{"id":6113,"date":"2012-06-24T13:18:18","date_gmt":"2012-06-24T11:18:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6113"},"modified":"2012-06-24T13:18:18","modified_gmt":"2012-06-24T11:18:18","slug":"heute-ruhetag-16-fjodor-michailowitsch-dostojewski-%e2%80%93-die-damonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6113","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (16): Fjodor Michailowitsch Dostojewski \u2013 Die D\u00e4monen"},"content":{"rendered":"<p>Ohne Zweifel ist Dostojewski einer der grandiosesten Literaten des 19. Jahrhunderts, dessen Werke noch heute wirken. Kaum ein anderer Schriftsteller jener Zeit verstand sich derma\u00dfen auf die menschliche Psyche. Sein Roman \u201eDie D\u00e4monen\u201c wurde 1959, also vor etwas mehr als 50 Jahren, von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a> dramatisiert: <a href=\"http:\/\/www.textem.de\/index.php?id=889\" target=\"_blank\">Die Besessenen<\/a> (Les poss\u00e9d\u00e9s). Da ich zz. Camus\u2019 <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=albert%20camus%20dramen&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\"><strong>Dramen<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> lese, m\u00f6chte ich, bevor ich auf diese zu sprechen komme, den Roman von Dostojewski zum Lesen anempfehlen. Diesmal findet sich die Quelle nicht im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Projekt_Gutenberg-DE\" target=\"_blank\">Projekt Gutenberg DE<\/a>, sondern in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zeno.org\" target=\"_blank\">Zeno.org<\/a>, einer weiteren deutschsprachigen Volltextbibliothek.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag!\" title=\"Heute Ruhetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Indem ich mich anschicke, die sehr merkw\u00fcrdigen Ereignisse zu schildern, die sich k\u00fcrzlich in unserer, bis dahin durch nichts ausgezeichneten Stadt zugetragen haben, sehe ich mich durch meine schriftstellerische Unerfahrenheit gen\u00f6tigt, etwas weiter auszuholen und mit einigen biographischen Angaben \u00fcber den talentvollen, hochgeachteten Stepan Trofimowitsch Werchowenski zu beginnen. Diese Angaben sollen nur als Einleitung zu der in Aussicht genommenen Erz\u00e4hlung dienen; die Geschichte selbst, die ich zu schreiben beabsichtige, soll dann nachfolgen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich will es geradeheraus sagen: Stepan Trofimowitsch hat unter uns best\u00e4ndig sozusagen eine bestimmte Charakterrolle, die Rolle eines politischen Charakters, gespielt und sie leidenschaftlich geliebt, derma\u00dfen, da\u00df er meines Erachtens ohne sie gar nicht leben konnte. Nicht, da\u00df ich ihn mit einem wirklichen Schauspieler vergleichen m\u00f6chte: Gott beh\u00fcte; das kommt mir um so weniger in den Sinn, als ich selbst ihn sehr hoch achte. Es mochte bei ihm alles Sache der Gewohnheit sein oder, richtiger gesagt, Sache einer steten, schon aus dem Jugendalter herr\u00fchrenden wohlanst\u00e4ndigen Neigung, sich vergn\u00fcglichen Tr\u00e4umereien \u00fcber seine sch\u00f6ne politische Haltung hinzugeben. Er gefiel sich zum Beispiel au\u00dferordentlich in seiner Lage als \u00bbVerfolgter\u00ab und sozusagen als \u00bbVerbannter\u00ab. Diese beiden Worte umgibt ein eigenartiger klassischer Glanz, der ihn seinerzeit verf\u00fchrt hatte, ihn dann allm\u00e4hlich im Laufe vieler Jahre in seiner eigenen Meinung gehoben und ihn schlie\u00dflich auf ein sehr hohes und f\u00fcr seine Eigenliebe sehr angenehmes Piedestal gestellt hatte. In einem satirischen englischen Romane des vorigen Jahrhunderts kehrte ein gewisser Gulliver aus dem Lande der Liliputaner zur\u00fcck, wo die Menschen nur vier Zoll gro\u00df waren, und hatte sich w\u00e4hrend seines Aufenthaltes unter ihnen so daran gew\u00f6hnt, sich f\u00fcr einen Riesen zu halten, da\u00df er, auch wenn er in den Stra\u00dfen Londons umherging, unwillk\u00fcrlich den Fu\u00dfg\u00e4ngern und Wagen zurief, sie sollten sich vorsehen und ihm ausweichen, damit sie nicht zertreten w\u00fcrden; denn er bildete sich ein, er sei immer noch ein Riese und sie Zwerge. Man lachte ihn deswegen aus und schimpfte auf ihn, und grobe Kutscher schlugen sogar mit der Peitsche nach dem Riesen; aber ob mit Recht? Was kann nicht die Gewohnheit bewirken? Die Gewohnheit brachte auch Stepan Trofimowitsch zu einem sehr \u00e4hnlichen Verhalten, das sich aber in einer noch unschuldigeren und harmloseren Weise zeigte, wenn man sich so ausdr\u00fccken kann; denn er war ein ganz pr\u00e4chtiger Mensch.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fjodor_Michailowitsch_Dostojewski\" target=\"_blank\"><strong>Fjodor Michailowitsch Dostojewski<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Dostoevskij,+F%C3%ABdor+Michajlovi%C4%8D\/Romane\/Die+D%C3%A4monen\/Erster+Teil\/Erstes+Kapitel\/1.\" target=\"_blank\">Die D\u00e4monen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Zweifel ist Dostojewski einer der grandiosesten Literaten des 19. Jahrhunderts, dessen Werke noch heute wirken. Kaum ein anderer Schriftsteller jener Zeit verstand sich derma\u00dfen auf die menschliche Psyche. 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