{"id":7646,"date":"2013-09-08T07:01:49","date_gmt":"2013-09-08T06:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=7646"},"modified":"2013-09-06T08:41:07","modified_gmt":"2013-09-06T07:41:07","slug":"heute-ruhetag-40-umberto-eco-%e2%80%93-der-name-der-rose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=7646","title":{"rendered":"Heute Ruhetag (40): Umberto Eco \u2013 Der Name der Rose"},"content":{"rendered":"<ul><em>Rosa que al prado, encarnada,<br \/>\nte ostentas presunt\u00fcosa<br \/>\nDe grana y carm\u00edn ba\u00f1ada:<br \/>\ncampa lozana y gustosa;<br \/>\npero no, que siendo hermosa<br \/>\ntambi\u00e9n ser\u00e1s desdichada.<\/em><\/ul>\n<ul>Sor Juana in\u00e9s de la Cruz<\/ul>\n<ul><em>Rose, die rot auf dem Anger<br \/>\nStolz du dich spreizest<br \/>\nGebadet in Purpur und Karmesin:<br \/>\nPrunke \u00fcppig und duftend.<br \/>\nDoch nein, denn sch\u00f6n seiend<br \/>\nWirst du bald ungl\u00fccklich sein.<\/em><\/ul>\n<ul><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Juana_In%C3%A9s_de_la_Cruz\" target=\"_blank\">Sor Juana in\u00e9s de la Cruz<\/a><br \/>\n(mexikanische Lyrikerin, 1651-1695)<\/ul>\n<p>Umberto Eco ist gewisserma\u00dfen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Steven_Spielberg\" target=\"_blank\">Steven Spielberg<\/a> der Literatur. Spielberg verwirklicht seine Kindheitstr\u00e4ume, in dem er Filme dreht, in denen er Abenteuer (z.B. mit Indiana Jones) darstellt, wie sie Kinder gern erleben w\u00fcrden. Eco hegt Interesse f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Medi%C3%A4vistik\" target=\"_blank\">Medi\u00e4vistik<\/a>, der Wissenschaft von europ\u00e4ischen Mittelalter. Und so schreibt er als Kenner Romane, die das Mittelalter wachrufen.<\/p>\n<p>In der Nachschrift zum >Namen der Rose< (dtv 10552 - Deutscher Taschenbuch Verlag, April 1986) schreibt er ganz unverbl\u00fcmt: <em>\u201e&#8230; die Gegenwart kenne ich nur aus dem Fernsehen, \u00fcber das Mittelalter habe ich Kenntnis aus erster Hand.\u201c<\/em> (S. 22)<\/p>\n<p>Mit seinem Roman <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/search?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;index=books&#038;keywords=Umberto%20eco%20name%20der%20Rose&#038;linkCode=ur2&#038;tag=familiealbin-21\"><strong>Der Name der Rose<\/strong><\/a><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=ur2&#038;o=3\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> wurde Umberto auch bei uns bekannt, ein Roman, der das Mittelalter mit seinen K\u00e4mpfen zwischen Kaiser und Papst zum Leben erweckt, der gleichzeitig ein Kriminalroman ist \u2013 und uns an den geistigen und geistlichen Auseinandersetzungen einer Zeit vor ann\u00e4hernd 700 Jahren teilhaben l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>\u201eBegonnen habe ich im M\u00e4rz 1978, getrieben von einer vagen Idee: Ich hatte den Drang, einen M\u00f6nch zu vergiften. Ich glaube Romane entstehen aus solchen Ideenkeimen, der Rest ist Fruchtfleisch, das man nach und nach ansetzt.\u201c<\/em> (S. 21 der Nachschrift)<\/p>\n<p>Gestern (<a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7642\" target=\"_blank\">Die Bibliothek als Labyrinth<\/a>) bin ich schon einmal ziemlich tief in diesen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Name_der_Rose\" target=\"_blank\">Roman<\/a> eingetaucht. Heute nun (bevor ich etwas n\u00e4her auf den Roman insgesamt eingehen werde) m\u00f6chte ich erst einmal zum Lesen dieses ungew\u00f6hnlichen Romans einladen, der vor rund 20 Jahren die Bestseller-Listen st\u00fcrmte, ich f\u00fcrchte, aber nur von den Wenigsten wirklich zu Ende gelesen wurde.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/ruhetag.jpg\" alt=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" title=\"Heute Ruhetag = Lesetag!\" \/><\/p>\n<p><em>Am 16. August 1968 fiel mir ein Buch aus der Feder eines gewissen Abbe Vallet in die H\u00e4nde: Le manuscript de Dom Adson de Melk, traduit en frangais d&#8217;apr\u00e8s l&#8217;\u00e9dition de Dom J. Mabillon (Aux Presses de l&#8217;Abbaye de la Source, Paris 1842). Das Buch, versehen mit ein paar historischen Angaben, die in Wahrheit recht d\u00fcrftig waren, pr\u00e4sentierte sich als die getreue Wiedergabe einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die der gro\u00dfe Gelehrte des 17. Jahrhunderts, dem wir so vieles f\u00fcr die Geschichte des Benediktinerordens verdanken, angeblich seinerseits im Kloster Melk gefunden hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>Der kostbare Fund &#8211; meiner, also der dritte in zeitlicher Folge &#8211; heiterte meine Stimmung auf, w\u00e4hrend ich in Prag die Ankunft einer mir teuren Person erwartete. Sechs Tage sp\u00e4ter besetzten sowjetische Truppen die gebeutelte Stadt. Ich konnte gl\u00fccklich die \u00f6sterreichische Grenze bei Linz erreichen, begab mich von dort aus weiter nach Wien, wo ich mit der langersehnten Person zusammentraf, und gemeinsam machten wir uns, aufw\u00e4rts dem Lauf der Donau folgend, auf die R\u00fcckreise.<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/umberto_eco_der_name_der_rose_moench.jpg\" alt=\"Umberto Eco als William von Baskerville\" title=\"Umberto Eco als William von Baskerville\" \/><\/ul>\n<p><em>Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Das selbige war im Anfang bei Gott, und so w\u00e4re es Aufgabe eines jeden gl\u00e4ubigen M\u00f6nches, t\u00e4glich das einzige eherne Faktum zu wiederholen, dessen unumst\u00f6\u00dfliche Wahrheit feststeht. Doch<\/em> videmus nunc per speculum in aenigmate [Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem R\u00e4tsel; Paulus: 1. Kor. 13,12], <em>die Wahrheit verbirgt sich im R\u00e4tsel, bevor sie sich uns von Angesicht zu Angesicht offenbart, und nur f\u00fcr kurze Augenblicke (oh, wie so schwer zu fassende!) tritt sie hervor im Irrtum der Welt, weshalb wir ihre getreulichen Zeichen entziffern m\u00fcssen, auch wo sie uns dunkel erscheinen und gleichsam durchwoben von einem g\u00e4nzlich aufs B\u00f6se gerichteten Willen.<\/em><\/p>\n<p><em>Dem Ende meines s\u00fcndigen Lebens nahe, ergraut wie die Welt und in der Erwartung, mich bald zu verlieren im endlosen formlosen Abgrund der stillen w\u00fcsten Gottheit, teilhabend schon am immerw\u00e4hrenden Licht der himmlischen Klarheit, zur\u00fcckgehalten nur noch von meinem schweren und siechen K\u00f6rper in dieser Zelle meines geliebten Klosters zu Melk, hebe ich nunmehr an, diesem Pergament die denkw\u00fcrdigen und entsetzlichen Ereignisse anzuvertrauen, deren Zeuge zu werden mir in meiner Jugend einst widerfuhr. Verbatim<\/em> [w\u00f6rtlich] <em>will ich berichten, was ich damals sah und vernahm, ohne mich zu erk\u00fchnen, daraus einen h\u00f6heren Plan abzuleiten, vielmehr gleichsam nur Zeichen von Zeichen weitergebend an jene, die nach mir kommen werden (so ihnen der Antichrist nicht zuvorkommt), auf da\u00df es ihnen gelingen m\u00f6ge, sie zu entziffern.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Herr gew\u00e4hre es mir in seiner Gnade, ein klares Bild der Ereignisse zu entwerfen, die sich zugetragen in jener Abtei, deren Lage, ja selbst deren Namen ich lieber verschweigen m\u00f6chte aus Gr\u00fcnden der Piet\u00e4t. Es geschah, als das Jahr des Herrn 1327 sich neigte &#8211; dasselbe, in welchem der Kaiser Ludwig gen Italien zog, um die W\u00fcrde des Heiligen R\u00f6mischen Reiches wiederherzustellen gem\u00e4\u00df den Pl\u00e4nen des Allerh\u00f6chsten und zur Verwirrung des ruchlosen, ketzerischen und simonistischen<\/em> [nach dem Zauberer Simon, Apostelgeschichte 8,9 ff. \u2013 Kauf, Verkauf von geistlichen \u00c4mtern] <em>Usurpators, der damals in Avignon Schande \u00fcber den heiligen Namen des Apostolischen Stuhles brachte (ich spreche von der s\u00fcndhaften Seele jenes Jakob von Cahors, den die Gottlosen als Papst Johannes XXII. verehrten).<\/em><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Umberto_Eco\" target=\"_blank\"><strong>Umberto Eco<\/strong><\/a>: <a href=\"http:\/\/221.181.191.140\/dzts\/book\/book76\/2009893683074.pdf\" target=\"_blank\">Der Name der Rose (als PDF)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rosa que al prado, encarnada, te ostentas presunt\u00fcosa De grana y carm\u00edn ba\u00f1ada: campa lozana y gustosa; pero no, que siendo hermosa tambi\u00e9n ser\u00e1s desdichada. Sor Juana in\u00e9s de la Cruz Rose, die rot auf dem Anger Stolz du dich spreizest Gebadet in Purpur und Karmesin: Prunke \u00fcppig und duftend. Doch nein, denn sch\u00f6n seiend &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=7646\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Heute Ruhetag (40): Umberto Eco \u2013 Der Name der Rose<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}