> (Beim Golem) ein. Hier a\u00dfen wir nach j\u00fcdischer Art und g\u00f6nnten uns statt Bier einmal einen halbwegs trinkbaren Rotwein. Alles allerdings nicht gerade preiswert. Das Restaurant hei\u00dft nach der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Golem#Die_Legende_vom_Prager_Golem\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Figur aus der j\u00fcdischen Legende<\/a>, die aus Ton bestand und zum Leben erweckt wurde (siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=101\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gustav Meyrink: Der Golem<\/a>).<\/p>\n<p>Abends guckten wir dann beim Bahnhof noch einmal vorbei, um zu schauen, wann unser Zug zur\u00fcck nach Deutschland fuhr. Dabei lernten wir in der Bahnhofsgastst\u00e4tte noch einen Typen kennen, Alois R. aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zdounky\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zdounky<\/a>, mit dem wir uns noch l\u00e4ngere Zeit unterhielten, wenn auch mehr mit H\u00e4nden und Gesten anstatt mit Worten. Dann ging es zur\u00fcck in unsere Unterkunft.<\/p>\n<p>Am Freitag (Karfreitag), den 9. April 1982 verabschiedeten wir uns bei unseren Gastgebern, die uns noch mit Kuchen, Kaffee u.a. f\u00fcr die R\u00fcckreise versorgten. Es war ein H\u00e4ndesch\u00fctteln ohne Ende. Die Tochter, die in der Schule Deutsch lernte und uns so f\u00fcr ihre Eltern dolmetschte, spielte noch etwas auf der Heimorgel zum Abschied, so als gingen alte Bekannte. Der Zug fuhr p\u00fcnktlich um 11 Uhr 25 \u00fcber Marienbad und Pilsen los, und obwohl er brechendvoll war, bekamen wir noch zwei Fensterpl\u00e4tze. In Cheb an der Grenze gegen 15 Uhr 30 wurde der Zug dann aber auch schlagartig leer. Von hier fuhren wir \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schirnding\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schirnding<\/a> nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marktredwitz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Marktredwitz<\/a>. Unterwegs schneite es einwenig. In Marktredwitz \u00fcbernachteten wir in einer Jugendherberge, die es heute nicht mehr gibt. Kein Wunder, denn vor drei\u00dfig Jahren waren wir zur Osterzeit die einzigsten G\u00e4ste. Am folgenden Tag ging es dann durch eine Winterlandschaft und bei Schneegest\u00f6ber mit dem Zug Richtung Schnabelwald, anschlie\u00dfend nach N\u00fcrnberg, wo wir noch eine Nacht blieben, diesmal in der N\u00e4he des Hauptbahnhofes in der Luitpoldstra\u00dfe im <a href=\"http:\/\/www.hotel-garni-probst.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hotel Probst<\/a>. In einem Braukeller g\u00f6nnten wir uns zum Bier Spannferkel. Abends besuchten wir dann noch das <a href=\"http:\/\/www.volksfest-nuernberg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">N\u00fcrnberger Volksfest<\/a>, um uns doch wenigstens einmal eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ma%C3%9Fkrug\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ma\u00df<\/a> Bier zu erlauben \u2013 und gerieten in ein wildes, abenteuerliches Durcheinander. Zum Einen waren nach einem Fu\u00dfballspiel Fans der gegnerischen Mannschaften (<a href=\"https:\/\/www.fussballdaten.de\/dfb-pokal\/1982\/halbfinale\/nuernberg-hamburg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DFB-Halbfinale HSV und 1. FC N\u00fcrnberg<\/a>) im Festzelt eingetroffen und meinten, den Wettkampf ihrer Mannschaften hier handfest fortsetzen zu m\u00fcssen. Zum Anderen waren jede Menge angetrunkener Amerikaner zugegen, die in ihrem Zustand zus\u00e4tzlich f\u00fcr eine wilde Stimmung sorgten. Ein besonders Schlauer meinte, einer Serviererin von hinten an ihre Oberweite greifen zu m\u00fcssen, was ihm schlecht bekam. Als dann die gl\u00e4sernen Ma\u00dfkr\u00fcge durch die L\u00fcfte flogen, machten wir uns aus dem Staub, schlie\u00dflich wollten wir am folgenden noch heil nach Hause kommen. Das Zelt wurde dann von der Polizei ger\u00e4umt. Am Sonntag, den 11. April 1982 ging es dann mit dem Intercity zur\u00fcck nach Hause.<\/p>\n<p>In wenigen Tagen liegt diese Reise nun schon 30 Jahre zur\u00fcck. So wie damals w\u00fcrde ich heute nicht mehr reisen wollen. Aber gerade dadurch, dass wir den Kontakt mit den \u201aEinheimischen\u2019 nicht scheuten, bekam die Reise ihren besonderen Reiz. &#8211; Fotos habe ich damals nat\u00fcrlich auch gemacht. Allerdings hat das entsprechende Fotoalbum ganz hinten in der Abseite im Dachzimmer seinen Platz gefunden und es br\u00e4uchte lange Zeit, es dort auszugraben. Ich denke, es gibt im Internet reichlich viele, sicherlich auch gelungenere Schnappsch\u00fcsse aus Prag. &#8211; Was mich eigentlich heute noch erstaunt, war die au\u00dfergew\u00f6hnliche Gastfreundschaft der Tschechen. Eigentlich hatten sie keinen Grund, uns Deutsche zu m\u00f6gen. Auf Radtouren \u00fcber die niederl\u00e4ndische Grenze hinweg viele Jahre zuvor habe ich erleben m\u00fcssen, wie wir als jugendliche Deutsche mit Verachtung und dummen Spr\u00fcchen gestraft wurden. Die Tschechen waren da ganz anders. Sie verstanden, dass wir als junge Menschen nichts mit den Verbrechen einer fr\u00fcheren Generation zu tun hatten. Vielleicht lag es auch an uns, die sich immer aufgeschlossen und gleichsam freundlich zeigten. Prag steht bei mir auf jeden Fall nach so vielen Jahren wieder ganz oben auf dem Zettel. Vielleicht werde ich sp\u00e4testens im n\u00e4chsten Jahr mit meinen Lieben Prag besuchen. Vielleicht auch wieder zur Osterzeit. Zlat\u00e1 Praha, goldenes Prag!<\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5455\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zlat\u00e1 Praha (1)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reise nach Prag im April 1982 k\u00f6nnte man als eine Tour auf den Spuren trinkbarer Erzeugnisse Pilsener Brauart bezeichnen. Auch wandelten wir in Prag auf Kafkas Spuren. Auf der Anreise machten wir Halt in N\u00fcrnberg und in Pilsen (siehe Zlat\u00e1 Praha (2): Hinfahrt nach Prag 1982). Am Dienstag, den 6. 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