{"id":759,"date":"2007-02-19T01:47:29","date_gmt":"2007-02-18T23:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=759"},"modified":"2007-02-19T08:04:12","modified_gmt":"2007-02-19T06:04:12","slug":"ahooga-nonsen-fruhlings-erwachen-oder-dreck-am-stecken-%e2%80%93-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=759","title":{"rendered":"Ahooga Nonsen &#8211; Fr\u00fchlings Erwachen oder Dreck am Stecken \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><em>Hier nun <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=758\" target=\"_blank\">die Fortsetzung<\/a> und auch bereits das Ende eines Kriminalromans, \u00fcber dessen Einleitung ich nicht hinaus gekommen bin. Dies St\u00fcck Weltliteratur stammt aus meiner &#8218;wei\u00dfen Phase&#8216; etwa im M\u00e4rz 1993, also vor inzwischen vielen Jahren, als ich auch noch in Hamburg hauste und mir diese Stadt als Kulisse dieses gerade zu kafkaesken Romanfrakments diente. Am Ende verliert sich dieser poetische Erguss in einigen Randnotizen, die ich gut ein Jahr sp\u00e4ter (welche Hoffnung war in mir, diesen Roman vielleicht doch noch zu Ende zu schreiben) verfasste und die vielleicht <del>Ausfluss<\/del> Aufschluss (welcher &#8218;Freud&#8216; reitet mich hier) bieten, wie alles h\u00e4tte enden sollen. Genug &#8211; viel Spa\u00df auch hier beim Lesen:<\/em><\/p>\n<p>Ahooga Nonsen hei\u00dft eigentlich nicht Ahooga. Wie er zu diesem Namen kam, wei\u00df er wohl selbst nicht mehr genau. Ahooga klingt wie ein Ausruf &#8211; von Tarzan, der von Liane zu Liane springt, k\u00f6nnte dieses Ahooga stammen. Aber Ahooga Nonsen wei\u00df es besser: Tarzan schreit: Ahaha! Wie Ahooga wirklich hei\u00dft, verr\u00e4t er nicht. In seinem ureigenem Personalausweis k\u00f6nnte man seinen tats\u00e4chlichen Vornamen finden oder in seinem F\u00fchrerschein. Aber beides hat er vor einiger Zeit eingeb\u00fc\u00dft, als er als zweiter Sieger aus einer tatkr\u00e4ftigen Auseinandersetzung hervorging mit blutendem Maul, zerrissenen Hosen und fehlender Brieftasche, in der noch die drei Hunderter steckten, die ihn zuvor ein Klient f\u00fcr verauslagte Kosten gegeben hatte &#8211; und seine Papiere. Das gigantische Schl\u00fcsselbund war ihm aber erhalten geblieben. Und obwohl sich in diesen kalten Wintertagen kein neuer Auftrag auftat, sa\u00df er lieber in seinem warmen B\u00fcro, als von Beh\u00f6rde zu Beh\u00f6rde zu rennen, den Verlust seiner Papiere zu melden und neue zu beantragen. Ahooga Nonsen hei\u00dft Ahooga Nonsen, wenn er im Dienst ist, wie er es nennt, wenn er im B\u00fcro sitzt. Sobald er aber sein B\u00fcro verl\u00e4\u00dft, nimmt er andere Namen an. Als Privatdetektiv mu\u00df man Vorsorge treffen. So hat er ein Arsenal an Visitenkarten, hat sich auch beizeiten gef\u00e4lschte Papiere besorgt, um bei entsprechenden Eventualit\u00e4ten versorgt zu sein. Als er in die Schl\u00e4gerei geriet, da war er au\u00dfer Dienst, wollte sich lediglich seine Zutaten f\u00fcr sein Abendessen besorgen und hatte seine Originalpapiere bei sich. Manchmal ist es wie verhext. Da benimmt man sich wie ein Amateur, l\u00e4\u00dft sich die Nase polieren, strauchelt und am Ende verliert man gewisserma\u00dfen seine wahre Identit\u00e4t. (01.03.94)<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;<br \/>\nAhooga Nonsen f\u00fcr einen Privatdetektiven halten, darauf w\u00fcrden auf Anhieb nur die wenigsten kommen, wenn \u00fcberhaupt einer. Nicht das er schmal und schm\u00e4chtig, zart oder gar schw\u00e4chlich gebaut ist. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ahooga ist klein und breit. Fast quadratisch. Und wenn er durch die Stra\u00dfen geht, die Kneipen der Stadt abklappert in seinem verschlissenen Mantel und der dazu ziemlich unpassenden Schottenm\u00fctze, dann wirkt sein Gang beh\u00e4big, geradezu schwerf\u00e4llig. Man sollte sich aber nicht t\u00e4uschen lassen. Schon mancheiner hat ihn untersch\u00e4tzt und daf\u00fcr Lehrgeld kassiert. Vielleicht weil er so klein ist &#8211; und in seinem Mantel mit M\u00fctze noch kleiner wirkt -, sind seine starken Arme schneller um die Ecke dank der k\u00fcrzeren Hebel. Wenn er so durch die Kneipen geht, ob auf der Suche nach einem untreu gewordenen Ehegatten oder einem lusts\u00fcchtigen T\u00f6chterlein, mit dem Foto in der Hand, dann k\u00f6nnte man ihn eher f\u00fcr einen Hamburg-Touristen halten, der irgendwo vom Lande kommt und in Hamburg nichts Eiligeres zu finden hat als die Reeperbahn, wenn auch nicht nachts um halb eins. In einigen Kneipen kennt man ihn nat\u00fcrlich schon, besonders in den einschl\u00e4gigen, in denen sich schon einige der Gesuchten auch tats\u00e4chlich aufgabeln lie\u00dfen. Aber selbst dort nimmt man es ihm immer noch nicht so recht ab, da\u00df der ein Schn\u00fcffler ist. Und das ist ihm auch ganz genehm.<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;<br \/>\nDas B\u00fcro ist nicht gerade ein Schmuckk\u00e4stchen. Neben dem Fenster, das in Richtung Norden weist und kaum Licht in das ohnehin kleine Zimmer l\u00e4\u00dft, steht ein gro\u00dfer Aktenschrank, schon altersschwach wie man ihn heute noch h\u00f6chstens in Finanz\u00e4mtern, und dort auch nur noch in staubigen Kellern, findet. Dieser Schrank ist zweigeteilt und durch Roll\u00e4den, die aber an allen Ecken und Kanten haken, verschlie\u00dfbar. Der obere Teil enth\u00e4lt jede Menge Aktenordner; der untere enth\u00e4lt die Zutaten f\u00fcr sein Mittagessen, daneben eine Unmenge an leeren und vollen Bierflaschen. Neben dem Kochtopf mit dem Tauchsieder steht eine Dose mit Tee und eine Tasse, deren Inneres zu leben scheint. Und eine Flasche besten Jamaica-Rums, mit dem Ahooga seinen Tee an kalten Tagen wie diesen zu w\u00fcrzen trachtet. Ahooga ist ein ausgesprochener Teetrinker. Wenn er nicht gerade seine Bierchen zischt. Und mit einen Schu\u00df Rum ist der Tee f\u00fcr ihn das Getr\u00e4nk, f\u00fcr das er jedes andere Getr\u00e4nk dieser Welt stehen l\u00e4\u00dft. Ebenfalls im unteren Teil des Aktenschranks befindet sich weiteres Geschirr, Messer, Gabel und L\u00f6ffel, die ein oder andere ge\u00f6ffnete oder noch verschlossene Dose mit irgendeinem Fertiggericht. Um sich zu waschen oder das Geschirr zu sp\u00fclen, befindet sich zur anderen, der linken Seite des Fensters ein Waschbecken. In diesem Waschbecken w\u00e4scht er oft seine Socken, denn er hat das, was man qualmende F\u00fc\u00dfe nennt. W\u00e4sche, also auch frische Socken, ein Hemd und auch eine von ihm pers\u00f6nlich geb\u00fcgelte Hose, befinden sich im unteren Teil eines ebenfalls antiken Schreibtisches, der mitten im Raum steht. Zwischen Schreibtisch und Fenster steht der Ledersessel mit den Armlehnen, \u00fcber denen er von Zeit zu Zeit seine Beine baumeln l\u00e4\u00dft, wenn er den R\u00fccken zur T\u00fcr gekehrt aus dem Fenster blickt. Links neben der T\u00fcr dem Aktenschrank gegen\u00fcber steht der Garderobenst\u00e4nder mit den Spiddelfingern. Auf der anderen gibt es dann noch eine Sitzm\u00f6glichkeit f\u00fcr Klienten. Wie anders sollte man dieses M\u00f6belst\u00fcck nennen, da\u00df selbst f\u00fcr den Sperrm\u00fcll zu schade ist. Es handelt sich dabei um eine Art von Gestell auf meist vier Beinen. Sollte es einer der Klienten einmal wagen, sich auf diesen Sitz zu setzen, so stellt es sich bestimmt als dreibeinig heraus &#8211; das vierte Bein liegt dann wie der Klient am Boden. Aber auch das hat Vorteile. Der Klient ist gezwungen zu stehen, w\u00e4hrend ihn Ahooga von unten aus seinem Sessel heraus, das Fenster im R\u00fccken, betrachten kann. Klienten, die stehen, halten sich meist kurz und nerven nicht mit langen Vorreden.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.albinz.net\/models\/buero_nonsen.gif\" alt=\"Nonsens B\u00fcro\" \/><\/p>\n<p>Eigentlich schmuddelig ist es nicht in Ahoogas B\u00fcro. Daf\u00fcr ist Ahooga in seinem Sinne ordnungsliebend. Das mu\u00df allerdings n\u00e4her erl\u00e4utert werden. Ahooga hat n\u00e4mlich seine ureigenste Auffassung von Ordnung. Diese entspricht nicht ganz dem Motto: &#8222;Wer Ordnung schafft, ist nur zu faul zum Suchen!&#8220;, kommt dieser aber sehr nahe. Sein Hirn hat \u00c4hnlichkeit mit einem Computer. Er speichert vieles im Kopf, das dem normalen Menschen nicht einfiele zu speichern. So merkt er sich gewisserma\u00dfen seine Unordnung, was im Bezug auf seine Akten hei\u00dfen kann: Die f\u00fcr den Normalmenschen chaotische Unordnung in seinen Aktenordnern ist f\u00fcr Ahooga Nonsen ein selbstgeschaffenes Ordnungssystem. Fragte man ihn, wo z.B. ein bestimmter Artikel aus einer bestimmten Zeitung eines bestimmten Datums zu finden ist, so wird er es auf Anhieb finden, w\u00e4hrend Otto Normalverbraucher, der den gesuchten Artikel mit Sicherheit nach einem allgemeing\u00fcltigen System (je Zeitung ein Ordner und dort nach Datum abgeheftet oder nach Thema usw.) suchen wird, den Artikel wahrscheinlich nie finden wird. Und so ist Ahooga Nonsen in allen Dingen. Ben\u00f6tigen wir z.B. ein bestimmtes Paar Socken, so werden wir diese in einer Schublade suchen, in der alle Socken, die wir haben (bis auf die, die wir tragen bzw. die sich in der W\u00e4sche befinden), befinden. Ahooga Nonsen wird die ben\u00f6tigten Socken allerdings &#8211; und das schneller als wir in der Sockenschublade &#8211; irgendwo in einem Haufen zwischen Hemden und Hosen finden. (02.03.94)<\/p>\n<p>Antik w\u00e4re aber auch nicht das richtige Wort.<\/p>\n<p>(01.03.94)<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p><em>[Verh\u00e4ltnis zu Frauen eher gest\u00f6rt &#8211; er hatte eine Liebhaberin, ein eher \u00e4ltliches Fr\u00e4ulein, das ihm aber die Liebhaberei aufgek\u00fcndigt hat, weil es mit seinem Lebenswandel und seiner Arbeit &#8222;nicht klarkam&#8220;. Irgendwie schwebte ihr ein im deutschen Sinne &#8222;gem\u00fctliches&#8220; Eheleben vor &#8211; der Mann als arbeitsamer Arbeitnehmer, der morgens sich, von der Ehefrau verk\u00f6stigt, zu seinem B\u00fcro aufmacht, um abends zu gewohnter Stunde heimzukehren zu Herd und Frauchen &#8230; &#8211; Jetzt l\u00e4\u00dft er sich sein ohnehin eher sporadisch aufflammendes Liebesbed\u00fcrfnis von den handgreiflichen Fesselungsk\u00fcnsten einer Prostituierten befriedigen.]<\/em><\/p>\n<p><em>[Ahooga ha\u00dft Gewalt. So tr\u00e4gt er keine Waffe bei sich, weder Pistole, noch Messer, noch sonstiges Schlag-, Stich- oder Schie\u00dfinstrumentarium. Ahooga leicht gr\u00fcn angehaucht &#8230;] (24.03.94) [&#8230; h\u00f6chstens einen Zahnstocher, den er immer bei sich tr\u00e4gt, um eventuelle Reste der Imbi\u00dfnahrung (Frikadellen, Currywurst u.\u00e4.) zwischen den Z\u00e4hnen hervorzuholen. Dieser diente ihm allerdings einmal als Waffe, als er &#8211; wie so oft &#8211; unversehends in eine Keilerei geriet. Viel hatte ihm der Zahnstocher aber nicht geholfen &#8230; Er brach unvermittelt ab &#8230;] 04.05.94)<\/em><\/p>\n<p><em>[Was er ha\u00dft, Zeit zu verschwenden. F\u00fcr was er sich liebensgern Zeit l\u00e4\u00dft, ist zu schlafen&#8230;] (24.03.94) [Der Schlaf als &#8222;kleiner Bruder des Todes&#8220; &#8230; Dabei ist Ahooga nicht todessehns\u00fcchtig &#8211; nur, so meint er wenigstens, macht ihm der Tod, d.h. der eigene Tod, nichts aus. Wie sollte er auch &#8211; wenn es tot ist, so ist er tot. Und im Leben Furcht vor dem Tode zu haben, h\u00e4lt er f\u00fcr absurd. Anders ist es mit Schmerzen! Sollte sein Tod mit gro\u00dfen Schmerzen verbunden sein, so w\u00fcnscht er sich nat\u00fcrlich einen leichten Tod. Notfalls w\u00fcrde er auf Sterbehilfe zur\u00fcckgreifen. &#8211; Solche Gedanken macht er sich, wenn er kurz vor dem Schlafen dahind\u00f6st. &#8230;] (4.5.94)<\/em><\/p>\n<p><em>Der Hund als Widersacher -> <strong>Chiquisnaque<\/strong> (vergl. Cervantes &#8211; &#8222;Rinconete und Cortadillo&#8220;)<\/em><\/p>\n<p><em>Der Typ, der Kafka liest und zitiert (aber in anderen Sprachen &#8211; z.B. Isl\u00e4ndisch) (1.8.94)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier nun die Fortsetzung und auch bereits das Ende eines Kriminalromans, \u00fcber dessen Einleitung ich nicht hinaus gekommen bin. 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