{"id":7115,"date":"2013-03-25T14:58:22","date_gmt":"2013-03-25T13:58:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7115"},"modified":"2013-03-25T15:01:21","modified_gmt":"2013-03-25T14:01:21","slug":"jean-paul-dr-katzenbergers-badereise-zum-zweiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7115","title":{"rendered":"Jean Paul: Dr. Katzenbergers Badereise (zum Zweiten)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7111\" target=\"_blank\">Meiner gestrigen Literaturempfehlung<\/a> bin ich selbst gefolgt und habe mir in einigen Stunden von <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=books&#038;keywords=jean%20paul&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong><strong>Jean Paul<\/strong><\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, dessen <a href=\"http:\/\/www.jean-paul-2013.de\/\" target=\"_blank\">250. Geburtstag<\/a> wir in diesem Jahr feiern d\u00fcrfen, die Erz\u00e4hlung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dr._Katzenbergers_Badereise\" target=\"_blank\">Dr. Katzenbergers Badereise<\/a> \u201aeinverleibt\u2019. Es ist ein kleines Reclam-B\u00e4ndchen aus dem Jahr 1966, das ich vor fast genau 35 Jahren (also 1978) zum ersten Mal gelesen hatte, mit gewissen Schwierigkeiten, wie ich heute noch glaube. Denn Jean Paul <em>\u201eerwarb sich ein reiches Wissen \u2013 doch nicht eigentlich zur F\u00f6rderung seiner Gelehrsamkeit und seiner Bildung, sondern seiner Satiren, f\u00fcr die er hier Stoffe, Bilder, Gleichnisse fand. Er sammelte seine Lesefr\u00fcchte in vielen B\u00e4nden und erschwert manchmal den Zugang zu seinen Werken durch ein zu weit hergeholtes Material\u201c<\/em>, wie <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=7dwPAAAAMAAJ&#038;q=literaturgeschichte+otto+mann\" target=\"_blank\">Otto Mann<\/a> in einem Nachwort zu der Erz\u00e4hlung schreibt, die immerhin \u00fcber 200 Jahre alt ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Paul\" target=\"_blank\">Jean Paul<\/a> war ein Zeitgenosse Goethes und Schillers, ist aber gegen\u00fcber diesen beiden doch ziemlich dem Vergessen anheimgefallen. Ein Grund ist sicherlich dieser etwas \u201aerschwerte\u2019 Zugang zu ihm. Und Jean Paul ist herrlich altmodisch. Aber wer sich einmal in ihn vertieft, sich in ihn eingelesen hat, wird mit k\u00f6stlichen Textperlen beschenkt, die heute so nirgends zu finden sind. <\/p>\n<p>Nun es geht um eine so genannte Badereise eines Dr. Katzenberger nach dem Badeort Maulbronn. Eine Lustreise soll es eigentlich nicht sein, eher eine Gesch\u00e4ftsreise, denn er gedenkt jenen Brunnen-Arzt Strykius betr\u00e4chtlich auszupr\u00fcgeln, der seine drei Werke \u00fcber die Blutmachung, die Missgeburten und die Wasserscheu als Rezensent geschm\u00e4ht und ihn somit in seiner Ehre angegriffen hat. Seine Tochter Theoda reist mit ihm, da diese gedenkt, in Maulbronn den B\u00fchnen-Dichter Theudobach zu begegnen.<\/p>\n<p>Den Reisenden schlie\u00dft sich ein Herr von Nie\u00df an, der sich dem Leser schon sehr bald, nicht aber dem verehrten Fr\u00e4ulein Theoda, als eben jener B\u00fchnen-Dichter zu erkennen gibt. Trotz vielerlei Verwicklung und mancherlei Liebeswirren finden Theudobach von Nie\u00df und Theoda dann doch nicht zusammen, denn es tritt ein weiterer Herr Theurobach auf, ein Hauptmann und Verfasser mathematischer Abhandlungen. Dieser samt dem T\u00f6chterlein des Dr. Katzenberger werden dann ein Paar:<\/p>\n<p>[&#8230;] <em>er hielt sie an der Hand fest, blickte sie an, wollte etwas sagen, lie\u00df aber die Hand fahren und rief: \u00bbAch Gott, ich kann Sie nur nicht weinen sehen.\u00ab Sie eilte in einen Felsen-Talweg hinein, er folgte ihr unwillk\u00fcrlich nach \u2013 da fand er sie mit dem Kopfe an eine Felsenzacke gelehnt; sie winkte ihn weg und sagte leise: \u00bbO la\u00dft mich weinen, es fehlt mir nichts, es ist nur die dumme Musik.\u00ab \u2013 \u00bbIch h\u00f6re keine (sagte der Krieger au\u00dfer sich und ri\u00df sie vom Felsen an sein Herz) \u2013 O du himmlisches, gutes Wesen, bleib&#8216; an meiner Brust \u2013 ich meine es redlich, mu\u00df ich von dir lassen, so mu\u00df ich zugrunde gehen.\u00ab Sie schauerte in seinen Armen, das weinende Angesicht hing wie aufgel\u00f6set seitw\u00e4rts herab, die T\u00f6ne drangen zu heftig ins gespaltene Herz, und seine Worte noch heftiger. \u00bbTheoda, so sagst du nichts zu mir?\u00ab \u2013 \u00bbAch\u00ab, antwortete sie, \u00bbwas hab&#8216; ich denn zu sagen?\u00ab und bedeckte das err\u00f6tende Gesicht mit seiner Brust. \u2013 Da war der ewige Bund des Lebens zwischen zwei festen und reinen Herzen geschlossen.<\/em><\/p>\n<p>aus <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3192\/55\" target=\"_blank\">Kapitel 40)<\/a><\/p>\n<p>Die Hauptperson ist aber jener Dr. Katzenberger, ein Liebhaber von Kuriosit\u00e4ten, besonders von Missgeburten, die er in einer in Spiritus eingelegten Sammlung sein eigen nennt. Und so dreht sich f\u00fcr ihn alles um seine medizinische Wissenschaft. Von Liebesn\u00f6ten h\u00e4lt er nicht viel:<\/p>\n<p><em>Auch er habe sonst als Unverheirateter an Heiraten gedacht und nach der damaligen Mode angebetet \u2013 was man zu jener Zeit Adorieren gehei\u00dfen \u2013; doch sei einem Manne, der pl\u00f6tzlich aus dem strengen mathematisch-anatomischen Heerlager ins Kinderg\u00e4rtchen des Verliebens hinein gemu\u00dft, damal zumute gewesen wie einem Lachse, der im Lenze aus seinem Salz-Ozean in s\u00fc\u00dfe Fl\u00fcsse schwimmen mu\u00df, um zu laichen. Noch dazu w\u00e4re zu seiner Zeit eine bessere Zeit gewesen \u2013 damals habe man aus der brennenden Pfeife der Liebe polizeim\u00e4\u00dfig nie ohne Pfeifendeckel geraucht \u2013 man habe von der sogenannten Liebe nirgend in Kutschen und Kellern gesprochen, sondern von Haushalten, von Sich-Einrichten und Ansetzen. So gesteh&#8216; er z. B. seinerseits, da\u00df er aus Scham nicht gewagt, seine Werbung bei seiner durch die ausgesognen Maik\u00e4fer entf\u00fchrten Braut anders einzukleiden als in die wahrhaftige Wendung: n\u00e4chstens gedenke er sich als Geburthelfer zu setzen in Pira, wisse aber leider, da\u00df junge M\u00e4nner selten gerufen w\u00fcrden und schwache Praxis h\u00e4tten, so lange sie unverehlicht w\u00e4ren. \u2013 \u00bbFreilich\u00ab, setzte er hinzu, \u00bbwar ich damals h\u00f6lzern in der Liebe, und erst durch die Jahre wird man aus weichem Holze ein hartes, das nachh\u00e4lt.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbBei der Trennung von Ihrer Geliebten mag Ihnen doch im Mondscheine das Herz schwer geworden sein?\u00ab sagte der Edelmann. \u00bbZwei Pfund \u2013 also halb so schwer als meine Haut \u2013 ist meines wie Ihres bei Mond- und bei Sonnenlicht schwer\u00ab, versetzte der Doktor. \u00bbSie kamen sonach \u00fcber die empfindsam Epoche, wo alle jungen Leute weinten, leichter hinweg?\u00ab fragte Nie\u00df. \u00bbIch hoffe\u00ab, sagt&#8216; er, \u00bbich bin noch darin, da ich scharf verdaue, und ich vergie\u00dfe t\u00e4glich so viele stille Tr\u00e4nen als irgend eine edle Seele, n\u00e4mlich vier Unzen den Tag; nur aber ungesehen (denn die Magenhaut ist mein Schnupftuch); unaufh\u00f6rlich flie\u00dfen sie ja bei heilen guten Menschen in den knochigen Nasenkanal und rinnen durch den Schlund in den Magen und erweichen dadrunten manches Herz, das man gek\u00e4uet, und das zum Verdauen und Nachkochen da liegt.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>aus <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3192\/14\" target=\"_blank\">(Kapitel 11)<\/a><\/p>\n<p>Es ist schon etwas ekelig, wie sich der gute Dr. Katzenberger \u00e4u\u00dfert. In Bad Heilbronn angekommen, interessiert ihn nat\u00fcrlich, bei welchen Krankheiten eine dortige Badekur Linderung verspricht:<\/p>\n<p><em>Der Doktor hatte n\u00e4mlich bei der Suppe seinen Wirt gebeten, ihn mit den verschiedenen Krankheiten bekannt zu machen, welche gerade jetzt hier vertrunken und verbadet w\u00fcrden. Strykius wu\u00dfte, als ein leise auftretender Mann, durchaus nicht, wie er auf deutsch (zumal da au\u00dfer dem eignen Namen wenig Latinit\u00e4t in ihm war) zugleich die Ohren seines Gastes bewirten, und die der Nachbarinnen beschirmen sollte. \u00bbBeim Essen\u00ab, sagte eine \u00e4ltliche Landjunkerin, \u00bbh\u00f6rte sich dergleichen sonst nicht gut.\u00ab \u2013 \u00bbWenn Sie es des Ekels wegen meinen\u00ab, versetzte der Doktor, \u00bbso biet&#8216; ich mich an, Ihnen, noch ehe wir vom Tisch aufstehen, ins Gesicht zu beweisen, da\u00df es, rein genommen, gar keine ekelhafte Gegenst\u00e4nde gebe; ich will mit Ihnen Scherzes halber blo\u00df einige der ekelhaften durchgehen und dann Ihre Empfindung fragen.\u00ab Nach einem allgemeinen, mit weiblichen Flachh\u00e4nden unternommenen Niederschlagen dieser Untersuchung stand er ab davon.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbGut\u00ab, sagt&#8216; er, \u00bbaber dies sei mir erlaubt zu sagen, da\u00df unser Geist sehr gro\u00df ist und sehr geistig und unsterblich und immateriell. Denn w\u00e4re dieser Umstand nicht, so wartete die Materie vor, und es w\u00e4re nicht denklich; denn wo ist nur die geringste Notwendigkeit, da\u00df bei Traurigkeit sich gerade die Tr\u00e4nendr\u00fcse, bei Zorn die Gallendr\u00fcse ergie\u00dfen? Wo ist das absolute Band zwischen geistigem Sch\u00e4men und den Adernklappen, die dazu das Blut auf den Wangen eind\u00e4mmen? Und so alle Absonderungen hindurch, die den unsterblichen Geist in seinen Taten hienieden teils spornen, teils z\u00e4umen? In meiner Jugend, wo noch der Dichtergeist mich besa\u00df und nach seiner Pfeife tanzen lie\u00df, da erinner&#8216; ich mich noch wohl, da\u00df ich einmal eine ideale Welt gebauet, wo die Natur den K\u00f6rper ganz entgegengesetzt mit der Seele verbunden h\u00e4tte. Es war nach der Auferstehung (so dichtete ich); ich stieg in gr\u00f6\u00dfter Freude aus dem Grabe, aber die Freude, statt da\u00df sie hienieden die Haut gelinde \u00f6ffnet, dr\u00fcckte sich droben bei mir und bei meinen Freunden durch Erbrechen aus. Da ich mich sch\u00e4mte wegen meiner Bl\u00f6\u00dfe, so wurde ich nicht rot, sondern sogenannt preu\u00dfisch Gr\u00fcn, wie ein Gr\u00fcnspecht. \u2013 Beim Zorn sonderten s\u00e4mtliche Auferstandne blo\u00df album graecum ab. \u2013 Bei den z\u00e4rtern Empfindungen der Liebe bekam man eine G\u00e4nsehaut und die Farbe von G\u00e4nse-Schwarz, was aber die Sachsen G\u00e4nse-Sauer nennen. \u2013 Jedes freundliche Wort war mit Gallergie\u00dfungen verkn\u00fcpft, jedes scharfe Nachdenken mit Schlucken und Niesen, geringe Freude mit G\u00e4hnen. \u2013 Bei einem r\u00fchrenden Abschied flo\u00df statt der Tr\u00e4nen viel Speichel. \u2013 Betr\u00fcbnis wirkte nicht wie bei uns auf verminderten Pulsschlag, sondern auf Wolf- und Ochsen-Hunger und Fieber-Durst, und ich sah viele Betr\u00fcbte Leichentrunk und Leichenessen zugleich einschlucken. \u2013 Die Furcht schmeckte mit feinem Wangenrot. \u2013 Und feurige, aber zarte Zuneigung der Ehegatten verriet sich, wie jetzt unser Grausen, mit Haarbergan, mit kaltem Schwei\u00df und L\u00e4hmung der Arme. \u2013 Ja, als &#8230;\u00ab<\/em><\/p>\n<p>aus <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3192\/33\" target=\"_blank\">(Kapitel 24)<\/a><\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/gutenb\/autoren\/bilder\/jeanpaul.jpg\" alt=\"Jean Paul\" title=\"Jean Paul\" \/><\/ul>\n<p>Es gibt vielerlei Gespr\u00e4chsstoff bei den Mahlzeiten. Und als Mediziner kann er von seinem Interesse nicht lassen, alles eben aus dieser, der medizinische Sicht, zu betrachten. Die Nahrungsaufnahme selbst wird hinreichend \u201azergliedert\u2019:<\/p>\n<p><em>Unter dem Essen lenkte der Doktor die Rede aufs Essen und merkte an, er wundre sich \u00fcber nichts mehr, als da\u00df man, bei der Seltenheit von Kadavern und vollends von lebendigen Zergliederungen, so wenig den f\u00fcr die Wissenschaft benutze, in dem man selber stecke, besonders im Sommer, wo tote faulen. \u00bbW\u00e4r&#8216; es Ihnen zuwider, Herr Mehlhorn, wenn ich jetzo z. B. den Genu\u00df der Speisen zugleich mit einem Genusse von anatomischen Wahrheiten oder Seelenspeisen begleitete?\u00ab \u2013 \u00bbMit tausend Wohlgefallen, teuerster Herr Doktor\u00ab, sagt&#8216; er, \u00bbsobald ich nur kapabel bin, Ihrer gelehrten Zunge zu folgen.\u00ab \u2013 \u00bbSie brauchen blo\u00df zu meinem Sprechen zu k\u00e4uen; n\u00e4mlich blo\u00df von der K\u00e4ufunktion will ich Ihnen einen kleinen wissenschaftlichen Abri\u00df geben, den Sie auf der Stelle gegen Ihre eigne, als gegen lebendiges Urbild, halten sollen. \u2013 Nun gut! \u2013 Sie k\u00e4uen jetzt; wissen Sie aber, da\u00df die Hebelgattung, nach welcher die K\u00e4umuskeln Ihre beiden Kiefern bewegen (eigentlich nur den untern), durchaus die schlechteste ist, n\u00e4mlich die sogenannte dritte, d. h. die Last oder der Bolus ist in der gr\u00f6\u00dften Entfernung vom Ruhepunkte des Hebels; daher k\u00f6nnen Sie mit Ihren Hundz\u00e4hnen keine Nu\u00df aufrei\u00dfen, obwohl mit den Weisheitz\u00e4hnen. Aber weiter! Indem Sie nun den Farsch da auf Ihrem Teller erblicken: so bekommt (bemerken Sie sich jetzt) die Parotis (hier ungef\u00e4hr liegend) so wie auch die Speicheldr\u00fcse des Unterkiefers Erektionen, und endlich gie\u00dft sie durch den stenonischen Gang dem Farsche den n\u00f6tigen Speichel zu, dessen Schaum Sie, wie jeder andere, blo\u00df den ausdehnenden Luftarten verdanken. Ich bitte Sie, lieber Zoller, fortzuk\u00e4uen, denn nun flie\u00dfet noch aus dem ductus nasalis und aus den Tr\u00e4nendr\u00fcsen alles nach, woraus Sie Hoffnung sch\u00f6pfen, so viel zu verdauen, als Sie hier verzehren. Nach diesem Seedienst kommt der Landdienst.\u00ab \u2013<\/em><\/p>\n<p><em>Hier lachte der Zoller \u00fcber die Ma\u00dfen, teils um h\u00f6flich zu erscheinen, teils das Mi\u00dfbehagen zu verhehlen, womit er unter diesem Privatissimum von Lehr-Kursus alles verschlang; \u2013 gleichwohl mu\u00dft&#8216; er fortfahren, zu genie\u00dfen. \u2013<\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbIch meine unter dem Landdienst dies: jetzt greift Ihr Trompetermuskel ein und treibt den Farsch unter die Z\u00e4hne \u2013 Ihre Zunge und Ihre Backen stehen ihm bei und wenden und schaufeln hin und her \u2013 ausbeugen kann der Farsch unm\u00f6glich \u2013 auswandern ebenso wenig, weil Sie ihn mit zwei h\u00e4utigen Klappen (Wangen im gemeinen Leben) und noch mit dem Ringmuskel oder Sphinkter des Mundes (dies ist nur Ihr erster Sphinkter, nicht Ihr letzter, damit korrespondierender, was sich hier nicht weiter zeigen l\u00e4\u00dft) auf das sch\u00e4rfste inhaftieren und einklammern \u2013 kurz der Farsch wird trefflich zu einem sogenannten Bissen, wie ich sehe, zugehobelt und eingefeuchtet. \u2013 Nun haben Sie nichts weiter zu tun (und ich bitte Sie um diese Gef\u00e4lligkeit), als den fertigen Bolus in die Rachenh\u00f6hle, in den Schlundkopf abzufahren. Hier aber h\u00f6rt die Allmacht Ihres Geistes, mein Umgelder, gleichsam an einem Grenzkordon auf, und es kommt nun nicht mehr auf jenes ebenso unerkl\u00e4rliche als erhabne Verm\u00f6gen der Freiheit (unser Unterschied von den Tieren) an, ob Sie den Farsch-Bissen hinunterschlucken wollen oder nicht (den Sie noch vor wenigen Sekunden auf den Teller speien konnten), sondern Sie m\u00fcssen, an die Sperrkette oder Trense Ihres Schlundes geheftet, ihn nun hinabschlingen. Jetzt kommt es auf meine g\u00fctige Zuh\u00f6rerschaft an, ob wir den Bissen des Herrn Zollers begleiten wollen auf seinen ersten Wegen, bis wir weiterkommen.\u00ab \u2013<\/em><\/p>\n<p><em>Mehlhorn, dem der Farsch so schmeckte wie Teufelsdreck, versetzte: \u00bbWie gern er seines Parts dergleichen vernehme, brauch&#8216; er wohl nicht zu beschw\u00f6ren; aber auf ihn allein komm&#8216; es freilich nicht an.\u00ab \u2013 \u00bbIch darf denn fortfahren?\u00ab sagte der Doktor. \u00bbVortrefflicher Herr\u00ab, versetzte eine \u00e4ltliche Dame, \u00bbIhr Diskurs ist gewi\u00df \u00fcber alles gelehrt, aber unter dem Essen macht er wie desperat.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>aus <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/3192\/52\" target=\"_blank\">(Kapitel 38)<\/a><\/p>\n<p>Nun, 2013 ist ein Jean Paul-Jahr \u2013 ein Jahr, um den <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2013\/13\/Jean-Paul-Jubilaeum-Oberfranken\" target=\"_blank\">Dichter aus dem Oberfr\u00e4nkischen<\/a> wieder zu entdecken. Ich w\u00fcrde es mir gern w\u00fcnschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meiner gestrigen Literaturempfehlung bin ich selbst gefolgt und habe mir in einigen Stunden von Jean Paul, dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern d\u00fcrfen, die Erz\u00e4hlung Dr. Katzenbergers Badereise \u201aeinverleibt\u2019. 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