{"id":6571,"date":"2012-10-28T08:16:16","date_gmt":"2012-10-28T06:16:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6571"},"modified":"2012-10-26T10:19:43","modified_gmt":"2012-10-26T08:19:43","slug":"heute-ruhetag-26-gustave-flaubert-madame-bovary","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6571","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (26): Gustave Flaubert &#8211; Madame Bovary"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Roman wurde so oft ins Deutsche \u00fcbertragen. Und kaum eine Frauengestalt interessierte die Filmregisseure so sehr \u2013 wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Madame_Bovary\" target=\"_blank\">Madame Bovary<\/a>.<\/p>\n<p>Madame Bovary, in \u00e4lteren \u00dcbersetzungen auch Frau Bovary, ist ein Roman von Gustave Flaubert. Er gilt als eines der gro\u00dfen Werke der Weltliteratur aufgrund der seinerzeit neuartigen realit\u00e4tsnahen Erz\u00e4hlweise. Ein Zeitungsbericht \u00fcber den Selbstmord einer jungen Ehefrau veranlasste Flaubert zur Ausgestaltung dieses Gesellschaftsromanes, der den Untertitel <em>Ein Sittenbild aus der Provinz<\/em> tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Zuweilen machte sie sich Gedanken, ob das wirklich die sch\u00f6nsten Tage ihres Lebens sein sollten: ihre Flitterwochen, wie man zu sagen pflegt. Um ihre Wonnen zu sp\u00fcren, h\u00e4tten sie wohl in jene L\u00e4nder mit klangvollen Namen reisen m\u00fcssen, wo der Morgen nach der Hochzeit in s\u00fc\u00dfem Nichtstun verrinnt. Man f\u00e4hrt gem\u00e4chlich in einer Postkutsche mit blauseidnen Vorh\u00e4ngen die Gebirgsstra\u00dfen hinauf und lauscht dem Lied des Postillions, das in den Bergen zusammen mit den Herdenglocken und dem dumpfen Rauschen des Gie\u00dfbachs sein Echo findet. Wenn die Sonne sinkt, atmet man am Golf den Duft der Limonen, und dann nachts steht man auf der Terrasse einer Villa am Meere, einsam zu zweit, mit verschlungenen H\u00e4nden, schaut zu den Gestirnen empor und baut Luftschl\u00f6sser. Es kam ihr vor, als seien nur gewisse Erdenwinkel Heimst\u00e4tten des Gl\u00fccks, genau so wie bestimmte Pflanzen nur an sonnigen Orten gedeihen und nirgends anders. Warum war es ihr nicht beschieden, sich auf den Altan eines Schweizerh\u00e4uschens zu lehnen oder ihre Tr\u00fcbsal in einem schottischen Landhause zu vergessen, an der Seite eines Gatten, der einen langen schwarzen Gehrock, feine Schuhe, einen eleganten Hut und Manschettenhemden tr\u00fcge?<\/em><\/p>\n<p><em>Alle diese Gr\u00fcbeleien h\u00e4tte sie wohl irgendwem anvertrauen m\u00f6gen. H\u00e4tte sie aber ihr namenloses Unbehagen, das sich aller Augenblicke neu formte wie leichtes Gew\u00f6lk und das wie der Wind wirbelte, in Worte zu fassen verstanden? Ach, es fehlten ihr die Worte, die Gelegenheit, der Mut! Ja, wenn Karl gewollt h\u00e4tte, wenn er eine Ahnung davon gehabt h\u00e4tte, wenn sein Blick nur ein einzigesmal ihren Gedanken begegnet w\u00e4re, dann h\u00e4tte sich alles das, so meinte sie, sofort von ihrem Herzen losgel\u00f6st wie eine reife Frucht vom Spalier, wenn eine Hand daran r\u00fchrt. So aber ward die innere Entfremdung, die sie gegen ihren Mann empfand, immer gr\u00f6\u00dfer, je intimer ihr eheliches Leben wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Karls Art zu sprechen war platt wie das Trottoir auf der Stra\u00dfe: Allerweltsgedanken und Allt\u00e4glichkeiten, die niemanden r\u00fchrten, \u00fcber die kein Mensch lachte, die nie einen Nachklang erweckten. Solange er in Rouen gelebt hatte, sagte er, h\u00e4tte er niemals den Drang versp\u00fcrt, ein Pariser Gastspiel im Theater zu sehen. Er konnte weder schwimmen noch fechten; er war auch kein Pistolensch\u00fctze, und gelegentlich kam es zutage, da\u00df er Emma einen Ausdruck des Reitsports nicht erkl\u00e4ren konnte, der ihr in einem Romane begegnet war. Mu\u00df ein Mann nicht vielmehr alles kennen, auf allen Gebieten bewandert sein und seine Frau in die gro\u00dfen Leidenschaften des Lebens, in seine erlesensten Gen\u00fcsse und in alle Geheimnisse einweihen? Der ihre aber lehrte sie nichts, verstand von nichts und erstrebte nichts. Er glaubte, sie sei gl\u00fccklich, indes sie sich \u00fcber seine satte Tr\u00e4gheit emp\u00f6rte, seinen zufriedenen Stumpfsinn, ja selbst \u00fcber die Wonnen, die sie ihm gew\u00e4hrte.<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>aus dem <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/2404\/7\" target=\"_blank\">7. Kapitel<\/a><\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/gutenb\/autoren\/signatur\/flaubert.gif\" alt=\"Signatur: Gustave Flaubert\" title=\"Signatur: Gustave Flaubert\" \/>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gustave_Flaubert\" target=\"_blank\"><strong>Gustave Flaubert<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/2404\/1\" target=\"_blank\">Madame Bovary<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Roman wurde so oft ins Deutsche \u00fcbertragen. Und kaum eine Frauengestalt interessierte die Filmregisseure so sehr \u2013 wie Madame Bovary. Madame Bovary, in \u00e4lteren \u00dcbersetzungen auch Frau Bovary, ist ein Roman von Gustave Flaubert. Er gilt als eines der gro\u00dfen Werke der Weltliteratur aufgrund der seinerzeit neuartigen realit\u00e4tsnahen Erz\u00e4hlweise. 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