{"id":630,"date":"2006-10-17T00:06:56","date_gmt":"2006-10-16T22:06:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=630"},"modified":"2007-03-13T08:21:29","modified_gmt":"2007-03-13T06:21:29","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-19-salvation-a-la-mode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=630","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 19: Salvation \u00e0 la mode"},"content":{"rendered":"<p><em>Hallo Wilfried,<\/em><\/p>\n<p><em>Eddie Jobson mag ein guter Musiker gewesen sein, aber der pr\u00e4gende Eindruck, den er bei Tull hinterlassen hat, war sein geschminktes Gesicht und sein fast schon tuntenhaftes Auftreten. Selbst Mr. Anderson \u00e4u\u00dferte sich in der Retrospektive w\u00e4hrend der 25-Jahr-Feier etwas verwundert \u00fcber Mr. Jobson, so als ob er nicht mehr verstehen k\u00f6nne, wie so jemand den Weg in die Tull-Reihen finden konnte. Die Galerie des Mr. Cornick kannte ich bereits, trotzdem vielen Dank f\u00fcr den Hinweis.<\/em><\/p>\n<p><em>Hansen&#8217;s Eyebrows sind ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, wozu monet\u00e4re Zw\u00e4nge einen Musiker treiben k\u00f6nnen. Wie der unvergessene Freddy Mercury es einmal ausdr\u00fcckte: \u201eThe things you do for money&#8230;\u201c, Das Lied ist eine bemerkenswerte Mischung aus Kinderlied, Rap, Kirmesmusik und Kavalleriemarsch. Genau das richtige f\u00fcr (englische) Fu\u00dfballfans. Ist Dir bekannt, ob Mr. Barlow bei der Produktion auf seine ruhmreiche Vergangenheit hingewiesen hat ? Ich kann mir vorstellen, dass selbst viele Engl\u00e4nder ihn nicht mehr mit JT in Verbindung bringen.<br \/>\nKleiner Einschub: Gerade f\u00e4llt mir auf, dass die Mitglieder von JT keine sichtbaren T\u00e4towierungen tragen; ungew\u00f6hnlich f\u00fcr Engl\u00e4nder. Ich war Ende der 70er Jahre zum ersten Mal auf der Insel, also lange, bevor der Tatoo-Wahn auf den Kontinent schwappte. Damals sah ich sogar t\u00e4towierte Polizisten. Grauenhaft, aber very british.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich f\u00fcrchte, mir der maschinen\u00fcbersetzten Version unseres Gedankenaustauschs w\u00fcrdest Du Mr. Anderson nur abschrecken. Jedem Laien ist klar, welche Schwierigkeiten bei automatischen \u00dcbersetzungen auftreten k\u00f6nnen. Aber wie schwer, ja fast unm\u00f6glich es tats\u00e4chlich ist, wurde mir erst klar, als ich im Radio einen \u00dcbersetzer-Profi h\u00f6rte, der diese Schwierigkeiten der Reihe nach aufz\u00e4hlte und erl\u00e4uterte. Aber lustig ist so ein Versuch allemal: \u201eHow goes it you?\u201c &#8211; \u201eThank you for the afterquestion.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Die osteurop\u00e4ischen Ch\u00f6re, die haben eine eigene Qualit\u00e4t. Meine alte Heimatpfarre hat hin und wieder russische M\u00f6nchs- oder Kosakench\u00f6re zu Gast. Ich gehe hin, wann immer ich Zeit finde. Aber auch mitteleurop\u00e4ische sakrale Ch\u00f6re haben es in sich, wie auch Deine Datei aus dem Aachener Dom beweist.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich wei\u00df nicht, wie es Dir geht, aber bei jeder bedeutungsvollen Musik, die ich h\u00f6re, werden Stimmungen im Kopf erzeugt, entstehen Bilder vor dem geistigen Auge. Und bei diesen schweren geistlichen Mollch\u00f6ren erscheint vor mir das Bild der drei Kreuze auf Golgatha. Ich stehe auf dem Sch\u00e4delberg und erlebe die ganze Tragik der Passion mit. Das sind jedes Mal sehr bewegende Momente. Selbst dann noch, wenn wie jetzt ich die Zeit der unkritischen Gl\u00e4ubigkeit hinter mir gelassen habe. Aber ich muss mich bremsen; wenn ich einmal \u00fcber Religion anfange, h\u00f6re ich nicht mehr auf.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf meinen Aufgabenblock schreibe ich, dass ich Dir ein Lied eines Requiems aus der Ostkirche kabele; diese Musik erweicht die h\u00e4rteste Seele. Wie Du schon sagtest: Das muss Musik aus dem Himmel sein. Lassen wir einmal dahingestellt, ob es einen Gott gibt oder nicht, jedenfalls haben die Menschen aller Zeiten und Religionen sich sehr kreativ gezeigt, ihn zu preisen. Habe ich das falsch in Erinnerung, oder hattest Du in Deinem Blog nicht eine Rubrik \u201eGott und die Welt\u201c oder so ?<\/em><\/p>\n<p><em>Den &#8218;Man of the World&#8216; kannte ich von Fleetwood Mac. Von Mr. Anderson noch nicht. Die Originalversion von FM gef\u00e4llt mir besser. In der Vergangenheit hatte ich schon einmal den Eindruck, dass nicht alles zwangsl\u00e4ufig zu Gold wird, was Mr. Anderson anpackt.<\/em><\/p>\n<p><em>Tja, was f\u00e4llt mir zu Aqualung und der zitierten Textstelle ein ? Ich verstehe den Song Aqualung als eine Kritik an der Gesellschaft einschlie\u00dflich ihrer religi\u00f6sen und \/ oder gemeinn\u00fctzigen Einrichtungen.<\/em><\/p>\n<p>The army&#8217;s up the road<br \/>\nsalvation \u00e0 la mode<br \/>\nand a cup of tea.  <\/p>\n<p><em>Ich lese aus den obigen Zeilen Folgendes:<\/em><br \/>\n<em>Oben, die Stra\u00dfe hinauf, da hat die Heilsarmee ihr Quartier. Dort gibt es Erl\u00f6sung (oder Heil), wie es zurzeit angesagt ist. Und als ob das noch nicht genug w\u00e4re, auch noch eine Tasse Tee ! Ist das nicht wunderbar ? Zu der ganzen Seelenrettung auch noch eine Tasse hei\u00dfen Wassers mit Kr\u00e4utergeschmack. Wann h\u00e4tte je ein Mensch soviel unverdientes Gl\u00fcck erfahren ?<\/em><\/p>\n<p><em>Darin besteht in meinen Augen Mr. Anderson&#8217;s Gesellschaftskritik: Einerseits ist der soziale Aufbau so strukturiert, dass Menschen, die aus welchen Gr\u00fcnden auch immer mit dem Tempo der Leistungsgesellschaft nicht mithalten k\u00f6nnen, ein Leben jenseits dieser Gesellschaft f\u00fchren m\u00fcssen. Sie existieren irgendwo zwischen Stra\u00dfe, Br\u00fccke und Parkbank. Vom etablierten Teil der Gesellschaft bestenfalls geduldet, aber keinesfalls akzeptiert. Aber das Establishment schaut nicht einfach unt\u00e4tig zu, wie die \u00c4rmsten der Armen vor die Hunde gehen. Oh nein, wir leben schlie\u00dflich in einem christlichen Land ! Wir leisten uns Institutionen, die sich um diese bedauernswerten Randgruppen k\u00fcmmern ! Oh ja, das tun wir ! Wir unterhalten z.B. das stehende Heer der Heilsarmee. Diese Krieger des Herren schie\u00dfen mit Gulaschkanonen auf Leute wie Aqualung. Was aber noch viel wichtiger ist als die Sorge um das leibliche Wohl: Die Armee k\u00fcmmert sich um das Seelenheil der Gestrauchelten ! Oh ja, das tut sie ! Sie sorgt daf\u00fcr, dass die armen Obdachlosen mit ihrem Sch\u00f6pfer ins Reine kommen, bevor sie in der n\u00e4chsten Frostnacht erfrieren oder an den Folgen der Unterern\u00e4hrung zu Grunde gehen. Eine gel\u00e4uterte Seele ist sehr viel mehr wert als ein voller Bauch, denn der wird doch wieder hungrig werden. Eine reine Seele jedoch, einmal ins christliche Nirwana eingezogen, ist am Ziel ihrer Reise angekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach meinem Verst\u00e4ndnis des Aqualung-Textes geht es Mr. Anderson darum, die Scheinheiligkeit einiger christlich orientierter Wohlfahrtsorganisationen anzuprangern. Ich denke, er hat noch nicht einmal etwas gegen die Heilarmee als solche, sondern vielmehr klagt er die Gesellschaft an, zur Beruhigung des eigenen Gewissens Institutionen mit Alibi-Funktion zu gr\u00fcnden. Eben jene Einrichtungen, die das Elend der Welt nicht vermeiden, sondern nur an der Oberfl\u00e4che etwas mildern k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Falls ich damit Mr. Anderson&#8217;s Absichten korrekt erkannt haben sollte, muss ich ihn auffordern, dass er eine Gesellschaftsform aufzeigt, in der diese Missst\u00e4nde nicht vorkommen. \u201eDie Qualit\u00e4t einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren Schw\u00e4chsten umgeht.\u201c So oder so \u00e4hnlich hei\u00dft es. Welche Gesellschaft ist daf\u00fcr bekannt geworden, dass sie sich um ihre Schwachen angemessen k\u00fcmmert ? Gute theoretische Ans\u00e4tze gab es genug. Aber wo hat es geklappt ? Der Kommunismus hat versagt, das wird mittlerweile auch Senor Castro wissen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die urchristlichen Gemeinden fingen wenige Jahre nach Jesu Tod an, miteinander zu streiten. Naturv\u00f6lker setzen ihre Alten und Schwachen zum Sterben an den Wegesrand. Es gibt nat\u00fcrlich Gesellschaftsformen, die ihre Alten aufnehmen und die Kranken pflegen. Es sind aber zu wenige, um mit einem zufriedenen L\u00e4cheln auf diesen Globus zu blicken. Wahrer Altruismus mag bei einzelnen Individuen vorkommen, als Kennzeichen einer ganzen Gesellschaft ist er noch nicht beobachtet worden. Der Mensch ist von Natur aus egoistisch eingestellt. Er hat immer zugesehen, dass es ihm selber und seinen N\u00e4chsten gut geht. Bisher hat ihm das sein \u00dcberleben gesichert.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Extrem-Darwinist Richard Dawkins geht soweit zu sagen, dass ohne das \u201eegoistische Gen\u201c der Mensch nicht h\u00e4tte \u00fcberleben k\u00f6nnen. Mag sein, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist der Typ bekannt daf\u00fcr, darwinistischer als Darwin zu sein. Jetzt habe ich eine Br\u00fccke zwischen Darwin und Mr. Anderson geschlagen. Ich hielte es f\u00fcr besser, wenn der Meister unseren Gedankenaustauschs doch nicht liest&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Also, mein lieber Wilfried, bis zum n\u00e4chsten Mal !<\/em><br \/>\n<em>Lockwood<\/em><\/p>\n<p>27.09.2006<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p><em>Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Eddie Jobson und <a href=\"http:\/\/www.hansenseyebrows.com\/tune.html\" target=\"_blank\">Hansen\u2019 Eyebrows<\/a> brauche ich wohl nichts mehr zu sagen. Mit Jethro Tull wird man das Fu\u00dfballer-St\u00fcck sicherlich nicht unmittelbar in Verbindung bringen. Zu den (nicht sichtbar vorhandenen) T\u00e4towierungen hatte ich auch schon ausgeschaut. Bei Herrn Anderson findet man in fr\u00fcheren Jahren Ohrringe. Und in neueren Zeiten das besagte Kopftuch \ud83d\ude09 Aber mit T\u00e4towierungen ist eigentlich Fehlanzeige. Da die Tull-Jungs aus meist b\u00fcrgerlichen H\u00e4usern stammen, denke ich, dass die auch mit Tatoos wenig am Hut hatten. Ich werde aber weiter Ausschau halten. Durch meinen gro\u00dfen Sohn Jan habe ich mich etwas mit der Musikszene u.a. in Gro\u00dfbritannien und den gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen besch\u00e4ftigt. Es gibt da einen klaren Schnitt zwischen den Fans, die aus b\u00fcrgerlichem Haus stammen und solchen, die in der Arbeiterklasse zu Hause sind. \u201eThe Who\u201c und \u201eTommy\u201c sagen Dir vielleicht in diesem Zusammenhang etwas. Ich habe den Film zwar nie gesehen, aber irgendwie spielt die Rivalit\u00e4t zweier Jugendgangs hier eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. Und so findet man insgesamt die Mods und Suedeheads aus dem b\u00fcrgerlichen Lager den Rudeboys, Punks und Skinheads aus dem Arbeitermilieu gegen\u00fcbergestellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Zum Layout: Hinter meinem Weblog verbirgt sich <a href=\"http:\/\/www.wordpress.de\/\" target=\"_blank\">WordPress<\/a> (siehe hierzu die deutsche Website: wordpress.de, wenn es Dich n\u00e4her interessiert). Das ist gewisserma\u00dfen das Werkzeug. Der Aufbau der Datenbank, in dem die Betr\u00e4ge, Kommentare usw. gespeichert werden, und vieles andere sind dabei bereits vorgegeben und k\u00f6nnen eigentlich nicht ge\u00e4ndert werden (k\u00f6nnten schon, aber dann br\u00e4uchte man \u201eerweiterte\u201c Kenntnisse). Ich kann mich aber zwischen unterschiedlichsten Layouts, die man auch neudeutsch Themes nennt,  entscheiden. Ich habe insgesamt drei Layouts auf dem Webserver hochgeladen, benutze aber zz. nur ein Thema namens Sirius. Innerhalb Sirius kann ich aber zwischen verschiedenen \u201eUnterthemen\u201c hin- und herschalten. Dabei k\u00f6nnen z.B. Farbeinstellungen, die \u00fcber sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cascading_Style_Sheets\" target=\"_blank\">Cascading Style Sheet (CSS-Dateien)<\/a> definiert werden, ge\u00e4ndert werden. Verstanden? Die zwei anderen Layouts bzw. Themes haben \u00fcbrigens ein ganz anderes Aussehen als das Sirius-Thema. Fr\u00fcher sah mein Weblog wie folgt aus (die Gliederung war u.a. etwas anders):<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/images\/williz_weblog_2005.jpg\" alt=\"WilliZ Weblog 2005\" \/><\/p>\n<p><em>Ich nehme Sirius, weil ich auch die Inhalte an Sirius angepasst habe (bis auch einige alte Beitr\u00e4ge), z.B. habe ich einige Grafiken nebeneinander platziert, die einen bestimmten Raum brauchen. \u00c4ndere ich das Layout, dann passen diese Grafiken pl\u00f6tzlich nicht mehr und das Ganze sieht bescheiden aus. Ist eben viel Technik dabei.<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_aqualung.html\" target=\"_blank\">Aqualung<\/a> und die Textpassage: The army\u2019s up the road \u2013 salvation \u00e0 la mode and a cup of tea: Wie ich schon andeutete, wird das ein l\u00e4ngerer Vortrag. Ich will mich kurz fassen, aber auch keine Details auslassen. Nat\u00fcrlich spricht Ian Anderson hier von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heilsarmee\" target=\"_blank\">Heilsarmee<\/a>, einer Einrichtung, die vor \u00fcber 100 Jahren in London von einem William Booth gegr\u00fcndet wurde. Sein Motto war: Einem leeren Magen kann man nicht predigen! Du hast dazu schon die richtigen Gedanken entwickelt. Ich muss hierzu aber erg\u00e4nzen, dass die Heilsarmee neben ihrer Hauptaufgabe, den Menschen das Heil zu bringen, nicht nur Tee und Lebensmittel verteilt, sondern dass sie Heime f\u00fcr Obachtlose, alleinstehende M\u00fctter usw. und auch viele Projekte in der dritten Welt unterh\u00e4lt, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun, warum schreibe ich das: ich bin gewisserma\u00dfen in die Heilsarmee hineingeboren. Meine Eltern waren das, was man Heilsarmeeoffiziere nennt, also hauptberufliche Mitarbeiter, die mehrere Korps, also Gemeinden, leiteten. So kommt es, dass ich in Kiel gezeugt, in Berlin-Sch\u00f6neberg geboren, \u00fcber Pforzheim mit gut vier Jahren nach Bremen kam. Hier musste mein Vater seinen Job aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden an den Nagel h\u00e4ngen. Er hatte im 2. Weltkrieg ein Bein verloren.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Ganze hat nat\u00fcrlich eine Vorgeschichte. Meine Eltern gingen beide zur Heilsarmee und lernten sich in K\u00f6ln kennen, als mein Vater als Soldat (diesmal richtiger Soldat) kurze Zeit in K\u00f6ln stationiert war. Mein Vater war dabei schon fr\u00fch in seinem ost-preu\u00dfischen Heimatst\u00e4dtchen engagiert t\u00e4tig, leitete eine Bl\u00e4sergruppe von Jugendlichen usw. In wie weit sich die Heilsarmee \u00fcber die Nazizeit rettete, wei\u00df ich nicht, ich denke sie war eine Zeitlang verboten, ich muss meinen Vater fragen. Am Anfang allerdings durften sie noch ihren Gesch\u00e4ften nachgeben. Und dabei gab es einigen \u00c4rger: So trat wohl mein Vater mit einer S\u00e4ngergruppe in der \u00d6ffentlichkeit auf mit dem vielsagenden Lied: \u201eDu sollst mein F\u00fchrer sein &#8230;!\u201c Adolf war damit aber nicht gemeint (das Lied geht weiter: &#8222;Jesus, nur Du allein!&#8220;). Wie auch immer. Auch mein Vater wurde eingezogen, konnte sich schussfrei als Sanit\u00e4ter an der Front durchk\u00e4mpfen, wurde aber so schwer verwundet, dass man ihm ein Bein amputieren musste (frag mich nicht welches). Und nach dem Krieg ging er dann mit meiner Mutter zur Kadettenschule, dort wo die sp\u00e4teren Offiziere, also Korps-Leiter, ausgebildet werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist nicht so leicht, Kind eines Heilsarmeeoffiziers zu sein. Von den H\u00e4nseleien durch andere Kinder will ich gar nicht reden. Als Kind sieht man das alles zun\u00e4chst nicht so. Aber wenn man \u00e4lter wird, dann besch\u00e4ftigt man sich mehr und mehr mit dem, was da einem passiert. Von mir wurde nat\u00fcrlich von Anfang an erwartet, dass ich ein frommer Christ und ein engagiertes Mitglied werde. Das war ein Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Nur wenn einem das Gotteserlebnis, um es so zu nennen, fehlt, dann st\u00f6rt man sich zunehmend an dem, was da abl\u00e4uft. Nicht das ich mich str\u00e4ubte. Ich habe zu Gott gebetet, er m\u00f6ge mir ein Zeichen geben. Aber irgendwie war da nichts.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich denke, Du warst noch nie in einem Gottesdienst der Heilsarmee. Es ist nicht so, dass der Pastor, Pfarrer oder hier der Offizier eine Predigt h\u00e4lt, man Lieder singt, am Schluss gebetet wird und dann gehen alle brav nach Hause. Das gibt es nat\u00fcrlich hier auch. Aber daneben wird man (wie aus Amerika bekannt) ausdr\u00fccklich aufgefordert, Zeugnis abzulegen, was einem der Herr Gutes getan hat. Und wenn man nach Wochen nicht einmal Zeugnis abgelegt hat, dann wird man gegen Ende des Gottesdienstes ebenso ausdr\u00fccklich zur Bu\u00dfbank zitiert, einer Einrichtung, die ich sp\u00e4terhin nur als Instrument des religi\u00f6sen Psychoterrors ansehen konnte. Die Bu\u00dfbank ist ein nettes M\u00f6bel, eigentlich eine sehr lange Sitzbank, vor der man niederkniet und von einem haupt- oder auch ehrenamtlichen Mitglied der Heilsarmee bearbeitet wird. Eure katholische Beichte ist nichts dagegen.<\/em><\/p>\n<p><em>Genug! Ich empfang meine Zeit als Jugendlicher nicht allzu prickelnd. Ich durfte am Wochenende im Grunde nichts unternehmen. Alles waren Lasterh\u00f6hlen, vor denen ich mich zu h\u00fcten hatte. Striktes Alkohol- und Rauchverbot usw. Und so wurde mir ziemlich alles, was mit Christentum zu tun hatte, verleidet. Okay, ich habe mit dem inzwischen Frieden geschlossen. War auch mit meinen Jungen bei einem Gottesdienst, damit sie es kennen lernen. Und habe mich auch sonst viel mit Religion besch\u00e4ftigt. Und so geht es mir eigentlich \u00e4hnlich wie Dir. Ich kann und will gar nicht bestreiten, dass es einen Gott gibt. Aber ich kann eben auch nicht an einen Gott glauben. Wenn es einen Gott gibt, dann hat es sich verd\u00fcnnisiert und experimentiert an anderer Stelle.<\/em><\/p>\n<p><em>Du k\u00f6nntest nun denken, die Heilsarmee w\u00e4re eine dieser dubiosen Sekten. Dem muss ich widersprechen. Es lag mit Sicherheit im Wesentlichen an mir, dass ich vieles als Psychoterror empfand. Es war eben ein sehr beengter Raum, in dem ich mich als Jugendlicher zum Erwachsenen entwickeln konnte. Die Heilsarmee, das war eben nicht nur etwas, was am Sonntag passierte. Die war jeden Tag gegenw\u00e4rtig f\u00fcr mich als Sohn von Heilsarmeeoffizieren. Nun aber wirklich genug!<\/em><\/p>\n<p><em>Vielen Dank f\u00fcr das russische Requiem. Es geht mir sicherlich nicht ganz wie Dir, dass ich einen so eindeutig religi\u00f6sen Bezug herstelle. Aber es gibt eine Musik, die einen ber\u00fchrt und die einen aus dem allt\u00e4glichen Trott herausrei\u00dft, sodass man f\u00fcr sie gern das Attribut g\u00f6ttlich verwendet.<\/em><\/p>\n<p><em>Genug von Gott, Ian Anderson und der Welt f\u00fcr heute<\/em><br \/>\n<em>Ich w\u00fcnsche Dir und Deinen Lieben ein sch\u00f6nes Wochenende<\/em><\/p>\n<p><em>Wilfried<\/em><\/p>\n<p>P.S. Im Anhang ein weiteres Lied vom \u201e20 Years \u2026\u201c-Album: \u201eSummerday Sands\u201c. Ich hoffe, du kennst es noch nicht. Au\u00dferdem eine Coverversion von \u201eOne Brown Mouse\u201c, eingespielt von einer amerikanischen Gruppe namens <a href=\"http:\/\/www.echolyn.com\/\" target=\"_blank\">Echolyn<\/a>.<\/p>\n<p><object classid=\"clsid:22D6F312-B0F6-11D0-94AB-0080C74C7E95\" id=\"MediaPlayer1\" width=\"286\" height=\"42\"><param name=\"AudioStream\" value=\"-1\"><param name=\"AutoSize\" value=\"-1\"><param name=\"AutoStart\" value=\"0\"><param name=\"AnimationAtStart\" value=\"-1\"><param name=\"AllowScan\" value=\"-1\"><param name=\"AllowChangeDisplaySize\" value=\"-1\"><param name=\"AutoRewind\" value=\"0\"><param name=\"Balance\" value=\"0\"><param name=\"BaseURL\" value><param name=\"BufferingTime\" value=\"5\"><param name=\"CaptioningID\" value><param name=\"ClickToPlay\" value=\"-1\"><param name=\"CursorType\" value=\"0\"><param name=\"CurrentPosition\" value=\"-1\"><param name=\"CurrentMarker\" value=\"0\"><param name=\"DefaultFrame\" value><param name=\"DisplayBackColor\" value=\"0\"><param name=\"DisplayForeColor\" value=\"16777215\"><param name=\"DisplayMode\" value=\"0\"><param name=\"DisplaySize\" value=\"0\"><param name=\"Enabled\" value=\"-1\"><param name=\"EnableContextMenu\" value=\"-1\"><param name=\"EnablePositionControls\" value=\"-1\"><param name=\"EnableFullScreenControls\" value=\"0\"><param name=\"EnableTracker\" value=\"-1\"><param name=\"Filename\" value=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/echolyn_ one_brown_mouse.mp3\"><param name=\"InvokeURLs\" value=\"-1\"><param name=\"Language\" value=\"-1\"><param name=\"Mute\" value=\"0\"><param name=\"PlayCount\" value=\"1\"><param name=\"PreviewMode\" value=\"0\"><param name=\"Rate\" value=\"1\"><param name=\"SAMILang\" value><param name=\"SAMIStyle\" value><param name=\"SAMIFileName\" value><param name=\"SelectionStart\" value=\"-1\"><param name=\"SelectionEnd\" value=\"-1\"><param name=\"SendOpenStateChangeEvents\" value=\"-1\"><param name=\"SendWarningEvents\" value=\"-1\"><param name=\"SendErrorEvents\" value=\"-1\"><param name=\"SendKeyboardEvents\" value=\"0\"><param name=\"SendMouseClickEvents\" value=\"0\"><param name=\"SendMouseMoveEvents\" value=\"0\"><param name=\"SendPlayStateChangeEvents\" value=\"-1\"><param name=\"ShowCaptioning\" value=\"0\"><param name=\"ShowControls\" value=\"-1\"><param name=\"ShowAudioControls\" value=\"-1\"><param name=\"ShowDisplay\" value=\"0\"><param name=\"ShowGotoBar\" value=\"0\"><param name=\"ShowPositionControls\" value=\"-1\"><param name=\"ShowStatusBar\" value=\"0\"><param name=\"ShowTracker\" value=\"-1\"><param name=\"TransparentAtStart\" value=\"0\"><param name=\"VideoBorderWidth\" value=\"0\"><param name=\"VideoBorderColor\" value=\"0\"><param name=\"VideoBorder3D\" value=\"0\"><param name=\"Volume\" value=\"0\"><param name=\"WindowlessVideo\" value=\"0\"><embed SRC=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/echolyn_ one_brown_mouse.mp3\" type=\"audio\/x-wav\" CONSOLE=\"Clip52\" CONTROLS=\"ImageWindow\" HEIGHT=\"42\" WIDTH=\"286\" AUTOSTART=\"false\"><\/embed><\/object><br \/>\nEcholyn: One Brown Mouse<\/p>\n<p>29.09.2006<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=630&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">English Translation for Ian Anderson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Wilfried, Eddie Jobson mag ein guter Musiker gewesen sein, aber der pr\u00e4gende Eindruck, den er bei Tull hinterlassen hat, war sein geschminktes Gesicht und sein fast schon tuntenhaftes Auftreten. 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