{"id":6160,"date":"2012-07-05T08:11:32","date_gmt":"2012-07-05T06:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6160"},"modified":"2012-07-05T07:21:23","modified_gmt":"2012-07-05T05:21:23","slug":"vergessene-stucke-15-albert-camus-%e2%80%93-dramen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6160","title":{"rendered":"Vergessene St\u00fccke (15): Albert Camus \u2013 Dramen (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a> war Schriftsteller und Philosoph des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Existenzialismus\" target=\"_blank\">Existenzialismus<\/a> und gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten franz\u00f6sischen Autoren des 20. Jahrhunderts. 1957 erhielt er f\u00fcr sein Gesamtwerk den Nobelpreis f\u00fcr Literatur. Wie bereits in meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6122\" target=\"_blank\">Albert Camus \u2013 Dramen (Teil 1)<\/a> geschrieben, so war Albert Camus nicht nur Philosoph und Verfasser von Romanen und Erz\u00e4hlungen. Er war auch ein begeisterter Theaterfreund und als solcher Schauspieler und Regisseur eines kleinen Theaters in Algier \u2013 und nat\u00fcrlich Dramatiker. Zwischen 1938 und 1950 verfasste er vier Schauspiele. 1959 dramatisierte er mit dem St\u00fcck \u201eDie Besessenen\u201c den Roman <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6113\" target=\"_blank\">D\u00e4monen von Dostojewski<\/a>. Und wie ebenfalls bereits erw\u00e4hnt, so werden Camus\u2019 St\u00fccke auch heute immer noch aufgef\u00fchrt. <\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/albert_camus.jpg\" alt=\"Albert Camus\" title=\"Albert Camus\" \/><\/ul>\n<p>Komme ich heute zu den beiden letzten St\u00fccken von Camus\u2019 <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;keywords=albert%20camus%20dramen&#038;tag=familiealbin-21&#038;index=books&#038;linkCode=ur2&#038;camp=1638&#038;creative=6742\"><strong>Dramen<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, die ich in folgender Ausgabe vorliegen habe: Albert Camus: Dramen \u2013 ins Deutsche \u00fcbertragen von Guido G. Meister \u2013 Rowohlt Verlag, Hamburg \u2013 128. \u2013 131. Tausend, April 1982 (14. Auflage) \u2013 Sonderausgabe. Man k\u00f6nnte die beiden St\u00fccke \u201eDie Gerechten\u201c und \u201eDie Besessenen\u201c als russische St\u00fccke bezeichnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Gerechten\" target=\"_blank\">Die Gerechten<\/a> ist ein Schauspiel in f\u00fcnf Akten und wurde am 15. Dezember 1949 im Th\u00e9\u00e2tre H\u00e9bertot, Paris, uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/uM2yZoWlkAg\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nExperimentelle Kurzfilmadaption einer Szene aus &#8222;Die Gerechten&#8220; von Albert Camus.<\/p>\n<p><em>\u201eRussland im Jahre 1905. Eine terroristische Kampftruppe, Mitglieder der Partei der Sozialrevolution\u00e4re, plant ein Bombenattentat auf den Grossf\u00fcrsten Sergej, den Onkel des Zaren, um das zaristische Regime zu ersch\u00fcttern. Doch Kaljajew, der die Bombe werfen soll, bringt es nicht fertig, als er sieht, dass zwei Kinder mit in der Kutsche sitzen. Alle haben Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Grundsatz: Unschuldige d\u00fcrfen nicht leiden. Nur Stepan, der nach Haft, Folter und Flucht voller Hass ist, w\u00fcrde f\u00fcr die \u2039Sache\u203a sogar Kinder opfern. Zwei Tage sp\u00e4ter gelingt es Kaljajew, den Grossf\u00fcrsten allein zu t\u00f6ten. Er wird verhaftet, gefoltert und soll seine Freunde verraten mit der Aussicht auf Begnadigung. Doch Kaljajew bleibt seiner Tat treu, auch als die Witwe des Grossf\u00fcrsten ihn im Gef\u00e4ngnis besucht und ihn zur Reue bekehren m\u00f6chte: \u00abNur wenn ich nicht st\u00fcrbe, w\u00e4re ich ein M\u00f6rder\u00bb. Er wird hingerichtet. Als die Kampftruppe davon erf\u00e4hrt, beschliesst Dora, die n\u00e4chste Bombe zu werfen, um ihrem Geliebten ins Jenseits zu folgen. \u00abO Liebe! Leben! Nein, nicht Leben: Liebe im Tod!\u00bb\u201c<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.art-tv.ch\/3550-0-Schauspielhaus-Zuerich-Die-Gerechten.html\" target=\"_blank\">art-tv.ch<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Personen:<\/strong><\/p>\n<p><em>Dora Duljebow<br \/>\nDie Gro\u00dff\u00fcrstin<br \/>\nIwan Kaliajew (Kaljajew) , genannt Janek, der \u201cDichter\u201d<br \/>\nStepan Fjodorow<br \/>\nBoris Annenkow, genannt Borja<br \/>\nAlexis Woinow<br \/>\nSkuratow<br \/>\nFoka<br \/>\nDer W\u00e4rter<\/em><\/p>\n<p>Das Theaterst\u00fcck basiert auf einer wahren Begebenheit: Im Jahre 1905 ver\u00fcbte die terroristische Gruppierung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sozialrevolution%C3%A4re\" target=\"_blank\">Sozialrevolution\u00e4re<\/a> einen Anschlag auf den russischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sergei_Alexandrowitsch_Romanow\" target=\"_blank\">Gro\u00dff\u00fcrsten Sergei<\/a>. Das St\u00fcck ist nat\u00fcrlich insoweit aktuell, als es um einen terroristischen Anschlag geht. Allerdings suchen die Attent\u00e4ter nach Gerechtigkeit in einem zaristischen Russland, w\u00e4hrend heutige Terroristen eher die Implementierung despotischer Systeme anstreben und dabei auch auf Unschuldige wenig R\u00fccksicht nehmen. <em>\u201eDie Revolution frisst ihre Kinder\u201c<\/em>, hei\u00dft es. Camus\u2019 Revolution\u00e4re sind der Gerechtigkeit halber bereit zu sterben.<\/p>\n<p><em>\u201eIn \u201aDie Gerechten\u2019 legt Camus an einem Fall aus der russischen Geschichte die Grenzen menschlichen Handels dar. Er zeigt, da\u00df auch die radikale revolution\u00e4re Tat nur in diesen Grenzen zu rechtfertigen ist, da\u00df die T\u00e4ter in ihren Tod einwilligen m\u00fcssen, wenn sie sie \u00fcberschreiten und um eines Ideals willen zu M\u00f6rdern werden.\u201c<\/em> (Klappentext zum Buch)<\/p>\n<p>Albert Camus schreibt in seinem Vorwort zu seinen Dramen zum St\u00fcck: <em>\u201eMeine Helden Kaliajew und Dora besitzen meine ungeteilte Bewunderung. Ich wollte blo\u00df darlegen, da\u00df auch der Tat selbst Grenzen gesetzt sind. Nur die Tat ist gut und gerecht, die diese Grenzen anerkennt und, falls sie sie \u00fcberschreiten mu\u00df, zumindest in den Tod willigt. Unsere Welt zeigt uns heute ein widerliches Gesicht, gerade weil sie von Menschen gezimmert wird, die sich das Recht anma\u00dfen, diese Grenzen zu \u00fcberschreiten und insbesondere Mitmenschen zu t\u00f6ten, ohne selbst mit dem Leben zu bezahlen. So kommt es, da\u00df die Gerechtigkeit heute \u00fcberall auf der Welt den M\u00f6rdern jeglicher Gerechtigkeit als Alibi dient.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Am 30. Januar 1959 wurde das Drama \u201eDie Besessenen\u201c, Albert Camus&#8216; Bearbeitung des Romans von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fjodor_Michailowitsch_Dostojewski\" target=\"_blank\">Dostojewski<\/a> f\u00fcr die B\u00fchne, im Th\u00e9\u00e2tre Antoine, Paris, uraufgef\u00fchrt. Es ist gewisserma\u00dfen eine geraffte Fassung des \u00fcber 800 Seiten starken Romans.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_D%C3%A4monen_%28Dostojewski%29\" target=\"_blank\">Die D\u00e4monen<\/a> ist ein 1873 ver\u00f6ffentlichter Roman von Fjodor Dostojewski. Das Buch beschreibt das politische und soziale Leben im vorrevolution\u00e4ren Russland des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts, als unter zunehmender Labilit\u00e4t der zaristischen Herrschaft und traditionellen Wertesysteme verschiedene Ideologien (Nihilismus, Sozialismus, Liberalismus, Konservatismus) aufeinanderprallten, die von Dostojewski jeweils in einem Protagonisten dargestellt werden. In geradezu seherischer Art und Weise hat Dostojewskij die politischen und menschlichen Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts pr\u00e4zise vorhergesagt.<\/p>\n<p>Im Roman wie auch in dem Theaterst\u00fcck stehen zwei Ereignisse im Mittelpunkt. Beim ersten geht es um einen Mord innerhalb einer revolution\u00e4ren Gruppe. Bei dieser wahren Begebenheit wurde auf Veranlassung des skrupellosen Nihilisten Sergei Netschajew ein junges Mitglied seiner Gruppe von seinen Kameraden ermordet. Netschajews Absicht war, damit gleichzeitig einen Kritiker auszuschalten und die Gruppe durch den gemeinschaftlichen Mord zusammenzuschwei\u00dfen. Die Figur Peter (Pjotr) Werchowenski und die Ereignisse um seine revolution\u00e4re Gruppe in \u201eDie D\u00e4monen\u201c basieren auf Netschajew und dem Mordfall. Das andere Ereignis ist Stawrogins Beichte bei Bischof Tichon. Der von inneren Widerspr\u00fcchen zerrissene Stawrogin offenbart darin seine Zweifel an Gott und jeder Moral.<\/p>\n<p><strong>Personen:<\/strong><\/p>\n<p><em>Grigorejew, der Erz\u00e4hler<br \/>\nStepan Trofimowitsch Werchowenski<br \/>\nWarwara Petrowna Stawrogina<br \/>\nLiputin<br \/>\nSchigalew<br \/>\nIwan Schatow<br \/>\nWirginski<br \/>\nGaganow<br \/>\nAlexej Jegorowitsch, Diener<br \/>\nNikolai Stawrogin<br \/>\nPraskowja Drosdowa<br \/>\nDascha Schatowa, Schwester von Iwan. S.<br \/>\nAlexej Kirillow<br \/>\nLisa Drosdowa<br \/>\nMawriki Nikolajewitsch<br \/>\nMarja  Timofejewna Lebjadkina<br \/>\nHauptmann Lebjadkin<br \/>\nPeter Stepanowitsch Werchowenski<br \/>\nFedka<br \/>\nDer Seminarist<br \/>\nLjamschin<br \/>\nTichon, der Bischof<br \/>\nMarja Schatowa, Frau von Iwan S.<\/em><\/p>\n<p><strong>Schaupl\u00e4tze:<\/strong><\/p>\n<p><em>1. Bei Warwara Stawrogina. Reich ausgestatteter, im Stil der Epoche gehaltener Salon<br \/>\n2. Das Filippowsche Haus. Doppeltes B\u00fchnenbild: ein Salon und ein kleines Zimmer. Sehr \u00e4rmlich eingerichtete m\u00f6blierte Wohnung<br \/>\n3. Die Stra\u00dfe<br \/>\n4. Das Lebjadkinsche Haus. Ein sch\u00e4biger Salon in der Vorstadt<br \/>\n5. Der Wald<br \/>\n6. Ein ger\u00e4umiger Saal im Jefimjewski-Kloster<br \/>\n7. Der Salon im Stawroginschen Landhaus in Skworeschniki<\/em><\/p>\n<p>Camus schreibt zu Dostojewski im Zusammenhang mit seinem St\u00fcck: <em>\u201eLange Zeit hat man Marx f\u00fcr den Propheten des 20. Jahrhunderts gehalten.<\/em> [&#8230;] <em>wir erkennen, da\u00df Dostojewski der wahre Prophet war. Er hat die Herrschaft der Gro\u00dfinquisitoren und den Triumph der Macht \u00fcber die Gerechtigkeit vorausgesehen.<\/em> [&#8230;] <em>Ich stelle die \u201aD\u00e4monen\u2019 neben die drei oder vier gr\u00f6\u00dften Werke, die die enorme Anh\u00e4ufung der Sch\u00f6pfungen menschlichen Geistes kr\u00f6nen: neben die \u201aOdyssee\u2019, \u201aKrieg und Frieden\u2019, \u201aDon Quijote\u2019 und die Dramen Shakespeares.<\/em> [&#8230;] <em>F\u00fcr mich ist in erster Linie Dostojewski der Schriftsteller, der lange vor Nietzsche den zeitgen\u00f6ssischen Nihilismus erkannt, definierte und seine ungeheuerlichen oder wahnwitzigen Folgen voraussah, und der versuchte, die Botschaft des Heils zu bestimmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas letzte B\u00fchnenst\u00fcck des franz\u00f6sischen Nobelpreistr\u00e4gers ist eine eindrucksvolle Adaption des Romans \u201aDie D\u00e4monen\u2019 von Dostojewski. Die Begegnung franz\u00f6sischer clart\u00e8 mit dem D\u00e4monischen ist deshalb ein Ereignis, weil sie Extreme abendl\u00e4ndischer Geistigkeit zusammenzuzwingen versucht. Das Ergebnis wirkt bei der Lekt\u00fcre fast noch eindringlicher als bei einer Auff\u00fchrung auf der B\u00fchne.\u201c<\/em> Der Tag, Berlin<\/p>\n<p>Siehe auch Video bei YouTube: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4rT8CunsWPY\" target=\"_blank\">Albert Camus on Nihilism<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albert Camus war Schriftsteller und Philosoph des Existenzialismus und gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten franz\u00f6sischen Autoren des 20. Jahrhunderts. 1957 erhielt er f\u00fcr sein Gesamtwerk den Nobelpreis f\u00fcr Literatur. 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