{"id":6906,"date":"2013-02-07T08:05:24","date_gmt":"2013-02-07T07:05:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6906"},"modified":"2013-02-05T11:09:50","modified_gmt":"2013-02-05T10:09:50","slug":"%e2%80%9ereform%e2%80%9c-tarifvertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6906","title":{"rendered":"\u201eReform\u201c-Tarifvertrag"},"content":{"rendered":"<p>Ich arbeite bei einem Wohlfahrtsverband, bei dem die Geh\u00e4lter nach einem eigenen Tarifvertrag bestimmt werden, der sich fr\u00fcher einmal sehr eng an den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bundesangestelltentarifvertrag\" target=\"_blank\">Bundesangestelltentarif (BAT)<\/a> im \u00d6ffentlichen Dienst angelehnt hatte. Mit dem 1. Oktober 2005 wurde der BAT durch den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tarifvertrag_f%C3%BCr_den_%C3%B6ffentlichen_Dienst\" target=\"_blank\">Tarifvertrag f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst (TV\u00f6D)<\/a> abgel\u00f6st. Dieser enth\u00e4lt eine v\u00f6llig andere Verg\u00fctungsstruktur. Entsprechendes geschah auch beim Wohlfahrtsverband, der einen so genannten \u201eReform\u201c-Tarifvertrag schuf. Dieser neue Tarifvertrag wurde wie die jeweiligen Gehaltserh\u00f6hungen (Entgelttarifvertr\u00e4ge) zwischen einer Bundestarifgemeinschaft des Wohlfahrtsverbandes und der Gewerkschaft <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vereinte_Dienstleistungsgewerkschaft\" target=\"_blank\">ver.di \u2013 Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Berlin<\/a> ausgehandelt.<\/p>\n<p>Das Problem dieser neuen Tarifvertr\u00e4ge war und ist, dass die neuen Entgeltgruppen (mit ihren jeweiligen Stufen) im Vergleich zu den Verg\u00fctungsgruppen des BAT ein deutlich niedrigeres Gehalt ausweisen, z.B. h\u00e4tte ich nach dem neuen Tarif \u00fcber 560 \u20ac weniger Gehalt bekommen, wenn dieses nicht durch einen so genannten Besitzstandsbetrag ausgeglichen worden w\u00e4re. Ein Mitarbeiter, der mit den gleichen tariflichen Voraussetzungen wie ich nach dem neuen Tarif bezahlt wird, bekommt also \u00fcber 560 \u20ac weniger als ich. So schufen sich der \u00d6ffentliche Dienst und auch mein Wohlfahrtsverband enorme Einsparpotentiale. Die Kritik am BAT, seine starren Vorschriften erschwerten ein flexibles Arbeiten und ber\u00fccksichtige nicht individuelle Leistung, ist sicherlich gerechtfertigt, ist aber nach meiner Meinung in diesen neuen Tarifvertr\u00e4gen halbherzig umgesetzt und daher mehr als fadenscheinig.<\/p>\n<p>Soviel zur Vorrede.<\/p>\n<p>Ich sollte ja eigentlich gl\u00fccklich sein, noch nach dem alten Tarifvertrag eingestellt worden zu sein. Immerhin bekomme ich ja den Besitzstandsbetrag als Ausgleich, der auch durch die Entgelttarifvertr\u00e4ge, also den in der Regel j\u00e4hrlichen Gehaltserh\u00f6hungen ber\u00fccksichtigt wurde. Nun bin ich aber zum 1. Januar in meiner Entgeltgruppe eine Stufe h\u00f6her eingruppiert, was fr\u00fcher einmal einer Gehaltserh\u00f6hung von knapp 500 \u20ac entsprochen h\u00e4tte. Nur steht im so genannten \u201eReform\u201c-Tarifvertrag folgender Passus: \u201eDer individuelle Besitzstandsbetrag verringert sich entsprechend den jeweiligen Stufenaufstiegen\u201c, d.h. der mir zustehende Besitzstandsbetrag von etwas \u00fcber 560 \u20ac wurde um diese Erh\u00f6hung verringert. Ich bekomme also nur noch einen Besitzstandsbetrag von etwas mehr als 70 \u20ac. Klartext: Meine Gehaltserh\u00f6hung betr\u00e4gt in der Summe 0 \u20ac. Oder auf gut Deutsch: Meine Gehaltserh\u00f6hung k\u00f6nnen sich gewisse Damen und Herren gern in ihren verl\u00e4ngerten R\u00fccken stecken!<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/reformtarifvertrag.jpg\" alt=\"Reformtarifvertrag\" title=\"Reformtarifvertrag\" \/><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das alles rechtens. Ein einziger kleiner Satz im genannten Tarifvertrag l\u00e4sst den Arbeitgeber bei mir j\u00e4hrlich 6000 \u20ac sparen. Der \u201eReform\u201c-Tarifvertrag hat mich nach \u00fcber sechs Jahren \u201eendlich\u201c eingeholt. Dass ich mich verarscht f\u00fchle, ist wohl logisch.<\/p>\n<p>Was ich von einer Gewerkschaft, die solche Vertr\u00e4ge unterschreibt, halte, brauche ich wohl nicht n\u00e4her auszuf\u00fchren. Da von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reform\" target=\"_blank\">Reform<\/a> zu sprechen, ist dann schon l\u00e4cherlich. Aber warum sollten sich Arbeitgeber davon ausschlie\u00dfen, den B\u00fcrger abzuzocken, wenn auch \u201enur\u201c auf diese Weise.<\/p>\n<p>Apropos Gewerkschaften: <em>ver.di<\/em> hat immerhin im April letzten Jahres f\u00fcr uns (und damit auch f\u00fcr mich) eine Gehaltserh\u00f6hung von 5,5 % durchgesetzt. So lie\u00df es die Gewerkschaft in gro\u00dfen Lettern verk\u00fcnden. Schaut man etwas genauer hinter diese Zahl, so kann man \u00fcber diese \u201eAugenwischerei\u201c von Gewerkschaftsseite her nur erstaunt sein:<\/p>\n<p>Der vorherige Tarifvertrag lief am 31.12.2011 (\u00fcbrigens mit einer Gehaltserh\u00f6hung f\u00fcr 2011 von 1,0 %) aus. Der neue Vertrag hat dann eine Laufzeit von zwei Jahren. Zum 01.07.2012 mit einer Erh\u00f6hung von 3,5 % &#8211; ab 01.01.2013 dann eine weitere Erh\u00f6hung von 2,0 %. Das sind dann 5,5 %, oder? Ich bin kein Kaufmann, aber Zinsen und \u00e4hnliches (und Gehaltserh\u00f6hungen geh\u00f6ren dazu) werden immer noch per annum gerechnet. Dann w\u00e4ren es f\u00fcr 2012 die H\u00e4lfte von 3,5 %, also gerade einmal 1,75 % Gehaltserh\u00f6hung \u2013 und f\u00fcr 2013 dann die genannten 2 %. Aber 5,5 %??? Das w\u00e4re so, als w\u00fcrde man auf zehn Jahre eine Erh\u00f6hung von 1 % als eine Erh\u00f6hung von 10 % ausgeben.<\/p>\n<p>siehe u.a. auch meinen Beitrag. <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=2996\" target=\"_blank\">Bad Case Management<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich arbeite bei einem Wohlfahrtsverband, bei dem die Geh\u00e4lter nach einem eigenen Tarifvertrag bestimmt werden, der sich fr\u00fcher einmal sehr eng an den Bundesangestelltentarif (BAT) im \u00d6ffentlichen Dienst angelehnt hatte. Mit dem 1. Oktober 2005 wurde der BAT durch den Tarifvertrag f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst (TV\u00f6D) abgel\u00f6st. Dieser enth\u00e4lt eine v\u00f6llig andere Verg\u00fctungsstruktur. 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