{"id":753,"date":"2007-02-12T01:37:46","date_gmt":"2007-02-11T23:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=753"},"modified":"2007-02-08T15:47:00","modified_gmt":"2007-02-08T13:47:00","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-49-von-schottischen-wurzeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=753","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 49: Von schottischen Wurzeln"},"content":{"rendered":"<p><em>Hallo Wilfried,<\/em><\/p>\n<p><em>in der Bewertung des musikalischen Gesamtwerkes des Mr. Anderson werden wir wohl immer unterschiedlicher Ansicht sein. Was die Musik von JT angeht, hatte ich das Gl\u00fcck, w\u00e4hrend ihrer Folkphase auf die Gruppe aufmerksam zu werden. Dadurch neugierig geworden, habe ich in die Vergangenheit und Gegenwart der Band reingeh\u00f6rt. Aber das war nichts; gewogen und f\u00fcr zu leicht befunden. Das ist Dir nicht neu, es bedeutet aber : Wenn ich den Meister am Heiligabend zum 1. Mal gesehen und geh\u00f6rt h\u00e4tte, w\u00e4re ich niemals auf die Idee gekommen, mich mit seiner Vergangenheit zu besch\u00e4ftigen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es gibt einen Punkt, bei dem ich ganz nah bei Dir bin: Ohne Musik geht es nicht. Auch bei mir muss es nicht unbedingt Rock oder Folk sein. Es gibt in der Tat einige sehr sch\u00f6ne Werke in der klassischen Musik. Mozart z\u00e4hle ich hier allerdings nicht zu meinen Favoriten. Beethoven, Brahms oder H\u00e4ndel liegen mir da schon n\u00e4her. Und nat\u00fcrlich Vivaldi mit seinen Vier Jahreszeiten: Einfach gro\u00dfartig !<\/em><\/p>\n<p><em>Mit Jazz im Sinne von Cool- oder Freejazz kann ich \u00fcberhaupt nichts anfangen. F\u00fcr mich klingt diese Musik so, als k\u00f6nnten die Musiker sich nicht auf ein Lied einigen. Die Improvisation ist nat\u00fcrlich die Seele des Jazz, aber f\u00fcr meine Ohren ist das nichts. Wenn ich solche Musik h\u00f6re, frage ich mich, warum die Musiker sich die M\u00fche machen, auf die B\u00fchne oder in ein Studio zu gehen. Es kommt ja doch nichts Brauchbares dabei heraus. In dieser Musik vermisse ich so etwas wie eine Melodie oder eine klare Richtung. F\u00fcr mich sind es in erster Linie Ger\u00e4usche. Unkoordinierte Ger\u00e4usche, auf die man leicht verzichten kann. Als Kind habe ich diese Musik als &#8222;nutzlose&#8220; Musik bezeichnet und an dieser Ansicht konnten die folgenden Jahre nicht viel \u00e4ndern.<\/em><\/p>\n<p><em>Bitte, ich gebe hier nur meine ganz pers\u00f6nliche Meinung wieder. Einige Menschen, die wirklich etwas von Musik verstehen, haben mir glaubhaft versichert, wie sch\u00f6n und wichtig der Jazz sei. Ich bin bereit, ihnen zu glauben. Nur, mein Geschmack ist es ganz einfach nicht. So einfach ist das.<\/em><\/p>\n<p><em>Anders verh\u00e4lt es sich mit der afrikanischen Musik. Hier finde auch ich einige Goldsch\u00e4tze.  Ich denke da an die Alben Graceland von Paul Simon und die Werke von Johnny Clegg, die unter Mitwirkung afrikanischer Musiker entstanden sind. Ich kenne nat\u00fcrlich nicht das ganze Spektrum afrikanischer Musik, aber das, was ich von den o.g. Alben her kenne, gef\u00e4llt mir sehr gut. Auf diesen Alben wirkt die Musik des Schwarzen Kontinents sehr gef\u00fchlsbetont, sehr leidenschaftlich. Sowohl Freude wie auch Trauer und Leid werden hier so ausgedr\u00fcckt, dass sie fast mit H\u00e4nden greifbar sind. Es scheint ein Hauptanliegen afrikanischer Musiker zu sein, Gef\u00fchle auszudr\u00fccken. Und zwar auf eine Art auszudr\u00fccken, der der Zuh\u00f6rer sich nicht entziehen kann. So etwas gef\u00e4llt mir; solche Musik hat f\u00fcr mich einen &#8222;Sinn&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Zum Schluss noch ein Wort zu den langen Fingern\u00e4geln der Gitarrenspieler:<\/em><br \/>\n<em>Auf Youtube fand ich einige Videos von Liveauftritten Mike Oldfields in Montreux. Hier sieht man deutlich, dass Mr. Oldfield mit f\u00fcnf angewachsenen Plektrons zupft. Kein sch\u00f6ner Anblick, aber wer sich daran st\u00f6rt, kann wegschauen. Mr. Oldfield hat eine ungew\u00f6hnliche Spieltechnik. Wenn ich es richtig sehe, ruhen bei ihm Daumen und Zeigefinger unbeweglich auf den beiden oberen Basssaiten, w\u00e4hrend die drei restlichen Finger bestenfalls die vier unteren Saiten erreichen. Unabh\u00e4ngig von der L\u00e4nge seiner Fingern\u00e4gel mag ich seine Musik. Zumindest seine Fr\u00fchwerke, aus der Zeit vor Moonlight Shadow usw.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Karneval, Fasching oder Faslam.<\/em><br \/>\n<em>Wir hier im \u00e4u\u00dfersten Westen der Republik leben im Einflussgebiet der Hochburgen des rheinischen Karnevals, K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf. Das bedeutet, dass Karneval hier ganz toll gefeiert wird. Der Rosenmontag ist in unseren Breiten fast so etwas wie ein gesetzlicher Feiertag. Schulen und die meisten Betriebe haben an diesem Tag geschlossen, die Schulen zus\u00e4tzlich noch an einem weiteren Tag. Allerdings kann ich mit dieser durch den Kalender verordneten Fr\u00f6hlichkeit nicht umgehen. F\u00fcr einen Rheinl\u00e4nder untypisch bin ich ein Karnevalverweigerer. Karneval verbinde ich mit Suff, L\u00e4rm, Dreck und gek\u00fcnsteltem Frohsinn. Und das alles nach Vorgabe von Kalender und Uhr: &#8222;Ab 11:11 Uhr wird zur\u00fcckgelacht !&#8220; Aber ohne mich. Eigentlich m\u00fcsste ich bedauern, dass ich nicht f\u00e4hig bin, mich ausgelassen \u00fcber etwas zu freuen. Aber seltsamerweise bedauere ich das nicht. In vielen Bereichen des Lebens vergleiche ich mich mit einem Hobbit: Am liebsten habe ich sechs Mahlzeiten am Tag und meine Ruhe !<\/em><\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcnsche Euch ein sonniges, nicht zu warmes Wochenende.<\/em><br \/>\n<em>Lockwood<\/em><\/p>\n<p>03.02.2007<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p><em>Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>die Geschm\u00e4cker sind nun einmal verschieden \u2013 und das ist auch gut so. Sonst h\u00e4tten wir eine musikalische Einheitsso\u00dfe. Ich bin eben schon mit dem Fr\u00fchwerk von Jethro Tull bekannt geworden (ich meine ab \u201eStand Up\u201c) und habe daran meinen Gefallen gefunden. Und da mir Folk-Musik auch schon immer gefallen hat, fand ich nat\u00fcrlich auch die Folk-Alben von Jethro Tull ganz in Ordnung, obwohl mit Einschr\u00e4nkungen bei \u201eHeavy Horses\u201c. Ich kann es nicht genau erkl\u00e4ren, aber \u201eHeavy Horses\u201c ist mir etwas zu \u201ablumig\u2019, zu \u201atheatralisch\u2019 im Sinne von \u201agespreizt\u2019. \u201eSongs from the Wood\u201c finde ich auf jeden Fall um einiges besser.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich m\u00f6chte in diesem Zusammenhang auf einen Punkt zur\u00fcckkommen, zur Herkunft von Ian Anderson. Bei meinen Reisevorbereitungen zum Urlaub in Schottland 2005 hatte ich mich etwas ausf\u00fchrlicher mit den schottischen Quellen besch\u00e4ftigt. Hierzu muss man zun\u00e4chst wissen, dass man traditionelle schottische Musik in zwei Hauptrichtungen unterscheidet. In meinem Beitrag zum St\u00fcck <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=89\" target=\"_blank\">\u201ePibroch (Cap in Hand)\u201c<\/a> hatte ich hierzu einige kurze Anmerkungen gemacht, u.a.:<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Piobaireachd\" target=\"_blank\">Pibrochs<\/a> geh\u00f6ren zur \u2018big music\u2019 (ce\u00f2l m\u00f3r), also zur gro\u00dfen Musik, im Unterschied zur \u2018little music\u2019 (ce\u00f2l beag), der kleinen Musik, z.B. den \u201cjigs\u201d, \u201creels\u201d und \u201cstrathspeys\u201d.<\/p>\n<p><em>Die \u201alittle music\u2019 entspricht dabei eher dem, was wir ganz allgemein als Folklore kennen. \u201aBig Music\u2019 ist gewisserma\u00dfen die klassische Form f\u00fcr den Great Highland Bagpipe, also dem Dudelsack, und l\u00e4sst sich kaum mit der Folklore vergleichen, die mit Instrumenten wie Gitarre, Fl\u00f6te und Geige (Fiddle) gespielt wird.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/schottische_wurzeln.jpg\" alt=\"Schottische Wurzeln\" \/><\/p>\n<p><em>Genau hier findet sich einiges bei Ian Anderson und seiner Musik wieder. Wir kennen zwar u.a. die Jigs und Reels,  das St\u00fcck \u201ePibroch\u201c ist aber nicht das einzigste, in dem der Meister auch zur \u201ebig music\u201c greift. Ohne die schottischen Quellen ist die Musik von Jethro Tull nicht denkbar.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist nur eine These, aber man sollte sie diskutieren: Ian Anderson hat bewusst leichtere Kost geschrieben, um damit auch ein gr\u00f6\u00dferes Publikum zu erreichen. Er hat aber auch immer St\u00fccke geschrieben, die nicht so leicht zu schlucken waren. Bei beiden orientierte er sich an der schottischer Musiktradition. Sp\u00e4ter (Stichwort: Weltmusik) mischte er auch tradierte St\u00fccke anderer Kulturen bei, hielt sich aber im Aufbau eines Liedes an schottische \u00dcberlieferungen (Grundlage ein Thema, das unterschiedlich variiert wird, wie beim Pibroch). Das Ganze verpackte er zeitgen\u00f6ssisch in Rockmusik.<\/em><\/p>\n<p><em>Und noch eines kommt hinzu: Ian Anderson schrieb Musik f\u00fcr Orchester. Wohl gelesen! \u201eThick as a Brick\u201c und \u201eA Passion Play\u201c sind in meinen Augen eigentlich St\u00fccke f\u00fcr Orchester. Nun war Jethro Tull aber eine Rockband mit E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Keyboards \u2013 zus\u00e4tzlich mit Herrn Anderson mit Querfl\u00f6te, ab und wann Saxophon, Akustikgitarre usw. Also arrangierte er gewisserma\u00dfen das, was f\u00fcr ein Orchester gedacht war, f\u00fcr eine Rockband. Okay, das klingt \u201aweit hergeholt\u2019, aber geht es Dir z.B. bei \u201eThick as a Brick\u201c nicht auch manchmal so, als w\u00fcrde das, was Du h\u00f6rst, besser zu einem Orchester passen? Und bei einigen Passagen h\u00f6re ich \u201af\u00f6rmlich\u2019 das Orchester.<\/em><\/p>\n<p><em>Unter diesem Gesichtspunkt ist es dann nur konsequent, wenn er in sp\u00e4teren Tagen tats\u00e4chlich auf ein Orchester zur\u00fcckgreift.<\/em><\/p>\n<p><em>Was meinst Du dazu?<\/em><\/p>\n<p><em>Bei youtube.com habe ich mir einige Videos von Johnny Clegg angeschaut und auch einen Blick auf dessen <a href=\"http:\/\/www.johnnyclegg.com\/\" target=\"_blank\">Website<\/a> geworfen. Ist schon erstaunlich, wie sich ein Wei\u00dfer in S\u00fcdafrika jahrelang outet und Musik mit Schwarzen macht. Aber die Zeit hat ihm dann Recht gegeben. Allein das finde ich an dem Mann stark. Nat\u00fcrlich ist seine Musik eine Mischung aus afrikanischer Musik und wei\u00dfer Rockmusik. Die St\u00fccke mit afrikanischen Wurzeln gefallen mir am besten (neben dem schon obligatorischen Video mit Nelson Mandela haben die zwei weiteren Live-Videos auf Johnny Cleggs Website sehr viel Power). Zu Afrika und afrikanischer Musik sicherlich sp\u00e4ter etwas mehr.<\/em><\/p>\n<p><em>Von Mike Oldfield habe ich die \u201eTubular Bells\u201c. Seinerzeit war Oldfield ja in aller Munde. Richtig \u201a\u00fcberzeugen\u2019 konnte er mich allerdings nicht. Ich habe einen Blick in die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/results?search_query=oldfield+montreux\" target=\"_blank\">youtube-Videos aus Montreux<\/a> geworfen. Ja, der gute Mann hat schon eine eigenartige Zupftechnik, wohl eigene Schule. Mit Daumen und Zeigefinger spielt er allerdings auch, wenn auch nicht so oft, da er meist die unteren (von der Tonh\u00f6he her eigentlich oberen) Saiten \u201abedient\u2019.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Karneval u.\u00e4.: Meine Mutter stammt ja aus K\u00f6ln. Und so guckten wir am Rosenmontag im Fernsehen immer den Rosenmontagsumzug. Mehr war aber nicht. Einmal bin ich mit meiner heutigen Frau in D\u00fcsseldorf in die Umtriebe der (Alt-)Weiberfastnacht geraten. Die aufgescheuchten, alkoholisierten Damen (Damen?) haben uns dabei jegliches Interesse an solchen Veranstaltungen bis zum Lebensende vermiest.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcnsche Dir und Deinen Lieben ein ruhiges, endlich einmal winterlicheres Wochenende.<\/em><br \/>\n<em>Man liest voneinander<\/em><br \/>\n<em>Wilfried<\/em><\/p>\n<p><em><strong>P.S.<\/strong> Schreibe heute von \u201aunterwegs\u2019, da ich zu Hause weiterhin ohne eigenen Rechner bin. Wie gut, dass es Webmail gibt.<\/em><\/p>\n<p>08.02.2007<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=753&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">English Translation for Ian Anderson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Wilfried, in der Bewertung des musikalischen Gesamtwerkes des Mr. Anderson werden wir wohl immer unterschiedlicher Ansicht sein. 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