{"id":757,"date":"2007-02-16T01:11:33","date_gmt":"2007-02-15T23:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=757"},"modified":"2007-02-15T14:53:59","modified_gmt":"2007-02-15T12:53:59","slug":"was-ist-blos-mit-ian-los-teil-50-tulls-folk-alben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=757","title":{"rendered":"Was ist blo\u00df mit Ian los? Teil 50: Tulls Folk-Alben"},"content":{"rendered":"<p><em>Hallo Wilfried,<\/em><\/p>\n<p><em>selbst in unserer Gemeinsamkeit des Folk-Faibles finden sich Unterschiede: Mir gef\u00e4llt \u201eHeavy Horses\u201c besser als \u201eSongs from the wood\u201c. Zwar enth\u00e4lt das Album der Waldlieder einige Highlights, aber Heavy Horses finde ich durchg\u00e4ngiger. Die Lieder sind nicht nur sehr gut, sie reihen sich auch nahtlos aneinander zu einer Kette, von der man sich gerne einwickeln l\u00e4sst. Es ist tats\u00e4chlich so: Jedes Mal, wenn ich dieses Album h\u00f6re, sp\u00fcre ich den Drang, auf einer englischen Farm zu leben. Das ist im Grunde Unsinn, denn auf einer englischen Farm wird es nicht anders zugehen als auf einem deutschen Bauernhof, aber ich kenne kein Lied, dass mich auf einen deutschen Bauernhof zieht. Es ist eben meine unerkl\u00e4rliche Vorliebe f\u00fcr (fast) alles Britische. Um noch einmal eine Phrase zu bem\u00fchen: Heavy Horses hat in seiner Durchg\u00e4ngigkeit etwas von einem Konzeptalbum.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Deiner These:<\/em><br \/>\n<em>Es sind unbestreitbare Tatsachen, dass Mr. Anderson kommerziell erfolgreiche Alben produziert hat und dass er auch anspruchsvollere Musikgeschm\u00e4cker bedienen kann. Nicht einmal ich nehme ihm diese \u201eleite Kost\u201c \u00fcbel; er hat sich schlie\u00dflich f\u00fcr den Beruf des Musikers entschieden und muss nun damit sich, seine Familie und seine Musiker ern\u00e4hren. Dieser Verantwortung wird man mit kommerziell erfolgreicher Musik besser gerecht als mit Produktionen f\u00fcr einige wenige Nischen. Dabei ist die \u201eleichte Kost\u201c, die er seinem Publikum pr\u00e4sentiert, kein fader Einheitsbrei, wie wir ihn in der aktuellen Popmusik beklagen m\u00fcssen. Das, was f\u00fcr Mr. Anderson ein leichter Imbiss war, stellt f\u00fcr andere K\u00fcnstler ein unerreichbares 4-Sterne-Men\u00fc dar.<\/em><\/p>\n<p><em>Und tats\u00e4chlich konnte er dar\u00fcber hinaus noch mehr. Das hat er mit seinen Ausfl\u00fcgen in die klassische Musik hinl\u00e4nglich bewiesen. Allerdings vermag ich nicht zu beurteilen, woran sein Herz mehr gehangen hat, an Rock und Folk oder der Klassik und der Orchestermusik. Wie ich an fr\u00fcherer Stelle schon einmal geschrieben habe, wirkte Mr. Anderson w\u00e4hrend seiner Folk-Phase sehr glaubw\u00fcrdig und authentisch. Dem Leben als Landmann ist er bis heute treu geblieben. Pferde, Katzen und Fans danken es ihm.<\/em><\/p>\n<p><em>Dass St\u00fccke wie \u201eThick as a Brick\u201c und \u201ePassion Play\u201c in ihrem Bombast und ihrer Komplexit\u00e4t an Orchesterwerke erinnern ist auch meine Meinung. Das wird schon offensichtlich, wenn man sieht, wie viele Musiker bei den Liveauftritten auf der B\u00fchne besch\u00e4ftigt sind. Mit der 4-Mann-Besetzung einer typischen Rockband ist JT nur in der fr\u00fchen Phase ausgekommen. Ich verzichte an dieser Stelle ganz bewusst auf den Hinweis, dass Queens Bohemian Rhapsody in meinen Augen ebenfalls ein Werk f\u00fcr Orchester darstellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Kern Deiner These besteht in der Aussage, dass die Hinwendung Mr. Andersons zur klassischen Orchestermusik nur eine logische Konsequenz und gradlinige Fortsetzung seines bisherigen Wirkens ist. Dass er jahrelang in den Fesseln der Rockmusik gefangen war und sich nun, wo er finanziell und k\u00fcnstlerisch einigerma\u00dfen unabh\u00e4ngig ist, sich aus diesen Fesseln befreit. Ob dem so ist, kann ich nat\u00fcrlich nicht beurteilen. Jedenfalls kann eine solche These nur im Kopf eines absolut begeisterungsf\u00e4higen Fans heranreifen (ich meine das diesmal nicht sarkastisch; verstehe es als Kompliment !).<\/em><\/p>\n<p><em>Ich halte diese These durchaus f\u00fcr denkbar, sogar wahrscheinlich. Aber bei mir als geborenem Zweifler und Zyniker bleibt eine gewisse Skepsis. Mir ist diese Erl\u00f6sungstheorie einfach zu hoch gegriffen, um sie auf den Businessman, Egozentriker, Diktator und Fast-Misanthropen Anderson uneingeschr\u00e4nkt anzuwenden.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf jeden Fall ist Deine These ein interessanter Aspekt, den es sich weiter zu beleuchten lohnt.<\/em><\/p>\n<p><em>Zum Schluss noch ein Wort zu einer K\u00fcnstlerin, die uns beide beeindruckt hat. Auf youtube fand ich Mitschnitte von Kate Bush \u2013 Konzerten. Das Video ist in vier etwa gleichgro\u00dfe Teile zu jeweils etwa 10 Minuten aufgeteilt. Es liegt bei youtube in mehreren Versionen vor. Die beste Bild- und Tonqualit\u00e4t findet sich in der Version <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/results?search_query=kate+Bush+in+Concert+good+quality\" target=\"_blank\">Kate Bush in Concert \u00bc bis 4\/4<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Neben den Konzertausschnitten werden uns Interviews und einige private Szenen aus dem Leben der K\u00fcnstlerin gezeigt. Sehr sehenswert, wie ich finde. Auch Kate Bush z\u00e4hlt f\u00fcr mich zu den Musikschaffenden, die jede Form der Beachtung und W\u00fcrdigung wert sind. Wenn Du also Zeit, Lust und Internetzugang hast&#8230;.<\/em><\/p>\n<p><em>Um Deine Entfernung zum Epizentrum des Rheinischen Karnevals beneide ich Dich.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir bleiben weiter in Verbindung.<\/em><br \/>\n<em>Lockwood<\/em><\/p>\n<p>09.02.2007<\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p><em>Hallo Lockwood,<\/em><\/p>\n<p><em>bevor ich zu den Folk-Alben von Jethro Tull komme, m\u00f6chte ich eine Vorbemerkung los werden. Da ich ja einige Tage \u201aoffline\u2019 war (richtig: war, ich habe meinen Rechner wieder, auch bei dem war das Netzteil defekt), habe ich diese u.a. genutzt, um einmal wieder in alte Schallplatten hineinzuh\u00f6ren. So habe ich auch ein Doppel-Album mit schottischer Folklore. Wirklich sehr sch\u00f6n. Bemerkenswert daran ist, dass viele Lieder einen politischen Hintergrund haben; angesichts der Geschichte Schottlands auch kein Wunder. Besonders sch\u00f6n ist nat\u00fcrlich Robert Burns\u2019 \u201eA Man\u2019s A Man for A\u2019 That\u201c aus dem Jahre 1795, das ich vor vielen Jahren \u2013 wie bereits vermeldet \u2013 <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=415\" target=\"_blank\">selbst<\/a> einmal vorgetragen hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>Burns Werke haben selbst \u00fcber 200 Jahre nach seinem Tod noch immer einen gro\u00dfen Stellenwert in Schottland, was unter anderem auch daran gesehen werden kann, dass zur Er\u00f6ffnung des schottischen Parlaments 1999 das besagte Lied gesungen wurde; siehe hierzu das <a href=\"http:\/\/vr-sp-archive.lbwa.verio.net\/archive\/1st_july_1999_050504.wmv\">Video<\/a> (wer h\u00f6rt schon ein ganzes Parlament singen) : (siehe: Schottland 2005: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=167\" target=\"_blank\">Robert Burns und \u2018Die Toten Hosen\u2019<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><em>Nun zu diesem Lied gibt es auch einen deutschen Text, ebenso politisch, von Ferdinand Freiligrath: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trotz_alledem\" target=\"_blank\">Trotz alledem<\/a>. Neben Biermann hat bzw. hatte es auch Hannes Wader im Repertoire.<\/em><\/p>\n<p><em>Was ich damit sagen will: Folklore bzw. Folk-Musik ist im Wesentlichen sehr politisch. Dagegen sind die Folk-Alben von Jethro Tull eher rustikal. Weiter zu deiner Mail:<\/em><\/p>\n<p><em>Ich denke, dass man auch \u201eSongs from the Wood\u201c als Konzeptalbum ansehen muss. Eigentlich m\u00fcsste man \u201adie Frage\u2019 anders herum stellen: Welches der Tull-Alben ist kein Konzept-Album? Mir gef\u00e4llt \u201eSongs from the Wood\u201c wohl deshalb besser, weil es rockiger ist (oder im Umkehrschluss zu \u201eHeavy Horses\u201c: weniger \u201eblumig\u201c). Ich denke, dass auch Ian Anderson die Lieder aus dem Wald \u201abesser\u2019 findet, daf\u00fcr spricht, dass er Lieder dieses Albums \u00f6fter (auch sp\u00e4ter) auf die B\u00fchne gebracht hat, z.B.:<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_sftw.html\" target=\"_blank\">Songs from the Wood<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_jack.html\" target=\"_blank\">Jack-in-the-Green<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_hunting_girl.html\" target=\"_blank\">Hunting Girl<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_ring_out.html\" target=\"_blank\">Ring out, Solstice Bells<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_velvet_green.html\" target=\"_blank\">Velvet Green<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_the_whistler.html\" target=\"_blank\">The Whistler<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_pibroch.html\" target=\"_blank\">Pibroch (Cup in Hand)<\/a>, wenn auch nur in einer kurzen instrumentalen Fassung. Lediglich von Cup of Wonder und Fire at Midnight gibt es kein mir bekanntes Video-Material. Von den neun St\u00fccken \u201eHeavy Horses\u201c sind vier Lieder im Video \u201a\u00fcberliefert\u2019: Neben <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_heavy_horses.html\" target=\"_blank\">Heavy Horses<\/a> sind das <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_no_lullaby.html\" target=\"_blank\">No Lullaby<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8lkONLEePaM\" target=\"_blank\">Moths<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.albinz.net\/jethrotull\/jt_lugano_weathercock.html\" target=\"_blank\">Weathercock<\/a> in einer noch sehr aktuellen Aufnahme (Lugano 2005).<\/em><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" width=\"100%\">\n<tr>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/album_songs_from_the_wood.jpg\" alt=\"Jethro Tull: Songs from the Wood (1976)\" width=\"240\" height=\"238\"><\/td>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><img loading=\"lazy\" border=\"0\" src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/album_heavy_horses.jpg\" alt=\"Jethro Tull: Heavy Horses (1978)\" width=\"240\" height=\"238\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">Jethro Tull: Songs from the Wood (1976)<\/font><\/td>\n<td width=\"50%\" align=\"center\"><font face=\"Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Verdana, sans-serif\" size=\"2\">Jethro Tull: Heavy Horses (1978)<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p><em>Ich will \u201eHeavy Horses\u201c nicht schlecht machen. Wir k\u00f6nnen ja in unserem weiteren Gedankenaustausch sicherlich n\u00e4her auf dieses Album (und \u201eSongs from the Wood\u201c) eingehen. Dazu m\u00fcsstest Du etwas zu sagen haben. Und mich w\u00fcrden auch die Texte n\u00e4her interessieren (besonders die Waldlieder haben es wohl in sich).<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/album_back_heavy_horses.jpg\" alt=\"Backcover zu 'Heavy Horses' von Jethro Tull (1978) - Fotografie von Shona Anderson\" \/><\/p>\n<p><em>Zum Titelsong \u201eSongs from the Wood\u201c. Vielleicht wei\u00dft Du es ja l\u00e4ngst. Der A-Capella-Gesang am Anfang ist allein Ian Anderson, nur mehrmals aufgenommen. So kam der Gesang bei Live-Auftritten an dieser Stelle vom Band, wenn die Herren Mitstreiter auch so tun, als ob &#8230; Ich bin ein ziemlich stark ausgepr\u00e4gt visueller Typ. Aber auch f\u00fcr jeden anderen sind die vorhandenen Videoaufnahmen von diesem St\u00fcck einfach ein Hochgenuss. Zum einen der A-Capella-Chor, dann der kurze Fl\u00f6tenauftritt von Barriemore Barlow \u2013 und nat\u00fcrlich Ian Anderson, wie er die Becken am Anfang des St\u00fccks (Peng&#8230;&#8230;.Peng-Peng) und am Ende (Peng&#8230;&#8230;. Peng&#8230;&#8230;.Peng-Peng) zusammenschl\u00e4gt. Hier l\u00e4sst Monty Python gr\u00fc\u00dfen &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>So nebenbei: Das Moths-Video hatte unser Freund Francis bei myvideo.de eingestellt. Ja, hatte &#8230; denn wie ich jetzt feststellen musste, hat Francis sich dort verabschiedet. Kein Francis, keine Videos \u2013 auch nicht die l\u00f6blichen Play back-Aufnahmen. Schade. Immerhin ist seine <a href=\"http:\/\/members.aol.com\/fraasel\/myhomepage\/\" target=\"_blank\" >kleine Homepage<\/a> noch vorhanden. Ich werde versuchen, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Francis hei\u00dft \u00fcbrigens Franz K. (erinnert mich irgendwie an Franz Kafka) und lebt in Kaufbeuren.<\/em><\/p>\n<p><em>Apropos englische Farm: Als ich mit meinen Lieben 2005 in Schottland Urlaub machte, da waren wir auch f\u00fcr zwei N\u00e4chte auf einer <a href=\"http:\/\/www.haughsfarmbedandbreakfast.net\/\" target=\"_blank\">Farm<\/a> untergebracht \u2013 im kleinen Ort Keith, dort, wo Chivas Regal sein Stammhaus hat (<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=211\" target=\"_blank\">Strathisla Distillery<\/a>). Das war ziemlich rustikal dort und \u201eHeavy Horses\u201c entsprechend, wenn es dort auch keine Pferde, sondern nur K\u00fche und Schafe gab. Wir selbst leben ja auch in fast l\u00e4ndlicher Idylle, denn wir brauchen nicht weit zu gehen, um nur Felder und kleine W\u00e4ldchen um uns zu haben (und Heide \u2013 ich lebe mit meiner Familie ja in der n\u00f6rdlichen L\u00fcneburger Heide).<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/keith_cows_and_warehouses.jpg\" alt=\"K\u00fche in Keith\/Schottland - mit Warehouses von Chivas Regal im Hintergrund\" \/><br \/>\nK\u00fche in Keith\/Schottland \u2013 im Hintergrund \u201aWarehouses\u2019 von Chivas Regal<\/p>\n<p><em>In meiner These gehe ich zun\u00e4chst einmal davon aus, dass Ian Anderson viele Elemente der schottischen Musik in seine Lieder und St\u00fccke eingebaut hat. Bagpipe und Fl\u00f6te werden zwar nicht immer synonym verwendet, oft erklingt mir aber Martins Gitarre wie ein Dudelsack. Es verwundert mich eben nicht, dass der Meister sich f\u00fcr die Fl\u00f6te entschieden hat. Welche Band au\u00dfer Jethro Tull \u201asetzt\u2019 so sehr auf das Fl\u00f6tenspiel?! Das hat f\u00fcr mich etwas mit seiner Herkunft zu tun.<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr Andersons Hinwendung zur klassischen Orchestermusik gibt es noch mindestens zwei weitere Indizien. Soviel ich wei\u00df, hatte er auf einer Tournee zur Band auch einmal mehrere Damen (ich denke, es waren 3) auf die B\u00fchne geladen, die in klassischen Gew\u00e4ndern Geige (vielleicht auch Cello) spielten. Die gute Lucia ist also nicht die erste, die mit Herrn Anderson gegeigt hat. Ich habe im Internet nach Fotos gesucht, bin aber bisher nicht f\u00fcndig geworden. Es m\u00fcsste aber in der Zeit von \u201eThick as a Brick\u201c und \u201eA Passion Play\u201c bis maximal \u201eWar Child\u201c gewesen sein. Hast Du vielleicht dazu irgendwelche Infos oder Bilder? Mir erscheint es einfach so, als h\u00e4tte Ian Anderson schon fr\u00fcher gern mit Orchestern zusammen gespielt. Damals hat es nur zu den wenigen Damen gereicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein weiteres Indiz ist die Musik selbst. Nicht nur, dass sich Tull manchmal sehr orchestral anh\u00f6rt oder zur Untermalung Streichers\u00e4tze verwendet werden (fr\u00fcher von David\/Dee Palmer arrangiert und von echten Violinisten und Violinistinnen eingespielt \u2013 heute k\u00fcnstlich, also elektronisch am Keyboard erzeugt). Ian Andersons St\u00fccke bedienen sich zunehmend des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kontrapunkt\" target=\"_blank\">Kontrapunktes<\/a>. Es ist nicht nur, dass z.B. ein Solo auf der Fl\u00f6te von der Gitarre (oder dem Keyboard) \u00fcbernommen und weitergef\u00fchrt wird. Oft \u201a\u00fcberlagern\u2019 sich zwei (oder auch mehr) Instrumente, eine obere und eine untere \u201aStimme\u2019, die aber auch getauscht werden k\u00f6nnen (mehrstimmige Themen). In dieser Polyphonie entfaltet sich das, was auch dem unge\u00fcbten Ohr den orchestralen Eindruck vermittelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Den Kontrapunkt finden wir haupts\u00e4chlich in der klassischen (Orchester-)Musik. Sicherlich gibt es dazu viele theoretische Anmerkungen (siehe Wikipedia), ich denke aber, dass ein gutes (wahrscheinlich doch: absolutes) Geh\u00f6r gen\u00fcgt, um mit dem Kontrapunkt arbeiten zu k\u00f6nnen. An dieser Stelle stellt sich f\u00fcr mich aber wieder die Frage, ob Ian Anderson Noten lesen und schreiben kann. Wer eine solch komplexe Musik verfasst, kommt eigentlich ohne Notenlesen nicht mehr aus. Aber genug der Musiktheorie. Ich bin da leider selbst nur Laie.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist schon erstaunlich, was das deutsche Fernsehen in fr\u00fcheren Tagen aufgezeichnet und gesendet hat. So erscheint wohl in keinem anderen Land Herr Anderson noch in diesen Jahren so h\u00e4ufig auf der Mattscheibe wie bei uns. Das ZDF hat ja wohl so viel Material (Konzertaufzeichnungen von Jethro Tull) angesammelt, dass es f\u00fcr eine abendf\u00fcllende DVD reicht. Ich bin gespannt darauf, obwohl ich vieles schon (aber eben in bescheidener Qualit\u00e4t) kenne. Und auch von Kate Bush stammt das \u201aIn Concert\u2019-Material aus deutschen Landen (SWF Baden-Baden 1980). Ich habe auf die Schnelle einen Blick hineingeworfen. Der oder die das bei youtube.com ins Netz gestellt hat, hat ja noch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/profile_videos?user=cussicussi\" target=\"_blank\">vieles mehr zu Kate Bush<\/a> bereitgestellt. Da kann man sich einen sch\u00f6nen Abend machen. Wenn die \u00c4hnlichkeiten zu Jethro Tull auch nicht allzu gro\u00df sind, so gibt es doch eine Gemeinsamkeit: beide liefern ungew\u00f6hnliche Musik ab.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun, n\u00e4chste Woche geht es ja mit dem Karneval bei Euch in die gro\u00dfe finale Runde. Das Epizentrum mag vielleicht bei Euch sein \u2013 aber die Beben sp\u00fcren wir inzwischen auch bei uns. Letztes Wochenende fand in Bremen ein Samba-Karneval statt (Umzug mit rund 50 Samba-Gruppen aus ganz Deutschland und auch aus dem n\u00e4heren Ausland), in Hamburg h\u00fcpften die Jecken in venezianischen Kost\u00fcmen herum (Tostedt liegt zwischen Hamburg und Bremen). Mich w\u00fcrde es nicht wundern, wenn einige Kollegen oder Kolleginnen am kommenden Montag bei uns mit roter Pappnase aufkreuzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun denn, lass Dich nicht verdrie\u00dfen von so viel (Ange-)Heiterkeit. Komm gut durch die n\u00e4chste Woche. Zuvor aber ein sch\u00f6nes Wochenende mit Deinen Lieben<\/em><\/p>\n<p><em>w\u00fcnscht Dir<\/em><br \/>\n<em>Wilfried<\/em><\/p>\n<p><em><strong>P.S.<\/strong> Francis lebt wohl doch noch. Bei myvideo.de ist er unter <a href=\"http:\/\/www.myvideo.de\/online\/page.php?l=1&#038;P=29&#038;U_ID=1998203\" target=\"_blank\">Francis_Rock<\/a> wieder auferstanden, wenn ich mich nicht t\u00e4usche (Hat er eine Therapie gemacht? \u2013 nein, ich will nicht geh\u00e4ssig sein, er ist mit Sicherheit ein lieber Kerl, nicht nur, weil er ein alter Tull-Fan ist).<\/em><\/p>\n<p><em><strong>P.P.S.<\/strong> Kennst Du eigentlich die niederl\u00e4ndische Gruppe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flairck\" target=\"_blank\">Flairck<\/a>?<\/em><\/p>\n<p>15.02.2007<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/babelfish.altavista.com\/babelfish\/trurl_pagecontent?url=https:\/\/www.willizblog.de\/?p=757&#038;lp=de%5Fen\" target=\"_blank\">English Translation for Ian Anderson<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Wilfried, selbst in unserer Gemeinsamkeit des Folk-Faibles finden sich Unterschiede: Mir gef\u00e4llt \u201eHeavy Horses\u201c besser als \u201eSongs from the wood\u201c. 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