{"id":6193,"date":"2012-07-22T09:11:07","date_gmt":"2012-07-22T07:11:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6193"},"modified":"2012-07-21T17:16:31","modified_gmt":"2012-07-21T15:16:31","slug":"heute-ruhetag-18-theodor-strom-%e2%80%93-der-schimmelreiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6193","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (18): Theodor Strom \u2013 Der Schimmelreiter"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Schimmelreiter<\/em> zog vor allem an den norddeutschen K\u00fcsten durch die st\u00fcrmischen Dezembern\u00e4chte. Sein Ursprung d\u00fcrfte in der germanischen Mythologie (Pferdekult) stammen. Bekannt geworden ist er durch die gleichnamige Erz\u00e4hlung von Theodor Storm (siehe meinen Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=2485\" target=\"_blank\">Weihnachten von A bis Z: S wie Schnee &#038; Silvester<\/a>)<\/p>\n<p>\u201eDie Novelle, in deren Zentrum der fiktive Deichgraf Hauke Haien steht, basiert auf einer Sage, mit der Storm sich \u00fcber Jahrzehnte befasste. Mit der Niederschrift der Novelle begann er jedoch erst im Juli 1886 und beendete seine Arbeit daran im Februar 1888, wenige Monate vor seinem Tod.\u201c (Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Schimmelreiter\" target=\"_blank\">de.wikipedia.org<\/a>)<\/p>\n<p>Wer in Norddeutschland lebt, kommt um diese Novelle kaum herum, wenn er hier auch noch zur Schule gegangen ist. Im August 2000 war ich mit meiner Familie zwei Wochen auf <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/sizilien.html\" target=\"_blank\">Sizilien<\/a>. Der \u00e4lteste meiner beiden S\u00f6hne war damals noch nicht ganz 10 Jahre alt. Auf einem Buchbazar in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marina_di_Ragusa\" target=\"_blank\">Marina di Ragusa<\/a> fanden wir eine Ausgabe in deutscher Sprache mit eben dieser Erz\u00e4hlung. Wie das Buch wohl nach Sizilien gekommen ist? Und mein Sohn st\u00fcrzte sich f\u00f6rmlich auf das Buch und las den <em>Schimmelreiter<\/em> w\u00e4hrend der letzten Tage am Strand bis zum Ende. Sicherlich etwas au\u00dfergew\u00f6hnlich f\u00fcr einen Neunj\u00e4hrigen. Aber er war fasziniert von der Geschichte.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag!\" title=\"Heute Ruhetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgro\u00dfmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kundgeworden, w\u00e4hrend ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes besch\u00e4ftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den \u00bbLeipziger\u00ab oder von \u00bbPappes Hamburger Lesefr\u00fcchten\u00ab. Noch f\u00fchl ich es gleich einem Schauer, wie dabei die linde Hand der \u00fcber Achtzigj\u00e4hrigen mitunter liebkosend \u00fcber das Haupthaar ihres Urenkels hinglitt. Sie selbst und jene Zeit sind l\u00e4ngst begraben; vergebens auch habe ich seitdem jenen Bl\u00e4ttern nachgeforscht, und ich kann daher um so weniger weder die Wahrheit der Tatsachen verb\u00fcrgen, als, wenn jemand sie bestreiten wollte, daf\u00fcr aufstehen; nur so viel kann ich versichern, da\u00df ich sie seit jener Zeit, obgleich sie durch keinen \u00e4u\u00dferen Anla\u00df in mir aufs neue belebt wurden, niemals aus dem Ged\u00e4chtnis verloren habe.<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/schimmelreiter_storm.jpg\" alt=\"Franz Karl Basler-Kopp: Schimmelreiter I; Kreide auf Papier\" title=\"Franz Karl Basler-Kopp: Schimmelreiter I; Kreide auf Papier\" \/><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Basler-Kopp_Schimmelreiter_1.jpg&#038;filetimestamp=20080101183023\" target=\"_blank\">Franz Karl Basler-Kopp: Schimmelreiter I<\/a>; Kreide auf Papier<\/p>\n<p><em>Ich blickte neben ihm hinaus; die Fenster hier oben lagen \u00fcber dem Rand des Deiches; es war, wie er gesagt hatte. Ich nahm mein Glas und trank den Rest. \u00bbHaben Sie Dank f\u00fcr diesen Abend!\u00ab sagte ich; \u00bbich denk, wir k\u00f6nnen ruhig schlafen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDas k\u00f6nnen wir\u00ab, entgegnete der kleine Herr; \u00bbich w\u00fcnsche von Herzen eine wohlschlafende Nacht!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 \u2013 Beim Hinabgehen traf ich unten auf dem Flur den Deichgrafen; er wollte noch eine Karte, die er in der Schenkstube gelassen hatte, mit nach Hause nehmen. \u00bbAlles vor\u00fcber!\u00ab sagte er. \u00bbAber unser Schulmeister hat Ihnen wohl sch\u00f6n was weisgemacht; er geh\u00f6rt zu den Aufkl\u00e4rern!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 \u00bbEr scheint ein verst\u00e4ndiger Mann!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbJa, ja, gewi\u00df; aber Sie k\u00f6nnen Ihren eigenen Augen doch nicht mi\u00dftrauen; und dr\u00fcben an der andern Seite, ich sagte es ja voraus, ist der Deich gebrochen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Ich zuckte die Achseln: \u00bbDas mu\u00df beschlafen werden! Gute Nacht, Herr Deichgraf!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Er lachte: \u00bbGute Nacht!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u2013 \u2013 Am andern Morgen, beim goldensten Sonnenlichte, das \u00fcber einer weiten Verw\u00fcstung aufgegangen war, ritt ich \u00fcber den Hauke-Haien-Deich zur Stadt hinunter.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Storm\" target=\"_blank\"><strong>Theodor Storm<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3488\/1\" target=\"_blank\">Der Schimmelreiter<\/a> &#8211; Novelle (1888)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schimmelreiter zog vor allem an den norddeutschen K\u00fcsten durch die st\u00fcrmischen Dezembern\u00e4chte. Sein Ursprung d\u00fcrfte in der germanischen Mythologie (Pferdekult) stammen. 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