{"id":6140,"date":"2012-07-01T08:14:52","date_gmt":"2012-07-01T06:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6140"},"modified":"2012-06-29T10:19:51","modified_gmt":"2012-06-29T08:19:51","slug":"heute-ruhetag-17-robert-walser-der-gehulfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6140","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (17): Robert Walser &#8211; Der Geh\u00fclfe"},"content":{"rendered":"<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit habe ich diesen Roman einmal zu <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1039\" target=\"_blank\">meinen liebsten B\u00fcchern<\/a> gez\u00e4hlt: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Geh%C3%BClfe\" target=\"_blank\">Der Geh\u00fclfe<\/a> von Robert Walser. Dieser Roman wurde 1907 geschrieben und 1908, also vor \u00fcber 100 Jahren, ver\u00f6ffentlicht. Er handelt von dem 24-j\u00e4hrigen Joseph Marti, Geh\u00fclfe des Ingenieurs Carl Tobler, und wie dieser w\u00e4hrend eines halben Jahres als Hausangestellter den Ruin einer erfolglosen Erfinder-Familie erlebt. Am Ende geht Joseph Marti wieder seiner Wege. Der Roman spielt in der Schweiz und hat autobiografische Bez\u00fcge.<\/p>\n<p>Robert Walser war ein Sonderling. Und so sind seine Romane, Erz\u00e4hlungen und Gedichte von einem sonderbaren Charme gepr\u00e4gt. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann_Hesse\" target=\"_blank\">Hermann Hesse<\/a> schreibt 1936, zwar sei der <em>\u201eGeh\u00fclfe voll von Stimmungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts\u201c<\/em>, doch bezaubere die <em>\u201eErz\u00e4hlung durch die zeitlose Anmut ihres Vortrags, durch die zart und absichtslos spielende Magie\u201c<\/em>. In einem Nachwort zum Roman schrieb <a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/autor\/anne-gabrisch.html\" target=\"_blank\">Anne Gabrisch<\/a> , <em>\u201eHerr und Diener<\/em> [seien] <em>gleicherma\u00dfen n\u00e4rrisch \u2013 ein Paar von f\u00fcrchterlicher Komik. Und von weit her an Don Quijote und Sancho Pansa erinnernd.\u201c<\/em> Dem ist von meiner Seite nicht hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag!\" title=\"Heute Ruhetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Eines Morgens um acht Uhr stand ein junger Mann vor der T\u00fcre eines alleinstehenden, anscheinend schmucken Hauses. Es regnete. \u00bbEs wundert mich beinahe,\u00ab dachte der Dastehende, \u00bbda\u00df ich einen Schirm bei mir habe.\u00ab Er besa\u00df n\u00e4mlich in seinen fr\u00fcheren Jahren nie einen Regenschirm. In der einen nach unten grad ausgestreckten Hand hielt er einen braunen Koffer, einen von den ganz billigen. Vor den Augen des scheinbar von einer Reise herkommenden Mannes war auf einem Emailleschild zu lesen: C. Tobler, technisches Bureau. Er wartete noch einen Moment, wie um \u00fcber irgend etwas gewi\u00df sehr Belangloses nachzudenken, dann dr\u00fcckte er auf den Knopf der elektrischen Klingel, worauf eine Person kam, allem Anschein nach eine Magd, um ihn eintreten zu lassen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbIch bin der neue Angestellte,\u00ab sagte Joseph, denn so hie\u00df er. Er solle nur eintreten und hier, die Magd zeigte ihm die Richtung, nach unten ins Bureau gehen. Der Herr werde gleich erscheinen.<\/em><\/p>\n<p><em>Joseph stieg eine Treppe, die eher f\u00fcr H\u00fchner als f\u00fcr Menschen gemacht schien, hinunter und trat rechter Hand ohne weiteres in das technische Bureau ein. Nachdem er eine Weile gewartet hatte, ging die T\u00fcre auf. An den festen Schritten \u00fcber die h\u00f6lzerne Treppe und am T\u00fcraufmachen hatte der Wartende sogleich den Herrn erkannt. Die Erscheinung best\u00e4tigte nur die vorausgegangene Gewi\u00dfheit, es war in der Tat niemand anderes als Tobler, der Chef des Hauses, der Herr Ingenieur Tobler. Er machte ziemlich gro\u00dfe Augen, er schien \u00e4rgerlich zu sein und war es auch.<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><em>\u00bbVon Herzen!\u00ab sagte der Geh\u00fclfe. Sie ergriff zum letzten Mal das Wort:<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbIch werde es ihm ausrichten, es wird ihn freuen. Er hat es um Sie verdient, da\u00df Sie ihm nicht grollen, er hat Sie gern gehabt, wie wir alle. Sie sind unser Angestellter gewesen \u2013 nein, gehen Sie jetzt. Viel Gl\u00fcck, Joseph.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Sie bot ihm die Hand und wandte sich dann zu ihren Kindern, als sei gar nichts weiter geschehen. Er nahm seinen Handkoffer vom Boden auf und ging. Und dann verlie\u00dfen die beiden, Marti und Wirsich, den Abendstern.<\/em><\/p>\n<p><em>Unten auf der Landstra\u00dfe angekommen, machte Joseph halt, zog einen Toblerschen Stumpen aus der Tasche, z\u00fcndete sich denselben an und drehte sich noch einmal nach dem Haus um. Er gr\u00fc\u00dfte es in Gedanken, dann gingen sie weiter.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Walser\"><strong>Robert Walser<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/ebooks\/27598\" target=\"_blank\">Der Geh\u00fclfe<\/a> (u.a. <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/files\/27598\/27598-h\/27598-h.htm\" target=\"_blank\">als HTML<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit habe ich diesen Roman einmal zu meinen liebsten B\u00fcchern gez\u00e4hlt: Der Geh\u00fclfe von Robert Walser. Dieser Roman wurde 1907 geschrieben und 1908, also vor \u00fcber 100 Jahren, ver\u00f6ffentlicht. 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