{"id":7069,"date":"2013-03-17T07:43:03","date_gmt":"2013-03-17T06:43:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7069"},"modified":"2013-03-15T10:53:29","modified_gmt":"2013-03-15T09:53:29","slug":"heute-ruhetag-33-kafka-der-sex-der-proces","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7069","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (33): Kafka &#038; der Sex (Der Proce\u00df)"},"content":{"rendered":"<p>In <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=kafka\" target=\"_blank\">Kafkas<\/a> <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=5432\" target=\"_blank\">Der Prozess<\/a> (Titel der Kritischen Ausgabe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Process\" target=\"_blank\">Der Proce\u00df<\/a>) gibt es eine pikant erotische Szene, deren \u201aEnde\u2019 zwar nicht in Worte gefasst, die aber trotz \u201aAusblendung\u2019 zu erahnen ist. Kafka und Sex? Ja! Kafka gilt als Stereotyp des \u201eJunggesellen der Weltliteratur\u201c. Seine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Kafka#Beziehungen\" target=\"_blank\">Beziehungen zu Frauen<\/a> waren immer gepr\u00e4gt von seinem inneren Konflikt, entweder eine eheliche Bindung einzugehen oder sich in selbstgew\u00e4hlter Askese allein dem Schreiben zu widmen. Als er an Lungentuberkulose erkrankte, begriff er die Krankheit <em>\u201ewohl weniger als medizinisches Hindernis der Ehe, umso mehr aber als Zeichen, als Imperativ, nicht mehr heiraten zu sollen\u201c<\/em>. (siehe auch das Video zu: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1242\" target=\"_blank\">125 Jahre Franz Kafka<\/a>).<\/p>\n<p>Ich habe im Netz Kafkas Roman als PDF-Datei in der <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=books&#038;keywords=kafka%20kritische%20ausgabe&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Kritischen Ausgabe<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (J\u00fcrgen Born, Gerhard Neumann, Malcolm Pasley und Jost Schillemeit (Hrsg.): Kritische Ausgabe. Schriften, Tageb\u00fccher, Briefe. Frankfurt am Main: S. Fischer 1982 ff.; auch bezeichnet als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Process#Kritische_Kafka-Ausgabe\" target=\"_blank\">\u201eKritische Kafka-Ausgabe\u201c (KKA)<\/a>) gefunden, den ich hiermit (erneut) vorstellen und zum Lesen empfehlen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Der wesentliche Unterschied gegen\u00fcber der von Kafkas Freund, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Brod\" target=\"_blank\">Max Brod<\/a>, 1925 herausgegebenen Ausgabe (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Process#Ausgabe_von_Brod\" target=\"_blank\">Brod-Ausgabe<\/a>) liegt in der leicht modifizierte Kapitelreihenfolge und in der Rechtschreibung (<em>Proce\u00df<\/em> statt Prozess bzw. Proze\u00df \u2013 <em>Schoo\u00df<\/em> statt Scho\u00df usw.). Man sollte wissen, dass dieser Roman erst nach Kafkas Tod ver\u00f6ffentlicht wurde und eine Revision durch den Autor mithin nicht erfolgte. Au\u00dferdem entstand der Roman <em>\u201ein nicht-linearer Abfolge. Es l\u00e4sst sich nachweisen, dass Kafka zuerst das Eingangs- und das (von Brod an diese Stelle sortierte) Schlusskapitel niederschrieb und weiterhin an einzelnen Kapiteln parallel arbeitete. Kafka schrieb den Process in Hefte, die er auch f\u00fcr die Niederschrift anderer Texte verwendete.\u201c<\/em> Zudem ist \u201eDer Proce\u00df\u201c unvollendet.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Process#Der_Onkel_.2F_Leni\" target=\"_blank\"><em><strong>Der Onkel &#8211; Leni<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><em>Wie sie auf meinem Schoo\u00df sitzt, als sei es ihr einzig richtiger Platz! \u201eNein\u201c, antwortete Leni und sch\u00fcttelte langsam den Kopf, \u201edann kann ich Ihnen nicht helfen. Aber Sie wollen ja meine Hilfe gar nicht, es liegt Ihnen nichts daran, Sie sind eigensinnig und lassen sich nicht \u00fcberzeugen.\u201c \u201eHaben Sie eine Geliebte?\u201c fragte sie nach einem Weilchen. \u201eNein\u201c, sagte K. \u201eOh doch\u201c, sagte sie.\u201eJa, wirklich\u201c, sagte K., \u201edenken Sie nur, ich habe sie verleugnet und trage doch sogar ihre Photographie bei mir.\u201c Auf ihre Bitten zeigte er ihr eine Photographie Elsas, zusammengekr\u00fcmmt auf seinem Schoo\u00df studierte sie das Bild. Es war eine Momentphotographie, Elsa war nach einem Wirbeltanz aufgenommen, wie sie ihn indem Weinlokal gern tanzte, ihr Rock flog noch im Faltenwurf der Drehung um sie her, die H\u00e4nde hatte sie auf die H\u00fcften gelegt und sah mit straffem Hals lachend zur Seite; wem ihr Lachen galt, konnte man aus dem Bild nicht erkennen. \u201eSie ist stark geschn\u00fcrt\u201c, sagte Leni und zeigte auf die Stelle, wo dies ihrer Meinung nach zusehen war. \u201eSie gef\u00e4llt mir nicht, sie ist unbeholfen und roh. Vielleicht ist sie aber Ihnen gegen\u00fcber sanft und freundlich, darauf k\u00f6nnte man nach dem Bilde schlie\u00dfen. So gro\u00dfe starke M\u00e4dchen wissen oft nichts anderes als sanft und freundlich zu sein. W\u00fcrde sie sich aber f\u00fcr Sie opfern k\u00f6nnen?\u201c \u201eNein\u201c, sagte K., \u201esie ist weder sanft und freundlich noch w\u00fcrde sie sich f\u00fcr mich opfern k\u00f6nnen. Auch habe ich bisher weder das eine noch das andere von ihr verlangt. Ja ich habe noch nicht einmal das Bild so genau angesehn, wie Sie,\u201c \u201eEs liegt Ihnen also gar nicht viel an ihr\u201c, sagte Leni, \u201esie ist also gar nicht Ihre Geliebte.\u201c \u201eDoch\u201c, sagte K. \u201eIch nehme mein Wort nicht zur\u00fcck.\u201c \u201eMag sie also jetzt Ihre Geliebte sein\u201c, sagte Leni, \u201eSie w\u00fcrden sie aber nicht sehr vermissen, wenn Sie sie verlieren oder f\u00fcr jemand andern z. B. f\u00fcr mich eintauschen w\u00fcrden.\u201c \u201eGewi\u00df\u201c, sagte K. l\u00e4chelnd, \u201edas w\u00e4re denkbar, aber sie hat einen gro\u00dfen Vorteil Ihnen gegen\u00fcber, sie wei\u00df nichts von meinem Proce\u00df, und selbst wenn sie etwas davon w\u00fc\u00dfte, w\u00fcrde sie nicht daran denken. Sie w\u00fcrde mich nicht zur Nachgiebigkeit zu \u00fcberreden suchen.\u201c \u201eDas ist kein Vorteil\u201c, sagte Leni. \u201eWenn sie keine sonstigen Vorteile hat, verliere ich nicht den Mut. Hat sie irgendeinen k\u00f6rperlichen Fehler?\u201c \u201eEinen k\u00f6rperlichen Fehler?\u201c fragte K. \u201eJa\u201c, sagte Leni, \u201eich habe n\u00e4mlich einen solchen kleinen Fehler, sehen Sie.\u201c Sie spannte den Mittel- und Ringfinger ihrer rechten Hand auseinander, zwischen denen das Verbindungsh\u00e4utchen fast bis zum obersten Gelenk der kurzen Finger reichte. K. merkte im Dunkel nicht gleich, was sie ihm zeigen wollte, sie f\u00fchrte deshalb seine Hand hin, damit er es abtaste. \u201eWas f\u00fcr ein Naturspiel\u201c, sagte K. und f\u00fcgte, als er die ganze Hand \u00fcberblickt hatte, hinzu: \u201eWas f\u00fcr eine h\u00fcbsche Kralle!\u201c Mit einer Art Stolz sah Leni zu, wie K. staunend immer wieder ihre zwei Finger auseinanderzog und zusammenlegte, bis er sie schlie\u00dflich fl\u00fcchtig k\u00fc\u00dfte und loslie\u00df. \u201eOh!\u201c rief sie aber sofort, \u201eSie haben mich gek\u00fc\u00dft!\u201c Eilig, mitoffenem Mund erkletterte sie mit den Knien seinen Schoo\u00df, K. sah fast best\u00fcrzt zu ihr auf, jetzt da sie ihm so nahe war gieng ein bitterer aufreizender Geruch wie von Pfeffer von ihr aus, sie nahm seinen Kopf an sich, beugte sich \u00fcber ihn hinweg und bi\u00df und k\u00fc\u00dfte seinen Hals, bi\u00df selbst in seine Haare. \u201eSie haben mich eingetauscht\u201c, rief sie von Zeit zu Zeit, \u201esehen Sie nun haben Sie mich doch eingetauscht!\u201c Da glitt ihr Knie aus, mit einem kleinen Schrei fiel sie fast auf den Teppich, K. umfa\u00dfte sie, um sie noch zu halten, und wurde zu ihr hinabgezogen. \u201eJetzt geh\u00f6rst Du mir\u201c, sagte sie.<\/em><br \/>\n(S. 143 ff.)<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/kafka_autograph.gif\" alt=\"Autograph: Franz Kafka\" title=\"Autograph: Franz Kafka\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Kafka\"><strong>Franz Kafka<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/awah.at\/book\/Kafka,%20Franz%20-%20Der%20Process%20-%20Kritische%20Ausgabe.pdf\" target=\"_blank\"><strong>Der Proce\u00df<\/strong> (in der kritischen Ausgabe als PDF)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kafkas Der Prozess (Titel der Kritischen Ausgabe: Der Proce\u00df) gibt es eine pikant erotische Szene, deren \u201aEnde\u2019 zwar nicht in Worte gefasst, die aber trotz \u201aAusblendung\u2019 zu erahnen ist. Kafka und Sex? Ja! Kafka gilt als Stereotyp des \u201eJunggesellen der Weltliteratur\u201c. 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