{"id":6782,"date":"2013-01-01T00:01:45","date_gmt":"2012-12-31T23:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6782"},"modified":"2012-12-31T14:00:44","modified_gmt":"2012-12-31T13:00:44","slug":"ein-gutes-neues-jahr-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6782","title":{"rendered":"Ein gutes neues Jahr 2013"},"content":{"rendered":"<p>Auch zum Jahresanfang 2013 sind wir hier im Norden Deutschlands weit davon entfernt, so etwas \u00c4hnliches wie Winter zu haben. Von Schnee keine Spur, daf\u00fcr eher fr\u00fchlingshafte Temperaturen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Walser\" target=\"_blank\">Robert Walsers<\/a> <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6747\" target=\"_blank\">kleine Schneelandschaft<\/a> lie\u00df erahnen wie es sein k\u00f6nnte, wenn &#8230; Mit dem Schweizer Robert Walser, einem besonderen Sonderling und eigenartigen Poeten, will ich das neue Jahr auch beginnen \u2013 und wenigstens noch einmal mit fiktivem Schnee. Aber es wird sicherlich auch bei uns hier noch einmal Winter geben. Der kann sich bekanntlich bis in den Anfang des Mais erstrecken.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/neujahr2013_raureif.jpg\" alt=\"Raureif\" title=\"Raureif\" \/><\/p>\n<p>Warum Robert Walser? F\u00fcr mich ist er einer der liebsten Schriftsteller. Warum, das vermag ich kaum zu beantworten. Man sollte ihn lesen \u2013 dann wird man ihn m\u00f6gen f\u00fcr alle Tage, oder einfach f\u00fcr verschroben und altmodisch abtun. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_von_Matt\" target=\"_blank\">Peter von Matt<\/a>, ebenfalls ein Schweizer Schriftsteller, h\u00e4lt f\u00fcr Robert Walser besonders <em>\u00abdie Unvorhersehbarkeit des n\u00e4chsten Satzes\u00bb<\/em> f\u00fcr charakteristisch. Das heute vorgestellte Prosast\u00fcck wird das sicherlich verdeutlichen. Meine Ex-Schw\u00e4gerin w\u00fcrde sagen, dass er von Kuchen backen auf Pobacken k\u00e4me. Ich sehe darin eher einen bunten Blumenstrau\u00df mit vielen einzelnen Farbtupfern.<\/p>\n<p>Zuvor will ich Euch allen aber ein friedvolles und geruhsames neues Jahr 2013 w\u00fcnschen mit viel Gesundheit und Zufriedenheit. Vom Gl\u00fcck will ich gar nicht schreiben. Das ist oft so fl\u00fcchtig &#8230; Macht es also gut. M\u00f6gen wenigstens einige Eurer W\u00fcnsche in Erf\u00fcllung gehen. Wer keine W\u00fcnsche mehr hat, wem alles erf\u00fcllt wurde, der hat auch nichts mehr zu erwarten &#8230;<\/p>\n<p><em><strong>Schnee liegt auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen<\/strong>, auf Denkm\u00e4lern, D\u00e4chern, das pa\u00dft zur Neujahrszeit. Weihnachtsb\u00e4ume, S\u00fc\u00dfigkeiten g\u00f6nne ich andern. Dichter sind darin gro\u00dfartig, da\u00df sie ihrer Mitmenschen Freude mit ansehen k\u00f6nnen, ohne gleich zu meinen, da\u00df sie mitgenossen haben m\u00fc\u00dften. Eine warme Stube ist im Winter schon viel. Les\u2019 ich nicht au\u00dferdem in einem B\u00fcchlein, betitelt: \u201eTreu wie Gold\u201c? \u2013 \u201eGuten Tag, Frau Direktor von Stempel\u201c, sprach ich neulich eine Dame an, die anders hei\u00dft, und die laut ausrief: \u201eWas ist Ihnen?\u201c \u2013 \u201eGut aufgelegt bin ich\u201c, gab ich zur Antwort. Den ersten Theaterabend meines Lebens erlebte ich in einer Neujahrsnacht, trug den hohen Eindruck hei\u00df ins Elternhaus. An einem himmelblauen Fr\u00fchlingstag erwartete eine Mutter ihren geliebten Sohn, den Leutnant von Sch\u00f6llermark. Da klopfte es energisch an die T\u00fcre; der Ersehnte war\u2019s, sie lagen sich in den Armen. Er kam dann nach Berlin, wo er die wundersamste Motzstr\u00e4\u00dflerin oder Million\u00e4rin kennenlernte; sie war jung und unerh\u00f6rt sch\u00f6n. Im Tiergarten gaben sie sich Rendezvous; flogen zusammen auf Schlittschuhen um die Rousseauinsel, die im kleidsamen Dezemberlichkeitsgewand lieblich aussah. Die Sch\u00f6ne sagte ihm, indem sie Ku\u00df um Ku\u00df von ihm empfing, ihr Papa habe Pl\u00e4ne mit ihr; er taumelte zur\u00fcck, erlebte seine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung, was ich alles aus einem Vergissmeinnichtb\u00fcchlein habe. Nun meld\u2019 ich etwas von mir und beichte, da\u00df ich als Knabe auf einen Neujahrswunschzettel unachtsamerweise \u201eich w\u00fcsche\u201c schrieb, statt \u201eich w\u00fcnsche\u201c. Wie einem so etwas im Kopf bleibt! Der junge Napoleon siegte schon als Sch\u00fcler im Schulhof zu Brienne in Schneeballschlachten. Schneem\u00e4nner haben einen breiten Mund, nicht sehr eindrucksvolle Augen, in der Hand einen Besen und stehn unglaublich ruhig da. \u201eZwischen zwei Herzen\u201c nennt sich eine r\u00fchrende Geschichte, die ich meinem Bibliothekchen einverleibte: Einer, der Geld hat, tritt einem, der keins hat, die, die er liebt, ab, da er nicht mehr jung ist, w\u00e4hrend dem andern die Jugend zum Antlitz herausstrahlt. Das M\u00e4dchen hie\u00df Roberta und der Gl\u00fcckliche Max. Anderntags sa\u00dfen alle friedlich beisammen. M\u00f6glich ist, da\u00df sie bei Tisch sa\u00dfen und a\u00dfen. Ich war neulich dabei, wie sich einer Wirtin ein netter, junger Mensch als Officebursche stramm vorstellte. Achtung erweckt man meist hinter seinem R\u00fccken; daher wei\u00df man nichts davon. Die, denen wir sympathisch sind, bleiben still, und das ist richtig, man n\u00e4hme sich sonst zu wichtig. Ein Kurzwarenh\u00e4ndler sagte mir, man k\u00e4me mit der H\u00f6flichkeit am besten weg; ich pflichtete ihm bei. Zu Neujahr wird geschenkt, Schenkende erhalten wieder ihrerseits Geschenke. Beides, Nehmen wie Geben, darf und will ge\u00fcbt sein. Ich erinnere mich an eine Zeichnung mit leichter Anf\u00e4rbung: ein wei\u00dfgefiederter Engel schaut zu einem Fensterchen in die Stube hinein, wo das Christkind liegt; nur ein kleines Blatt, und doch verga\u00df ich\u2019s nicht. Man kann viel vergessen, sich wieder auf vieles besinnen, und herrlich ist im Erinnerungsbereiche dann ein wiedergefundenes Sch\u00e4fchen; der Verlust wird lieb, da er sich ausglich.<\/em><\/p>\n<p>Schnee liegt auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen<br \/>\nAus: Robert Walser &#8211; Dichtungen in Prosa &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch zum Jahresanfang 2013 sind wir hier im Norden Deutschlands weit davon entfernt, so etwas \u00c4hnliches wie Winter zu haben. 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