{"id":7502,"date":"2013-07-25T07:05:53","date_gmt":"2013-07-25T06:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7502"},"modified":"2013-07-24T09:19:32","modified_gmt":"2013-07-24T08:19:32","slug":"albert-camus-die-pest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7502","title":{"rendered":"Albert Camus: Die Pest"},"content":{"rendered":"<ul><em>Das B\u00f6se in der Welt r\u00fchrt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgekl\u00e4rt ist.<\/em> (S. 86)<\/ul>\n<p>Und weiter hei\u00dft es bei Camus: <em>Die Menschen sind eher gut als b\u00f6se, und in Wahrheit dreht es sich gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster. Das trostloseste Laster ist die Unwissenheit, die alles zu wissen glaubt und sich deshalb das Recht anma\u00dft zu t\u00f6ten.<\/em> (S. 86f.)<\/p>\n<p>Es ist wohl das bekannteste Werk des Romanciers und Philosophen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a>, dem ich mich <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/index.php?s=camus\" target=\"_blank\">in diesem Weblog<\/a> schon \u00f6fter gewidmet habe. Gemeint ist der Roman <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/349922500X\/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=349922500X&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21\" target=\"_blank\"><strong>Die Pest<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=349922500X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>, das ich in folgender Ausgabe habe: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg &#8211; rororo 15 \u2013 829.-853. Tausend M\u00e4rz 1979 (Original: La Peste, 1947 Librairie Gallimard, Paris)<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/lesekreis.org\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/die-pest.jpg\" alt=\"Albert Camus: Die Pest\" title=\"Albert Camus: Die Pest\" \/><\/p>\n<p>Camus war der Philosoph des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus#Das_Absurde\" target=\"_blank\">Absurden<\/a>, der meinte, dass man dem Leid und Elend in der Welt keinen Sinn abgewinnen kann. Der Mensch f\u00fchlt, wie \u201efremd\u201c alles ist, die Au\u00dfenwelt und ihre Sinnlosigkeit bringen ihn wegen seines Strebens nach Sinn in existentielle Konflikte. In diesem Roman nun f\u00fchrte Camus das Element der st\u00e4ndigen Revolte gegen die Sinnlosigkeit der Welt ein, wie sie in seinem Essay \u201eDer Mensch in der Revolte\u201c (\u201el\u2019homme r\u00e9volt\u00e9\u201c, 1958) sp\u00e4ter voll entwickelt wird. Insbesondere kommen aber die Werte Solidarit\u00e4t, Freundschaft und Liebe als m\u00f6glicher Ausweg hinzu, wenn auch die Absurdit\u00e4t nie ganz aufgehoben werden kann.<\/p>\n<p><em>In der nordafrikanischen Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Oran\" target=\"_blank\">Oran<\/a> bricht eine furchtbare <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Pest\" target=\"_blank\">Seuche<\/a> aus, die l\u00e4ngst aus zivilisierten Regionen verbannt schien. Die sich unerbittlich ausbreitende m\u00f6rderische Epidemie bestimmt allm\u00e4hlich das gesamte Leben der von der Au\u00dfenwelt abgeschnittenen Stadt und ver\u00e4ndert es. Au\u00dferordentlich wirklichkeitsnah, ist das Werk zugleich ein gro\u00dfartiges Sinnbild des apokalyptischen Grauens, das den Einzelmenschen angesichts der ma\u00dflosen kollektiven Verh\u00e4ngnisse unserer Zeit bef\u00e4llt. Doch nimmt der Leser die Gewi\u00dfheit mit, da\u00df Mut, Willenskraft und N\u00e4chstenliebe auch ein scheinbar unabwendbares Schicksal meistern k\u00f6nnen.<\/em><br \/>\n(aus dem Klappentext)<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"540\" height=\"280\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" src=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?f=q&amp;source=s_q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;q=algerien&amp;aq=&amp;sll=35.745955,-0.727158&amp;sspn=0.304837,0.529404&amp;t=h&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=Algerien&amp;ll=35.700244,-0.63961&amp;spn=0.078066,0.185051&amp;z=12&amp;output=embed\"><\/iframe><br \/>\nOran\/Algerien<\/p>\n<p>In seinen Tageb\u00fccher (Albert Camus, Tageb\u00fccher 1935 \u2013 1951) schrieb Camus dazu: <em>\u201eIch will mit der Pest das Ersticken ausdr\u00fccken, an dem wir alle gelitten haben, und die Atmosph\u00e4re der Bedrohung und des Verbanntseins, in der wir gelebt haben. Ich will zugleich diese Deutung auf das Dasein \u00fcberhaupt ausdehnen. Die Pest wird das Bild jener Menschen wiedergeben, denen in diesem Krieg das Nachdenken zufiel, das Schweigen \u2013 und auch das seelische Leiden.\u201c<\/em> <\/p>\n<p><strong>Personen:<\/strong><\/p>\n<p><em>Bernard Rieux<\/em>, Arzt und Verfasser des Berichts<br \/>\n<em>Frau Rieux<\/em> (\u2020)<br \/>\n<em>Mutter Rieux<\/em><\/p>\n<p><em>M. Michel<\/em>, Hauswart (\u2020 &#8211; 1. Opfer)<br \/>\n<em>M. Othon<\/em>, Untersuchungsrichter (\u2020)<\/p>\n<p><em>Raymond Rambert<\/em>, Journalist<br \/>\n<em>Jean Tarrou<\/em>, junger Mann, Tagebuchschreiber (\u2020 &#8211; das letzte Opfer)<br \/>\n<em>Pater Paneloux<\/em> (\u2020 &#8211; zweifelhafter Fall)<br \/>\n<em>Joseph Grand<\/em>, Angestellter der Stadtverwaltung (erkrankt) -> Liebe zu Jeanne<br \/>\n<em>M. Cottard<\/em> (Selbstmordversuch) -> Verhaftung<\/p>\n<p><em>Dr. Richard<\/em>, Sekret\u00e4r des \u00c4rzteverbandes (\u2020)<br \/>\n<em>Dr. Castel<\/em> (stellt Serum her)<\/p>\n<p>Schmuggler und Menschenschieber<br \/>\n<em>Garcia \/ Raoul \/ Gonzales \/ Marcel &#038; Louis<\/em><\/p>\n<p><em>Pr\u00e4fekt<\/em><br \/>\n<em>Asthmaischer Spanier<\/em><br \/>\n<em>m\u00e4nnlicher Katzenbespucker<\/em><\/p>\n<p>u.a.<\/p>\n<p>Der Roman \u201eDie Pest\u201c ist als Parabel der franz\u00f6sischen Widerstandsbewegung R\u00e9sistance ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Solidarit\u00e4t der Menschen im Kampf gegen Tod und Tyrannei und damit <em>\u201egleichzeitig eine Chronik der Kriegszeit. Die von Albert Camus gew\u00e4hlte Stadt Oran steht stellvertretend f\u00fcr das von Nazideutschland besetzte Frankreich. Durch den Ausbruch der Pest wurde Oran zu einer h\u00e4sslichen von der Au\u00dfenwelt abgeschlossenen Stadt. Der Arzt Rieux, der der Erz\u00e4hler der Geschehnisse ist, und Tarrou machen Aufzeichnungen von den Ereignissen, auf die die Bewohner nicht vorbereitet waren. Nicht nur Rieux, sondern ebenso die anderen Hauptpersonen machen es sich nach und nach zur Aufgabe, mit den ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln gegen die Pest und ihre verheerenden Folgen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung vorzugehen und sich den von Tarrou aufgestellten Sanit\u00e4tstrupps<\/em> [Widerstandsgruppen] <em>anzuschlie\u00dfen. Auch der Jesuitenpater Paneloux meldet sich als freiwilliger Helfer und sieht es als seine Pflicht an, in der vordersten Reihe seinen Dienst zu tun. Der Roman \u201aDie Pest\u2019 besitzt wie der Roman \u201aDer Fremde\u2019 eine soziale und eine metaphysische Ebene. In mehreren Gespr\u00e4chen zwischen Rieux und Pater Paneloux, sowie zwischen Rieux und Tarrou wird die Frage nach dem Leid in der Welt er\u00f6rtert. In seiner ersten Predigt spricht der Pater von der Pest als einer Gei\u00dfel Gottes, dieser Standpunkt wird von Rieux vehement abgelehnt. Jedoch sucht Pater Paneloux in seiner zweiten Predigt nicht mehr nach einer Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Leid. Er hat seinen Zuh\u00f6rern keine Belehrungen mehr zu geben und spricht sie daher mit \u201awir\u2019 und nicht wie in seiner ersten Predigt mit \u201aihr\u2019 an.\u201c<\/em> (siehe weiter: <a href=\"http:\/\/www.einjahrzitate.de\/camus\/pest.html\" target=\"_blank\">Albert Camus: das Absurde &#8211; die Wahrheit &#8211; die Revolte \u2013 Die Pest<\/a>).<\/p>\n<p>Der Roman endet mit einer eindringlichen Mahnung:<\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend Rieux den Freudenschreiben lauschte, die aus der Stadt empordrangen, erinnerte er sich n\u00e4mlich daran, da\u00df diese Fr\u00f6hlichkeit st\u00e4ndig bedroht war. Denn er wu\u00dfte, was dieser frohen Menge unbekannt war und was in den B\u00fcchern zu lesen steht: da\u00df der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pest\" target=\"_blank\">Pestbazillus<\/a> niemals ausstirbt oder verschwindet, sondern jahrzehntelang in den M\u00f6beln und der W\u00e4sche schlummern kann, da\u00df er in den Zimmern, den Kellern, den Koffern, den Taschent\u00fcchern und den B\u00fcndeln alter Papiere geduldig wartet und da\u00df vielleicht der Tag kommen wird, an dem die Pest zum Ungl\u00fcck und zur Belehrung der Menschen ihre Ratten wecken und erneut aussenden wird, damit sie in einer gl\u00fccklichen Stadt sterben.<\/em> (S. 202)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das B\u00f6se in der Welt r\u00fchrt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgekl\u00e4rt ist. 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