{"id":746,"date":"2007-02-08T01:36:44","date_gmt":"2007-02-07T23:36:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=746"},"modified":"2016-08-09T07:58:27","modified_gmt":"2016-08-09T07:58:27","slug":"in-extremo-der-zweite-merseburger-zauberspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=746","title":{"rendered":"In Extremo: Der zweite Merseburger Zauberspruch"},"content":{"rendered":"<p>Literatur lebt von der Sprache. Und besonders die Sprache ist stetigem Wandel unterzogen. Damit auch die Literatur. Was wir heute als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Sprache\" target=\"_blank\">Hochdeutsch<\/a> kennen, hat sich somit \u00fcber viele Jahrhunderte entwickelt. Die schriftlich bezeugte Form der deutschen Sprache in der Zeit von etwa 750 bis 1050 wird als Althochdeutsch bezeichnet. Aus dieser Zeit stammen auch die Aufzeichnungen einige Verse, die uns als Merseburger Zauberspr\u00fcche \u00fcberliefert sind.<\/p>\n<p>Nach dem <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=734\" target=\"_blank\">ersten Merseburger Zauberspruch<\/a> hier nun der zweite. Die Verse stammen aus vorchristlicher Zeit, also vor 750 n. Chr., und sind die einzigen erhaltenen Zeugen germanisch-heidnischer Religiosit\u00e4t in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Althochdeutsch\" target=\"_blank\">althochdeutscher Sprache<\/a>.<\/p>\n<p>Balder (auch Phol) und Wodan reiten durch den Wald (holza), wobei sich Balders Pferd den Fu\u00df verrenkt. Wodans Spruch daraufhin: \u201eBein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Glied, als ob sie geleimt seien\u201c. So zeigen Darstellungen aus dem 5.\/6. Jahrhundert Wodan beim Heilen eines Pferdes. Leider k\u00f6nnen die anderen (G\u00f6tter-)Namen nicht eindeutig identifiziert werden. Klar ist nur \u201eUu\u00f4dan\u201c (Wodan, Wotan, Odin) und \u201eFr\u00eeia\u201c (Frigg, die Frau von Odin). Bei den anderen Namen ist nicht einmal sicher, ob es wirklich Namen von G\u00f6ttern sind, da verschiedene Interpretationen ihrer \u00dcbersetzung zu finden sind.<\/p>\n<p><em>Phol ende uuodan<br \/>\nuuorun zi holza.<br \/>\ndu uuart demo balderes uolon<br \/>\nsin uuoz birenkit.<br \/>\nthu biguol en sinthgunt,<br \/>\nsunna era suister;<br \/>\nthu biguol en friia,<br \/>\nuolla era suister;<br \/>\nthu biguol en uuodan,<br \/>\nso he uuola conda:<\/em><\/p>\n<p><em>sose benrenki,<br \/>\nsose bluotrenki,<br \/>\nsose lidirenki:<br \/>\nben zi bena,<br \/>\nbluot zi bluoda,<br \/>\nlid zi geliden,<br \/>\nsose gelimida sin.<\/em><\/p>\n<p><em>Phol und Wodan<br \/>\nritten in den Wald.<br \/>\nDa wurde dem Fohlen Balders<br \/>\nder Fu\u00df verrenkt.<br \/>\nDa besprach<\/em> (vgl engl. to beguile) <em>ihn Sinthgunt<br \/>\nund Sunna, ihre Schwester;<br \/>\nda besprach ihn Frija,<br \/>\nund Volla, ihre Schwester;<br \/>\nda besprach ihn Wodan,<br \/>\nwie nur er es verstand:<\/em><\/p>\n<p><em>Sei es Knochenrenke,<br \/>\nsei es Blutrenke,<br \/>\nsei es Gliedrenke:<br \/>\nKnochen zu Knochen,<br \/>\nBlut zu Blut,<br \/>\nGlied zu Gliedern,<br \/>\nals ob geleimt sie seien.<\/em><\/p>\n<p><strong>Erkl\u00e4rungen:<\/strong><br \/>\n<strong>walk\u00fcrenartige Frauen:<\/strong> Walk\u00fcren (altnordisch \u201ediejenigen, die bestimmen, wer auf dem Kampfplatz fallen soll\u201c (wobei sie das Schicksal nur verwalten), in der germanischen Mythologie die Botinnen des obersten Gottes Wodan (Odin), die \u00fcber die Schlachtfelder reiten, die gefallene Einherier durch ihren Kuss zu ewigem Leben erwecken und sie nach Asgard entr\u00fccken, um bei der Schlacht gegen Utgard zu k\u00e4mpfen, bei der alles Leben erl\u00f6schen soll und Baldur die neue Welt einleiten soll. Eventuell identisch mit den Disen, weibliche Gottheiten aus der nordischen Mythologie. Eine Dise, altnordisch d\u00eds \/ d\u00edsir, altschwedisch dis, ist eine Art weibliche Fruchtbarkeitsgottheit, eventuell mit den angels\u00e4chsischen Idisi verwandt.<br \/>\n<strong>Balder:<\/strong> Aus der nordischen Mythologie der Gott des Lichtes.<br \/>\n<strong>Wodan:<\/strong> Der s\u00fcdgermanische Gott Wodan entspricht weitgehend dem nordischen Odin und war der Hauptgott. <\/p>\n<p>Auch von diesem 2. Zauberspruch gibt es von der Gruppe <a href=\"http:\/\/www.inextremo.de\/\" target=\"_blank\">&#8222;In Extremo&#8220;<\/a> eine musikalische \u00dcberarbeitung.<\/p>\n<p><object type=\"application\/x-shockwave-flash\" data=\"dewplayer-vol.swf?mp3=https:\/\/www.albinz.net\/models\/in_extremo_merseburger_zaubersprueche2.mp3\" width=\"240\" height=\"20\" id=\"dewplayer-vol\"><param name=\"wmode\" value=\"transparent\" \/><param name=\"movie\" value=\"dewplayer-vol.swf?mp3=https:\/\/www.albinz.net\/models\/in_extremo_merseburger_zaubersprueche2.mp3\" \/><\/object><br \/>\nIn Extremo: Merseburger Zauberspr\u00fcche 2<\/p>\n<p>Beide Zauberspr\u00fcchen, von &#8222;In Extremo&#8220; interpretiert, gibt es auch als Video zu sehen, aufgenommen live auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kyffh%C3%A4user\" target=\"_blank\">Kyffh\u00e4user<\/a> 2002:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=e3ChS1AN4lE\" target=\"_blank\">In Extremo &#8211; Merseburger Zauberspr\u00fcche I (Live) Kyffh\u00e4user 2002<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2Sml3m2y_WU\" target=\"_blank\">In Extremo &#8211; Merseburger Zauberspr\u00fcche II (Live) Kyffh\u00e4user 2002<\/a><\/p>\n<p>Zur Gruppe \u201cIn Extremo\u201d siehe auch meinen Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=153\" target=\"_blank\">Bagpipes (Sackpfeife &#8211; Dudelsack &#8211; Quetschsack)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur lebt von der Sprache. Und besonders die Sprache ist stetigem Wandel unterzogen. Damit auch die Literatur. Was wir heute als Hochdeutsch kennen, hat sich somit \u00fcber viele Jahrhunderte entwickelt. Die schriftlich bezeugte Form der deutschen Sprache in der Zeit von etwa 750 bis 1050 wird als Althochdeutsch bezeichnet. 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