{"id":6536,"date":"2012-10-21T09:01:05","date_gmt":"2012-10-21T07:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6536"},"modified":"2012-10-23T11:35:25","modified_gmt":"2012-10-23T09:35:25","slug":"heute-ruhetag-25-daniel_defoe-%e2%80%93-robinson-crusoes-leben-und-seltsame-abenteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6536","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (25): Daniel Defoe \u2013 Robinson Crusoes Leben und seltsame Abenteuer"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt bei uns in Deutschland eine Reihe von Romanen, die z.T. stark gek\u00fcrzt als Jugend- oder gar Kinderb\u00fccher auf den Markt kommen, obwohl sie urspr\u00fcnglich f\u00fcr Erwachsene geschrieben wurden. Es handelt sich dabei um so genannte <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1052\" target=\"_blank\">Abenteuer- oder Phantasieromane<\/a>, die sicherlich f\u00fcr junge Menschen von besonderem Interesse sind. Was vielleicht nicht so ganz jugendfrei darin ist, wurde getilgt; das Ganze dann auf ein \u00fcbersichtliches Ma\u00df reduziert, da es sich meist um sehr umfangreiche Romane handelt. <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=4745\" target=\"_blank\">Gullivers Reisen<\/a> von Jonathan Swift geh\u00f6rt ohne Zweifel dazu, oft gek\u00fcrzt um die Teile 3. und 4. und nat\u00fcrlich ohne die sozialkritischen und satirischen Positionen, die Swift in diesem Buch einnimmt. Ein \u00e4hnliches Schicksal ereilt meist auch den <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5628\" target=\"_blank\">Ritter von der traurigen Gestalt<\/a>, Don Quixote, von Miguel de Cervantes. Und obwohl auch voll Abenteuer und Phantasie blieb Fran\u00e7ois Rabelais\u2019 <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1115\" target=\"_blank\">Gargantua und Pantagruel<\/a> davon verschont, weil es wohl zu viele anz\u00fcgliche Stellen beinhaltet, die nun einmal nicht jugendfrei sind.<\/p>\n<p>Wie von Gullivers Reisen so finden wir im Buchladen eher eine <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3493\/2\" target=\"_blank\">Jugendausgabe vom Robinson Crusoe<\/a> als den nach dem Original ins Deutsche \u00fcbersetzten Roman. Daniel Defoe hat mit diesem Robinson einen Archetypen von Abenteurer geschaffen, der auch heute noch die Phantasie der Menschen, ob jung oder alt, befl\u00fcgelt. Als etwas abgeschmackte Variante kommt dann so etwas wie das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ich_bin_ein_Star_%E2%80%93_Holt_mich_hier_raus!\" target=\"_blank\">Dschungelcamp<\/a> heraus, in dem sich C- und D-Prominente als Robinson versuchen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, allein ohne jegliche Hilfsmittel auf einer Insel \u00fcberleben zu m\u00fcssen, hat nat\u00fcrlich etwas Be\u00e4ngstigendes. In gewisser Hinsicht muss man dann die Zivilisation f\u00fcr sich neu erfinden, muss sch\u00f6pferisch t\u00e4tig werden, denn sonst ist man schnell am Ende. Und es ist nat\u00fcrlich etwas v\u00f6llig anderes, ob man sein Robinson-Dasein als Spiel oder als bittere Realit\u00e4t erlebt.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Ich bin geboren zu York im Jahre 1632, als Kind angesehener Leute, die urspr\u00fcnglich nicht aus jener Gegend stammten. Mein Vater, ein Ausl\u00e4nder, aus Bremen geb\u00fcrtig, hatte sich zuerst in Hull niedergelassen, war dort als Kaufmann zu h\u00fcbschem Verm\u00f6gen gekommen und dann, nachdem er sein Gesch\u00e4ft aufgegeben hatte, nach York gezogen. Hier heirathete er meine Mutter, eine geborene Robinson. Nach der geachteten Familie, welcher sie angeh\u00f6rte, wurde ich Robinson Kreuznaer genannt. In England aber ist es Mode, die Worte zu verunstalten, und so hei\u00dfen wir jetzt Crusoe, nennen und schreiben uns sogar selbst so, und diesen Namen habe auch ich von jeher unter meinen Bekannten gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><em>Nachdem ich nun meine Seele in solcher Weise an der tr\u00f6stlichen Seite meiner Lage erhoben hatte, begann ich umherzublicken und auszuschauen, auf was f\u00fcr einem Lande ich mich eigentlich befinde und was zun\u00e4chst zu thun sei. Da sank nun bald wieder mein Muth und ich erkannte, da\u00df meine Errettung eine furchtbare Beg\u00fcnstigung sei. Ich war durchn\u00e4\u00dft und konnte die Kleider nicht wechseln; hatte weder etwas zu essen, noch etwas zu meiner St\u00e4rkung zu trinken; keine andere Aussicht bot sich mir, als Hungers zu sterben oder von den wilden Thieren gefressen zu werden; und, was mich besonders bek\u00fcmmerte, ich besa\u00df keine Waffen, um irgend ein Thier zu meiner Nahrung zu t\u00f6dten, oder mich gegen andere, die mich zu der ihrigen zu verwenden Lust h\u00e4tten, zu wehren. Nichts trug ich bei mir als ein Messer, eine Tabakspfeife und ein wenig Tabak in einem Beutel. Dies war meine ganze Habe, und ich gerieth darob in solche Verzweiflung, da\u00df ich wie wahnsinnig hin und her lief. Die Nacht kam, und ich begann schweren Herzens zu \u00fcberlegen, was mein Loos sein w\u00fcrde, wenn es hier wilde Thiere g\u00e4be, von denen ich wu\u00dfte, da\u00df sie stets des Nachts auf Beute auszugehen pflegen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die einzige Auskunft, die mir einfiel, war, einen dicken buschigen Baum, eine Art dorniger Fichte, die in meiner N\u00e4he stand, zu erklettern. Ich beschlo\u00df, dort die ganze Nacht sitzen zu bleiben und am n\u00e4chsten Tag die Art, wie ich meinen Tod finden wolle, zu w\u00e4hlen, denn auf das Leben selbst hoffte ich nicht mehr. Ich ging einige Schritte am Strande her, um nach frischem Wasser zu suchen: das fand ich denn auch zu meiner gro\u00dfen Freude. Nachdem ich getrunken und etwas Tabak in den Mund gesteckt hatte, um den Hunger abzuwehren, erstieg ich den Baum und versuchte mich in demselben so zu lagern, da\u00df ich im Schlafe nicht herunter fallen k\u00f6nnte. Vorher hatte ich mir einen kurzen Stock, eine Art von Pr\u00fcgel zu meiner Vertheidigung abgeschnitten, und dann verfiel ich in Folge meiner gro\u00dfen M\u00fcdigkeit auf dem Baum in einen tiefen Schlaf und schlief so erquickend, wie es wohl Wenige in meiner Lage vermocht h\u00e4tten. Nie im Leben hat mir, glaube ich, der Schlummer so wohl gethan wie damals.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daniel_Defoe\" target=\"_blank\"><strong>Daniel Defoe<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/747\/1\" target=\"_blank\">Robinson Crusoes Leben und seltsame Abenteuer<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt bei uns in Deutschland eine Reihe von Romanen, die z.T. stark gek\u00fcrzt als Jugend- oder gar Kinderb\u00fccher auf den Markt kommen, obwohl sie urspr\u00fcnglich f\u00fcr Erwachsene geschrieben wurden. 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