{"id":633,"date":"2006-10-21T00:02:49","date_gmt":"2006-10-20T22:02:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=633"},"modified":"2006-10-09T13:34:20","modified_gmt":"2006-10-09T11:34:20","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-21-ian-und-das-klassische-ballett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=633","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 21: Ian und das klassische Ballett"},"content":{"rendered":"<p><em>Hallo Wilfried,<\/em><\/p>\n<p><em>da bin ich wieder.<\/em><br \/>\n<em>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich auf das Schreiben von Theo eingehen:<\/em><br \/>\n<em>Theo ist in der gl\u00fccklichen Lage, das fast 40j\u00e4hrige Schaffen des Mr. Anderson mit gro\u00dfer Freude und Begeisterung anzunehmen. Von der Ersten bis zur letzten Platte. Das vermag ich leider nicht. Die fr\u00fchen und sp\u00e4ten Werke von JT verk\u00f6rpern nicht die Musik, die ich h\u00f6ren m\u00f6chte. Das ist weder meine Schuld noch die von Mr. Anderson, es ist einfach so. Ich bedauere lediglich, dass Mr. Anderson nicht 40 Jahre lang Folk-Alben gemacht hat. Aber, wie Du an fr\u00fcherer Stelle schon treffend bemerkt hast, versteht Mr. Anderson sich als Musiker (nicht als Folk-Musiker). F\u00fcr ihn ist das Spektrum der Musik zu breit, um sich auf eine Richtung zu beschr\u00e4nken. Wer mehr Folkmusik h\u00f6ren m\u00f6chte, kann sich bei anderen Bands umschauen. Mr. Anderson hat dieses Kapitel abgehakt. Diese Lektion habe ich w\u00e4hrend unseres Gedankenaustauschs gelernt.<\/em> <\/p>\n<p><em>Zu den Kritikern:<\/em><br \/>\n<em>Irgend einer dieser Zunft warf JT vor, dass sich ihre Musik nicht entwickeln w\u00fcrde, dass sie seit Jahrzehnten mehr oder minder das Gleiche produzieren. Wovon, frage ich Dich, redet dieser Mann ? Er kann doch unm\u00f6glich die Gruppe JT meinen, die anfangs Blues, dann Konzeptalben, dann Folkrock und sp\u00e4ter Weltmusik produzierten und zwischendurch mit Synthesizern experimentierten  !  Bei manchen Kritiken habe ich den Eindruck, dass der Verfasser fertige Vordrucke in der Schublade liegen hat und nur noch den Namen des zu kritisierenden K\u00fcnstlers eintragen muss. Dann kann es schon mal passieren, dass eine Kritik nicht zum K\u00fcnstler passt. \u00c4hnliches vermute ich mit der Kritik in Deiner letzten mail. Hier sieht es so aus, als ob der Kritiker mit einigen Fachausdr\u00fccken um sich wirft (z.B. Tonarten, Inspiration) um Fachkompetenz zu suggerieren. Ob diese Fachausdr\u00fccke den Kern der Sache treffen, ist  ebens\u00e4chlich. Ich kann Dich nur dazu ermutigen, Dich von solchen Pamphleten nicht ver\u00e4rgern zu lassen. Wann hat man jemals einem Kritiker ein Denkmal gesetzt ?<\/em><\/p>\n<p><em>Zur \u00dcbersetzung von &#8218;Bungle in the Jungle&#8216;:<\/em><br \/>\n<em>Es ist das erste Mal, dass ich Kontakt mit dem Text habe. Der Song hat mir nie gefallen, da war der Text f\u00fcr mich ebenfalls uninteressant.  Jetzt sehe ich, dass Mr. Anderson wieder Themen aufgreift wie Kritik an Gesellschaft und g\u00f6ttlicher Einflussnahme. Diese Themen hat er in seinen Liedern h\u00e4ufiger angesprochen als ich anfangs dachte. Er ist eben ein Denker, unser Mr. Anderson. Mehr Poet als Fu\u00dfballspieler. Die vorliegende \u00dcbersetzung macht wieder deutlich, wie schwer es ist, einen Text zu \u00fcbersetzen ohne die Intention des Autors zu verraten und sich gleichzeitig einer fl\u00fcssigen Ausdrucksweise zu bedienen. Der vorliegende deutsche Text gef\u00e4llt mir nicht, obwohl ich es selber nicht besser machen k\u00f6nnte; ich bek\u00e4me es nicht halb so gut hin. Ich wei\u00df, es ist leicht, rumzumosern ohne es besser zu machen, aber mit dieser \u00dcbersetzung werde ich nicht warm. Der Kern des Original ist m.E. getroffen, allerdings scheint mir die Wortwahl ein zu gro\u00dfes Gewicht auf die Umgangssprache zu legen. Sicher, das macht Mr. Anderson auch hin und wieder, vor Ausdr\u00fccken wie Sperma und Rotze hat er keine Angst. Aber der Jungle-\u00dcbersetzer hat in meinen Augen etwas \u00fcbertrieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu der b\u00fcrgerlichen Herkunft der Musiker:<\/em><br \/>\n<em>Ich denke, die Musik von JT w\u00fcrde mir nicht besser gefallen, wenn Clive Bunker Latein k\u00f6nnte oder Mick Abrahams Philosophie studiert h\u00e4tte. Allerdings lese ich gerne, dass auch &#8218;gebildete&#8216; Leute die Musik machen, die ich gerne h\u00f6re.  Andersherum ist es aber auch in Ordnung. Mir f\u00e4llt gerade Bruce Springsteen ein, dessen Musik ich ebenfalls sch\u00e4tze. Er hat bekannterma\u00dfen ein Problem mit der Bildung. Trotzdem hat er seinen Weg gemacht. Und wie !<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Poppern und Punks:<\/em><br \/>\n<em>Ich war weder das eine noch das andere. Allerdings tendierte ich ganz leicht in Richtung Popper. Das lag daran, dass ich mich damals gerne chic (so empfand ich es jedenfalls) angezogen habe und dass ich meinen gescheitelten Pony bis tief ins Gesicht trug. An dieser Stelle lege ich Wert auf die Feststellung, dass ich diese All\u00fcren schon lange vor der Popper-Bewegung hatte. Karotten-Hosen und Kaschmir-Pullover hatte ich nie. Ich habe auch die Musik der Popper nicht geh\u00f6rt. Damals wie heute h\u00f6rte ich Rockmusik.  Allerdings muss ich einr\u00e4umen, dass ich \u00e4hnlich wie die Popper nie besonders rebellisch war. Man k\u00f6nnte mich als angepasst bezeichnen. Das liest sich ein einer Biographie nicht besonders spannend, aber wir wissen sp\u00e4testens seit Darwin, dass nur der Angepasste \u00fcberlebt.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu JT und der Salvation Army:<\/em><br \/>\n<em>Unbestreitbar sind beides sehr britische Institutionen. Du wunderst Dich, dass eine so britische Gruppe wie JT auf dem Kontinent ihr Publikum findet. Ich denke, auf dem Festland geht es vielen Tull-Fans wie mir lange Jahre: Ihnen gef\u00e4llt die Musik, ohne auf Texte zu achten. Ich habe erst vor wenigen Jahren bemerkt, dass JT &#8211; Texte es in sich haben. Bis dahin habe ich einfach die Musik genossen. Ich habe auch schon bereut, einen Text \u00fcbersetzt zu haben: Die Musik erzeugte in mir Bilder von W\u00e4ldern, Zauberern, Feen usw. und bei der \u00dcbersetzung musste ich feststellen, dass das Lied von Arbeitslosigkeit oder Verdauungsst\u00f6rungen handelt. Nur so als Beispiel, bitte nicht w\u00f6rtlich nehmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe ein Faible f\u00fcr alles Britische: F\u00fcr die keltische Folklore, Miss-Marple-Filme, \u00fcberhaupt f\u00fcr alle Darstellungen des British Way of Life: Der Doktor und das liebe Vieh, Task Force Police und wie die englischen Serien alle hei\u00dfen. Ich kenne mich in der englischen Geschichte besser aus als in der Deutschen. Ich war dreimal in London, aber noch nie in Berlin. Ich habe mehr Schuhe von Lloyd als von Salamander. Mir gefallen uralte schwarze Taxen besser als moderne gelbe Mercedes. Rote h\u00f6lzerne Telefonzellen besser als die Edelstahlgerippe der Telekom. Die Liste lie\u00dfe sich beliebig fortsetzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe es oben bereits angedeutet: Im Pantheon der Folkmusik tummeln sich noch andere Gr\u00f6\u00dfen als Mr. Anderson. In youtube entdeckte ich einen, wie ich finde, sehr sehenswerten Liveauftritt der Waterboys aus 1986. Also, wenn es Dich interessiert: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=STWx8YnW2XA\" target=\"_blank\">&#8222;The Waterboys Fisherman&#8217;s Blues Live 1986&#8220;<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>So long<\/em><br \/>\n<em>Lockwood<\/em><\/p>\n<p>05.10.2006<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p><em>Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>Bis Weihnachten ist es noch etwas hin, aber zur ersten Vervollst\u00e4ndigung eine weitere \u00dcbersetzung eines Anderson\u2019schen Textes (nach weiteren suche ich noch im Netz):<\/em><\/p>\n<p><strong>Jethro Tull &#8211; Another Christmas Song<\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" cellpadding=\"4\" cellspacing=\"0\" width=\"100%\">\n<tr>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Hope everybody&#8217;s ringing on their own bell, this fine morning.<br \/>\nHope everyone&#8217;s connected to that long distance phone.<br \/>\nOld man, he&#8217;s a mountain.<br \/>\nOld man, he&#8217;s an island.<br \/>\nOld man, he&#8217;s a-walking says:<br \/>\n&#8222;I&#8217;m going to call, call all my children home&#8220;.<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Hoffentlich l\u00e4utet ihr alle eure Glocken heute.<br \/>\nUnd hoffentlich ruft ihr alle eure Freunde an.<br \/>\nDer alte Mann &#8211; er ist so was wie &#8222;ne Insel,<br \/>\noder besser: ein Berg &#8211;<br \/>\nder alte Mann wacht auf und sagt sich:<br \/>\n\u201cHeute sollen alle meine Kinder kommen.\u201c<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Hope everybody&#8217;s dancing to their own drum this fine morning:<br \/>\nthe beat of distant Africa or a Polish factory town.<br \/>\nOld man, he&#8217;s calling for his supper.<br \/>\nCalling for his whisky.<br \/>\nCalling for his sons and daughters, yeah\u00a0<br \/>\ncalling, calling all his children round.<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Hoffentlich tanzt ihr heute alle sch\u00f6n brav,<br \/>\negal wo ihr grade seid: in Afrika oder in irgendeiner polnischen Fabrikstadt.<br \/>\nDer alte Mann ruft nach seinem Abendessen,<br \/>\nnach seinem Whiskey.<br \/>\nEr ruft nach seinen Kindern,<br \/>\nseinen S\u00f6hnen und seinen T\u00f6chtern.<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Sharp ears are tuned in to the drones and chanters warming.<br \/>\nMist blowing round some headland, somewhere in your memory.<br \/>\nEveryone is from somewhere<br \/>\neven if you&#8217;ve never been there.<br \/>\nSo take a minute to remember the part of you<br \/>\nthat might be the old man calling me.<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Ihr h\u00f6rt heute nur eure Musik, Dudels\u00e4cke h\u00f6rt ihr.<br \/>\nAber irgendwo in eurem Hirn seht ihr eine Insel im Nebel.<br \/>\nJeder kommt von irgendwo her,<br \/>\nselbst wenn er niemals mehr dort war.<br \/>\nAlso h\u00f6rt mal kurz auf und denkt daran,<br \/>\ndass ihr irgend wann mal nach euren Kindern ruft.<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">How many wars you&#8217;re fighting out there, this winter&#8217;s morning?<br \/>\nMaybe it&#8217;s always time for another Christmas song.<br \/>\nOld man he&#8217;s asleep now.<br \/>\nHe&#8217;s got appointments to keep now.<br \/>\nDreaming of his sons and daughters, yeah, proving,<br \/>\nproving that the blood is strong.<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\" valign=\"top\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"1\">Wie viele Kriege f\u00fchrt ihr eigentlich da drau\u00dfen, an diesem Wintermorgen?<br \/>\nVielleicht ist es mal wieder Zeit f\u00fcr ein Weihnachtslied wie dieses hier.<br \/>\nDer alte Mann ist schlafen gegangen.<br \/>\nSchlie\u00dflich hat er ja morgen eine Verabredung.<br \/>\nEr tr\u00e4umt von seinen T\u00f6chtern und S\u00f6hnen,<br \/>\nund davon, dass das Band noch nicht zerrissen ist.<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p><em>Zu \u201cBungle in the Jungle\u201d geht es mir \u00e4hnlich wie Dir. Das Lied war zwar als eines der wenigen in den Top Ten vertreten, aber \u00e4hnlich wie <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/50j4_locomotive_breath.html\" target=\"_blank\">\u201eLocomotive Breath\u201c<\/a> ist es reichlich flach und nicht das, was Jethro Tull ausmacht. Aber gerade mit solchen Liedern ist die Gruppe in der \u00d6ffentlichkeit bekannt. Als mein Sohn Jan noch ganz klein war, da hatte ich ihm es vorgespielt und erz\u00e4hlt, dass es vom \u201eDschungel\u201c handelt und den Tieren dort. Er fand es ganz lustig.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Texte sind wirklich sehr umgangssprachlich \u00fcbersetzt. Bei dem Lied mag es noch passen, wenn auch die Feinheiten fl\u00f6ten gehen. Bei anderen w\u00e4re es fehl am Platze. Es ist aber eben nicht leicht, einen Text zu \u00fcbersetzen (wenn dann auch noch der Sprachrhythmus, also das Versma\u00df, stimmen soll). Und gerade \u00dcbersetzungen englischer Texte ins Deutsche f\u00fchren dazu, dass die deutsche \u00dcbersetzung viel zu lang wird. Dem wurde beim Dschungel-Lied durchs Umgangssprachliche \u201enachgeholfen\u201c (ist eben k\u00fcrzer zu verfassen)&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em><\/p>\n<p>Zu den Kritikern: Ich habe weitere Kritiken aus alter Zeit gelesen und konnte eigentlich nur lachen. Pl\u00f6tzlich war da \u201eStand up\u201c das beste Album, innovativ usw. und alles Neue steril und nur ein erneuter Aufguss. Es lohnt sich nicht, den Sermon hier zu ver\u00f6ffentlichen. Vielleicht sp\u00e4ter als kleine Zusammenfassung einmal. Allerdings sind die Kritiken zu anderen Bands meist nicht viel besser. Es muss an der Zeit (70-er und 80-er Jahre) gelegen haben. Da wollte man wohl besonders kritisch sein und kam sich schlau vor, wenn man alles m\u00f6glichst in kleine Schnipsel verriss. Von \u00c4rger bei mir keine Spur. Es ist eher zum Lachen.<\/em><\/p>\n<p><em>Kurz zu Theo: Ich denke, er ist kein \u201ereiner\u201c Tull-Fan. Und ob er alles, was Anderson und Co. abgeliefert hat, begeistert angenommen hat, bezweifle ich. Ich bin wie erw\u00e4hnt nicht erst mit den Folk-Alben Tull-Fan geworden. Gerade das \u201eStand up\u201c-Album hatte es mir damals (als Du noch in der Sandkiste gespielt hast \ud83d\ude09 ) angetan. Die gute Vinyl-Scheibe d\u00fcrfte nicht mehr abspielbar sein und hat h\u00f6chstens noch Sammlerwert, so oft drehte sie sich auf dem Plattenteller. Eine der ersten CDs, ich mir sp\u00e4ter kaufte, war dann  \u201eStand up\u201c: Endlich einmal wieder vollen (fast schon unbekannter) H\u00f6rgenuss! Und so habe ich mich dann von Scheibe zu Scheibe durchgehangelt. Erst sp\u00e4t kamen die Folk-Alben &#8230; Aber auch bei mir gibt es dann Alben, die mich alles andere als vom Hocker rissen. Der H\u00f6hepunkt: \u201eUnder Wraps\u201c mit diesen monotonen Drums aus der Retorte. Und neben echten H\u00f6hepunkten hatte fast jede folgende Platte auch Scheu\u00dflichkeiten, die man am CD-Player (oder Rechner) mit einem Tastendruck (oder Mausklick) \u00fcberspringen kann. Also von Anbetung oder so kann keine Rede sein.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesem Zusammenhang. Hast Du Dir schon einmal Gedanken gemacht, wie man die einzelnen Alben von Jethro Tull bestimmten Musikstilen zuordnen k\u00f6nnte (Mehrfachnennungen sind zul\u00e4ssig)? Du wei\u00df, diese netten Schubl\u00e4dchen &#8230; Auf der <a href=\"http:\/\/www.jethrotull.com\/discography\/studio.html\" target=\"_blank\">Tull-Website<\/a> habe ich eine solche Zuordnung gefunden. Ist witzig: \u201cHere&#8217;s a quick guide organizing the albums by their dominant musical style.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Blues \/ Jazz<br \/>\nThis Was (1968), Stand Up (1969), Catfish Rising (1991)<\/p>\n<p>Folk or Acoustical Rock<br \/>\nStand Up (1969), Aqualung (1971), Minstrel in the Gallery (1975), Songs from the Wood (1976), Heavy Horses (1978), Stormwatch (1979), J-Tull Dot Com (1999); The Jethro Tull Christmas Album (2003).<\/p>\n<p>Prog \/ Art \/ &#8222;Concept&#8220; Rock<br \/>\nAqualung (1971), Thick as a Brick (1972), A Passion Play (1973), Too Old to Rock and Roll: Too Young to Die (1976)<\/p>\n<p>Heavy (more like medium [sic]) Rock<br \/>\nBenefit (1970), Aqualung (1971), Too Old to Rock and Roll: Too Young to Die (1976), Crest of a Knave (1987), Rock Island (1989), Catfish Rising (1991)<\/p>\n<p>Elizabethan \/ Medieval \/ Classical<br \/>\nWar Child (1974), Minstrel in the Gallery (1975)<\/p>\n<p>Electronic Keyboards \/ Synthesizers<br \/>\nA (1980), The Broadsword and the Beast (1982), Under Wraps (1984)<\/p>\n<p>Far East \/ Asian Influences<br \/>\nRoots to Branches (1995), J-Tull Dot Com (1999)<\/p>\n<p><em>Ist doch interessant, wo der Meister seine Musik selbst ansiedelt. Dass mit dem Heavy Rock ist gewisserma\u00dfen ein Entgegenkommen gegen\u00fcber den Juroren, die seinerzeit (1988) die Scheibe \u201eCrest of a Knave\u201c mit einem <a href=\"http:\/\/www.grammy.com\/GRAMMY_Awards\/Winners\/Results.aspx?title=&#038;winner=jethro%20tull&#038;year=0&#038;genreID=0&#038;hp=1\" target=\"_blank\">Grammy<\/a> f\u00fcr das beste Hard Rock Album auszeichneten (\u201eMetallica\u201c zum Verdruss).<\/em><\/p>\n<p><em>Jugendkultur: Ich schrieb es bereits. Im Gegensatz zu Dir war ich ein Vertreter des Lumpenlooks (Popper und Punks pupsten noch in ihre Windeln \u2013 ich wei\u00df, dass es kein Vorrecht ist, Dir gegen\u00fcber so viel fr\u00fcher geboren zu sein). Als Sp\u00e4t-68-er trug ich einen Parka, einen ausgelatschten dunkelblauen Pullover ohne Kragen, Jeans und meist halbhohe Stiefel. Ich muss gestehen, auch heute nicht allzu sehr auf mein \u00c4u\u00dferes zu achten. Ich trage meine Klamotten auf bis zum Verfall, gehe zum Friseur, erst wenn es l\u00e4stig wird, die Haare dauernd aus dem Gesicht zu streichen. Und: nur zwischenzeitlich gab es Interesse von meinem gro\u00dfen Sohn Jan (in seiner Punkphase) an alten Jeans von mir, die selbst ich nicht mehr tragen wollte. Immerhin waren die L\u00f6cher in diesen durch nat\u00fcrlichen Verschlei\u00df entstanden und nicht k\u00fcnstlich unter Zurhilfenahme einer Schere. \u00dcberhaupt Jugendkult. Mit meinem Gro\u00dfen sind wir damit mittendrin. Du und Deine Frau haben da noch einiges vor Euch \u2026 Viel Spa\u00df! Aber nicht verzweifeln. Immer sch\u00f6n locker bleiben und daran denken, dass die lieben Kleinen sich sp\u00e4ter nicht mehr so \u201aaustoben\u2019 k\u00f6nnen (und denk auch an Deine Jugendzeit und \u2013 als Negativbeispiel &#8211;  an Deinen alten Schulfreund).<\/em><\/p>\n<p><em>Mit Deinen Anmerkungen zum typisch Britischen hast Du bei mir Erinnerungen geweckt: Klar doch, am Sonntagnachmittag gab es \u201eDer Doktor und das liebe Vieh\u201c, montags bei uns auf NDR3 nach der Tagesschau \u201eTask Force Police\u201c. Was gibt es Herrlicheres als diese skurrilen britischen Typen. Aber auch das nimmt nach und nach ein Ende. Bobbies laufen zunehmend ohne diese schwarzen Helme herum (den letzten Polizisten mit Bobbyhelm habe ich vor 6, 7 Jahren in Gibraltar gesehen). Die Taxen haben sich ein moderneres Outfit zugelegt. Und auch die roten Telefonzellen verschwinden im Zeitalter des Handys mehr und mehr oder werden durch Konservenb\u00fcchsen anderer Telefongesellschaften abgel\u00f6st. Die voll sch\u00f6nste Telefonzelle habe ich auf der Isle of Skye gesehen: Irgendwo in dem Pampa mit herrlichen Blick auf eine Bucht. Leider waren wir (ich und meine Lieben) mit einem Bus unterwegs und konnten auf die Schnelle kein Foto machen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das typisch Britische \u00fcbt auf viele Deutsche, \u00fcberhaupt Nicht-Briten, einen gewissen exotischen Reiz aus. Das f\u00e4ngt mit den Essensgewohnheiten an. Wo gibt es grausameres Essen als auf der Insel (vielleicht in skandinavischen L\u00e4ndern noch). Und doch kommt man nicht ohnehin, einmal davon zu kosten. Sicherlich hei\u00dft es, dass man am Morgen wie ein Kaiser, mittags wie ein K\u00f6nig und abends wie ein Bettelmann speisen soll. Aber was sich da manche Briten schon morgens in die Wampe hauen, ist einfach zu viel. Und es zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen lieben Tag: Briten sind anders als die anderen! Sie leben anders, essen, trinken, arbeiten anders. Wahrscheinlich lieben sie sich auch anders. Und das findet sich dann auch bei Ian Anderson, seinen Jungs und seiner Musik wieder. Du hast recht: H\u00f6rt man z.B. das Lied <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=39\" target=\"_blank\">\u201eBroadford Bazaar\u201c<\/a>, so tauchen vor dem inneren Auge sch\u00f6ne Landschaften auf. Aber der Text handelt von Touristen, die die Insel (Isle of Skye) bev\u00f6lkern und von den Problemen der Leute. Das k\u00f6nnen nur Briten unter einen Hut bringen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das klingt nach Klischees. Aber wenn man durch eine Stadt selbst wie Edinburgh geht, erlebt man es am eigenem Leibe, dass hier die Uhren anders gehen. Da outet man sich als Deutscher und ist doch herzlich willkommen. Schottland vor einem Jahr hat auch meinen Jungs viel Spa\u00df gemacht. Selbst der Kleine, Lukas, der meist schon nach drei Tagen \u201ain der Fremde\u2019 am liebsten wieder nach Hause m\u00f6chte, hat es dort genossen und w\u00e4re l\u00e4nger geblieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber mit meiner Begeisterung schreibe ich mich jetzt in einen Rausch hinein. Jethro Tull ist eben very british. Und ich wei\u00df gar nicht, ob ich Jethro Tull aus d\u00edesem Grund liebe oder das Britische, weil ich ein Fan dieser Gruppe bin. Es ist wie mit der Henne und dem Ei. Ist aber auch egal: ich mag beides.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich schrieb ja, dass ich beim Aufr\u00e4umen altes Material von und \u00fcber Jethro Tull gefunden habe. Hier ein Artikel aus dem Jahre 1978, der sich u.a. mit den weiteren Pl\u00e4nen von Herrn Anderson befasst. H\u00f6chst interessant, wenn man gedenkt, was am Schluss dabei herausgekommen ist.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10.0pt; font-family: Arial; color: green\">aus: <b> Musikexpress vom Mai 1978 (S. 12) Jethro Tull \u2013 Ian Anderson wechselt die Pferde<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10.0pt; font-family: Arial; color: green\">Nach \u201eSongs From The Wood\u201c hatte Ian angek\u00fcndigt, sein n\u00e4chstes Album w\u00fcrde wieder sch\u00e4rfer ausfallen. Nun entstand mit \u201eHeavy Horses\u201c aber wieder eine akustisch und traditionell orientierte LP. \u201eIm n\u00e4chsten Jahr mu\u00df ich endg\u00fcltig etwas anderes machen\u201c, erkl\u00e4rt Ian, \u201eaber in diesem Jahr konnte ich noch mal ein \u00e4hnliches Album wie \u201eSongs From The Wood\u201c herausbringen. 1979 werde ich daf\u00fcr drei LP\u2019s machen: eine Rock\u2019n\u2019Roll-LP, ein Album mit ruhigen, akustischen Titeln und eines mit klassischer Ballettmusik f\u00fcr ein 50k\u00f6pfiges Orchester. Das halte ich f\u00fcr besser, als alle Spielarten immer in eine einzige Schallplatte hineinzupferchen.\u201c Die Ballettmusik schreibt Ian f\u00fcr ein schottisches Theater. Dies wird die erste Zusammenarbeit mit seinem Bruder, der als Ballettdirektor in Schottland arbeitet. Im M\u00e4rz 1979 soll das Opus fertig sein. 1978 wird wohl noch ein Jethro Tull-Album erscheinen, das man jetzt w\u00e4hrend der Tournee mitschneidet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10.0pt; font-family: Arial; color: green\">Das Album mit den akustischen Songs wird Ian nicht unter dem Namen Jethro Tull ver\u00f6ffentlichen. \u201eEs k\u00f6nnte die Leute entt\u00e4uschen, die von uns eine rockigere LP erwarten.\u201c Aber als Solo-LP will er es auch nicht deklariert wissen. \u201eIch nehme es ja nicht allein auf, sondern arbeite noch mit anderen Musikern zusammen.\u201c Von Tull wird keiner dabei sein, und die anderen sind unbekannte Studiomusiker.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><em>Das Live-Album ist dann ja wohl \u201eBursting Out\u201c. Das Ballett hat es dann auch wirklich gegeben habe: Water\u2019s Edge Ballet (ein Ausschnitt gibt es auf der bereits erw\u00e4hnten DVD Jethro Tull \u2013 Lively Arts, der BBC-Dokumentation zur USA-Tour von Tull 1979 \u2013 hierzu gibt es wiederum einige Ausschnitte bei youtube.com). Und irgendwo hatte ich dazu auch einiges zum Lesen gefunden, u.a. bei <a href=\"http:\/\/www.tullpress.com\/sbfeb81.htm\" target=\"_blank\">tullpress.com<\/a>. Danach wurde (holprig \u00fcbersetzt) DER RAND DES WASSERS zuerst durch das schottische Ballett am 7. M\u00e4rz 1979 durchgef\u00fchrt, am k\u00f6niglichen Theater, Glasgow. Als Komponisten werden David Palmer und Ian Anderson, auch Martin Barre genannt.<\/em><\/p>\n<p><em>Ians Bruder hei\u00dft \u00fcbrigens Robin \u2013 siehe auch einen Artikel im <a href=\"http:\/\/www.tullpress.com\/mm17feb79.htm\" target=\"_blank\">Melody Maker<\/a> hierzu. Eigentlich eine spannende Sache, die aber irgendwie im Sande verlief. Ich habe Dir den Ausschnitt als Real-Media-Datei im Anhang beigelegt.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt aber genug. Sonst geht mir das Material noch vor Jahresende zur Neige.<\/em><br \/>\n<em>Man liest voneinander.<\/em><\/p>\n<p><em>Bis dann \u2013 und noch ein sch\u00f6nes Wochenende Dir und Deinen Lieben.<\/em><br \/>\n<em>Wilfried<\/em><\/p>\n<p><em>P.S. Auch so das Waterboys-Video. Ich hab\u2019 s gefunden und muss gestehen, dass ich darauf nicht ganz so abfahre. Klingt f\u00fcr mich auch etwas wie Bob Dylan in alten Zeiten (Blowing in the Wind und so), was ja nicht schlecht war.<\/em><\/p>\n<p>07.10.2006<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=633&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">English Translation for Ian Anderson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Wilfried, da bin ich wieder. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich auf das Schreiben von Theo eingehen: Theo ist in der gl\u00fccklichen Lage, das fast 40j\u00e4hrige Schaffen des Mr. Anderson mit gro\u00dfer Freude und Begeisterung anzunehmen. Von der Ersten bis zur letzten Platte. Das vermag ich leider nicht. Die fr\u00fchen und sp\u00e4ten Werke von JT verk\u00f6rpern nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=633\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 21: Ian und das klassische Ballett<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/633"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=633"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/633\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}