{"id":65,"date":"2005-03-11T14:30:00","date_gmt":"2005-03-11T13:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=65"},"modified":"2005-10-20T11:29:09","modified_gmt":"2005-10-20T09:29:09","slug":"hermann-hesse-siddhartha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=65","title":{"rendered":"Hermann Hesse: Siddhartha"},"content":{"rendered":"<p>Hermann Hesse hatte sich als einer der ersten wenigen deutschsprachigen Schriftsteller mit fern\u00f6stlichen Denkweisen besch\u00e4ftigt, so auch mit dem Buddhismus. In seiner kleinen indischen Dichtung Siddh\u00e2rtha beschreibt er das Leben eines Brahmanensohnes, der sein Elternhaus verl\u00e4sst, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Er wird Asket, er wird Lebemann und H\u00e4ndler, um am Ende als armer F\u00e4hrmann eine h\u00f6here Weisheit zu erlangen. Parallel erfahren wir u.a. von Gautama aus dem Geschlecht der S\u00e2kya, dem Buddha, der eigentlich auch Siddh\u00e2rtha hiess.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/hermann_hesse.gif\" alt=\"Hermann Hesse\" \/><\/ul>\n<p>Der Buddhismus, insbesondere der Zen-Buddhismus, hat mich schon immer interessiert, wenn er auch f\u00fcr uns westliche  Menschen sehr schwer zu fassen ist. Wir sind einfach zu sehr von der Logik und dem Dualismus gepr\u00e4gt. Die alten Griechen, besonders Aristoteles, haben uns da zu sehr auf diese Schiene gebracht. Wir denken einfach zu sehr (eigentlich: ausschlie\u00dflich) in Gegensatzpaaren. Die Gegens\u00e4tzlichkeit bzw. Verschiedenartigkeit der Dinge ist Ausgang unseres Denkens. Dabei geht der Gesamtzusammenhang f\u00fcr uns v\u00f6llig verloren. Gut und b\u00f6se, Tag und Nacht, hell und dunkel &#8211; wer versteht das nicht. Und wenn wir mit unserem &#8222;gesunden Menschenverstand&#8220; an die Dinge gehen, so bildet sich sehr schnell ein Urteil: Das ist gerade und das ist schief! Aber es geht noch weiter: Wir benennen alles und einmal benannt, wird es auch gleich noch klassifiziert. Ob nun der Mensch ein S\u00e4ugetier ist, die Philosophie eine Geisteswissenschaft oder ein bestimmter Tumor b\u00f6sartig, ein Ding &#8222;kann&#8220; nicht allein im Raume stehen, wir finden einen Namen und eine Klasse (und dazu gen\u00fcgend Eigenschaften). Der Zen-Buddhismus sucht die Gesamtsicht. Und ein Baum kann dann ein Baum sein, aber er kann auch kein Baum sein. Aus dieser Bejahung eines Dinges und dann der Verneinung entspringt dann die Bejahung im h\u00f6herem Sinne (man k\u00f6nnte es absolute Bejahung nennen).<\/p>\n<p>Unsere Sinne nehmen von Sekunde zu Sekunde eine Unzahl an Eindr\u00fccken auf. Aber nur ein geringer Teil davon dringt in unser Bewusstsein. Das andere geht im Unterbewusstsein unter. Das, was uns als &#8222;lebenswichtig gefiltert&#8220; bewusst wird, ist  unsere &#8222;Sicht&#8220; der Dinge. Was uns fehlt, ist das Bewusstsein vom Bewusstsein, die Sicht in die Natur unseres Selbst. Was mag das hei\u00dfen? Ich esse ein St\u00fcck Brot, das mich am Leben erh\u00e4lt. Aber es ist nicht allein dieses St\u00fcck Brot, das mich am Leben erh\u00e4lt, sondern es sind alle die Brote, die ich in meinem Leben gegessen habe und noch essen werde (und vieles mehr), was ich am Leben erh\u00e4lt. Und auch das allein ist es nicht, was mich am Leben erh\u00e4lt. Es ist alles und nichts, was ich esse und was mich am Leben erh\u00e4lt. Das Brot, das ich gerade esse, &#8222;sehe&#8220; ich. Dabei sehe ich aber nicht, die anderen Brote, die ich bisher gegessen habe (und noch essen werde). Die anderen Brote sind in mein Unterbewusste entschwunden. Ohne diese Brote, die ich jetzt nicht sehe, w\u00e4re ich aber nicht mehr am Leben. Hier und jetzt erscheinen sie mir &#8211; aus meiner Sicht &#8211; aber unwichtig. Es erscheint mir nur das jetzt zu essende Brot wichtig. Dieser Schein ist unsere Sicht! Eigentlich aber geh\u00f6ren all die anderen Brote auch &#8222;zu meinem Leben&#8220;, nur werde ich mich dessen in der Regel nicht bewusst. Aber es geh\u00f6rt noch mehr dazu: Es sind ja nicht nur das eine Brot, das ich augenblicklich esse, und all die anderen Brote, die ich gegessen habe (und essen werde), zu meinem Leben, es sind alle Brote mein Leben (um es erkl\u00e4rbar zu machen, was nicht dem Zen entspricht: alle Brote daher, da ich sie h\u00e4tte ja essen k\u00f6nnen). Wenn mir das bewusst wird, komme ich einer Bewusstwerdung meines Bewusstseins einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4her.<\/p>\n<p>Wenn man, wie ich, nach vielen Jahren ein Buch, wie das von Hesse, erneut liest, wenn man mit den Jahren selbst etwas weiser (vielleicht auch nur etwas schlauer) geworden ist, dann versteht man ein solches Buch ganz anders, viel besser.<\/p>\n<p>Hier noch einige Links zu Hesse:<\/p>\n<ol><a href=\"http:\/\/www.hermann-hesse.com\/\" target=\"_blank\">Die Buchhandlung Fuchs in Calw (Hesses Geburtstagsort)<\/a><\/ol>\n<ol><a href=\"http:\/\/www.hermann-hesse.de\/\" target=\"_blank\">Hermann Hesse Portal der Stadt Calw<\/a><\/ol>\n<ol><a href=\"http:\/\/www.hhesse.de\/\" target=\"_blank\">Hermann Hesse Portal der Morgenlandfahrer<\/a><\/ol>\n<p>Weiteres zum Buddhismus in <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/kolumne.html#\u00dcbe\">WilliZ Kolomnen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hermann Hesse hatte sich als einer der ersten wenigen deutschsprachigen Schriftsteller mit fern\u00f6stlichen Denkweisen besch\u00e4ftigt, so auch mit dem Buddhismus. 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