{"id":7487,"date":"2013-07-20T06:54:45","date_gmt":"2013-07-20T05:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7487"},"modified":"2013-07-19T06:09:15","modified_gmt":"2013-07-19T05:09:15","slug":"martin-walser-ein-liebender-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7487","title":{"rendered":"Martin Walser: Ein liebender Mann"},"content":{"rendered":"<ul><em>Alle \u00dcbel der Welt sind entstanden durch Liebesmangel.<\/em><br \/>\n(Martin Walser: Ein liebender Mann S. 204)<\/ul>\n<p>\u00c4hnlich wie <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=martin+walser\" target=\"_blank\">Martin Walser<\/a> sich um Goethe dr\u00fcckte (und um <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7314\" target=\"_blank\">Thomas Mann<\/a> sowieso), so hatte ich mich bisher auch um Walsers <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/349925350X\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=349925350X&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\" target=\"_blank\"><strong>Ein liebender Mann<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=349925350X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> gedr\u00fcckt. Bisher, denn noch vor meinem Sommerurlaub habe ich mir das kleine handliche B\u00fcchlein geg\u00f6nnt und gelesen. Die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> hat ihre Kritik auch passend mit <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/martin-walser-ein-liebender-mann-die-leiden-des-alten-werthers-1.295983\" target=\"_blank\">Die Leiden des alten Werthers<\/a> betitelt, denn in dem Roman nimmt sich Martin Walser Goethes letzter Liebe an, die des 73-J\u00e4hrigen zur 19-j\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulrike_von_Levetzow\" target=\"_blank\">Ulrike von Levetzow<\/a>. Immerhin verdanken wir diesem Liebeswerben die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marienbader_Elegie\" target=\"_blank\">Marienbader Elegie<\/a> (Text bei <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Goethe,+Johann+Wolfgang\/Gedichte\/Gedichte+%28Ausgabe+letzter+Hand.+1827%29\/Lyrisches\/Trilogie+der+Leidenschaft\/Elegie\" target=\"_blank\">zeno.org<\/a>), auch wenn es mit diesem Werben geh\u00f6rig in die Hose ging (das Ende des Romans ist dann auch eher prosaisch als poetisch).<\/p>\n<ul><img src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/41zRiJs8GoL._SY445_.jpg\" alt=\"Martin Walser: Ein liebender Mann\" title=\"Martin Walser: Ein liebender Mann\" \/><\/ul>\n<p><em>Sommer des Jahres 1823. Goethe<\/em> [&#8230;] <em>ist nach Marienbad gereist, wo er, wie schon in den Jahren zuvor, auch auf Amalie von Levetzow und ihre T\u00f6chter trifft. Doch diesmal steht ihm der Sinn weniger nach der ansehnlichen und geistreichen Gesellschaft des ganzen Quartetts als ausschlie\u00dflich und umfassend nach jener der \u00c4ltesten, Ulrike.<\/em> (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/rezensionen\/belletristik\/martin-walser-ein-liebender-mann-augenkraft-die-nichts-verbergen-kann-1517045.html\" target=\"_blank\">faz.net<\/a>)<\/p>\n<p><em>\u201eMan l\u00e4sst sich bezaubert ein auf Liebes-Passion, Dichter-Gescheitheit, lebendigstes Zeitkolorit. Da \u00fcbertrifft Walser, sprachm\u00e4chtig, nicht nur sich selbst, sondern auch so manche ber\u00fchmte Goethe-Schilderung der deutschen Literatur\u201c<\/em>, schreibt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joachim_Kaiser\" target=\"_blank\">Joachim Kaiser<\/a> in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/martin-walser-ein-liebender-mann-die-leiden-des-alten-werthers-1.295983\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutschen<\/a>. Dem kann ich mich nur anschlie\u00dfen, auch wenn manches Wort, das Walser Goethe in den Mund legt, doch sehr nach Walser klingt (und dabei vielleicht sogar \u00fcberzeugender).<\/p>\n<p>Bestechend, da witzig und sch\u00f6n, sind die Dialoge, die Goethe mit der blutjungen Ulrike f\u00fchrt. Hier sp\u00fcrt man, wie ein ins Alter gekommener Mann sich berauschen l\u00e4sst von der Jugend und sich von Amors Pfeil durchbohrt hingibt an eine Liebe, vor der bekanntlich kein Alter sch\u00fctzt (die t\u00f6richte Liebe). Das Liebeswerben geht soweit, dass Goethe sich zu einem Heiratsantrag hinrei\u00dfen l\u00e4sst. In einem Schreiben an Ulrikes Mutter bekennt er dann aber doch: <\/p>\n<p><em>Ich habe mich danach gesehnt, Sie um Entschuldigung bitten zu d\u00fcrfen f\u00fcr eine aus Panik geborene Handlung, deren Peinlichkeit nur noch durch ihre Komik \u00fcberboten ist.<\/em> (S. 176)<\/p>\n<p>Ja, eigentlich ist es mehr als peinlich, wenn ein \u201aalter Sack\u2019 sich an eine \u201ajunge Sch\u00f6ne\u2019 heranwagt. Damals wie heute. Aber Martin Walser, dem man an anderer Stelle in Literatur geh\u00fcllte Altersgeilheit vorgeworfen hat, umschifft die Klippe \u2013 im Gegenteil: Er l\u00e4sst uns mitleiden mit diesem alten Goethe, der am Ende um eine bisher nicht gemachte Erfahrung reicher ist, dem Lieben, ohne geliebt zu werden.<\/p>\n<p>Diese Liebe, als sie voll entbrannt ist, l\u00e4sst Goethe, wie sollte es anders sein, schreiben. Und so entsteht die bereits erw\u00e4hnte Marienbader Elegie. Gef\u00fchl und Schreiben verkn\u00fcpfen sich, werden zu einem Ganzen: <em>Das war das Sch\u00f6nste beim Schreiben, besonders beim Gedichteschreiben: die vollkommene Sicherheit des Zustandekommens. Egal, was dann irgend jemand zu dem Ergebnis sagen w\u00fcrde, f\u00fcr ihn war gl\u00fccksentscheidend, dass das, was nachher da stand, ganz dem Gef\u00fchl entsprach, das ihn beim Schreiben geleitet hatte.<\/em> (S. 162 f.)<\/p>\n<p>Ja, diese M\u00e4nner, besonders diese alten M\u00e4nner (\u201eJe oller, desto toller\u201c \u2013 kennt sich der Volksmund aus). Immerhin kommt Walser in der Gestalt Goethes zu der Erkenntnis (S. 202): <em>Die M\u00e4nner geh\u00f6ren in den Sandkasten und an den gr\u00fcnen Tisch. Die Frauen ans Ruder.<\/em> (Wenn sie nicht gerade Merkel hei\u00dfen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle \u00dcbel der Welt sind entstanden durch Liebesmangel. (Martin Walser: Ein liebender Mann S. 204) \u00c4hnlich wie Martin Walser sich um Goethe dr\u00fcckte (und um Thomas Mann sowieso), so hatte ich mich bisher auch um Walsers Ein liebender Mann gedr\u00fcckt. 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