{"id":6903,"date":"2013-02-06T07:50:22","date_gmt":"2013-02-06T06:50:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6903"},"modified":"2013-02-04T11:56:25","modified_gmt":"2013-02-04T10:56:25","slug":"verzehrsituationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6903","title":{"rendered":"Verzehrsituationen"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eIm Mittelpunkt der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ern%C3%A4hrungssoziologie\" target=\"_blank\">Ern\u00e4hrungssoziologie<\/a> stehen nicht die Lebensmittel und ihre Verarbeitung wie die Geschichte der Kartoffel oder des Kaffees in Europa, sondern die soziale <strong>Verzehrsituation<\/strong> (Tischordnung, Anlass, Brauch, Ritual), der gesellschaftliche Stand und die jeweils unterschiedliche Ern\u00e4hrung (Bier oder Wein, Lammbraten oder Innereien) und die regionale oder internationale Verbreitung (Diffusion) von Lebensmitteln und ihre Popularit\u00e4t.\u201c<\/em> (Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nahrungsforschung\" target=\"_blank\">de.wikipedia.org<\/a>)<\/p>\n<p>Den Begriff Verzehrsituation habe ich neulich zum ersten Mal geh\u00f6rt. Es war im Radio und zudem auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niederdeutsche_Sprache\" target=\"_blank\">Plattdeutsch<\/a> und wenig ernst gemeint. Es ging dabei um den Verzehr \u201azwischen T\u00fcr und Angel\u2019, wie ich es nennen m\u00f6chte, um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fast_Food\" target=\"_blank\">Fast Food<\/a> im weiteren Sinne.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/fast_food_hamburger.jpg\" alt=\"Verzehrsituation: Fast Food to go\" title=\"Verzehrsituation: Fast Food to go\" \/><\/p>\n<p>Man macht sich bei solchen Begriffen so seine eigenen Gedanken. Und recherchiert vielleicht wie ich auch etwas im Internet. Nun, Tischordnung, Anlass, Brauch und Ritual war in dem Beitrag nur beil\u00e4ufig gemeint. Denn wer seine Mahlzeit nicht im gewohnten Rahmen (z.B. zu Hause am Essenstisch) einnimmt, sondern unterwegs, vielleicht noch in der Bahn, der hat keine Tischordnung, der Anlass ist lediglich Hunger, von Brauch und Ritual kann keine Rede sein, au\u00dfer dass der Essende sich das Essen \u201arituell\u2019 gedankenlos, da nicht anders gewohnt, in den Mund stopft.<\/p>\n<p>Ich bin dabei auf ein <a href=\"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\/magister\/index.php?seite=25\" target=\"_blank\">Modell zur Nahrungsforschung<\/a> von <a href=\"http:\/\/ernaehrungsdenkwerkstatt.de\/keller\/personen\/tolksdorf-ulrich.html\" target=\"_blank\">Ulrich Tolksdorf<\/a> gesto\u00dfen: Seine Grundeinheit ist die &#8222;Mahlzeit&#8220;. Er zerlegt sie in einem Baumdiagramm in &#8222;Speise&#8220; und &#8222;Verzehr-Situation&#8220; (da haben wir wieder das Wort). Den Speisekomplex wiederum sieht er zusammengesetzt aus Nahrungs-Mittel und kultureller Technik. Die Verzehr-Situation spaltet er auf in soziale Zeit und sozialen Raum.<\/p>\n<p>Das mit Zeit und Raum, zu dem sozial definiert, kommt der Sache schon etwas n\u00e4her. Der, um den es mir hier geht, der also z.B. im Zug zwischen Hamburg und Bremen seine Nahrung zu sich nimmt, scheint mir jeden sozialen Bezug zu Raum und Zeit (und damit zu seinen Mitmenschen) verloren zu haben. Wenn z.B. in Z\u00fcgen des <a href=\"http:\/\/www.der-metronom.de\/\" target=\"_blank\">Metronom<\/a> sehr schnell Br\u00fche als Hei\u00dfgetr\u00e4nke aus Automaten aus dem Angebot gestrichen wurde (siehe meinen Beitr\u00e4ge: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=124\" target=\"_blank\">Es ist noch Suppe da<\/a>), so ist das nicht verwunderlich. Wer mag schon Fettaugen auf seinem Kaffee. Au\u00dferdem stank es im ganzen Zug erb\u00e4rmlich. Pommes und Hamburger, die nach ranzigem Frittenfett stinken, von nach Hause eilenden Mitfahrern verzehrt, duften nicht gerade angenehmer. Wahrscheinlich hilft tats\u00e4chlich nach Rauch- und Alkoholverbot nur ein Verzehrverbot, zumindest von warmen Speisen, bei den Bahnen im Nahverkehr (<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=3418\" target=\"_blank\">Der bahnreisende Querulant meldet sich wieder zu Wort<\/a>).<\/p>\n<p>Ein Wort \u2013 und eine ganze Wissenschaft! Die muss es wohl geben, um den Menschen zu zeigen, dass der Verzehr von Speisen nicht nur der S\u00e4ttigung dient, sondern auch einen sozialen Aspekt besitzt. Ich gestehe, auf der Arbeit auch oft meine Stullen oder was auch immer so gedankenlos \u201azwischen T\u00fcr und Angel\u2019 zu essen. Im Grunde schmeckt mir das dann gar nicht. Wie sch\u00f6n ist es dagegen gemeinsam zu Hause mit seinen Lieben zu speisen.<\/p>\n<p>Essen ist ein Teil unserer Kultur. Und die sollte man pflegen. Von Massentierhaltung, Gen-Technik bei Lebensmitteln sowie dem Spekulieren damit usw. will ich lieber schweigen &#8230;<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Die Verzehrsituation spielt auch eine Rolle bei der Mehrwertsteuer: F\u00fcr die meisten Lebensmittel in Deutschland gilt ein Mehrwertsteuersatz von 7 %. Abh\u00e4ngig von der Verzehrsituation k\u00f6nnen aber auch 19 % Mehrwertsteuer f\u00e4llig werden, z.B. wenn ein Essen zubereiten und im Verkaufsraum zum Konsum angeboten wird, so entf\u00e4llt darauf der volle Mehrwertsteuersatz. Die Zubereitung, Portionierung und Ausgabe der Speisen und Getr\u00e4nke, die Bereitstellung und Reinigung der R\u00e4umlichkeiten und des Geschirrs wird als Dienstleistung eingestuft und deshalb mit 19 % besteuert. Man k\u00f6nnte jetzt sagen: Um so kultivierter man die Speisen zu sich nimmt, um so teurer wird es. Danke, Herr Finanzminister!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIm Mittelpunkt der Ern\u00e4hrungssoziologie stehen nicht die Lebensmittel und ihre Verarbeitung wie die Geschichte der Kartoffel oder des Kaffees in Europa, sondern die soziale Verzehrsituation (Tischordnung, Anlass, Brauch, Ritual), der gesellschaftliche Stand und die jeweils unterschiedliche Ern\u00e4hrung (Bier oder Wein, Lammbraten oder Innereien) und die regionale oder internationale Verbreitung (Diffusion) von Lebensmitteln und ihre Popularit\u00e4t.\u201c &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=6903\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Verzehrsituationen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6903"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6903\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}