{"id":6888,"date":"2013-02-03T08:33:43","date_gmt":"2013-02-03T07:33:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6888"},"modified":"2013-01-30T13:38:27","modified_gmt":"2013-01-30T12:38:27","slug":"heute-ruhetag-30-albin-zollinger-pfannenstiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6888","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (30): Albin Zollinger &#8211; Pfannenstiel"},"content":{"rendered":"<p>Sein Vorname ist mein Nachname. H\u00e4tte nicht der damals noch junge <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=max+frisch\" target=\"_blank\">Max Frisch<\/a> die Begegnung auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pfannenstiel_%28Z%C3%BCrich%29\" target=\"_blank\">Pfannenstiel<\/a> mit ihm, drei Wochen vor seinem Tod im Alter von nur 46 Jahren, in seinem \u201eTagebuch 1946\u20131949\u201c festgehalten, Albin Zollinger (1895 &#8211; 1941) w\u00e4re uns so gut wie unbekannt geblieben. Dabei geh\u00f6rte er zu den weitsichtigsten kritischen Schweizer Intellektuellen seiner Zeit.<\/p>\n<p>Bevorzugt schrieb er in Z\u00fcrcher Kaffeeh\u00e4usern, wohin er jeweils von Oerlikon, heute einem Stadtteil von Z\u00fcrich und bis 1934 selbst\u00e4ndige Gemeinde, nach der Schule mit der Stra\u00dfenbahn fuhr. Fast legend\u00e4r war in den 30er Jahren sein Marmortischchen im Caf\u00e9 Terrasse. Dort war er oft in Gesellschaft von weiteren Z\u00fcrcher Literaten und Kulturschaffenden anzutreffen.<\/p>\n<p>1940 ver\u00f6ffentlichte Albin Zollinger den Roman \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pfannenstiel_%28Z%C3%BCrich%29#Der_Pfannenstiel_als_Literaturschauplatz\" target=\"_blank\">Pfannenstiel<\/a> \u2013 Die Geschichte eines Bildhauers\u201c. Darin beschreibt er den H\u00f6henzug als \u00abein Grat von schlichtem Verlauf, welchem sonderliche \u00dcberraschungen nicht eigentlich zugetraut werden konnten\u00bb. Im Roman wird ein in die Schweiz zur\u00fcckgekehrter Bildhauer von der politischen Realit\u00e4t entt\u00e4uscht, zieht sich auf den Pfannenstiel zur\u00fcck, baut sich dort ein Haus und findet eine intakte d\u00f6rfliche Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass Max Frisch die Begegnung mit Zollinger in Erinnerung blieb. Beide hatten ein zwiesp\u00e4ltiges Verh\u00e4ltnis zu ihrer Heimat, der Schweiz. Nachdem Frisch jahrelang im Ausland gelebt hatte, besch\u00e4ftigte er sich nach seiner R\u00fcckkehr zunehmend kritisch mit seinem Heimatland. Im Roman \u201ePfannenstiel\u201c ist die Thematik \u00e4hnlich.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Zwei Freunde, Bildhauer, reisten zusammen von Paris nach der Schweiz zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie waren nicht mehr jung; einige vierzig; dem Dunklen, zur Beh\u00e4bigkeit neigenden, lichtete sich das Haar von seinem Wirbel aus, der andere, der ein H\u00fcne war, trug noch die M\u00e4hne eines J\u00fcnglings. Beide blickten sehr jugendlich aus den Augen, nach deren Bl\u00e4ue beurteilt sie h\u00e4tten Br\u00fcder sein k\u00f6nnen; die von Stapfer schienen vertr\u00e4umter, Krannig hatte den Schalk im Gesicht.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00abPass auf, es wird sein wie immer,\u00bb sagte er gegen das Scheibenglas, \u00abwir kommen gleichsam in eine moosige Luft hinein, alles ist sehr traulich muschlig, die Dinge \u00fcberraschen dadurch, dass sie noch etwas niedlicher sind als man sie sich vorsichtigerweise dachte; sogar die Alpen erstaunen auf den Abstand durch ihre geringe H\u00f6he \u2013 wenn man freilich an sie herantritt . . . ! Die Seen erscheinen als Fl\u00fcsse, und immer halten die Z\u00fcge, kaum dass sie in Bewegung gekommen sind.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em>\u00abJa,\u00bb antwortete der blonde Landsknecht, \u00abund alles das ist gewiss sogar nicht wenig sinnbildlich f\u00fcr das Ganze. Aber du weisst, wir kommen nicht los davon; dieses sonderbare L\u00e4ndchen besch\u00e4ftigt uns mit seinen M\u00e4ngeln ebenso wie mit seinen Zaubern. Was hab ich nicht Heimweh ausgestanden! Meist sah ich den Pfannenstiel in Blust und Amseln.\u00bb<br \/>\n\u00abEs wird sich zeigen, ob die Luft unserer Arbeit zutr\u00e4glich ist oder nicht. Ihr Gehalt an S\u00e4uerlichkeit ist zu f\u00fcrchten, einer S\u00e4uerlichkeit, die den Bienenstock nicht verl\u00e4sst. Mein Gott, schliesslich ist es Hochland, ein Hochland mit Hagebutten; die Kapellen geraten ein wenig spr\u00f6der, die Ornamente schn\u00f6rkliger \u2013 Bernini, nein, f\u00fcr dergleichen ist die Atmosph\u00e4re allzu gestopft, allzu frostig: Reisl\u00e4ufer sind daher herabgestiegen, Kerle immerhin, die die Welt ver\u00e4nderten, und das Hochland hat seine unergr\u00fcndlichen enzianblauen Wasser.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em>\u00abF\u00fcr mich f\u00fcrchte ich weniger als f\u00fcr dich; doch ist mir beides gleich denkbar, dass sie die K\u00e4seglocke ihres Stillschweigens \u00fcber dich setzen oder aus dem Bed\u00fcrfnis nach der Gegenart dich verg\u00f6tzen werden. Du m\u00fcsstest dich in Sorrent ansiedeln, Orangeng\u00e4rten mit deinem appollinischen Geschlecht bev\u00f6lkern, du G\u00f6ttersohn.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Kapitel 1: Marie<br \/>\nGeschrieben M\u00e4rz\/April 1940<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krapplack-edition.ch\/krapplack\/images\/0001ei.jpeg\" alt=\"Albin Zollinger - Pfannenstiel\" title=\"Albin Zollinger - Pfannenstiel\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albin_Zollinger\" target=\"_blank\"><strong>Albin Zollinger<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/6079\/1\" target=\"_blank\">Pfannenstiel<\/a> \u2013 <em>Die Geschichte eines Bildhauers<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Vorname ist mein Nachname. 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