{"id":6980,"date":"2013-02-25T13:06:29","date_gmt":"2013-02-25T12:06:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=6980"},"modified":"2013-02-25T13:13:24","modified_gmt":"2013-02-25T12:13:24","slug":"gunter-grass-die-blechtrommel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=6980","title":{"rendered":"G\u00fcnter Grass: Die Blechtrommel"},"content":{"rendered":"<ul>Was soll ich noch sagen: Unter Gl\u00fchbirnen geboren, im Alter von drei Jahren vors\u00e4tzlich das Wachstum unterbrochen, Trommel bekommen, Glas zersungen, Vanille gerochen, in Kirschen gehustet, Luzie gef\u00fcttert, Ameisen beobachtet, zum Wachstum entschlossen, Trommel begraben, nach Westen gefahren, den Osten verloren, Steinmetz gelernt und Modell gestanden, zur Trommel zur\u00fcck und Beton besichtigt, Geld verdient und den Finger geh\u00fctet, den Finger verschenkt und lachend gefl\u00fcchtet, aufgefahren, verhaftet, verurteilt, eingeliefert, demn\u00e4chst freigesprochen. Feiere ich heute meinen drei\u00dfigsten Geburtstag und f\u00fcrchte mich immer noch vor der Schwarzen K\u00f6chin \u2013 Amen.<\/ul>\n<p>So fasst Oskar Matzerath seine bisherige Lebensgeschichte wie ein Gebet zusammen und so steht es kurz vor dem Ende des Romans in <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=g%C3%BCnter+grass\" target=\"_blank\">G\u00fcnter Grass\u2019<\/a>: <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=books&#038;keywords=g%C3%BCnter%20grass%20blechtrommel&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Die Blechtrommel<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (S. 490 &#8211; Sonderausgabe Sammlung Luchterhand 147 \u2013 13. Auflage 1979 \u2013 Hermann Luchterhand Verlag, Darmstadt und Neuwied).<\/p>\n<p>Oskar Matzerath, der kaschubische Trommler, d\u00fcrfte wohl eine der bekanntesten Romanfiguren der deutschen Nachkriegsliteratur sein. Und mit Romanen wie <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=3160\" target=\"_blank\">Martin Walsers Roman \u201eHalbzeit\u201c<\/a> (1960 erschienen) ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Blechtrommel\" target=\"_blank\">die Blechtrommel (1959)<\/a> eine Art \u201eMeilenstein\u201c der Literatur nach dem 2. Weltkrieg.<\/p>\n<p>Zusammen mit der Erz\u00e4hlung \u201eKatz und Maus\u201c und dem Roman \u201eHundejahre\u201c z\u00e4hlt <a href=\"http:\/\/de.scribd.com\/doc\/38615038\/ebook-german-deutsch-grass-gunter-die-blechtrommel\" target=\"_blank\">\u201eDie Blechtrommel\u201c<\/a> zur \u201eDanziger Trilogie\u201c, die G\u00fcnter Grass in einem Zusammenhang von Ereignissen, Figuren und Zeitumst\u00e4nden gestellt hat.<\/p>\n<p  style=\" margin: 12px auto 6px auto; font-family: Helvetica,Arial,Sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: 14px; line-height: normal; font-size-adjust: none; font-stretch: normal; -x-system-font: none; display: block;\">   <a title=\"View ( ebook - german - deutsch) grass, g\u00fcnter - die blechtrommel on Scribd\" href=\"http:\/\/www.scribd.com\/doc\/38615038\/ebook-german-deutsch-grass-gunter-die-blechtrommel\"  style=\"text-decoration: underline;\" >( ebook &#8211; german &#8211; deutsch) grass, g\u00fcnter &#8211; die blechtrommel<\/a> by   <a title=\"View Sternenfisch's profile on Scribd\" href=\"http:\/\/de.scribd.com\/Sternenfisch\"  style=\"text-decoration: underline;\" >Sternenfisch<\/a> <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"scribd_iframe_embed\" src=\"http:\/\/www.scribd.com\/embeds\/38615038\/content?start_page=1&#038;view_mode=scroll&#038;access_key=key-2bmsp8vq66xjlsm8iuyf\" data-auto-height=\"false\" data-aspect-ratio=\"0.706697459584296\" scrolling=\"no\" id=\"doc_67613\" width=\"540\" height=\"720\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wollte kein Verlag den Roman ver\u00f6ffentlicht. Und als der dann erschien, l\u00f6ste er in der Kritik kontroverse Diskussionen aus. So verweigerte Bremens Senat dem Autor den von einer unabh\u00e4ngigen Jury zugesprochenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bremer_Literaturpreis\" target=\"_blank\">Bremer Literaturpreis<\/a> 1960. Aus heutige Sicht wenig verst\u00e4ndlich. Der Roman verhalf immerhin der bis dahin im Ausland wenig beachteten deutschen Nachkriegsliteratur auch \u00fcber die Grenzen hinweg zu Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>In diesen Tagen habe ich den Roman wiedergelesen und mich erneut an der \u00fcberbrodelnden Fabulierlust des Autors erfreut. Wer kennt sie nicht, die vier R\u00f6cke der Gro\u00dfmutter, mit denen der Roman beginnt, wie Oskar, wenn immer wieder die Leute versucht sind, ihm die zum 3. Geburtstag geschenkte Blechtrommel zu entrei\u00dfen, alles Glas zersingt \u2013 selbst die Brillengl\u00e4ser der Lehrerin zum Schulbeginn. Und dann trommelt Oskar unter der Trib\u00fcne und bringt der Aufmarsch der Nationalsozialisten durcheinander. Bekannt d\u00fcrfte auch die \u201aKarfreitagskost\u2019 sein, Aale, die mit Hilfe eines Pferdekopfes aus der Ostsee gefischt wurden und am Ende Oskars Mutter das Leben kosten. Der Kampf um die polnische Post und die Erschie\u00dfung des Onkel Jan Bronski. Das Brausepulver, wie es zu einem erotisch gef\u00e4rbten Abenteuer zwischen Oskar und Maria Truczinski wird. Dann versucht Oskar der Jesus-Figur in der <a href=\"http:\/\/www.mynetcologne.de\/~nc-althoffl2\/Memoiren\/Herz-Jesu.htm\" target=\"_blank\">Herz-Jesu-Kirche<\/a> das Trommeln beizubringen. Und wie Oskar indirekt den Tod seiner Mutter und seines Onkels verursacht, so bewirkt er auch den Tod seines vermutlichen Vaters, Alfred Matzerath. W\u00e4hrend das erste und zweite Buch des Romans in Danzig vor und w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs spielt, so spielt das 3. Buch in D\u00fcsseldorf. Hier finden wir Oskar Matzerath in der Nachkriegszeit u.a. als Trommler der Jazz-Band \u201eThe Rhine River Three\u201c in dem Lokal \u201eZwiebelkeller\u201c wieder, dort wo durch das Zerschneiden von Zwiebeln die Besucher dazu gebracht werden sollen, ihren pers\u00f6nlichen Problemen Ausdruck zu verleihen. Kurz gesagt, im ganzen Lokal wird geweint.<\/p>\n<p>Siehe auch meinen Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6951\" target=\"_blank\">Oh, Ohr, geschwungen sch\u00f6n &#8230;<\/a><\/p>\n<p><em>\u201eMit seinem &#8230; Roman (Die Blechtrommel) hat sich Grass einen Anspruch darauf erworben, entweder als satanisches \u00c4rgernis verschrien oder aber als Prosaschriftsteller ersten Ranges ger\u00fchmt zu werden. Unserem literarischen Schrebergarten, m\u00f6gen seine Rabatten sich biedermeierlich oder avanciert-<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tachismus\" target=\"_blank\">tachistisch<\/a> geben, zeigt er, was eine Harke ist. Dieser Mann ist ein St\u00f6renfried, ein Hai im Sardinent\u00fcmpel, ein wilder Einzelg\u00e4nger in unserer domestizierten Literatur &#8230;\u201c<\/em> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Magnus_Enzensberger\" target=\"_blank\">H.M. Enzensberger<\/a><\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlich bekannt, dass der Roman viele autobiografische Bez\u00fcge zum Autoren, G\u00fcnter Grass, hat. <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2008\/46\/Danzig-neu\" target=\"_blank\">Oskars Heimat Danzig<\/a> ist nat\u00fcrlich auch die Heimat von G\u00fcnter Grass gewesen \u2013 bis hin zum gemeinsamen Geburtshaus der beiden im <a href=\"http:\/\/pl.wikipedia.org\/wiki\/Labesweg\" target=\"_blank\">Labesweg<\/a> 13 in Danzig-Langfuhr. Dort <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/staedte\/gdansk-wo-oskar-trommelte-a-500130.html\" target=\"_blank\">wo Oskar trommelte<\/a>, spielte auch der Autor der Blechtrommel in seiner Kindheit. Das Haus mit der Nummer 13 liegt dort an der Hertastra\u00dfe: <a href=\"http:\/\/www.danzig.org\/Gallery-img_id=9414-Labesweg--Danzig-Langfuhr.html\" target=\"_blank\"><em>Wilhelm Gra\u00df Kfm.<\/em><\/a> <\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/danzig_labesweg.jpg\" alt=\"Danzig-Langfuhr, Labesweg 13\" title=\"Danzig-Langfuhr, Labesweg 13\" \/><\/p>\n<p>L\u00e4ngst wurde aus Danzig Gda\u0144sk, aus dem Stadtteil Langfuhr Wreszcz und die Stra\u00dfe Labesweg zur <a href=\"http:\/\/danzig.at\/index.php?id=52,330,0,0,1,0\" target=\"_blank\">Ulica Lelewela<\/a>, genauer: ul. Joachima Lelewela (Fotos von einer Bildungsreise siehe unter <a href=\"http:\/\/www.fo-net.de\/Fortbildung\/Bausteine_Deutsch_Fachgymnasiu\/Fortbildungsoffensive_2007_08\/Fotos_der_Danzig-Fahrt_II___Gu\/fotos_der_danzig-fahrt_ii___gu.html\" target=\"_blank\">fo-net.de<\/a>)<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"540\" height=\"280\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" src=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?q=gdansk+Ulica+Lelewela+13&amp;layer=c&amp;sll=54.383491,18.611919&amp;cbp=13,185.48,,0,5.87&amp;cbll=54.383528,18.61198&amp;gl=de&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=Joachima+Lelewela+13,+Gda%C5%84sk,+pomorskie,+Polen&amp;t=h&amp;panoid=ooE3POEIO9gPbC8dpGoSqA&amp;source=embed&amp;ll=54.379483,18.611956&amp;spn=0.013997,0.046349&amp;z=14&amp;output=svembed\"><\/iframe><br \/>\nDanzig-Langfuhr, Labesweg 13 (Gdansk, Ulica Joachima Lelewela 13)<br \/>\n<small><a href=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?q=gdansk+Ulica+Lelewela+13&amp;layer=c&amp;sll=54.383491,18.611919&amp;cbp=13,185.48,,0,5.87&amp;cbll=54.383528,18.61198&amp;gl=de&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=Joachima+Lelewela+13,+Gda%C5%84sk,+pomorskie,+Polen&amp;t=h&amp;panoid=ooE3POEIO9gPbC8dpGoSqA&amp;source=embed&amp;ll=54.379483,18.611956&amp;spn=0.013997,0.046349&amp;z=14\" style=\"color:#0000FF;text-align:left\">Gr\u00f6\u00dfere Kartenansicht<\/a><\/small><\/p>\n<p>Im dritten Buch des Romans, das in D\u00fcsseldorf spielt, sucht sich Oskar eine eigene Wohnung und findet ein Zimmer als Untermieter bei den Eheleuten Zeidler in der J\u00fclicher Stra\u00dfe 7, wo er den Musiker Klepp kennen lernt \u2013 und auch das n\u00e4chtliche Abenteuer mit der Krankenschwester Dorothea erlebt. Auch diese Adresse gibt es. Ob sie mit der im Roman \u00fcbereinstimmt, vermag ich nicht zu sagen. Es fehlt heute der Hof, wo sich bei Grass Anfang der 50er Jahre das Sargmagazin befand:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"540\" height=\"280\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" src=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?q=D%C3%BCsseldorf,+J%C3%BClicher+Stra%C3%9Fe+7&amp;layer=c&amp;sll=51.242285,6.783526&amp;cbp=13,194.26,,0,-13.71&amp;cbll=51.242459,6.783449&amp;gl=de&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=J%C3%BClicher+Stra%C3%9Fe+7,+40477+D%C3%BCsseldorf,+Nordrhein-Westfalen&amp;t=h&amp;panoid=7CdymfTAHscoUpfAG5j_vQ&amp;source=embed&amp;ll=51.238142,6.783457&amp;spn=0.015046,0.046349&amp;z=14&amp;output=svembed\"><\/iframe><br \/>\nD\u00fcsseldorf, J\u00fclicher Stra\u00dfe 7<br \/>\n<small><a href=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?q=D%C3%BCsseldorf,+J%C3%BClicher+Stra%C3%9Fe+7&amp;layer=c&amp;sll=51.242285,6.783526&amp;cbp=13,194.26,,0,-13.71&amp;cbll=51.242459,6.783449&amp;gl=de&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=J%C3%BClicher+Stra%C3%9Fe+7,+40477+D%C3%BCsseldorf,+Nordrhein-Westfalen&amp;t=h&amp;panoid=7CdymfTAHscoUpfAG5j_vQ&amp;source=embed&amp;ll=51.238142,6.783457&amp;spn=0.015046,0.046349&amp;z=14\" style=\"color:#0000FF;text-align:left\">Gr\u00f6\u00dfere Kartenansicht<\/a><\/small><\/p>\n<p><em>Von den vier Adressen, die mir die freundlichen Leutchen in der Studentenvertretung der Akademie \u00fcberlassen hatten, gab ich der Adresse: Zeidler, J\u00fclicher Stra\u00dfe 7, den Vorrang, weil ich es von dort nah zur Kunstakademie hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>Anfang Mai, es war hei\u00df, dunstig und niederrheinisch, machte ich mich mit gen\u00fcgend Bargeld versehen auf den Weg. Maria hatte mir meinen Anzug gerichtet, ich sah manierlich aus. Jenes Haus, in dessen dritter Etage Zeidler eine Dreizimmerwohnung bewohnte, stand in br\u00f6ckelndem Putz hinter einer staubigen Kastanie. Da die J\u00fclicher Stra\u00dfe zur guten H\u00e4lfte aus Tr\u00fcmmern bestand, konnte man schlecht von Nachbarh\u00e4usern und dem Haus gegen\u00fcber sprechen. Links ein mit verrosteten T-Tr\u00e4gern durchwachsener, Gr\u00fcnzeug und Butterblumen treibender Berg die einstige Existenz eines vierst\u00f6ckigen Geb\u00e4udes vermuten, das sich dem Zeidlerschen Haus angelehnt hatte. Rechts war es gelungen, ein teilzerst\u00f6rtes Grundst\u00fcck bis zum zweiten Stockwerk wieder instandzusetzen. Doch mochten die Mittel nicht ganz gereicht haben. Es galt noch die l\u00fcckenhafte, vielfach gesprungene Fassade aus poliertem schwarz-schwedischen Granit auszubessern. Der Inschrift \u201eBegr\u00e4bnisinstitut Schornemann\u201c fehlten mehrere, ich wei\u00df nicht mehr welche, Buchstaben. Gl\u00fccklicherweise waren die beiden, keilf\u00f6rmig vertieften, den immer noch spiegelglatten Granit zeichnenden Palmenzweige unbesch\u00e4digt geblieben, konnten so mithelfen, dem l\u00e4dierten Gesch\u00e4ft eine halbwegs piet\u00e4tvolle Ansicht zu geben.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Sargmagazin dieses schon seit f\u00fcnfundsiebenzig Jahren bestehenden Unternehmens befand sich auf dem Hof und sollte mir von meinem Zimmer, das nach hinten sah, oft genug betrachtenswert sein. Den Arbeitern sah ich zu, die bei gutem Wetter einige S\u00e4rge aus dem Schuppen rollten, auf Holzb\u00f6cke stellten, um die Politur dieser Geh\u00e4use, die sich alle auf mit wohlvertraute Art zum Fu\u00dfende hin verj\u00fcngten, mit allerlei Mittelchen aufzufrischen.<\/em><\/p>\n<p><em>Zeidler selbst machte auf, nachdem ich geklingelt hatte. Er stand klein, untersetzt, kurzatmig, iglig in der T\u00fcr, trug eine dickglasige Brille, verbarg die untere Gesichtsh\u00e4lfte hinter flockigem Seifenschaum, hielt sich rechts den Pinsel gegen die Wange, schien ein Alkoholiker und, der Sprache nach, ein Westfale zu sein.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWenn Ihnen das Zimmer nich gef\u00e4llt, sagen Sie es gleich. Ich bin beim Rasieren und mu\u00df mir noch die F\u00fc\u00dfe waschen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Zeidler liebte keine Umst\u00e4nde. Ich sah mir das Zimmer an. Es konnte mir nicht gefallen, weil es ein au\u00dfer Betrieb gesetztes, zur guten H\u00e4lfte t\u00fcrkis-gr\u00fcn gekacheltes, ansonsten unruhig tapeziertes Badezimmer war. Dennoch sagte ich nicht, das Zimmer k\u00f6nne mir nicht gefallen. Ohne R\u00fccksicht auf Zeidlers trocknenden Seifenschaum, auf seine ungewaschenen F\u00fc\u00dfe, beklopfte ich die Badewanne, wollte wissen, ob es nicht ohne Wanne gehe, die habe doch ohnehin kein Abflussrohr.<\/em><\/p>\n<p><em>L\u00e4chelnd sch\u00fcttelte Zeidler seinen grauen Igelkopf, versuchte vergeblich mit dem Rasierpinsel Schaum zu schlagen. Das war seine Antwort, und so erkl\u00e4rte ich mich bereit, das Zimmer mit Badewanne f\u00fcr monatlich vierzig Mark zu mieten.<\/em><br \/>\n(S. 395 f.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was soll ich noch sagen: Unter Gl\u00fchbirnen geboren, im Alter von drei Jahren vors\u00e4tzlich das Wachstum unterbrochen, Trommel bekommen, Glas zersungen, Vanille gerochen, in Kirschen gehustet, Luzie gef\u00fcttert, Ameisen beobachtet, zum Wachstum entschlossen, Trommel begraben, nach Westen gefahren, den Osten verloren, Steinmetz gelernt und Modell gestanden, zur Trommel zur\u00fcck und Beton besichtigt, Geld verdient und &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=6980\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">G\u00fcnter Grass: Die Blechtrommel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6980"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6980\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}