{"id":6738,"date":"2012-12-13T09:36:27","date_gmt":"2012-12-13T08:36:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6738"},"modified":"2012-12-13T09:36:27","modified_gmt":"2012-12-13T08:36:27","slug":"vorweihnachtszeit-2012-11-kurt-tucholsky-%e2%80%93-gros-stadt-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6738","title":{"rendered":"Vorweihnachtszeit 2012 (11):  Kurt Tucholsky \u2013 Gro\u00df-Stadt-Weihnachten"},"content":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Weltb%C3%BChne\" target=\"_blank\">Die Weltb\u00fchne<\/a> erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor, Lyriker und Kritiker (Literatur, Film, Musik). Er verstand sich selbst als linker Demokrat, Sozialist, Pazifist und Antimilitarist und warnte vor der Erstarkung der politischen Rechten \u2013 vor allem in Politik, Milit\u00e4r und Justiz \u2013 und vor der Bedrohung durch den Nationalsozialismus. (Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kurt_Tucholsky\" target=\"_blank\">wikipedia.org<\/a>)<\/p>\n<p>Sein Gedicht \u201eGro\u00df-Stadt-Weihnachten\u201c f\u00fchrt uns ins Berlin der Zeit vor dem ersten Weltkrieg (1913), ist also genau 99 Jahre alt, und hat etwas von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berliner_Dialekt\" target=\"_blank\">\u201aBerliner Schnauze\u2019<\/a>. Das Ende des Gedichtes verhei\u00dft nichts Gutes:<\/p>\n<p><em>Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden &#8230;<br \/>\n\u00bbWir spielen alle. Wer es wei\u00df, ist klug.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>1913 sollte das letzte Weihnachten in Frieden sein.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/vorweihnachtszeit2012.jpg\" alt=\"Sch\u00f6ne Vorweihnachtzeit 2012\" title=\"Sch\u00f6ne Vorweihnachtzeit 2012\" \/><\/p>\n<p><em>Nun senkt sich wieder auf die heim&#8217;schen Fluren<br \/>\ndie Weihenacht! die Weihenacht!<br \/>\nWas die Mamas bepackt nach Hause fuhren,<br \/>\nwir kriegens jetzo freundlich dargebracht.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?<br \/>\nDie Braut kramt sch\u00e4mig in dem Portemonnaie.<br \/>\nSie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,<br \/>\nden Aschenbecher aus Emalch glas\u00e9.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen<br \/>\nauf einen stillen heiligen Grammophon.<br \/>\nDas Christkind kommt und ist bereit zu tauschen<br \/>\nden Schlips, die Puppe und das Lexikohn,<\/em><\/p>\n<p><em>Und sitzt der wackre B\u00fcrger bei den Seinen,<br \/>\nvoll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,<br \/>\ndann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:<br \/>\n\u00bbAch ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Und frohgelaunt spricht er vom \u203aWeihnachtswetter\u2039,<br \/>\nmag es nun regnen oder mag es schnein,<br \/>\nJovial und schmauchend liest er seine Morgenbl\u00e4tter,<br \/>\ndie tr\u00e4chtig sind von s\u00fc\u00dfen Plauderein.<\/em><\/p>\n<p><em>So trifft denn nur auf eitel Gl\u00fcck hienieden<br \/>\nin dieser Residenz Christkindleins Flug?<br \/>\nMein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden &#8230;<br \/>\n\u00bbWir spielen alle. Wer es wei\u00df, ist klug.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><strong>Kurt Tucholsky<\/strong> \u2013 <a href=\"http:\/\/www.textlog.de\/tucholsky-gedicht-grossstad.html\" target=\"_blank\">Gro\u00df-Stadt-Weihnachten<\/a><br \/>\n(Erstver\u00f6ffentlichung unter dem Pseudonym Theobald Tiger in \u201eDie Schaub\u00fchne\u201c, 25.12.1913, Nr. 52, S. 1293) \u2013 auch als Podcast zu h\u00f6ren: <a href=\"http:\/\/www.podcast.de\/episode\/2160000\/03%2B-%2BGro%25C3%259Fstadt-Weihnachten%2Bby%2BKurt%2BTucholsky\" target=\"_blank\">Gro\u00df-Stadt-Weihnachten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift Die Weltb\u00fchne erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor, Lyriker und Kritiker (Literatur, Film, Musik). 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