{"id":6163,"date":"2012-07-06T09:14:26","date_gmt":"2012-07-06T07:14:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6163"},"modified":"2012-07-06T09:14:26","modified_gmt":"2012-07-06T07:14:26","slug":"so-schreiben-wie-kafka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6163","title":{"rendered":"So schreiben wie Kafka"},"content":{"rendered":"<p>Nein, es geht hier nicht darum, Erz\u00e4hlungen und Romane, wie <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=kafka\" target=\"_blank\">Franz Kafka<\/a> sie schrieb, schreiben zu k\u00f6nnen. Es geht um Kafkas Handschrift. Die Faszination Kafkas endet n\u00e4mlich l\u00e4ngst nicht allein mit seinen Werken. Franz Kafka schrieb all seine Erz\u00e4hlungen, Romane, Tageb\u00fccher und den Gro\u00dfteil seiner Briefe per Hand. So wie Kafkas Werke, so hat es auch seine Handschrift in sich.<\/p>\n<p>Denken wir an Schreibschriften, die vor rund 100 Jahren im deutschsprachigen Raum \u00fcblich waren (z.B. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Kurrentschrift\" target=\"_blank\">deutsche Kurrentschrift<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/S%C3%BCtterlinschrift\" target=\"_blank\">S\u00fctterlinschrift<\/a>), so werden wir zugeben m\u00fcssen, dass wir mit diesen Schriften beim Lesen unsere Schwierigkeiten haben werden. Umso mehr erstaunt es, Kafkas Schrift so ohne Weiteres lesen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/kafka_prozess_beginn.gif\" alt=\"Franz Kafka: Der Prozess - handschriftlicher Anfang\" title=\"Franz Kafka: Der Prozess - handschriftlicher Anfang\" \/><br \/>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.franzkafka.de\/franzkafka\/das_werk\/der_process\/457391\" target=\"_blank\">franzkafka.de<\/a><\/p>\n<p>Kafkas Handschrift ist sehr ausdrucksstark. Das Schriftbild erscheint dabei gleicherma\u00dfen elegant wie einwenig nerv\u00f6s und ist gekennzeichnet durch eine sehr eigenst\u00e4ndige und vielf\u00e4ltige, aber \u2013 wie bereits gesagt &#8211; gleichzeitig gut lesbare Formensprache. Dabei muss man wissen, dass Kafka nicht immer in der uns bekannten Schrift geschrieben hat. Bis 1907 schrieb Kafka in Kurrentschrift, erst dann in lateinischer Schrift (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5637\" target=\"_blank\">Klaus Wagenbach: Franz Kafka \u2013 Bilder aus seinem Leben<\/a>)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/kafka_kurrentschrift.jpg\" alt=\"Kafkas Curriculum vitae in Kurrentschrift\" title=\"Kafkas Curriculum vitae in Kurrentschrift\" \/><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kafka-bilder.de\/deutsch\/archiv\/2-kafkas-spuren\/25-handschriften-schreibutensilien\/338-rcurriculum-vitael-fuer-die-rassicurazioni-generalil.html?start=12\" target=\"_blank\">Kafkas Curriculum vitae<\/a> in Kurrentschrift<\/p>\n<p>Was wohl nicht nur mich fasziniert, ist die Vielfalt an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schriftart\" target=\"_blank\">Schriftarten<\/a> (auch Fonts oder englisch Typeface genannt), also die grafische Gestaltung eines Zeichensatzes (Buchstaben, Ziffern usw.), mit denen wir z.B. am Rechner schreiben k\u00f6nnen, mit denen aber vor allem B\u00fccher gestaltet werden. Die bekanntesten Schriftarten kennt fast jeder beim Namen: Helvetica, Garamond, Times \u2013 oder Arial, Courier und Comic Sans (siehe die <a href=\"http:\/\/www.100besteschriften.de\/\" target=\"_blank\">100 besten Schriftarten<\/a>). Diese Fonts sind meist Druckschriften, bei denen die einzelnen Buchstaben bzw. Lettern separat stehen. Es gibt aber auch Schriftarten, die Schreibschriften nachempfunden und Laufschriften sind, deren Buchstaben sich durch Bogenlinien miteinander verbinden. F\u00fcr einen Grafiker, Designer oder wie immer man einen Ersteller einer solchen Schriftart nennt, ist es eine Herausforderung, einen solchen Font zu kreieren.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/kafka_autograph.gif\" alt=\"Kafkas tats\u00e4chliche Unterschrift\" title=\"Kafkas tats\u00e4chliche Unterschrift\" \/><\/ul>\n<p>Ich habe drei solcher Schriftarten gefunden, die als Ausgangspunkt die Handschrift Kafkas nutzen. Die erste nennt sich <a href=\"http:\/\/www.dafont.com\/franz-kafka.font\" target=\"_blank\">\u201aFranz Kafka\u2019<\/a> und ist von <a href=\"http:\/\/www.dafont.com\/david-uebel.d2398\" target=\"_blank\">David Uebel<\/a> (Website von <a href=\"http:\/\/www.einfach-uebel.com\/\" target=\"_blank\">David Uebel<\/a>). Die Schrift ist allerdings ohne die genannten Bogenlinien, auch nicht ganz vollst\u00e4ndig (es fehlen einige Umlaute, Sonderzeichen usw.) und etwas \u201al\u00f6chrig\u2019. Daf\u00fcr ist sie allerdings auch kostenlos erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/kafka_fonts_36.jpg\" alt=\"Fonts mit Kafkas Handschrift\" title=\"Fonts mit Kafkas Handschrift\" \/><br \/>\n1. \u201aFrank Kafka\u2019 von David Uebel<br \/>\n2. \u201aKafka\u2019 von Julia Bausenhardt<br \/>\n3. \u201a FF Mister K\u2019 von Julia Sysm\u00e4l\u00e4inen<\/ul>\n<p>Die beiden anderen Schriftarten sind dagegen nicht ganz preiswert. Es steckt aber auch viel Arbeit darin. Da gibt es z.B. die Schriftart \u201aKafka\u2019 aus dem Jahre 2010 der Designerin <a href=\"http:\/\/juliabausenhardt.de\/#Kafka-typeface\" target=\"_blank\">Julia Bausenhardt<\/a> (bei <a href=\"http:\/\/www.myfonts.com\/fonts\/julia-bausenhardt\/kafka\/\" target=\"_blank\">myfonts.com<\/a> f\u00fcr 45 \u20ac zu erwerben &#8211; bis zum 14.07.2012 zum Sonderpreis von 38,25 \u20ac). Hier werden die Eigenheiten der Schrift Kafkas sehr sch\u00f6n wiedergegeben. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den Fonts der Finnin <a href=\"http:\/\/ffmisterk.com\/\" target=\"_blank\">Julia Sysm\u00e4l\u00e4inen<\/a>, die 2008 gleich eine ganze Fontfamilie ver\u00f6ffentlicht hat: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/FF_Mister_K\" target=\"_blank\">FF Mister K<\/a> (diese kosten bei <a href=\"http:\/\/www.fontshop.com\/search\/?q=ff+mister+k\" target=\"_blank\">fontshop.com<\/a> zwischen 35 und 169 \u20ac). Beide Designerinnen haben sich in erster Linie als Quellen an dem Manuskript des Romans <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5432\" target=\"_blank\">\u201eDer Prozess\u201c<\/a> gehalten. Die Schriftart von Julia Sysm\u00e4l\u00e4inen wurde u.a. f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/fontsinuse.com\/kafka-editions-from-schocken\/\" target=\"_blank\">Cover einer neuen Kafka-Edition<\/a> des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCcherei_des_Schocken_Verlags\" target=\"_blank\">Schocken Verlags<\/a> (siehe auch die <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/SchockenBooks\" target=\"_blank\">facebook-Seite<\/a>) verwendet.<\/p>\n<p>So weit, so gut: Was mich eigentlich erstaunt ist die Tatsache, dass Kafka auf so vielen Gebieten immer noch und immer wieder Quelle der Inspiration ist. Besonders <a href=\"http:\/\/juliasys.com\/\" target=\"_blank\">Frau Sysm\u00e4l\u00e4inen<\/a> hat sich ausgiebig mit <a href=\"http:\/\/ffmisterk.com\/in-action\/\" target=\"_blank\">Kafka und seiner Handschrift besch\u00e4ftigt<\/a> und auch noch eigens <a href=\"http:\/\/juliasys.com\/type-mrk-dingbats.html\" target=\"_blank\">600 Piktogramme<\/a> entworfen, die auf den Schriftzeichen von Mister K Regular basieren. Und selbst <a href=\"http:\/\/juliasys.com\/type-misterk.html\" target=\"_blank\">die Werbung bedient<\/a> sich inzwischen der Handschrift \u201aKafkas\u2019 resp. dem Font von Julia Sysm\u00e4l\u00e4inen.<\/p>\n<p>siehe auch:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=87\" target=\"_blank\">Freie Schriftarten<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=819\" target=\"_blank\">Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 58: Tull Symbols Font<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=2548\" target=\"_blank\">Font-Generator f\u00fcr die eigene Handschrift<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, es geht hier nicht darum, Erz\u00e4hlungen und Romane, wie Franz Kafka sie schrieb, schreiben zu k\u00f6nnen. Es geht um Kafkas Handschrift. Die Faszination Kafkas endet n\u00e4mlich l\u00e4ngst nicht allein mit seinen Werken. Franz Kafka schrieb all seine Erz\u00e4hlungen, Romane, Tageb\u00fccher und den Gro\u00dfteil seiner Briefe per Hand. 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