{"id":7451,"date":"2013-06-19T07:01:19","date_gmt":"2013-06-19T06:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7451"},"modified":"2013-06-18T10:51:20","modified_gmt":"2013-06-18T09:51:20","slug":"jorg-magenau-martin-walser-%e2%80%93-eine-biografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7451","title":{"rendered":"J\u00f6rg Magenau: Martin Walser \u2013 eine Biografie"},"content":{"rendered":"<ul><em>\u201eWenn man von etwas nicht auch das Gegenteil sagt, sagt man nur die H\u00e4lfte.\u201c<\/em><br \/>\nMartin Walser: Verteidigung der Kindheit<\/ul>\n<ul><em>\u201eMan kann Menschen besser beurteilen nach dem, was sie verschweigen, als nach dem, was sie sagen.\u201c<\/em><br \/>\nMartin Walser: 1. Hauptsatz der \u201amenschlichen W\u00e4rmelehre\u2019\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%B6rg_Magenau\" target=\"_blank\">J\u00f6rg Magenaus<\/a> <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3499247720\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3499247720&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\" target=\"_blank\"> <strong>Martin Walser-Biographie<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3499247720\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, rororo 24772 \u2013 aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Oktober 2008) gew\u00e4hrt einen tiefen Einblick in das Schaffen eines der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit und untersucht dabei <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=martin+walser\" target=\"_blank\">Martin Walsers<\/a> <em>\u201espannungsvolles Verh\u00e4ltnis zur deutschen Geschichte und zur \u00d6ffentlichkeit. Sie erz\u00e4hlt von Wandlungen, Werk und Wirken, zeigt ihn als Gl\u00e4ubigen und Skeptiker, als heimatverbundenen Familienvater und als ewigen Reisenden, als Machtkritiker und als Freund der M\u00e4chtigen, als Lesenden und als Lobenden. Mit dem Portr\u00e4t des widerspr\u00fcchlichen Intellektuellen entsteht zugleich eine Kulturgeschichte der Bundesrepublik.\u201c<\/em> So steht\u2019s auf der R\u00fcckseite des Buchumschlags.<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/images.booklooker.de\/isbn\/9783499247729\/Magenau+Martin-Walser.jpg\" alt=\"J\u00f6rg Magenau: Martin Walser - eine Biographie\" title=\"J\u00f6rg Magenau: Martin Walser - eine Biographie\" \/><\/ul>\n<p>Diese lesenswerte Walser-Biografie war ja bereits Anlass f\u00fcr mich, Walser aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7327\" target=\"_blank\">Zu Martin Walser (1): Ich bin nicht Walser<\/a> &#8212; <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7361\" target=\"_blank\">Zu Martin Walser (2): Links und DKP-nah<\/a> &#8212; <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7370\" target=\"_blank\">Zu Martin Walser (3): Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede<\/a> &#8212; <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7381\" target=\"_blank\">Zu Martin Walser (4): Tod eines Kritikers<\/a><\/p>\n<p>Hier m\u00f6chte ich auf das Schreiben von Martin Walser etwas n\u00e4her eingehen. Walser ist inzwischen 86 Jahre alt und hat damit ein Alter erreicht, in dem viele schon keine Lust mehr haben, ihre Briefmarkensammlung oder was auch immer zu ordnen, sondern eher ihre letzten Tage z\u00e4hlen. Auch Walser \u201az\u00e4hlt\u2019, denn das Schlimmste ist f\u00fcr ihn, <em>\u201eda\u00df es aufh\u00f6ren k\u00f6nnte.\u201c Und das Sch\u00f6nste: \u201eDa\u00df einem etwas einf\u00e4llt, was einem fr\u00fcher nicht h\u00e4tte einfallen k\u00f6nnen.\u201c<\/em> (S. 569 der Biografie). Oder: <em>\u201eDenn das Alter erlaubt eben auch, weniger R\u00fccksicht nehmen zu m\u00fcssen auf all das, \u201awas sich ziemt.\u2019 \u2013 Karl von Kahn<\/em> (in \u201aAngstbl\u00fcte\u2019): <em>\u201aIm Alter nimmt Verschiedenes ab. Auch die Kraft moralisch zu sein.\u2019\u201c<\/em> (S. 581)<\/p>\n<p>So schreibt Walser bis zum Schluss: <em>\u201eSein Interesse konzentrierte sich auf das eigene Bewu\u00dftsein. Hier spielt sich alles ab. Die ganze Welt ist Bewu\u00dftsein, ist Bewegung, ist Sprache, aber sie geht nicht in der Sprache auf. Deshalb entsteht Dichtung, deshalb mu\u00df man schreiben, so wie man auch atmen mu\u00df. Das Schreiben ist f\u00fcr Walser eine Lebensfunktion, Eine Schreibkrise kann es folglich nur im Todesfall gebe. Er schreibt einfach immer weiter.\u201c<\/em> (S. 397 f.)<\/p>\n<p>Das Schreiben, gerade auch im Alter, ist ein Abw\u00e4gen: <em>\u201eWas kann man von sich verraten, ohne sich l\u00e4cherlich zu machen? Was darf man sagen, ohne daf\u00fcr ger\u00fcgt zu werden? Und andererseits: Was mu\u00df unbedingt heraus, der eigenen Seelenhygiene zuliebe und ohne R\u00fccksicht auf Verluste?\u201c<\/em> (S. 591)<\/p>\n<p>Walser, der so h\u00e4ufig in die Schusslinie der Kritiker geraten ist, <em>\u201eder weltgewandte Charmeur, der in Gesellschaft erbl\u00fcht und erst im Disput \u00fcber sich hinausw\u00e4chst \u2013 und der Zweifler, der das Gef\u00fchl hat, was er zu sagen h\u00e4tte, bliebe besser ungesagt, weil er sich damit doch nur \u00c4rger einhandeln wird.\u201c<\/em> (S. 443) \u2013 er wei\u00df inzwischen, <em>\u201eGegen &#8230; medialen Konjunkturen resistent zu sein und eine erfreuliche Gelassenheit entwickelt zu haben geh\u00f6rt zu den Vorz\u00fcgen der sp\u00e4teren Jahre.\u201c<\/em> (S. 573)<\/p>\n<p>Schreiben ist f\u00fcr Walser auch Therapie, um nach Niederlagen noch Herr des Geschehens zu bleiben: <em>\u201eEr mu\u00dfte den Verlauf <\/em>[&#8230;] <em>immer wieder in Gedanken nachvollziehen und aufschreiben, was ihm widerfahren war. Es gelang ihm nicht, seinen Auftritt nachtr\u00e4glich mehr Glanz zu verleihen. Aber das Erz\u00e4hlen machte ihn zum Herrn des Geschehens, obwohl er auch auf dem Papier der Verlierer blieb.\u201c<\/em> (S. 420) \u2013 Und es gibt die <em>\u201eErkenntnis, da\u00df es kein Scheitern gibt, sondern immer nur eine Gesellschaft, die einzelne f\u00fcr gescheitert erkl\u00e4rt.\u201c<\/em> (S.130)<\/p>\n<p>Wer wie Walser schreibt, der <em>\u201e&#8230; entsagt der \u00e4u\u00dferen Welt, so gut er kann, und ist damit besch\u00e4ftigt, sie in seinen Romanen zu versch\u00f6nern, um sie f\u00fcr sich ertr\u00e4glich zu machen. Einen \u201awei\u00dfen Schatten\u2019 soll sie werfen. Deshalb schreibt er.\u201c<\/em> (S. 444) So \u201e<em>versucht<\/em> [Walser] <em>die Zumutungen des Daseins durch die Sch\u00f6nheit des Ausdrucks zu besiegen.\u201c<\/em> (S. 451) \u2013 Es ist aber auch ein Schreiben gegen den Monotheismus, ein h\u00e4ufig benutzter <em>\u201eKampfbegriff Walsers. Damit konnte er islamischen Fundamentalismus, christlich-abendl\u00e4ndisches Missionarstum und marxismusfrommen Dogmatismus in einem Begriff zusammenfassen.\u201c<\/em> (S. 438)<\/p>\n<p>Wie aber schreibt Martin Walser? Fragen nach Zettelk\u00e4sten und dergleichen beantwortet die Biografie zwar nicht, aber wir erfahren immerhin, dass es \u201e &#8230; <em>ihm nicht<\/em> [liegt], <em>eine Handlung zu entwerfen und im Schreiben dann nur noch auszuf\u00fchren. Die Sprache mu\u00df die F\u00fchrung \u00fcbernehmen. Er will sich \u00fcberraschen lassen, wohin es ihn tr\u00e4gt, sonst w\u00e4re ihm das Schreiben langweilig. \u201aOrganisierte Spontaneit\u00e4t\u2019.\u201c<\/em> (S. 400)<\/p>\n<p>Zuletzt die Frage nach den Themen, \u00fcber die Martin Walser schreibt: <em>\u201eEs geht um Konkurrenzverh\u00e4ltnisse, um berufliche Deformationen, um Liebesversuche und Eheherausforderungen: Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse aller Art. Walser interessiert sich nach wie vor f\u00fcr die Anpassungsleistungen, die erforderlich sind, um den gesellschaftlichen Anforderungen zu gen\u00fcgen. Er verlangt seinen Helden keinen Heroismus ab. Er liebt sie, weil sie sind wie er. Das macht seine B\u00fccher zutiefst human.\u201c<\/em> (S. 341)<\/p>\n<p>Die Biografie endet damit, dass Martin Walser Goethe mit dem Satz zitiert: <em>\u201e\u201aWer mich nicht liebt; der darf mich auch nicht beurteilen.\u2019 Das klingt arrogant, dient aber durchaus der Wahrheitsfindung.\u201c<\/em> (S. 600) Dem ist von meiner Seite nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Und noch ein Allerletztes zur Biografie: Auf Magenaus R\u00fcckfrage behauptete Martin Walser: <em>\u201eIhr Buch ist interessant zu lesen, aber ich bin das nicht!\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn man von etwas nicht auch das Gegenteil sagt, sagt man nur die H\u00e4lfte.\u201c Martin Walser: Verteidigung der Kindheit \u201eMan kann Menschen besser beurteilen nach dem, was sie verschweigen, als nach dem, was sie sagen.\u201c Martin Walser: 1. 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